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Alt 18.01.2010, 21:11   #1
Tarlanc
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Standard Generationenschiffe

Um auch ohne Überlichtgeschwindigkeit interstellare Reisen zu unternehmen, bleiben der Menschheit (bis zur Entdeckung von Stargates) nur die Möglichkeit, Schiffe auf eine Jahrzehnte oder gar Jahrhunderte andauernde Reise zu schicken. Diese Schiffe können entweder komplett abiotisch, also nur mit Sonden, Robotern und Funkanlagen ausgestattet sein, Menschen in einer biologischen Stase (tiefschlaf fast ohne Stoffwechsel) transportieren, oder lebende und arbeitende Menschen transportieren. Bei letzterer Variante müsste man, ausgehend von einer Jahrzehnte andauernden Reise, davon ausgehen, dass mehrere Generationen von Menschen auf dem Schiff zur Welt kommen und Familien gründen.

Die Frage, welche in einem anderen Thread aufgetaucht ist, ist jene nach der Organisation des Lebens an Bord eines solchen Schiffes. Es wurden unterschiedliche Varianten vorgeschlagen, die jedoch alle ihre Stärken und Schwächen haben. In diesem Thread soll, aufbauend auf dem soziologischen, biologischen, anthropologischen und physikalischen Wissen, das wir hier zusammenkratzen können, und mit einer Prise Phantasie und Common Sense die Organisation an Bord eines solchen Generationenschiffs diskutiert werden.

Fallbeispiel: Ein Schiff braucht für eine Reise in ein fremdes Sonnensystem 300 Jahre. Mangels subraumfunksystemen aus Stargate wird es nach den ersten 10 Jahren nicht mehr möglich sein, die Erde zu kontaktieren, das Schiff ist organisatorisch und bezüglich Ressourcen komplett auf sich selbst gestellt. Eine Biosphäre an Bord des Schiffes verandelt effizient den ausgeschiedenen Kohlenstoff und alle Nährstoffe wieder in Nahrung um. Der Sauerstoff wird regeneriert, Energie ist reichlich vorhanden.

Variante 1: Tarlancs Vorschlag: Die erste Generation der Bewohner des Schiffes wissen um die Mission und ihre Bedeutung. Sie wissen jedoch auch, dass schon ihre Enkel, ohne jeden Bezug zur Erde aufgewachsen und nicht mit dem Forscherdrang der Freiwilligen der ersten Generation versehen, die Mission wohl nicht mehr so wichtig nehmen werden und auf dem engen Raum an Bord des Raumschiffes langweilen und wahnsinnig werden. Aus diesem Grund wird ein System von Ritualen entworfen, das das Überleben an Bord des Schiffes sichert. Da die Arbeit in der Biosphäre nicht die ganze Besatzung den ganzen Tag beschäftigt, sollen die Rituale möglichst zeitaufwändig sein. Erst die letzte Generation wird von einer aufgezeichneten Botschaft der ersten Generation 'aufgeklärt', worum es in der Mission wirklich ging, dass die Rituale und Lebensweise ihrer Vorväter reine Beschäftigungstherapie waren und dass sie sich jetzt auf die Besiedlung des angesteuerten Planeten konzentrieren müssen.
Ein Beispiel für ein Ritual wäre ein Schnitzwettbewerb, der jeden dritten Monat stattfindet, und bei dem die Siegerstatue einen Ehrenplatz erhält, während der Rest der Statuen verbrannt wird. Damit wird der Kohlenstoff, der durch die Verholzung der Biosphäre fixiert wird, regelmässig wieder freigesetzt und verfügbar gemacht. Ausserdem haben alle etwas zu tun und haben kompetitive Spiele.

