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Alt 20.10.2017, 18:19   #1
basti_79
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Standard Bundestag

Der 19. deutsche Bundestag soll am 24. konstituiert werden. Damit endet gleichzeitig Angela Merkels 3. Kanzlerschaft. Vorerst wird sie das Amt aber entsprechend Art. 69 Abs. 3 GG weiterführen. Kurios ist, dass keine Frist bis zur Wahl eines neuen Kanzlers vorgesehen ist - es ist allerdings nicht praktikabel, ohne gewählten Kanzler zu tagen. Die Parteien könnten also theoretisch noch Monate weitereiern (in Belgien ist es mal zu einer ähnlichen Situation gekommen). Wenn allerdings zwei Wochen nach dem ersten Wahlgang noch kein Kanzler gewählt ist, wird eine Wahl mit relativer Mehrheit durchgeführt (Art. 63 GG). Danach könnte der Bundespräsident dann den Bundestag auflösen und so Neuwahlen herbeiführen.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
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Alt 28.10.2017, 11:32   #2
basti_79
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Dass eine Minderheitsregierung dem Präsidenten die Möglichkeit gibt, den Bundestag aufzulösen, ist nicht nur mir aufgefallen. Steinmeier ist in derselben Partei wie Schulz. Das heißt, die SPD will die Schwampel erzwingen, nicht aber mitregieren. Wechselnde Mehrheiten (d.h. "Abweichler" = "Verräter") kann man von Merkel und ihrer Gurkentruppe nicht erwarten, und die SPD hat keine Forderungen, mit denen sie FDP, Grüne und Linke gleichzeitig überzeugen könnte und so gegen den Willen Merkels Politik machen könnte.

https://www.welt.de/politik/deutschl...scheitern.html
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Alt 30.10.2017, 02:52   #3
derwestermann
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Ich gehe mal nicht davon aus, dass Du das Neutralitätsgebot für den Bundespräsidenten ernst nimmst, oder gar, dass das ein Bundespräsident jemals getan haben könnte?
__________________
Der sicherste Beweis für Ausserirdisches Leben ist, daß noch niemand versucht hat mit uns Kontakt aufzunehmen....
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Alt 21.11.2017, 14:55   #4
basti_79
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Na herzlichen Glühstrumpf... Jetzt haben die Nulpen sich, wie der Tagespresse zu entnehmen war, unmöglich gemacht. Der Eiertanz wird demnächst fortgesetzt. Bei heise drehen sie derweil die Jammerturbine hoch:

https://www.heise.de/newsticker/meld...n-3894202.html

Zitat:
Die standesamtliche Neuanmeldung eines Kindes löst gleich den Prozess zur Auszahlung des Kindergeldes aus. Automatisierte staatliche (Dienst-)Leistungen, ohne Nummernziehen.


Da staunt der Laie und der Fachmann wundert sich. Wenn irgend etwas notwendige Konsequenz ist (wie eben die Auszahlung des Kindergelds anscheinend, oder meinetwegen Druck und Zustellung eines Personalausweises), welches Argument gibt es dann dagegen, den Vorgang zu mechanisieren oder zu automatisieren?

Zitat:
Eine Aufgabe der nächsten Bundesregierung könnte sein, die Routineprozesse in der Verwaltung zu lokalisieren, auf ihre Automatisierungspotenziale zu prüfen und darauf basierend diese umzusetzen.
In anderen Worten: bei Heise hoffen sie auf eine Fortsetzung des mittlerweile 70 Jahre währenden Reformstaus...

Zitat:
Wie weit die hochfrequentieren Standardprozesse dabei auf Autopilot geschaltet werden können, wird die Umsetzung zeigen.
Da liegt der Hase im Pfeffer: anscheinend vermutet man in Menschen immer noch eine Instanz, die irgendwie besser entscheiden könnte als ein "Autopilot". Dabei ist das schon eine schiefe Metapher. Ein Autopilot tut nur das, was der (menschliche) Pilot vorgibt. Auf Notsituationen kann er z.B. nicht immer angemessen reagieren. Ein Autopilot ist gerade keine AI, sondern ein hochspezialisierter Automat, ein Algorithmus im engeren Sinne.

