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Naturphänomene Kurioses und Rekorde aus der Tier- und Pflanzenwelt, atmosphärische und andere Naturschauspiele, verändertes Verhalten von Tieren ...

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Alt 23.12.2009, 01:02   #1
HaraldL
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Standard Mithridatisation - Wann können Organismen gegen Gifte resistenter werden

Als Mithridatisation bezeichnet man das Phänomän, daß ein Lebewesen im Verlauf seines Lebens durch allmählich zunehmende Gaben von Giften einer nicht tödlichen Menge im Laufe der Zeit mehr oder minder giftresistent werden. Bei welcher Art von Giften kann Mithridatisation funktionieren? Warum werden wir anscheinend nicht gegen die Produkte unserer chemischen Industrie immer unempfindlicher? Könnte man nicht eine Mithriditisierung irgendwie beschleunigen?
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Alt 23.12.2009, 06:40   #2
Sakslane
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Das beobachtet man z.B. auch bei Heroinabhängigen. Deren letale Dosis ist deutlich höher als die von Nichtabhängigen. Allerdings sind die "Neben"wirkungen dabei erheblich...
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Alt 23.12.2009, 09:07   #3
Llewellian
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Harald,

gegen ALLES. Alles eine Sache der Gewöhnung.
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Alt 23.12.2009, 11:04   #4
Schnurps
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Zitat:
Zitat von HaraldL Beitrag anzeigen
Warum werden wir anscheinend nicht gegen die Produkte unserer chemischen Industrie immer unempfindlicher?
Ich denke durchaus, daß wir (also die Menschheit, mal global betrachtet) nach und nach immer unempfindlicher werden. Denn sonst hätten die Menschen in vielen Gegenden der Welt überhaupt keine Nahrungsmittel mehr zur Verfügung. Das Grundwasser ist häufig von "Trinkwasserqualität" weit entfernt, die Grundnahrungsmittel durch Umweltgifte belastet...
Was uns nicht tötet, macht uns härter.

Was allerdings meiner Ansicht nach immer weiter fortschreitet, ist die (Über-)Empfindlichkeit unserer hochzivilisierten Welt gegenüber Allergenen.
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Alt 23.12.2009, 11:48   #5
HaraldL
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Aber warum sind viele Allergene eigentlich nicht mal notwendigerweise starke Gifte? Viele Heuschnupfen auslösende Pflanzen sind nicht giftig. Also ich glaube die Sache ist ein bißchen komplizierter!
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Alt 23.12.2009, 12:05   #6
Llewellian
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Das mit den Allergenen ist was anderes:

Unser körperliches Immunsystem ist darauf trainiert, mit einem Leben im Dreck fertig zu werden.

Es braucht immer eine Grundauslastung. Wenn die nicht mehr da ist, weil man z.b "zu sauber" lebt und keine Bakterien da sind... dann ist das System unterfordert und fängt das "überreagieren" an.

Sieht man sehr schön bei Vergleichen von Grundschulen auf bäuerlichen Dörfern vs. Städte.

Wer dauernd im Kuhmist spielt, von Babybeinen auf mit Dreck beim Spielen in Kontakt kommt, mit Tieren zusammen ist und auch sonst Bakterien sammelt...

Der kriegt dann auch sehr viel weniger Allergien.
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Alt 23.12.2009, 12:10   #7
Schnurps
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Ich sehe da durchaus einen Zusammenhang.
Einerseits reagiert der Organismus immer häufiger auf "Nicht-Gifte";
andererseits: Alkohol und Nikotin sind auch Giftstoffe ...

Also: Gewöhnung an Giftstoffe in kleinen Mengen -> Mithridatisation
Entwöhnung von natürlichen Umweltstoffen (Pollen etc) -> Allergie

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Alt 23.12.2009, 13:24   #8
basti_79
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Zitat:
Zitat von HaraldL Beitrag anzeigen
Als Mithridatisation bezeichnet man das Phänomän, daß ein Lebewesen im Verlauf seines Lebens durch allmählich zunehmende Gaben von Giften einer nicht tödlichen Menge im Laufe der Zeit mehr oder minder giftresistent werden. Bei welcher Art von Giften kann Mithridatisation funktionieren?
Dieses interessante Detail muss wohl als weitestgehend ungeklärt gelten. Bekannt ist, dass
  1. Rezeptoren sich in ihrer Empfindlichkeit anpassen können (was zB. die Immunität bzw. Abhängigkeit bei Opiaten bewirkt)
  2. Leberzellen sich durch Vergrößerung des "endoplasmatischen Retikulums" (so drollig es klingt, das gibt es wirklich!) an steigende Anforderungen gewöhnen können.
Ob dies sämtliche Immunitätsmechanismen erklärt und für welche Gifte dies funktioniert, ist unbekannt. Fest steht, dass man gegen manche Gifte nicht immun wird, manche - beispielsweise manche Schimmelgifte - werden nicht einmal ausgeschieden, so dass auch viele kleine Dosen über einen langen Zeitraum irgendwann giftig werden.