Variante 2: MajorToms Vorschlag: Jede Generation wird in dem Wissen um die Mission aufgezogen und auf das Missionsziel eingeschworen. Jede Generation weiss, dass ihre Aufgabe darin besteht, das Schiff zu bevökern, mit einer neuen Generation Menschen auszustatten und das Wissen der Erde weiterzugeben.
(Hoffentlich wird MajorTom diese Variante noch ausführlicher schildern)

Variante 3: Mischvariante: Der Grossteil der Menschen an Bord wird im Dunkeln über die Mission gelassen. Nur eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die ihren Nachwuchs aus den aufgewecktesten Kindern rekrutieren, wissen um die Mission, die Funktionsweise des Schiffes und die Instandhaltung der Biosphäre Bescheid. Sie sind die Herrscher des Schiffes und vermitteln als eine Art Priesterkaste die Bedürfnisse des Schiffes an die Besatzung. Alle anderen Leute empfangen Befehle und Arbeitsaufträge von den Wissenschaftlern und gehen zufrieden ihrer Arbeit nach. Erst, wenn sich das Ende der Reise abzeichnet, wird die Bevölkerung schrittweise über die Mission aufgeklärt. So geht das Wissen nie ganz verloren, die Leute sehen aber (dank eines künstlichen Mystizismus) einen Sinn in ihrem Dasein in dem Menschencontainer.

Wo liegen nun die Vor- und Nachteile der Vorschläge? Wie kann über 300 Jahre der Frieden in einer menschlichen Gemeinschaft gewahrt bleiben? Und wie rettet man das Wissen der Ingenieure und Physiker auf die neue Heimat?

Frohes Diskutieren.
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Alt 18.01.2010, 23:15   #2
MajorTom
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Daumen hoch Grundstrukturen

@Tarlanc

Erst mal vielen Dank für den neuen Thread ! Du holst aber kräftig weit zurück aus, diese Fragen waren ja schon mal etwas aktuell.
Zitat:
Die Frage, welche in einem anderen Thread aufgetaucht ist
Variante 2 bedarf noch einer gründlicheren Ausarbeitung & bei Variante 3 beginnt die Diskussion von meiner Seite aus gesehen:
Zitat:
...Nur eine kleine Gruppe von Wissenschaftlern, die ihren Nachwuchs aus den aufgewecktesten Kindern rekrutieren, wissen um die Mission, die Funktionsweise des Schiffes und die Instandhaltung der Biosphäre Bescheid. Sie sind die Herrscher des Schiffes und vermitteln als eine Art Priesterkaste ...
Wissenschaftler (?Technokratie) können/sollen keine Herrscher oder eine Priesterkaste in einem Gesellschafts Gefüge sein, sie sollten

1) ihren Job erledigen (--> auch im "Mutterschiff" ein Problem)
2) als Sachverständige & Berater einer Führung fungieren (wie vielleicht Spock & Scott für Kirk in Enterprise, wobei Kirk die Führungsqualitäten hat - ähnlich auch bei Stargate O'Neil - Major Carter & die anderen).

"Sachverständige" für Glaubensfragen könnte es schon auch geben, die Hilfestellung z.B. bei der Frage nach einem Warum leisten.

Eine Antwort von mir wäre: 42, aber da muß man ja die Fragestellung noch präzisieren: Wozu ?
Alles was ist, ist so, wie es ist, weil es so ist & daher einen Sinn & Zweck haben muß - ob allerdings für uns direkt von Bedeutung oder für , sei dahingestellt & kann nicht unmittelbar eingesehen werden (Platons Schattenbeispiel ...) - wir können auch nicht direkt einsehen / begreifen, sondern etwas nur auf Umwegen in Erfahrung bringen.

Was/wie sollten die "Aufgewecktesten" sein

-gg- MT

Geändert von MajorTom (18.01.2010 um 23:38 Uhr). Grund: Korrektur
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Alt 19.01.2010, 09:29   #3
Sakslane
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Die Mischvariante stelle ich mir ziemlich schwierig vor. (Genau genommen finde ich alle Varianten recht schwierig, aber irgendwo muss man ja anfangen...) Wenn Wissen einer kleinen Gruppe vorbehalten ist, birgt das gewisse Risiken. Ungleichheit kann dazu führen, dass sich die Arbeiter ungerecht behandelt fühlen. Eine Gruppe von "jungen Wilden" aus der Arbeiterschicht könnte das ganze System in Frage stellen und versuchen, es umzustürzen. Ob man die Bevölkerung des Raumschiffs wirklich so erziehen kann, dass eine solche "Neo-68er-Bewegung" gar nicht erst aufkommen kann, ist mir nicht wirklich klar...

