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Astronomie Hier geht's nicht nur um Astronomie im klassischen Sinne, sondern auch um all die Mythen, Geschichten und Prophezeiungen, die sich rund um Sterne, Kometen und andere Himmelskörper ranken.

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Alt 19.03.2010, 18:32   #1
Chronometer
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//edit: Dieser und ein Teil der folgenden Beiträge wurden aus diesem Thread hierüber kopiert. (Siehe auch hier.)




Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Na, das belege bzw. rechne uns doch mal vor. Wenn meine Finger nicht reichen sollten das nachzuvollziehen, besorge ich mir auch extra so'n Teil mit so vielen bunten Kugeln! Hau rein!
Eine derart charmante Einladung kann ich natürlich nicht ausschlagen! Dann wollen wir mal einen Blick auf die verfügbaren Informationen werfen:

- Die synoptischen Evangelien berichten, dass am Abend des Tages der Kreuzigung der Sabbat begann. Tags davor wurde mit dem Abendmahl der Beginn des Pessachfestes begangen.

- Dem Evangelisten Johannes zufolge, fand das Abendmal etwa zwei Tage vor Pessach statt.

- Von Theophil von Cäsarea ist die Aussage überliefert, Jesus sei am 22. März seinen Feinden ausgeliefert worden.

- Dem um 200 entstandenen babylonischen Talmud zufolge, sei Jesus am Vorabend des Pessach hingerichtet worden.

Das passt irgendwie nicht zusammen. Kann man die Berichte also in die Tonne kloppen?

Nur nix übereilen! Da auch alle anderen astronomischen Überprüfungen stets 300 Jahre später mit den Berichten übereinstimmen, versuchen wir das auch hier:
Auf den ersten Blick ist das Ergebnis enttäuschend; denn der 22. März 330 u.Z. war ein Sonntag. Immerhin fällt auf, dass die drei späteren Berichte um jeweils zwei Tage von den frühen abweichen.

Wie konnten die Griechen Johannes und Theophil und der Autor des Talmud das weit zurück liegende Datum bestimmen? Pessach beginnt stets am 14. Nisan des jüdischen Kalenders. An diesem Tag ist Vollmond. Man brauchte also nur den Tag des Frühlingsvollmonds des Jahres der Passion zu ermitteln - aus alten Aufzeichnungen oder durch Rückrechnung.

Nun stimmt die Gleichsetzung 14. Nisan = Vollmond zwar meistens, aber nicht immer. Der Neujahrstag Rosch ha-Schana des jüdischen Kalenders beginnt
nach dem Neumond am 29. Tag des Monats Elul im Herbst. Die folgenden Monate sind abwechselnd 30 und 29 Tage lang.

Wann war im Herbst 329 u.Z. Neumond? Wie die Rückrechnung zeigt (zB mit www.fourmilab.ch/cgi-bin/uncgi/Yoursky), am 9. September. Da dies ein sog. 'Normaljahr' war, fiel der 14. Nisan und damit der Beginn von Passa auf Donnerstag Abend am 19. März! Das Fest begann in jenem Jahr also ausnahmsweise etwas mehr als einen Tag vor dem astronomischen Vollmond!

Wenn Johannes sich auf den Vollmond am Sonnabend als Pessachbeginn bezog, dann musste für ihn das Abendmahl am Donnerstag zwei Tage davor liegen.
Für Theophil war der Tag nach Vollmond der 22. Für den Talmud war die Hinrichtung einen Tag vor dem Vollmond.
q.e.d.


Als Nächstes können wir uns dann ja der Frage zuwenden, warum im Jahre 295 u.Z. ein 'Stern' über Bethlehem vor den drei Königen still stand...

Geändert von Acolina (21.03.2010 um 17:26 Uhr). Grund: Beiträge aus einem anderen Thread hierher kopiert
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Alt 19.03.2010, 22:50   #2
Acolina
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Puh, mal langsam mit die junge Pferde - du weißt ja, ich kann nicht rechnen und bin auch sonst ziemlich beschränkt Ich bin zwar nicht blond, aber immerhin nur ein Weib Also, ich muss das Schritt für Schritt machen, für Dumme ...