Zitat:
Aber eignen sich diese Instrumente auch zur politischen Steuerung? Können sie die Entscheider in Politik und Verwaltung bei der Entscheidungsfindung unterstützen, zum Beispiel bei der inneren Sicherheit, bei der Infrastruktur-, Bildungs- und Sozialpolitik?
Gegenfrage: welche genialen Ideen haben denn menschliche Politiker in diesen Themenfeldern in den letzten 70 Jahren produziert? Und: hat überhaupt jemand ernsthaft vor, an dieser Stelle AI's (oder auch nur irgendeine Automatik) einzusetzen? Es geht wohlgemerkt um hochgradig abstrakte Entscheidungen, nicht um Fragen wie die Einhaltung von Fristen oder Dergleichen.

Zitat:
Datengetriebene Technik soll politische Eingriffe evidenzbasiert machen.
Das wäre meiner Meinung nach wünschenswert. Man könnte den Vorschlag auf die Formel herunterbrechen: "Erst fragen, dann schlagen" - andersherum als heutzutage. Genau wie man Medizin nur evidenzbasiert ethisch betreiben kann, sollte man auch in der Politik die Evidenz (man spricht dann vielleicht von Tatsachen) den Entscheidungen zugrundelegen.

Zitat:
In der Utopie liefern vorhersagende Algorithmen eine genaue Modellierung von Maßnahmen und Gesetzgebungsvorhaben, noch bevor Menschen die Probleme erkennt haben und Regulierungen in Kraft treten.
Ich wäre schon glücklich, wenn man in der Politik öfter mal vom Sollen auf Sein käme...

Zitat:
Politik, also das Erkennen und Lösen komplexer gesellschaftlicher Probleme, erscheint plötzlich als mathematische Rechenaufgabe.
Selbst wenn - ich würde die entsprechende Aufgabe nicht mathematisch nennen: wen würde es denn stören?

Zitat:
Mike Saunders: Everything is an optimization problem!
Zitat:
Vor allem die gescheiterten Steuerungsutopien der politischen Kybernetik erscheinen angesichts beobachtbarer Techniktrends wieder seltsam aktuell.
Sind denn die "Steuerungsutopien" tatsächlich gescheitert? Meiner Meinung nach wird die Bevölkerung dieses Staates durchaus wirksam kontrolliert und gesteuert - nur halt zu den falschen Zwecken. Zählen tut nur noch der Profit, Menschenrechte oder Glück werden zur Nebensache. Das ist - kybernetische - Steuerung. Nur eben auf dem falschen Kurs...

Zitat:
Die "richtig" programmierte Maschine würde Kurs halten und sich wie auf Autopilot selbst steuern, wenn Daten und Informationen nur ungestört gesammelt würden und fließen könnten.
Korrekt - allerdings würde vorher die Frage auftauchen, wer die Maschine "programmieren" (das ist nicht das richtige Wort) darf, und was der richtige "Kurs" wäre. Und der freie Fluss von Informationen (der meiner Meinung nach auch gar nicht alle möglichen Informationen erfassen bräuchte - was hier unterstellt zu werden scheint) ist zwar eine notwendige, nicht aber eine hinreichende oder gar die einzige Bedingung.

Zitat:
Zitat von Piratenpartei
Transparenter Staat statt gläserne Bürger!
Zitat:
Die in Code gegossenen Anweisungen treten nun neben die rechtlichen Ge- und Verbote und bestimmen, was geht und was nicht.
  1. Die Gesetze sind meistens das Papier nicht wert, auf dem sie gedruckt stehen
  2. Gibt es ohnehin schon eine Fülle von "parallelen" Gesetzen und Regeln, die über jeden Zugriff erhaben sind
  3. Ist eine AI, wie schon öfter erwähnt, eben kein Programm
  4. Ist das der Normalzustand eines Computers, das Problem, das durch Computer gelöst wurde

Zitat:
Wo sie von privaten Unternehmen geschrieben werden, können sie die staatliche Rechtsordnung aushebeln.
Das gilt auch für Behörden und andere Institutionen.

Zitat:
Es geht bei der algorithmischen Regulierung jedoch nicht mehr um ein Sollen, wie bei Rechtsnormen, die dem Menschen ja erstmal die freie Wahl lassen.
Da möchte man den Autor mal fragen, wo man denn heutzutage überhaupt noch die freie (oder überhaupt irgend eine wesentliche) Wahl hat...