Eine ähnliche Schwierigkeit, wenn auch mit anderen Ursachen, sehe ich bei Tarlancs Vorschlag. Hier sind es die Rituale, deren Sinn irgendwann in Frage gestellt werden könnte. Die Bevölkerung könnte dann auf die Idee kommen, sich den Grundfragen des Lebens zuzuwenden: Woher kommen wir, wohin gehen wir? Was machen wir hier eigentlich, warum sind wir hier? Und indem sie versuchen, genau das herauszufinden, könnten sie die Mission in Gefahr bringen, z.B. indem sie versuchen, den Kurs des Raumschiffes zu ändern, einfach aus Neugier, als Experiment, ohne zu wissen, dass sie dann ins Nirgendwo fliegen.

Von daher halte ich ein bestimmtes Maß an Wissen für notwendig - und zwar wirklich Wissen, kein Glaube. Daher würde ich am ehesten zu MajorToms Vorschlag tendieren. Natürlich birgt auch der das Risiko, dass irgendwann der Sinn der Mission in Frage gestellt wird. Andererseits wäre sich eine aufgeklärte Bevölkerung dessen bewusst, was dieser Sinn eigentlich ist. Ihnen wäre auch bewusst, dass sie eigentlich gar keine große Auswahl haben - umkehren würde ihnen nicht viel bringen. Wenn sie so lange unterwegs sind, dass die erste Generation die Führung an die nächste Generation übergeben hat (und das Raumschiff in dieser ganzen Zeit beschleunigt), brauchen sie noch einmal die gleiche Zeit, nur um das Raumschiff anzuhalten. Diese Zeitspanne brauchen sie noch einmal, um in die andere Richtung zu beschleunigen, und dann noch einmal zum abbremsen. Damit würde die Generation, die ein solches Wendemanöver beschließt, die Erde gar nicht mehr lebend erreichen. Ihnen sollte also klar sein, dass es keinen Sinn hätte. Möglicherweise hätten sie auch gar kein Interesse daran, zu einen Planeten mit verschmutzem Ökosystem zurückzukehren, den sie noch nie gesehen haben und zu denen ihnen der Bezug fehlt.

Das bringt mich auf die Idee, noch eine weitere, leicht abgewandelte Variante einzubringen, sozusagen die "Propagandavariante": Man klärt die Bevölkerung zwar über den Sinn ihrer Mission auf, fügt aber noch ein gewisses Maß an Propaganda hinzu. Die Raumfahrer werden als Helden auf einer glorreichen Mission deklariert, als eine elitäre, ausgewählte Gruppe, die das Privileg hat, die Menschheit zu repräsentieren und in die Weiten des Universums hinauszutragen. Auch diese Variante birgt natürlich das Risiko, dass die so vermittelten Ideale irgendwann in Frage gestellt werden. Allerdings würde die Bevölkerung damit auch ihren eigenen Heldenstatus in Frage stellen - und wer gibt schon gerne zu, dass er kein Held ist?
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Alt 19.01.2010, 10:19   #4
perfidulo
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So richtig überzeugt mich nichts.

Fragen wir uns, wie sieht denn das Raumschiff aus? Ohne Schwerkraftgeneratoren bleibt nur eine große Walze, die sich langsam dreht. Sie muß keinen Sichtkontakt zur Außenwelt haben, es gibt ohnehin nichts zu sehen.
Also können die Leute glauben, daß die Welt eine nach innen gekehrte Walze ist und wenn man tief bohrt, kommt man in die Hölle.
Wenn das irgendwie bepflanzt werden soll, braucht es eine zentrale Lichtquelle und die braucht eine Energieversorgung.

Denkbar wäre, daß die 2. oder 3. Generation das Interesse an Bäumen und Pflanzen verliert und sich nur noch aus biotechnologischen Kulturen ernährt.

Vielleicht schalten sie ja auch da Licht aus, weil sie ja jede Ecke im Raumschifff kennen und sich im Dunkeln zurechtfinden. Interessante Vorstellung: Eine Gesellschaft von Blinden, die sich nur durch Tasten und Hören erkennen.