Erst mal grundlegend zum jüdischen Kalender:

Das hebräische Jahr wird in 12 Monate mit abwechselnd jeweils 29 und 30 Tagen (statt bei uns 30 und 31) eingeteilt.

Nisan (fällt ca. in Mitte März bis Mitte April), der Monat um den es hier geht, in den Pessach fällt, hat 30 Tage, es folgen Ijjar (29), Siwan (30), Tammus (29), Aw (30), Elul (29), Tischri (30), Cheschwan (29 statt 30 in übermäßigen Jahren), Kislew (30 statt 29 in verminderten Jahren), Tevet (29), Schewat (30).

Rosch ha-Schana (Neujahr) ist am 1. Tischri.

Die Monate des jüdischen Kalenders sind synodische, also der Zeitraum zwischen zwei aufeinander folgenden gleichen Mondphasen. So ein synodischer Monat beginnt mit dem Erscheinen des ersten Mondlichts (sichtbar werden der ersten Mondsichel nach Neumond), dem Neulicht (Moled) und dauert zwischen (auf 2 Stellen abgerundet) 29,27 und 29,83 Tagen (von Oktober bis April sind die Lunationen etwas länger als im anderen Halbjahr).

Wenn also das Ende des Monats Neumond ist, ist Mitte des Monats Vollmond, also um den 14 eines jeden Monats, nicht unbedingt immer genau am 14., wie du richtig festgestellt hast.

Der Tag beginnt im jüdischen Kalender mit Sonnenuntergang (da wir in Israel näher am Äquator sind, variiert der Sonnenuntergang nicht so stark wie bei uns), im Nisan fällt der Sonnenuntergang ca. auf 18:00 Uhr. Unterteilt wird der Tag wie bei uns auch in 24 Stunden (Sha'a), die jedoch nicht in 60 Minuten sondern in 1080 Teile (Halakim) unterteilt sind, womit ein Teil (Helek) ca. 3 1/3 Sekunden und damit der kürzesten babylonischen Zeiteinheit Digiti entspricht.

Das von dir angesprochene Neujahr ist allerdings so eine Sache, da gibt es diverse Sonderregeln und damit Verschiebungen, die alle paar Jahre/Jahrzehnte eintreffen, ich verweise da als ersten Anhaltspunkt mal auf Wikipedia. Als Folge dieser Sonderregeln ist ein jüdisches Jahr zwischen 353 und 385 Tage lang.

Pessach beginnt am 14. Abend des Nisan (also gegen 18.00 / Sonnenuntergang / Beginn des 15. Nisan) mit dem Sederabend.

So, damit haben wir erst mal die Grundlagen soweit.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
- Die synoptischen Evangelien berichten, dass am Abend des Tages der Kreuzigung der Sabbat begann. Tags davor wurde mit dem Abendmahl der Beginn des Pessachfestes begangen.
Dann fand die Kreuzigung an einem Freitag statt, Freitagabend gegen 18:00 begann der Sabbat. Wenn am Tag davor das Abendmahl gefeiert wurde, war das ein Donnerstag. Wenn dies Abendmahl am Beginn des Pessachfestes statt fand, dann fand es am Abend des 14. Nisan (Beginn des 15. Nisan) statt, also war der Donnerstag der 14. Nisan. Der Tag der Kreuzigung, Freitag, der 15. Nisan.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
- Dem Evangelisten Johannes zufolge, fand das Abendmal etwa zwei Tage vor Pessach statt.
Hm, das wäre dann der 13. Nisan und Mittwoch gewesen. Da haben wir also schon mal einen eindeutigen Widerspruch (egal ob nun im Jahre 30, 300 oder sonstwann), Beginn des Pessach bleibt der Sederabend und der ist nie 2 Tage vor Pessach. (Ich ergänze mal aus der Erinnerung aus dem Johannesevangelium, dass Jesus am 14. Nisan zu der Zeit starb, als man im Tempel die Pessach-Lämmer schlachtete.)

