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Alt 20.06.2014, 16:09   #1
basti_79
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Standard Antibiotikaresistente Bakterien

Es dürfte wohl inzwischen zum Allgemeinwissen zählen, dass immer mehr Bakterien, die Krankheiten erzeugen können, gegen Antibiotika resistent sind. Antibiotika sind sozusagen Wundermittel - Substanzen, die nur für Bakterien giftig sind, für Säugetiere aber harmlos. Das führte dazu, dass die Medizin neue Wege gehen konnte. Tuberkulose galt einmal als sicheres Todesurteil, inzwischen gilt die Krankheit als behandelbar. Manche Operationen wären ohne wirksame Antibiotika wohl nicht einmal denkbar.

Bakterien, die zufällig gegen ein Antibiotikum "resistent" sind, haben überlebt. Im Einzelfall war das nicht schlimm - einige "wenige" Bakterien kann ein menschlicher Körper abwehren. Einige resistente Bakterien sind aber in die Welt gelangt und hatten von da an einen Überlebensvorteil. Den Wirt Mensch konnten sie und deren Nachkommen besiedeln, und die Menschen hatten keine Möglichkeit mehr, sie zu vernichten. Per Evolution hat sich dieses Problem nun ausgeweitet. Mittlerweile gibt es sehr viele Bakterien, die gegen die gängigsten Antibiotika resistent sind. Penicillin gilt zum Beispiel als wirkungslos. Nur einige wenige Wirkstoffe stehen noch zur Verfügung, die zuverlässig helfen, und es ist absehbar, dass auch diese verloren gehen werden.

Neben dem inzwischen als günstig erscheinenden Ansatz der "Phagentherapie", bei dem Viren, die Bakterien befallen, verwendet werden, um Krankheiten zu behandeln (!) gibt es aber auch noch die Hoffnung, dass man die Resistenz irgendwie ausschalten könnte. Da es unterschiedliche Wege gibt, solch eine Resistenz überhaupt aufzubauen, wird es keine Lösung für alle Probleme geben, aber einen bestimmten Fall hat man jetzt gelöst.

Ohne Antibiotika würden Krankheiten, die beseitigt schienen, eine große Rolle im Leben der Menschen spielen. Cholera, Wundbrand, Tuberkulose, Typhus würden Todesursachen. Hygieniker würde zum hoch angesehenen Beruf werden. Auch wenn man mit gutem Grund auf zweiteres hinarbeitet - In den Niederlanden wird mit wohl großem Erfolg versucht, das Problem mit verbesserter Hygiene anzugehen - ersteres zu wünschen, liegt mir fern.

http://www.telegraph.co.uk/news/1090...-bacteria.html
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Alt 21.06.2014, 06:45   #2
Sakslane
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Ich schätze, die Bedeutung von Telefondesinfizierern (und nicht nur denen) wird in Zukunft stark zunehmen. Den niederländischen Ansatz finde ich durchaus positiv, dort werden weitaus weniger Antibiotika verabreicht und benötigt als in Deutschland.
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Alt 21.06.2014, 09:18   #3
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Es dürfte wohl inzwischen zum Allgemeinwissen zählen, dass immer mehr Bakterien, die Krankheiten erzeugen können,....
Unter Fachleuten besteht seit Jahrzehnten die Überzeugung, daß der antibakterielle Wahn eher schädlich ist. Aber eine Industrie lebt davon.

Hygiene mit Wasser und Seife ist meist ausreichend. Mittelchen, wie Sagrotan, eher schlicht unwirksam oder kontraproduktiv, weil sie die resistenten Bakterien heranzüchten.

Man muß diesen zwanghaften Gestalten entschieden entgegentreten, die alles mit vorgeblich antiseptischen Tüchlein und Flüssigkeiten abwischen wollen (vgl. Monk). Meist genügt ein trockenes Tuch.

Ich frage mich auch, was man sich mit den sogenannten Luftverbesserern einhandelt, die teilweis elektrisch irgendwelche Dämpfe versprühen, Sofas duftig machen (ohne Dreck und Milben zu erntfernen) und sogar stinkige Autos retten.
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Alt 21.06.2014, 13:33   #4
Acolina
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Unter Fachleuten besteht seit Jahrzehnten die Überzeugung, daß der antibakterielle Wahn eher schädlich ist. Aber eine Industrie lebt davon.
Das trifft auf den Alltag und gesunde Menschen ganz sicher zu. Da braucht es keine Desinfizierung, da reicht die ganz normale Alltagshygiene mit Wasser und Seife und öfter mal Händewaschen völlig und mehr ist meist kontraproduktiv (mal von Hühnchen auftauen & Co abgesehen )

Das trifft aber auf Krankenhäuser keinesfalls zu. Hier gibt es Menschen mit offenen Wunden, z.T. sehr geschwächter Abwehr und bereits infizierte Menschen, Da ist konsequente, sehr starke Hygiene das A und O und entscheidet nicht selten über Leben und Tod.
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 21.06.2014, 15:26   #5
basti_79
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Es gab da mal so eine Studie, nach der eine Hygiene-Checkliste bei Operationen das Risiko von Komplikationen auf einen Bruchteil reduziert. Das heißt dann im Umkehrschluß, dass gerne mal die eine oder andere an sich sinnvolle Maßnahme vergessen wird. Es zeigt auch, dass Menschen sehr schlecht darin sind, Risiken richtig zu bewerten.
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