Denkbar wäre ein Mehr-Kompartment-System. Man wird auch Sicherheitsgründen mehrere Kammern anlegen. Es könnte sein,daß die Außenkammern (mit potentiellem Blick aufs All) der Elite vorbehalten sind, die wissen wo es langgeht und die die Reaktoren kontrollieren, die logischerweise an der Achse des Systems, aber in etwas Abstand angeordnet sind.
Vielleicht rekrutiert diese Elite ihre Nachkommen aus ausgewählten Leuten der Masse. Durch den Dienst am Reaktor sind sie steril.

Wenn beschleunigt werden soll (allerdings nur mäßig) wäre der Reaktor hinten beim Antrieb. Wenn kräftig beschreunigt wird (ca. 1g). kommt als Aufbau eher eine Torte mit vielen Schichten (Ebenen) von mäßigem Durchmesser in Frage. Auf Fenster in der Außenwand kann man gerne verzeichten. Man würde hier aus Platzgründen von Anfang an auf eine erdähnliche Landschaft verzichten. Vielleicht gibt es abwechselnd Wohn- und Arbeits-Schichten und dazwischen "Biotope" für Landwirtschaft und Erholung.

Entscheidend ist die Art des Antriebs, weil sich davon die konkrete Bauform ableitet.

Die Richtung könnte ein Leitstrahtl vorgeben, den Aliens als Lockruf ausstrahlen.
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Alt 19.01.2010, 12:40   #5
Tarlanc
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Zitat:
Zitat von Sakslane Beitrag anzeigen
Ob man die Bevölkerung des Raumschiffs wirklich so erziehen kann, dass eine solche "Neo-68er-Bewegung" gar nicht erst aufkommen kann, ist mir nicht wirklich klar...
Da bräuchte man wohl eine starke Theokratie. Die Techniker werden ja reichlich Wunder produzieren können. Ich denke da an eine Situation analog zum Film 'The Village', in dem auch eine kleine Gruppe von Älteren die Gemeinschaft mit Furcht und seltsamen Ritualen in Schach hielt, damit sie ihre tatsächliche Situation nie begreifen werden.
Zitat:
Woher kommen wir, wohin gehen wir? Was machen wir hier eigentlich, warum sind wir hier? Und indem sie versuchen, genau das herauszufinden, könnten sie die Mission in Gefahr bringen, z.B. indem sie versuchen, den Kurs des Raumschiffes zu ändern, einfach aus Neugier, als Experiment, ohne zu wissen, dass sie dann ins Nirgendwo fliegen.
Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Dem kann man jedoch mit einem vollautomatischen Autopiloten ohne mögliche Einflussnahme durch die Besatzung entgegenwirken.
Zitat:
Möglicherweise hätten sie auch gar kein Interesse daran, zu einen Planeten mit verschmutzem Ökosystem zurückzukehren, den sie noch nie gesehen haben und zu denen ihnen der Bezug fehlt.
Insbesondere, wenn sie in der festen Überzeugung sind, dass die Erde zerstört ist. Asimov verwendete diesen Anreiz, um die Siedler in die Weiten des Alls streben zu lassen anstatt zu ihrer Heimat.
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Alt 19.01.2010, 13:46   #6
farseer
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Zitat:
Insbesondere, wenn sie in der festen Überzeugung sind, dass die Erde zerstört ist. Asimov verwendete diesen Anreiz, um die Siedler in die Weiten des Alls streben zu lassen anstatt zu ihrer Heimat.
Diesen Anreiz brauchen wir vielleicht gar nicht zu schaffen, da er in der Zukunft vielleicht schon eine Tatsache ist?! Wäre zumindest denkbar, dass die Erde, bald(vielleicht in x Jahren) nicht mehr, als bewohnbarer Planet angesehen werden kann.