IIRC ist das Abendmahl in der Bibel unterschiedlich datiert, laut 1. Korinther wird es nicht ausdrücklich am Sederabend (also 14. auf den 15. Nisan) sondern auf die Nacht, in der Jesus verraten wurde, datiert.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
- Von Theophil von Cäsarea ist die Aussage überliefert, Jesus sei am 22. März seinen Feinden ausgeliefert worden.
Ausgeliefert wurde er nach dem Abendmahl, das vor oder am 14. Nisan statt fand.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
- Dem um 200 entstandenen babylonischen Talmud zufolge, sei Jesus am Vorabend des Pessach hingerichtet worden.
Hm, also am 14. Nisan. Wieder mal ein Widerspruch. Oder hat da jemand Pessach mit Sabbat verwechselt? Oder fiel der 14. Nisan auf einen Freitag? Dann passt das aber nicht zu deiner ersten Aussage da oben, nach der der 14. Nisan ein Donnerstag war.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Das passt irgendwie nicht zusammen.
Richtig.

Und du bekommst das nun passend? Mal gucken...

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Nur nix übereilen! Da auch alle anderen astronomischen Überprüfungen stets 300 Jahre später mit den Berichten übereinstimmen, versuchen wir das auch hier:
Auf den ersten Blick ist das Ergebnis enttäuschend; denn der 22. März 330 u.Z. war ein Sonntag.
Das war also der Tag der Auslieferung. Also nach dem Abendmahl, das spätestens am Abend des 14. Nisan statt fand.

"Alle anderen astronomischen Überprüfungen"?? Wo hier? Welche?

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Immerhin fällt auf, dass die drei späteren Berichte um jeweils zwei Tage von den frühen abweichen.
Welche "drei späteren Berichte"?

Bericht 1 ("synoptische Evangelien"): Kreuzigung Freitag, 15. Nisan, und Abendmahl Donnerstag, 14. Nisan, Sederabend.

Bericht 2 ("Johannes"): Abendmahl 2 Tage vor Pessach, also am 13. Nisan (nach obiger Rechnung dann Mittwoch).

Bericht 3 ("Theophill"): Auslieferung am 22. März.

Bericht 4 ("Talmud"): Hinrichtung am Vorabend des Pessach, also 14. Nisan.

Nach dem 22. März, dem 3. Bericht von dir da oben, kommt also nur noch einer, der 4. - und wo weicht der jetzt um 2 Tage ab? Und wo sind die anderen "späteren"?

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Wie konnten die Griechen Johannes und Theophil und der Autor des Talmud das weit zurück liegende Datum bestimmen?
Johannes hat wo abgeschrieben? Ja, wie hat er es denn bestimmt? Was? Was muss man da genau wie bestimmen, wenn man sagt "das Abendmahl war 2 Tage" vor Pessach?

Und Theophil? Was hat dessen 22. März nun mit Johannes zu tun? Dass die Auslieferung nach dem Abendmahl statt fand? Ja und?

Kann das sein, dass du hier Garnisonen von Nebelbomben wirfst, in der Hoffnung, keiner steigt da durch bzw. rechnet nach? Bisher reichten noch meine 10 Finger.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Pessach beginnt stets am 14. Nisan des jüdischen Kalenders. An diesem Tag ist Vollmond.
Jein. Um diesen Tag herum oder an diesem Tag ist Vollmond.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Man brauchte also nur den Tag des Frühlingsvollmonds des Jahres der Passion zu ermitteln - aus alten Aufzeichnungen oder durch Rückrechnung.
Nur ist gut

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Nun stimmt die Gleichsetzung 14. Nisan = Vollmond zwar meistens, aber nicht immer. Der Neujahrstag Rosch ha-Schana des jüdischen Kalenders beginnt nach dem Neumond am 29. Tag des Monats Elul im Herbst.
Bumm. Wenn am 14. nicht immer Vollmond ist, ist am 29. auch nicht immer Neumond. Nur mal so ... Ja, Rosch ha-Schana folgt auf den Neumond im Elul. Nur wann danach? Wir erinnern uns, es gibt da Sonderregeln. Als Folge dieser Sonderregeln ist ein jüdisches Jahr zwischen 353 und 385 Tage lang.