Zitat:
Warum werden wir anscheinend nicht gegen die Produkte unserer chemischen Industrie immer unempfindlicher?
Keine Ahnung, ob das der Fall ist oder nicht. Ich halte nach wie vor natürlich vorkommende und auch gewohnheitsmäßig ignorierte Gifte für eine weitaus größere Bedrohung für unsere Gesundheit als "die böse, böse Chemie". Die Mehrzahl aller Vergiftungen betreffen Kleinkinder, die Spülmittel, Alkohol oder Zigaretten getrunken bzw. gegessen haben. Nur ein winziger Bruchteil aller Medizinisch relevanten Vergiftungen betreffen "Gift aus der Umwelt aufgenommen", und davon dürfte wiederum nur ein winziger Bruchteil auf unerwünschte Situationen in der Chemieindustrie entfallen. Die letzte unfallhafte tödliche Vergiftung, an die ich mich in meiner Nähe erinnern kann, betraf eine alte Frau, die Herbstzeitlose mit Bärlauch verwechselt hat.

http://www.poison.org/prevent/docume...ort%202004.pdf

Zitat:
Könnte man nicht eine Mithriditisierung irgendwie beschleunigen?
Vermutlich nicht, solange man den Mechanismus nicht versteht. Selbst wenn, würde ich vermuten, dass die Nebenwirkungen einer solchen Behandlung deutlich gefährlicher sind als die Gifte an sich.

Mit Giften leben wir und unsere Vorfahren schon seit Milliarden Jahren.

(edit) re Allergien: da Allergien in der Regel fast überhaupt nicht verstanden werden und offenbar oft das Wissen, ob man dem Allergen ausgesetzt ist, zu der allergischen Reaktion beiträgt, würde ich Allergien vorerst aus dieser Betrachtung ausklammern. Was verstanden wird, ist, dass Allergien Reaktionen des Immunsystems sind, was nun mit Giften und deren Entsorgung meist relativ wenig zu tun hat. Ich weiss, dass es da Ausnahmen gibt.
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basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2009, 20:37   #9
HaraldL
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Aber nimmt die Zahl der Pollen wirklich ab? Schlielich gelangt Blütenstaub auch in Städte!

Bezüglich der Mithraditisation dürfte es zwei Möglichkeiten geben: entweder der Schadstoff wird schlechter aufgenommen oder er wird effektiver verarbeitet. Natürlich ist auch eine Kombination von beidem möglich.

Auffallend ist auch, daß sich die medizinische Forschung eigentlich anscheinend nur recht wenig um das Phänomän der Mithraditisation kümmert. Im Übrigen spielt doch auch bei der Verarbeitung von Schadstoffen auch die Psyche eine Rolle. Leute, die Gifte in selbstmörderischer Absicht Gifte nahmen, starben bei gleicher Dosis häufiger als solche, die sich unabsichtlich vergiftet haben.

Aber vielleicht nimmt auch deshalb die Zahl der Allergien zu, weil uns unsere Umwelt in viel höherem Maße als durch Schadstoffe durch psychologische Einflüsse krank macht. Wir haben eigentlich schon so viele Schadstoffe verboten, doch totzdem wurden wir nicht gesünder. Wie wäre das sonst zu erklären?
HaraldL ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2009, 22:02   #10
basti_79
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Zitat:
Zitat von HaraldL Beitrag anzeigen
Natürlich ist auch eine Kombination von beidem möglich.
Oder die Sensitivität des Körpers nimmt ab. Oder er wird vom Wirkort ferngehalten. Oder das Wirkungsziel verändert sich. Oder die Empfindlichkeit gegenüber der Auswirkung verändert sich. Oder sonst irgendwas.

Zitat:
Auffallend ist auch, daß sich die medizinische Forschung eigentlich anscheinend nur recht wenig um das Phänomän der Mithraditisation kümmert.
Kein Wunder. Die Anwendbarkeit ist trotz des wohlklingenden Wortes gering.

Zitat:
häufiger als solche, die sich unabsichtlich vergiftet haben.
Quelle!

Zitat:
Wir haben eigentlich schon so viele Schadstoffe verboten, doch totzdem wurden wir nicht gesünder.
Ich persönlich fühle mich eigentlich gesund, danke der Nachfrage. Was andere Leute angeht: Nun ja.
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