Vielleicht sollte man das Model eines Mehrgenerationenschiffes noch ein wenig erweitern und einen ganzen Verband von Schiffen denken, welcher zunächst, einer Völkerwanderung gleich, gemeinsam durchs All reist, aber im Falle einer Entdeckung eines bewohnbaren Planeten durchaus unterschiedliche Wege gehen kann. Denkbar wären dann auch kleinere Gruppen, die sich von der Hauptgruppe abspalten, um andere Regionen zu untersuchen und sich eintweder wieder eingliedern oder aber abspalten, je nachdem, wie ihre Suche ausgefallen ist!

Vielleicht ändert sich die Motivation einen neuen Heimatplaneten zu finden ja auch in ein nomadenhaftes Verhalten?

Gruß,

farseer
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Alt 19.01.2010, 18:56   #7
MajorTom
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@Farseer

Zitat:
Zitat von farseer Beitrag anzeigen
... Wäre zumindest denkbar, dass die Erde, bald (vielleicht in x Jahren) nicht mehr, als bewohnbarer Planet angesehen werden kann...
Es gibt wohl gegensteuernde Tendenzen mit Konferenzen & Beschlüssen mehrer Staaten (z.b: CO2 Ausstoß, Polabschmelzungen durch Erwärmung etc.), Bücher seit 1975 (Herbert Gruhl: ein Planet wird geplündert - mit erstaunlicher Vohersagequalität), aber solange nicht alle am gleichen Strang ziehen, ist die Tendenz weiter problematisch, zumal die Geschwindigkeit der Gegenmaßnahmen zum Erforderlichen sehr zu wünschen übrig läßt.
Zitat:
... und einen ganzen Verband von Schiffen denken ... im Falle einer Entdeckung eines bewohnbaren Planeten durchaus unterschiedliche Wege gehen kann...
Interessant ist, daß unser Thema & seine Probleme filmisch schon richtig in Arbeit sind, also SciFi doch z.Teil als eine Art Vordenken (Battlestar Galactica).
Zitat:
Vielleicht ändert sich die Motivation einen neuen Heimatplaneten zu finden ja auch in ein nomadenhaftes Verhalten?
Bei zu kleinen Populationen denke ich wegen der Riesenhaftigkeit, daß diese sich in den großen Räumen verlieren könnten, im Sinne von untergehen.

Was anderes: mit den hier erarbeiteten Ergebnissen & Ideen könnten wir etwas später doch ein Drehbuch schreiben mit einem der ehrenwerten Herren als Gastberater / Producer - just for fun (z.B. Mr. Roddenberry - für ungewöhnliche Ideen allzeit bereit, so schätze ich ihn nach einem Interview ein) ?

-gg- MT
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Alt 19.01.2010, 19:28   #8
Acolina
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Zitat:
Zitat von Sakslane Beitrag anzeigen
Die Bevölkerung könnte dann auf die Idee kommen, sich den Grundfragen des Lebens zuzuwenden: Woher kommen wir, wohin gehen wir? Was machen wir hier eigentlich, warum sind wir hier? Und indem sie versuchen, genau das herauszufinden, könnten sie die Mission in Gefahr bringen, z.B. indem sie versuchen, den Kurs des Raumschiffes zu ändern, einfach aus Neugier, als Experiment, ohne zu wissen, dass sie dann ins Nirgendwo fliegen.

Von daher halte ich ein bestimmtes Maß an Wissen für notwendig - und zwar wirklich Wissen, kein Glaube.
Sehe ich ganz genauso. (Auch im Übrigen kann ich da Sakslane nur zustimmen.)

Geheimnisse reizen immer, sie aufzudecken. Und sie fördern Verschwörungstheorien. Streit untereinander etc. pp. Wieso hat der Rechte, die ich nicht habe? Was ist hinter dieser immer verschlossenen Tür? Was tun die da, wenn sie sich im kleinen Kreis treffen? ... ... ...