Das führt dazu, dass nur etwa 39% aller Jahre (die Zahl habe ich jetzt frech von Wikipedia übernommen, ohne selbst nachzurechnen, die bunten Kugeln kommen erst morgen) tatsächlich am Tage des Neulichtes beginnen, somit sind Ausnahmen beim Jahresbeginn häufiger als die Regel. (Irgendwie erinnere ich mich auch an so etwas wie, dass man fürs christliche Ostern einen eigenen Termin wählte, weil man eben nicht mehr auf jüdische Autoritäten angewiesen sein wollte, die einem sagten, wann Nisan ist, weil eben die Berechnung nicht ohne war, wann denn nun Jahresanfang war usw.)

Damit ist deine restliche Rechnung für die Katz bis du mir belegst, dass das Jahr, in dem Jesus gekreuzigt wurde, garantiert eines der selteneren war, wo Rosch ha-Schana tatsächlich auf den Tag nach Neumond fiel. Mir auch belegst, dass für Rosch ha-Schana 329 keine Sonderregelung zutraf. Usw. usf. - Ja, ich weiß, du schreibst, dass 329 (das jüdische Jahr, das im Herbst 329 beginnt?) ein "Normaljahr" war, nur wie kommst du darauf?

Ich bin gespannt.

Ja, ich weiß, ich hätte mir den ganzen ersten langen Teil sparen können, aber es macht so Spaß. Ich spiele halt auch gern mal mit Zahlen und Wochentagen und überhaupt Versteck

Aber selbst, wenn das jetzt mit deiner Rechnung alles passt und ich da alles missverstehe ... kannst du mir belegen, dass das nur auf das Jahr 329/330 und keines davor zutraf? Und wie oft trifft es danach zu?

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Wann war im Herbst 329 u.Z. Neumond? Wie die Rückrechnung zeigt (zB mit www.fourmilab.ch/cgi-bin/uncgi/Yoursky), am 9. September. Da dies ein sog. 'Normaljahr' war, fiel der 14. Nisan und damit der Beginn von Passa auf Donnerstag Abend am 19. März! Das Fest begann in jenem Jahr also ausnahmsweise etwas mehr als einen Tag vor dem astronomischen Vollmond!
Pessach beginnt am Donnerstag, den 19.3. (14. Nisan) und gekreuzigt wurde er am Freitag den 20.3. und ausgeliefert am 22.3. Super! Alles klar! Junge! Bin ich jetzt so blöd... oder? Ach stimmt, du erzähltest ja was von 2 Tagen.... Aber wir erinnern uns, das war sehr mysteriös, was du da mit den 2 Tagen meintest... Ja, was war nun mit 2 Tagen? Der 22. war der 20.? Weshalb, wieso, warum?

Sind die anderen Berechnungen da auf deiner Website auch so? Ich beginne gerade Blut zu lecken!

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Als Nächstes können wir uns dann ja der Frage zuwenden, warum im Jahre 295 u.Z. ein 'Stern' über Bethlehem vor den drei Königen still stand...
Ja, los! Ich brenne drauf!

Ach, ich sehe schon, ich hab dich vermutlich Null verstanden ... Immerhin kenne ich die Null aber schon.


P.S. Ich habe alle deine Angaben (Theophil, Talmud & Co), da du leider keine Quellen angegeben hast, einfach so mal für korrekt genommen. Ich brauch jetzt erst mal 'n Vino. Sollte das wichtig werden, werden die Angaben selbstverständlich noch mal überprüft, also darfst du Quellen liefern
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
Acolina ist offline  
Alt 20.03.2010, 10:49   #3
Chronometer
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Danke für die ausführliche Abhandlung der Grundlagen. Da kann ich mich etwas kürzer fassen (Weekend). Bei Bedarf bitte nachfragen.

Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Johannes hat wo abgeschrieben? Ja, wie hat er es denn bestimmt? Was? Was muss man da genau wie bestimmen, wenn man sagt "das Abendmahl war 2 Tage" vor Pessach?
Da er offenbar nicht von den Synoptikern (Berichte 1-3) abgeschrieben hat, hat er andere Informationen genutzt (oder phantasiert). Infos zum Mondlauf waren ihm leicher zugänglich als die Kalender-Unterlagen des inzwischen untergegangenen Israel.