Zitat:
Die Vorschriften des Algorithmus führen sich ad hoc und selbstständig aus, sie brauchen also keine Ordnungshüter.
Ja, so sind Computer eben konstruiert... Ganz anders als Menschen...

Zitat:
Das zu schnell fahrende Auto bremst sich selbst aus oder veranlasst die automatische Abbuchung eines Bußgeldes. Vielleicht können die normierten Regeln auch gar nicht mehr übertreten werden.
Inhaltlich korrekt - was ist aber das Problem dabei? Als noch auf Pferden geritten wurde, gab es keinen Bedarf für eine Geschwindigkeitsbegrenzung - die Viecher können einfach nicht schneller rennen. Tempolimits gibt es erst, seitdem man entsprechende Geschwindigkeiten überhaupt erreichen kann.

Zitat:
Eine normkonforme Gesellschaft, die durch programmierte, immer korrekt agierende Objekte und zwingende Architekturen gesteuert wird – Utopie oder Dystopie?
Das finde ich jetzt schon fast rührend komisch. Ein Mitglied einer Gesellschaft, in der der Wille zur Arbeit als zentraler Wert zählt, in der es über ein paar Sekundärtugenden hinaus kaum eine nennenswerte, öffentlich zelebrierte Kultur gibt, in der der "Brutalismus" in weiten Teilen des öffentlichen Raums die prägende Form der Architektur ist und weiter bleiben wird, faselt von dem Schaden, den dumpfer Kadavergehorsam anrichten könnte - der wohlgemerkt das Freitagsgebet für die 99% der Bevölkerung darstellt...

Ich frage mich auch ein wenig, woher dieser Architektur-Fetisch rührt. Ich sage da immer - bezüglich der Architektur der Schulen und verwandter Felder: wer solche Schulen betreiben will, braucht sich auch keine Sorgen mehr machen, ob es durch die Decke tropft oder ob das Gebäude von außen aussieht wie ein gammeliger Schuhkarton. Egal, wer da was gebaut hat - solange es innen heißt "weiter wie bisher", muss jede Bemühung, Architekten noch mehr Geld in den Rachen zu werfen, sinnlos bleiben.

Zitat:
Für die perfekte Regulierung unserer Gesellschaft und ihrer Subsysteme bräuchte es nur noch die Vorgabe von Zielen, etwa im Gesundheitssystem, auf dem Arbeitsmarkt, beim Klima oder der inneren Sicherheit.
Man bemerke das Abheben: von einer - einfach zu lösenden - Frage wie der Begrenzung der Geschwindigkeit eines Fahrzeugs hin zu den komplexesten Fragestellungen, die derzeit in der Politik verhandelt werden. Das ist reines Schwarzweißdenken.

Zitat:
Rechtsstaatliches Handeln ist nicht erst dann wertvoll, wenn sich damit besonders effizient gesellschaftliche Probleme lösen lassen. Politische Prozesse in einer Demokratie müssen nicht wie eine App nützlich sein.
An der Stelle taucht dann die Frage auf, was ein "gesellschaftliches Problem" wäre. Offensichtlich (hier erwähnt): Tempolimits (ganz wichtig!), das Gesundheitssystem, der Arbeitsmarkt, das Klima und die innere Sicherheit.

Man kann auch anders zum Ausdruck bringen, dass einem gleichgültig ist, wie sehr die Leute unter dem Terror der Behörden leiden, solange man nur im Tesla sitzt, auf die Tube drücken kann, und die Grünen (hoffentlich!) nur noch aus dem Autoradio quellen...

Zitat:
Denn: Das Design von Rechtsstaat und Demokratie sind bewusst und zu Recht auf Legitimität ausgelegt, nicht auf Disruption.


Da wird jetzt pauschal jede Reform dem Willen der Mehrheit untergeordnet. Das ist keine Demokratie. Und der Rechtsstaat ist auf Legalität ausgelegt, nicht auf Legitimität. Ein zentrales Element eines Rechtsstaats wäre, dass die Behörden nur noch entsprechend der Verfassung handeln können. Das tun sie seit 70 Jahren nicht mehr. Im Gegenteil: die Verfassung gilt dort als Antithese, als das, was unbedingt vermieden werden müsste...