Was die Langeweile angeht, der könnte man durch Forschung begegnen. Dann gibt es sicher so einiges, was an Bord gewartet und repariert werden muss. Es braucht Mediziner, Menschen, die die Kinder betreuen, unterrichten, Freizeitangebote gestalten, Gärtner, die die Biokulturen pflegen usw. usf. Also das Berufsspektrum ist auch an Bord eines solchen Schiffes recht groß und deckt unterschiedliche Begabungen ab. Vor allem brauchts begabte Köche, gutes Essen ist die Grundlage für Frieden an Bord! Und ein tägliches Ritual, auf das man sich dann freuen kann

Als Rituale würde ich solche wählen, die einen gut erkennbaren Sinn haben, z.B. regelmäßige große Feier des Abflugtags, Geburtstagsfeiern, Feiern beim Erreichen von Ausbildungszielen, Feiern zur "Aufnahme" von Neugeborenen in die Gemeinschaft, usw. usf. - da ließe sich so einiges finden, denke ich.

Erzählrunden, wo die Alten den Jungen von früheren Zeiten auf dem Planeten erzählen, ihrer Motivation aufzubrechen usw. usf. können dazu beitragen, so etwas wie einen gemeinsamen, zusammenschweißenden "Mythos" zu bilden. Wir wurden auserwählt, ausgesandt, wir tragen eine Botschaft ins All hinaus, wir sind aber auch sozusagen ein Gefäß, das einen kostbaren Inhalt (unsere Spezies) bewahrt und dafür neue Lebensräume sucht usw. Das geht dann so in Sakslanes Richtung: Wir sind Helden!

Für ganz wichtig halte ich auch eine gute psychologische Betreuung, aber auch Ausbildung aller. Es ist für alle wichtig zu wissen, warum ihr Gegenüber reagiert wie es reagiert, welche psychologischen, neurophysiologischen etc. Mechanismen es so reagieren lassen, warum es nicht anders kann usw. usf. Es ist für alle wichtig zu wissen, welche Bedürfnisse Menschen haben, wie man diese - allgemein verträglich - befriedigt usf.

Rituale der Streitschlichtung wären daher auch nicht schlecht Also regelmäßige, feierliche Versöhnungstage z.B., die zum einen Aufforderung zur Versöhnung sein können, zum Vergeben, andererseits Erfolge da feiern ... (Dafür ist dann aber auch wieder Psychologie nützlich, die aufweist, was mir Vergebung bringt, warum sie wichtig nicht nur für den anderen, sondern vor allem auch mich selbst ist usw. - so etwas wären dann auch schöne Themen für Veranstaltungen, die Ausbildung des Nachwuchs ...)

Es kann regelmäßige Veranstaltungen geben, wo Einzelne Allen von ihrer Arbeit berichten, wo es da Erfolge oder auch Probleme gibt, wie man sie unterstützen kann usw.

Dichterabende und -wettbewerbe (Wer schreibt das schönste Gedicht über Galaxie XY? ), Musikveranstaltungen, Vernissagen ...

Das A und O ist die Auswahl der Startmannschaft. Die sollte nicht nur bestens ausgebildet und z.B. frei von genetisch bedingten Erkrankungen sein, sondern auch psychologisch geeignet sein, z.B. ein hohes Maß an Empathie aufweisen, entsprechendes Sozialverhalten usw. Bereits weit vor der Reise sollte eine gemeinsame Ethik, die allen menschlichen Belangen so gerecht wie möglich wird usw. nicht nur ausgearbeitet, sondern auch erprobt sein. Z.B. könnte diese Mannschaft einige Jahre abgeschieden auf sich gestellt leben oder - wenn vorhanden - eine Mondbasis bevölkern ... Ich würde sie auch vom Alter her heterogen gestalten, das ist, denke ich, z.B. auch eine bessere Grundlage für erfolgreiche Problemlösungen.

Ich denke, dass eine Gemeinschaft mit möglichst flachen Hierarchien am geeignetsten wäre. In der Autorität gut und logisch nachvollziehbar begründet ist. In der Koch, Gärtner, Arzt, Erzieher, Wissenschaftler etc. als gleich wichtig und wertig für die Gemeinschaft erkannt werden usw.