Zitat:
Und Theophil? Was hat dessen 22. März nun mit Johannes zu tun? Dass die Auslieferung nach dem Abendmahl statt fand?
Nach dem Abendmahl fand die Festnahme durch die Justiz statt. Die Auslieferung an die 'Rechtgläubigen' erfolgte am nächsten Tag.

Bei dem genannten Theophil handelt es sich um Pseudo-Theophil von Caesarea [†195]. Die Fundstellen in Abbo von Fleurys Briefen zur Komputisitk in A. Cordoliani, Revue d'Histoire Ecclésiastique, 1949.

Zitat:
Bumm. Wenn am 14. nicht immer Vollmond ist, ist am 29. auch nicht immer Neumond.
Stimmt
Zitat:
Rosch ha-Schana folgt auf den Neumond im Elul.
Stimmt auch - aber an diesem Tag wurden Kalender und Mondlauf synchronisiert (Neulicht). Damit war der weitere Ablauf des Jahres (und auch der 14. Nisan) festgelegt.

Zitat:
... kannst du mir belegen, dass das nur auf das Jahr 329/330 und keines davor zutraf? Und wie oft trifft es danach zu?
329/330 u.Z. entspricht dem 'regelmäßigen Gemeinjahr' 4090 des jüdischen Kalenders.
- Vollmond war nicht wie üblich am 14. Nisan.
- Der 14. Nisan war ein Donnerstag.
- Der Tag nach Vollmond war der 22. März
Jahre auf die all das zutrifft sind überaus selten

Zitat:
Pessach beginnt am Donnerstag, den 19.3. (14. Nisan) und gekreuzigt wurde er am Freitag den 20.3. und ausgeliefert am 22.3. Super! Alles klar! Junge! Bin ich jetzt so blöd... oder?
Bevor ich mich an eine Ferndiagnose wage:
Wenn Theophil nur das Datum des Vollmonds kannte und folgerte, dass der Hinrichtungstag einen Tag nach Vollmond lag, dann musste er auf den 22. kommen.
Chronometer ist offline  
Alt 20.03.2010, 12:32   #4
Chronometer
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Zitat:
Zitat von Herz_aus_Stahl Beitrag anzeigen
Für die Astronomen:
die Software eurer Wahl heisst Stellarium und ist frei.
Perfekt! Danke für den Tip! Seit meinem letzen Besuch dort haben die sich um Klassen verbessert!
Für 'quick and dirty' ohne Installation bleibt aber Yoursky völlig ausreichend.


Wählen wir als Standort Babylon (in der Wüste da unten waren bessere Observatorien eher selten) und schauen Mitte April 295 u.Z. am frühen Abend nach Westen: Knapp 5° südlich geht da gerade der Orion unter. Die drei auffälligen Sterne des Orion-Gürtels werden (lt. Wikipedia) seit Alters 'Die Drei Könige' genannt!

Das ist übrigens genau die Richtung, in der von Babylon gesehen Bethlehem liegt (4,3°)!
n.b.: Ohne Karten und GPS sollte man wenigstens die Richtung seines Reiseziels kennen. Die Alten hatten da bemerkenswerte Kenntnisse. 'Beth' heißt übrigens 'Haus'.

Kometen kann Stellarium noch nicht liefern - aber das macht nichts. Die Daten des Kometen Halley gibt es hier: www.khalisi.com/vhskurse/kometen/halley.html
Die Sichtung von 295 u.Z. ist sogar aus China bestätigt.
Halleys Bahn ist gegenläufig zu den Planeten und um 18° geneigt. Die relative Lage von Halley, Erde und Sonne lässt sich leicht aus den Daten von Perihel und Perigäum überschlagen: Halley erreichte seinen größten Abstand von der Sonne, als er vor dem Orion in unmittelbarer Nähe der drei Könige stand! (Wer's nachprüfen will, sollte einen aufgeweckten Gymnasiasten der Mittelstufe um Rat fragen ) Dort schien er still zu stehen!

Sterndeuter, welchen das Werk des Propheten Micha geläufig war, konnten da schon ins Grübeln kommen...