Zitat:
Deduktive Verfahren und Theoriebildung erscheinen plötzlich nicht notwendig, einzelne Phänomene brauchen nicht mehr verstanden zu werden – es wird davon ausgegangen, dass die schiere Masse an Daten ein exaktes Abbild der Realität liefert.
Denkfehler: niemand behauptet, dass das Abbild "exakt" wäre (d.h. die gesamte Realität erfasst). Hingegen wird behauptet, dass
  1. Das bestehende Abbild ("Stimmvieh", "Schafe", "Bittsteller", "Opfer der Populisten" usw.) notwendig mangelhaft ist und damit nicht Entscheidungen zugrunde gelegt werden sollte
  2. Die wie konstruiert entstehenden Abbilder zumindest wesentliche Probleme lösen helfen könnten
  3. "Machine Learning"/AI selber ein deduktives Verfahren wäre

Zitat:
Sie [die Algorithmen für maschinelles Lernen] generieren alle möglichen Regeln und Verhältnismäßigkeiten zwischen den Datenpunkten selbst und entscheiden dann, welche Regelmäßigkeiten unsere Aufmerksamkeit verdienen und welche Signale im Rauschen verschwinden können.
Noch ein Denkfehler: die Entscheidung, welche Signale "im Rauschen verschwinden können", ist eine des Bedieners, der diese Entscheidung trifft. Ich kann den Autor aber beruhigen - im heutigen Deutschland wird derzeit alles "im Rauschen verschwunden", was nicht der übergeordneten Norm des "weiter wie bisher" entspricht...

Zitat:
Politik auf dieser Wissensgrundlage muss die Ursachen eines sozialen oder wirtschaftlichen Phänomens nicht mehr verstehen, Regulierungen und politische Programme brauchen nur noch auf die messbaren Wirkungen zu zielen.
Meiner Meinung nach ist das sogar vollkommen richtig. Warum eine Wagner-Oper floppt und "Starlight Express" demgegenüber Erfolg hat, ist unwichtig. Wichtig ist, dass das geschehen ist. Die letzten 70 Jahre haben übrigens gezeigt, dass nur eine messbare Wirkung - der Mehrwert - überhaupt ausschlaggebend ist. Und das, während Menschen alle Entscheidungen getroffen haben. Und trotzdem uns alle Weisen seit der Antike vor diesem Verbrechen gewarnt haben.

Zitat:
Es gibt noch keine standardisierten Prüfverfahren für KI und datenbasierte Technik, trotzdem werden auch in immer mehr Bereichen des öffentlichen Sektors Systeme eingesetzt, die in sensiblen Fragen Entscheidungen treffen beziehungsweise vorbereiten.
Es gibt auch kein standardisiertes Prüfverfahren für die Entscheidungen vermeintlich demokratischer Institutionen wie der Bundesregierung. Was die "sensiblen Fragen" sein sollen, bleibt unklar.

Zitat:
Datenanalyse kann institutionelle Diskriminierung ans Licht bringen und Chancengerechtigkeit fördern.
Kann schon. Wird aber nicht. Die Behörden werden wahrscheinlich noch Jahrtausende im Ritual des "weiter wie bisher" kreisen - jede Erkenntnis darüber, was "institutionelle Diskriminierung" auch nur wäre, müsste bei den Tätern zu einer Gewissenskrise führen. Hätten die Täter ein Gewissen, würden sie schon längst vernünftig handeln. Das heißt, es ist ihnen unmöglich, das Ausmaß ihrer Verbrechen zu erkennen - wie bei Persönlichkeitsgestörten im Übrigen üblich.

Zitat:
Bereits jetzt ist die Wissenslücke zum privaten Sektor im Bereich der KI schwindelerregend groß.
Was für ein Stuss. Da ist nicht "die Wissenslücke groß", sondern der Reformwille klein, geradezu mikroskopisch. Ein Beamter sollte ein Mensch sein, dem man die wesentlichen Dokumente (mehr als ein Buch wird es wohl kaum werden) auf den Tisch legt, und der dann auf der Grundlage des enthaltenen Wissens vernünftige Entscheidungen treffen kann. Das bedeutet, in den letzten 20 Jahren hatten alle Beamten in Deutschland Zeit, Gelegenheit und auch die Motivation, sich das entsprechende Wissen anzueigenen.