Was die Enge an Bord angeht, das dürfte - ebenso wie Heimweh nach Bergen, Wäldern usw. - nur ein Problem der ersten Generation sein. Die Folgenden kennen es nicht anders. Und unsere Spezies zählt zu einer der anpassungsfähigsten, die wir kennen - zumindest unter den halbwegs intelligenten


Hm ... könnte man so etwas nicht auch a la Sims simulieren?
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 19.01.2010, 23:32   #9
Sakslane
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Zitat:
Zitat von Tarlanc Beitrag anzeigen
Ich denke da an eine Situation analog zum Film 'The Village', in dem auch eine kleine Gruppe von Älteren die Gemeinschaft mit Furcht und seltsamen Ritualen in Schach hielt, damit sie ihre tatsächliche Situation nie begreifen werden.
Das Prinzip klingt gut. Mit Furcht kann man die Bevölkerung sicher etwas besser daran hindern, zu neugierig zu sein und gegen die Regeln der Gemeinschaft zu verstoßen. Dann braucht man natürlich noch eine Instanz, die dazu beiträgt, diese Furcht aufrecht zu erhalten - sonst kommt die Bevölkerung vielleicht auf die Idee, die Furcht sei unbegründet, alles sein Aberglaube. Da sehe ich den einzigen Schwachpunkt: Wenn diese Instanz ein Computer ist, kann dieser ausfallen. Wenn diese Instanz eine Gruppe von Menschen ist, die ihr Wissen immer an Nachfolger aus der nächsten Generation weitergibt, muss sichergestellt sein, dass die nicht aus der Reihe tanzen. Ach ja, und die Furcht muss groß genug sein, dass sie kein Bewohner überwindet, wenn er sich etwas größeres davon erhofft - wie bei "The Village", als Ivy den Wald durchquert, um Medizin zu holen.

Zitat:
Ja, das ist tatsächlich ein Problem. Dem kann man jedoch mit einem vollautomatischen Autopiloten ohne mögliche Einflussnahme durch die Besatzung entgegenwirken.
Im Prinzip ja - vorausgesetzt, der Autopilot funktioniert wartungsfrei bis zum Ende der Reise und ist hinreichend vor einer experimentierenden und nicht mit der Technik vertrauten Besatzung geschützt.

Zitat:
Insbesondere, wenn sie in der festen Überzeugung sind, dass die Erde zerstört ist. Asimov verwendete diesen Anreiz, um die Siedler in die Weiten des Alls streben zu lassen anstatt zu ihrer Heimat.
Auch ein guter Punkt - zumal das Argument sehr realistisch ist...

Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Geheimnisse reizen immer, sie aufzudecken. Und sie fördern Verschwörungstheorien. Streit untereinander etc. pp. Wieso hat der Rechte, die ich nicht habe? Was ist hinter dieser immer verschlossenen Tür? Was tun die da, wenn sie sich im kleinen Kreis treffen? ... ... ...
Da kann ich nur zustimmen. Wer weiß, vielleicht gründen besorgte Bewohner dann ein Forum, um mit anderen darüber zu diskutieren, was sie hinter den Geheimnissen vermuten

Zitat:
Was die Langeweile angeht, der könnte man durch Forschung begegnen.
Forschung setzt natürlich eine hinreichend große Anzahl an Akademikern voraus, ist aber auf jeden Fall eine gute Idee. Aber auch Kunst und Kultur sind eine gute Möglichkeit, um den Bewohnern die Zeit zu vertreiben. Eine Sammlung an irdischer Musik und Literatur als Startkapital und Inspiration wären vielleicht auch nicht schlecht. Freizeit wird es sicher genug geben.

Zitat:
Als Rituale würde ich solche wählen, die einen gut erkennbaren Sinn haben, z.B. regelmäßige große Feier des Abflugtags, Geburtstagsfeiern, Feiern beim Erreichen von Ausbildungszielen, Feiern zur "Aufnahme" von Neugeborenen in die Gemeinschaft, usw. usf. - da ließe sich so einiges finden, denke ich.
Das klingt eher nach einer Kreuzfahrt Gute Reise wünscht Acolina Tours...