Der so märchenhaft anmutende Bericht des NT erweist sich als geradezu unglaublich präzise!
Chronometer ist offline  
Alt 20.03.2010, 15:29   #5
querdenkerSZ
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Chronometer,
wenn denn der Stern von Betlehem der Halleysche Komet war , es gibt ja noch weitere "Verdächtige " ;
http://de.wikipedia.org/wiki/Stern_v....C3.9Cberblick
querdenkerSZ ist offline  
Alt 20.03.2010, 15:48   #6
Acolina
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Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Danke für die ausführliche Abhandlung der Grundlagen.
Gern geschehen

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Da er offenbar nicht von den Synoptikern (Berichte 1-3) abgeschrieben hat, hat er andere Informationen genutzt (oder phantasiert).
Langsam... Ich versuch das mal aufzudröseln:

Du hast 4 Punkte genannt (Synoptische Evangelien, Johannes, Theophil, Talmud).

Dann sagst du:
Zitat:
Immerhin fällt auf, dass die drei späteren Berichte um jeweils zwei Tage von den frühen abweichen.
Und ich frage:
Zitat:
Welche "drei späteren Berichte"?
Da kam dann leider von dir keine Antwort drauf, aber aus deinem "Synoptiker (Berichte 1-3)" oben schließe ich mal, du meinst mit "die drei späteren Berichte" Johannes, Theophil und Talmud. Wäre schön gewesen, wenn das bereits aus deinem ersten Text deutlich hervor gegangen wäre.

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Rosch ha-Schana folgt auf den Neumond im Elul.
Stimmt auch - aber an diesem Tag wurden Kalender und Mondlauf synchronisiert (Neulicht). Damit war der weitere Ablauf des Jahres (und auch der 14. Nisan) festgelegt.
Du hast da etwas Entscheidendes vergessen:
Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Ja, Rosch ha-Schana folgt auf den Neumond im Elul. Nur wann danach? Wir erinnern uns, es gibt da Sonderregeln. Als Folge dieser Sonderregeln ist ein jüdisches Jahr zwischen 353 und 385 Tage lang.

Das führt dazu, dass nur etwa 39% aller Jahre [...] tatsächlich am Tage des Neulichtes beginnen, somit sind Ausnahmen beim Jahresbeginn häufiger als die Regel.
Belege mir bitte, dass im betreffenden Jahr Rosch ha-Schana tatsächlich auf den Tag nach Neumond fiel. (Siehe Jach, Adu usw.)

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
329/330 u.Z. entspricht dem 'regelmäßigen Gemeinjahr' 4090 des jüdischen Kalenders.
Meinst du mit "regelmäßigen Gemeinjahr" ein Jahr mit 354 Tagen? Ja, wenn ich mich nicht verzählt habe, stimmt das, weder übermäßig, noch vermindert und auch kein Schaltjahr ... 4089 war ein "übermäßiges" (Cheschwan 30 statt 29 Tage).

Zitat:
Zitat von Chronometer
Wann war im Herbst 329 u.Z. Neumond? Wie die Rückrechnung zeigt (zB mit www.fourmilab.ch/cgi-bin/uncgi/Yoursky), am 9. September. Da dies ein sog. 'Normaljahr' war, fiel der 14. Nisan und damit der Beginn von Passa auf Donnerstag Abend am 19. März! Das Fest begann in jenem Jahr also ausnahmsweise etwas mehr als einen Tag vor dem astronomischen Vollmond!
- Vollmond war nicht wie üblich am 14. Nisan.
- Der 14. Nisan war ein Donnerstag.
- Der Tag nach Vollmond war der 22. März
9. September Neumond, sagst du. Dann war deiner Meinung nach am 10. September 329, dem Tag nach Neumond Rosch ha-Schana? Knapp daneben, Rosch ha-Schana war am 12. September 329, einem Donnerstag (der 29. Elul 4089 war btw der 11. September 329).

Der 14. Nisan 4090 war Freitag, der 21. März 330. In deinem Link wird vom 20.3. bis 23.3. 330 Vollmond angezeigt.

Hm, jetzt habe ich dir schon wieder Arbeit abgenommen...