Zitat:
Die langfristigen praktischen und demokratietheoretischen Auswirkungen einer Algorithmisierung der Prozesse und Wissensgrundlagen staatlichen Handelns sind noch kaum absehbar.
Doch. Zuerst einmal passiert überhaupt nichts, und dann bleibt alles, wie es ist. Die Behörden funktionieren seit 70 Jahren genau wie der (hier offensichtlich befürchtete) "Algorithmus". Kein Hauch von Intelligenz, kein Hauch von Mitgefühl, keine Wahrnehmung von irgend etwas, kein Hauch von auch nur Verstand. Nach der Umstellung kann dann alles bleiben, wie es ist, und die Bonzen stoßen an.

Ausserdem geht es (ausser in Randfällen) nicht um eine "Algorithmisierung". AI's sind keine Algorithmen. Und selbst wo es um "Algorithmisierung" geht, ist diese wohl ein effizienter Ersatz für den Beamten, der seit 30 Jahren denselben Job macht, und der sich auch vorstellen kann, besseres mit seiner Zeit anzufangen.

(Da fällt mir immer der Typ ein, bei dem ich hier beim Gericht mal meinen Kirchenaustritt zu den Akten gegeben habe - Ein Herrscher über ein ganzes Zimmer voller Aktenschränke, sein einziger Job ist offensichtlich, Personalausweise abzulesen und dem Wunsch des Kunden entsprechende Änderungen in den Akten vorzunehmen...)

Zitat:
Hier geht es nicht nur um Transparenz und Nachvollziehbarkeit.
Doch, um nicht viel anderes. Die zentrale Befürchtung ist ja, dass sich da irgend etwas verändern könnte, dass irgend etwas nicht unter Kontrolle wäre. Nur, dass hier halt Kontrolle von Menschen (auch wenn sie noch dumm sind) als wertiger vorgestellt wird als Kontrolle durch Maschinen.

Resa Mohabbat Kar gibt hier ein Beispiel für etwas, was ich eine "Argumentation im luftleeren Raum" nenne. Wäre das Ziel der (befürchteten) "AI-Unternehmen" tatsächlich eine "Algorithmisierung" der Institutionen, wäre das erstens unproblematisch und zweitens gerade keine AI. AIs sollen selbstständig Entscheidungen treffen. Das ist das Charakteristikum. Für Algorithmen braucht man keine AI, sondern, wie der Autor erkennt, "nur" einen Computer, einen Automaten. Dann greift das Werkzeugargument: wer auch immer das Werkzeug einsetzt, trägt die Verantwortung.

Dazu kommt dann noch, dass die Behörden seit 70 Jahren so funktionieren wie der (angeblich unerwünschte) Algorithmus. Ob nun Blut auf dem Schulhof klebt, oder Nazis Häuser anzünden, weil darin Leute leben, die ihnen nicht gefallen, die Behörden gehen unerbittlich ihren eigenen Weg: weiter wie bisher, bis zum bitteren Ende...

Dass der Autor zuerst vorgibt, zu erkennen, wozu Automaten gut sein sollten, und dann die Horrorvorstellung, die Behörden könnten immer und immer wieder "weiter wie bisher" machen (wozu sie unter letztendlich existenziellen Drohungen ja gezwungen werden), auf "Algorithmen" projiziert, die sich ja von AI's wesentlich unterscheiden, kann ich nur noch intellektuelle Unaufrichtigkeit nennen. So schreibt jemand, der nicht verstanden hat, was er selber nicht verstanden hat.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 21.11.2017, 16:49   #5
Venkman
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Reden Bundestag oder besser Kasperletheater

...taugt mMn momentan besser als Überschrift.

Außer unserer Bundeskanzlerin scheinen es ja einige Politiker zu merken, wenn der Ringrichter den Kampf abgebrochen hat. Will sagen man kann sich Misserfolge und Niederlagen auch schönreden.
Auf diesem Gebiet ist sie jedenfalls unschlagbar. Keine Spur von Selbstkritik...