Zitat:
Erzählrunden, wo die Alten den Jungen von früheren Zeiten auf dem Planeten erzählen, ihrer Motivation aufzubrechen usw. usf. können dazu beitragen, so etwas wie einen gemeinsamen, zusammenschweißenden "Mythos" zu bilden. Wir wurden auserwählt, ausgesandt, wir tragen eine Botschaft ins All hinaus, wir sind aber auch sozusagen ein Gefäß, das einen kostbaren Inhalt (unsere Spezies) bewahrt und dafür neue Lebensräume sucht usw. Das geht dann so in Sakslanes Richtung: Wir sind Helden!
Du sagst es - wobei "Mythos" deutlich positiver klingt als "Propaganda", aber das Prinzip trifft es

Zitat:
Rituale der Streitschlichtung wären daher auch nicht schlecht
Auch ein guter Punkt. In einer so kleinen Gemeinschaft sind Konflikte durchaus denkbar, und man kann sie nicht einfach dadurch lösen, dass man einander aus dem Weg geht - dafür fehlt es an Platz. Also braucht man ein Verfahren zur Streitschlichtung - sowas nutzen ja sogar die Bonobos, auch wenn ich auf einem Raumschiff andere Methoden für sinnvoller halte...

Zitat:
Es kann regelmäßige Veranstaltungen geben, wo Einzelne Allen von ihrer Arbeit berichten, wo es da Erfolge oder auch Probleme gibt, wie man sie unterstützen kann usw.
So eine Art Einwohnerforum wäre nicht schlecht, in dem gemeinsam über Probleme diskutiert und nach Lösungen gesucht wird. Jeder kann sich einbringen, das stärkt die Gesellschaft.

Zitat:
Das A und O ist die Auswahl der Startmannschaft. Die sollte nicht nur bestens ausgebildet und z.B. frei von genetisch bedingten Erkrankungen sein, sondern auch psychologisch geeignet sein, z.B. ein hohes Maß an Empathie aufweisen, entsprechendes Sozialverhalten usw.
Und sie sollte genetisch möglichst heterogen sein, und auf keinen Fall zu klein. Man braucht einen großen Gen-Pool, wenn man eine komplett neue Bevölkerung aufziehen will.

Zitat:
Hm ... könnte man so etwas nicht auch a la Sims simulieren?
Gute Idee Man könnte sich aber auch ein Beispiel an isolierten Dorfgemeinschaften nehmen, wie man sie bei diversen Urvölkern / Stämmen findet. Solche Stammesgemeinschaften sind schließlich auch selbstorganisiert und über Generationen stabil. Man könnte durchaus auch eine Ameisenkolonie mitnehmen und den Kindern beibringen, dass sie auf dem Raumschiff nur leben können, weil sie alle für eine Gruppe arbeiten, genau wie die Ameisen. Die Ameisen zeigen also den Menschen, wie es geht.

Zitat:
Zitat von MajorTom Beitrag anzeigen
(z.B. Mr. Roddenberry - für ungewöhnliche Ideen allzeit bereit, so schätze ich ihn nach einem Interview ein) ?
Gene Roddenberry ist leider schon 1991 gestorben...
Sakslane ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.01.2010, 00:16   #10
MajorTom
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@Sakslane

Das macht mich jetzt stutzig langsam (?) - wenn Gene Roddenberry schon 1991 gestorben ist, kann das ja einer seiner jetzt noch lebenden Kollegen übernehmen - aber & das Interview, das ich neulich (keine 3 Wochen her) sah ? Es berichtete über die Anfänge der SciFi Filme & die Schwierigkeiten, so etwas "rauszubringen" - das Interview dazu schien jedenfalls wesentlich neuer als 1991 gewesen zu sein (?) - ich denke mir meinen Teil - hier werde ich wohl nichts anderes finden ...

-MfG- MajorTom

PS.: habe es gerade aufgespürt: das Video ist von 2007, so kann das erklärt werden
http://www.dailymotion.com/video/x1f...-interview_fun

Egal, dann nehmen wir halt einen anderen, z.B. Brad Wright & zum Entspannen dieses vielleicht, weil man im Forum immer soviel denken muß ...
http://www.youtube.com/watch?v=W6mez...=TL&playnext=1

Geändert von MajorTom (20.01.2010 um 01:32 Uhr). Grund: Ergänzung(en)
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