Zitat:
Zitat von Chronometer Beitrag anzeigen
Jahre auf die all das zutrifft sind überaus selten
Ahja? Quelle?

BTW im Jahre 30 fiel der 14. Nisan 3790 auf den 3. April, einen Donnerstag. Am 5. war Vollmond, sagt deine Quelle. 14. Nisan 3793 war Schabbat, Samstag, der 1. April 33, da war Vollmond (laut deiner Quelle).

Wenn die Synoptiker recht haben (14. Nisan ein Donnerstag, 15. Nisan Freitag und Tag der Kreuzigung), könnte Jesus im Jahr 30 gestorben sein.


Jo ... wat nu? War ich wieda zu doof?
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 20.03.2010, 16:36   #7
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Ich möchte dringend zwei Fragen beantwortet haben:
  1. Wie kann man aus dem Bericht von Theon von Alexandria eine Abweichung von 300 Jahren ableiten (anscheinend sind es immer "rund 300 Jahre", egal, wann und wie sie stattgefunden haben mögen)? Wie spielen Tageslänge und Erd/Mond-Bahnparameter in diese Umstände herein? Zu wessen Theorie passt das und zu wessen nicht?
  2. Wenn schon religiöse Überlieferungen als historische Quellen herhalten müssen, warum nicht gleich Platos Atlantisbericht?
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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Alt 20.03.2010, 18:26   #8
Chronometer
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Zitat:
Zitat von querdenkerSZ Beitrag anzeigen
Chronometer,
wenn denn der Stern von Betlehem der Halleysche Komet war , es gibt ja noch weitere "Verdächtige " ;
http://de.wikipedia.org/wiki/Stern_v....C3.9Cberblick
Nach 295 u.Z. ging das volle Programm für Sterndeuter auch noch weiter:

- Im Winter 296/297 befand sich Ju-piter (wörtl.: Gott-Vater) im 'Haus der Jungfrau' (Astrologensprech), wo er am 11.1.297 neben der - nun ja - Hüfte des Sternbildes zum Stillstand kam (Planetenschleife) - gleich neben Spica (Alpha Virginis), auch Ährenmädchen und 'Kind der Jungfrau' genannt. Natürlich blieb das Sternbild auch nach den Besuch 'Die Jungfrau'.

- Am 4.10.297 schienen Jupiter und der Morgenstern (von den Römern 'Lucifer' genannt) in einer extrem engen Konjunktion an der Seite von Virgo zu verschmelzen.

Immerhin ist es ja vorstellbar, dass diese Folge extrem symbolträchtiger Ereignisse noch nach Jahrzehnten erinnert wurde und so ihren Weg in das NT fand.
Chronometer ist offline  
Alt 20.03.2010, 18:30   #9
LeTombeau
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
2. Wenn schon religiöse Überlieferungen als historische Quellen herhalten müssen, warum nicht gleich Platos Atlantisbericht?[/list]
unsere chronologie ist am christlichen
mythos fest gemacht und nicht an atlantis.
LeTombeau ist offline  
Alt 20.03.2010, 18:53   #10
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich möchte dringend zwei Fragen beantwortet haben:
  1. Wie kann man aus dem Bericht von Theon von Alexandria eine Abweichung von 300 Jahren ableiten (anscheinend sind es immer "rund 300 Jahre", egal, wann und wie sie stattgefunden haben mögen)? Wie spielen Tageslänge und Erd/Mond-Bahnparameter in diese Umstände herein? Zu wessen Theorie passt das und zu wessen nicht?
Zu traditionellen Chronologie passt es nicht, da die infrage kommende Sofi über das Baltikum verlief und außerdem nicht zur berichteten Uhrzeit passt.

Theon war Verfasser eines verloren gegangenen mehrbändigen Kommentars zum Almagest. Dort wird auch der sog. Exeligmos beschrieben. Mit dem landet man wieder bei 300 Jahren - aber das führt hier zu weit.
Zitat:
2.Wenn schon religiöse Überlieferungen als historische Quellen herhalten müssen, warum nicht gleich Platos Atlantisbericht?
Warum nicht gleich das Telefonbuch?
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