Die absolute Krönung ist ja im moment das Scheitern von "Jamaika" der FDP als von vornherein gewollt unterschieben zu wollen.
Der "Schulz" von der SPD ist jedenfalls kein Fähnlein in den Wind Hänger, er bleibt dabei mit der CDU nicht zu koalieren!
__________________
„Wir werden von Desinformation und Halbwahrheiten geradezu überschüttet.“
- Jack Nicholson - (Süddeutsche Zeitung 23. Januar 2008)

Geändert von Venkman (21.11.2017 um 16:56 Uhr).
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Alt Gestern, 11:12   #6
Lupo
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Zitat:
Zitat von Venkman Beitrag anzeigen
Der "Schulz" von der SPD ist jedenfalls kein Fähnlein in den Wind Hänger, er bleibt dabei mit der CDU nicht zu koalieren!
Es ist erst vorbei, wenn die dicke Frau gesungen hat.

Zitat:
Einige Genossen wagen sich inzwischen aus der Deckung und fordern die Parteispitze auf, von der "Ausschließeritis" in Sachen Groko abzurücken. "Nach dem Aus von Jamaika haben wir eine neue Situation", sagt der Sprecher des rechten SPD-Flügels, Johannes Kahrs, in der "Passauer Neuen Presse". Schulz solle offen in das Gespräch mit dem Bundespräsidenten gehen. "Wir können dem Bundespräsidenten nicht sagen: Rums, das war's."
https://www.stern.de/politik/deutsch...t-7757764.html
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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Alt Gestern, 11:33   #7
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Venkman Beitrag anzeigen
...taugt mMn momentan besser als Überschrift!
Es ist in gewissen Kreisen lange Tradition die Parlamente als "Schwatzbuden" zu diffamieren. Eigentlich bräuchten wir einen "starken Mann" (z.B. einen Kaiser), der sagt, wo es langgeht......

Das Problem im Moment ist, dass scheinbar inkompatible Prinzipien aufeinandertreffen. Man würde erwarten, dass man die AfD mitregieren lässt. Vom den Programmen her würde das perfekt passen. Aber da sind auf allen Seiten heilige Prinzipien davor.

Also Neuwahlen mit dem selben Ergebnis? Aber wie oft geht das?
__________________
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Alt Gestern, 11:43   #8
Venkman
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Meine Meinung?

Neuwahlen! UND

Innerhalb der CDU/CSU eine/-n neuen Kanzlerkandidaten aufstellen der klare Inhalte präsentiert/präsentieren kann.
Die "Merkel" ist der Hauptgrund für die Schlappe der Union bei der Wahl, obwohl sie das ja nicht einsehen will, da sie 0 Selbstkritik/Selbstreflexion besitzt (wenn man ihr Gelaber in den Medien mal verfolgt).

Wie gesagt, ist nur meine Meinung.
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- Jack Nicholson - (Süddeutsche Zeitung 23. Januar 2008)

Geändert von Venkman (Gestern um 11:45 Uhr).
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Alt Gestern, 12:59   #9
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Venkman Beitrag anzeigen
Die "Merkel" ist der Hauptgrund für die Schlappe der Union bei der Wahl, obwohl sie das ja nicht einsehen will.....
Das ist die logische Folge des autoritären, auf Personen fixierten Führungskonzepts der Parteien.

Die SPD ist da keinen Deut besser und selbst Grüne und Linke passen sich an. Verständlich, wenn man erst das Kollektiv (Parlament, Parteivorstand) diffamiert und als unfähig darstellt.

Witzigerweise schaffen es die verfemten Rechtspopulisten am wenigsten eine strahlende Führungsfigur aufzubauen und zu halten. Da wird noch am ehesten Demokratie praktiziert, notfalls durch Abspaltung.

Da blühen tausend Pissnelken in verfeindeten Grüppchen und Fraktionen, wie einst bei den Grünen. Aber die schwärmen heute von der Einheit und dem Zusammenklappen der Flügel.

Inzwischen arrangiert man sich sogar mit dem einstigen Erzfeind. Zum Wohl des Volkes? Kaum!
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
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Alt Gestern, 14:03   #10
Venkman
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Zum Wohl des Volkes? Kaum!
Bin da ganz deiner Meinung.

Diese Phrase gehört abgeschafft, da dies in unserem Land nur noch zu einer hohlen Worthülse verkommen ist!
__________________
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- Jack Nicholson - (Süddeutsche Zeitung 23. Januar 2008)
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