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Naturphänomene Kurioses und Rekorde aus der Tier- und Pflanzenwelt, atmosphärische und andere Naturschauspiele, verändertes Verhalten von Tieren ...

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Alt 08.04.2004, 09:59   #1
Desert Rose
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Standard MYSTERIÖSES PHÄNOMEN: Giftwolken treiben Fische in den Selbstmord

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MYSTERIÖSES PHÄNOMEN

Giftwolken treiben Fische in den Selbstmord

An der Küste Namibias spielt sich regelmäßig ein tödliches Drama ab. Millionen Fische schwimmen an Land und türmen sich zu kilometerlangen Kadaverbergen auf. Riesige Giftwolken, deren plötzliches Auftauchen ein Rätsel ist, treiben die Fische aus dem Meer.


Tote Meerestiere am Strand von Namibia: Massentod an der Skelettküste (MPI-Bremen)

Wo Namibia endet und der Atlantik beginnt, ist nur selten etwas Lebendiges anzutreffen. Die Namib-Wüste erstreckt sich bis zu hundert Kilometer ins Innere des südafrikanischen Landes. "Skelettküste" wird der Streifen karger Erde genannt - wegen der vielen Schiffbrüchigen, die sich in den vergangenen Jahrhunderten von ihren untergehenden Schiffen retten konnten und dann in der Wüste starben.

Alle paar Jahre macht der Strand auf andere Weise seinem Namen Ehre: Millionen von Fischen schwimmen in Panik ins flache Wasser und schichten sich zu Kadaverhügeln auf, die bis zu einem halben Meter hoch und viele Kilometer lang werden. Gewaltige Wolken aus giftigen Gasen treiben die Meerestiere regelmäßig in ihr qualvolles Ende. Zwar können viele erwachsene Fische auf dem offenen Meer diesem Schicksal entrinnen, ihre Eier und Larven aber sind unrettbar verloren.

Gefahr für Fisch-Nachwuchs

Wissenschaftler des Instituts für Ostseeforschung in Rostock-Warnemünde (IOW) und des Max-Planck-Institutes für marine Mikrobiologie in Bremen versuchen derzeit, die Hintergründe des Massentods zu klären. "Das 200.000 Quadratkilometer große Seegebiet vor Namibia zählt zu den vier wichtigsten Fischgründen der Erde", sagt Hans Ulrich Lass, Experte für physikalische Ozeanographie am IOW. Die vor allem im Sommer vorkommenden Gasausbrüche seien eine große Gefahr für den Nachwuchs von Sardinen, Sardellen, Seehechten und Makrelen.

Satelittenaufnahme der Gaswolke

Die Hauptquelle der Wolken aus Methan, Kohlendioxid und Schwefelwasserstoff ist den Forschern weitgehend bekannt: Kieselalgen sinken zu Boden und bilden mehrere Meter starke Schichten, auf denen sich Bakterien in zentimeterdicken Matten ansammeln. Sie produzieren aus der organischen Materie die toxischen Gase.

"Die Bakterien fressen den Schwefelwasserstoff normalerweise aus dem Sediment", erklärt Lass im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Das Wohlergehen der dicken Mikroben, die laut Lass mit bloßem Auge zu sehen sind, hängt aber entscheidend vom Sauerstoffgehalt des Wassers ab. "Ist zu wenig Sauerstoff da, weichen die Bakterien auf Nitrat und danach auf Sulfat aus. Bei der Umwandlung von Sulfat wird Schwefelwasserstoff frei."

Unklar ist dagegen der Grund für die ebenso plötzlichen wie gewaltigen Ausbrüche der Giftstoffe. Bisherige Theorien lassen nach Angaben der Warnemünder Wissenschaftler vermuten, dass die Ursache ein kompliziertes Zusammenspiel von Luft- und Meeresströmungen sowie untermeerischen Süßwasser-Zuflüssen ist.

150 Kilometer lange Giftwolke

Auf der ersten Expedition mit dem Forschungsschiff "Alexander von Humboldt" ist es den Warnemündern im Januar gelungen, eine solche Wolke zu beobachten. "Sie war etwa 150 Kilometer lang und mehrere zehn Kilometer breit", sagt Lass. Die Wolke gab den Forschern einen wichtigen Hinweis für ihre Hypothese: "Bislang galt die Annahme, dass der Schwefelwasserstoff ausschließlich im Sediment am Meeresboden entsteht. Wir glauben jedoch, dass er auch im Wasser gebildet wird."

Der Schlüssel zum Beweis dieser These sind die Dicke der Giftwolken sowie unterschiedliche Bakterienarten: "Unsere Wolke war mehrere zehn Meter dick, was darauf schließen lässt, dass sie von Bakterien gebildet wurde, die im Wasser schweben und auch in anderen Meeren zu finden sind." Bis Mai wird das deutsche Forschungsschiff in den Gewässern vor Namibia seine Forschungsfahrt fortsetzen.

Falls sich die bisherigen Erkenntnisse bestätigen sollten, könnten sich nach Ansicht von Jürgen Alheit, Fischereibiologe am IOW, wichtige Hinweise für die Fischereipolitik ergeben. "Wenn eine sichere Vorhersage der Giftwolken möglich wäre, könnten vorher die Fische noch im großen Stil gefangen werden, da sie ohnehin sterben würden. Anschließend könnten Schutzmaßnahmen verhängt werden, damit sich die dezimierten Bestände wieder erholen."

Bislang seien jedoch keine exakten Daten vorhanden, um die mächtige Fischereibranche überzeugen zu können. "Bestandsschwankungen in diesem Gebiet können wir über die vergangenen 3000 Jahre nachweisen", sagt Alheit. "Ob der starke Rückgang der vergangenen 20 Jahre in Zusammenhang mit dem Schwefelwasserstoff oder menschlichen Einflüssen steht, ist bislang reine Spekulation."

Ehe die Gasausbrüche vorhergesagt werden können, muss jedoch deren genaue Entstehung zunächst lückenlos geklärt werden, betont Lass. "Sollte sich unsere Annahme bestätigen, dass sich das Gas auch durch im Wasser schwebende Bakterien bildet, wäre eine Vorhersage anhand der Satellitendaten über Windverhältnisse denkbar." Denn Meeresströmungen und chemische Prozesse im Ozean hinkten den Windverhältnissen stets einige Tage bis zu zwei Wochen hinterher - genug Zeit für Fischer, mit ihren Netzen den Giftwolken zuvorzukommen und im Gegenzug andere Fanggründe zu schonen.

Markus Becker

© SPIEGEL ONLINE 2004
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