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Unsere Erde - Beobachtungen, Bedrohungen & Katastrophen Vulkane, Erdbeben, Tsunamis, Wetteranomalien und -katastrophen...

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Alt 10.02.2005, 20:56   #71
Desert Rose
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Zitat:
10. Februar 2005

SEEBEBEN IN ASIEN

Der Crash der Kontinentalplatten

Aufnahmen des zerfurchten Meeresbodens vor Sumatra lassen die gewaltigen Kräfte ahnen, die den verheerenden Tsunami auslösten. Bei der plötzlichen Bewegung der tektonischen Platten wurden Felsbrocken mit 160 Stundenkilometern über den Meeresgrund gefegt.

Die Bilder, die das britische Marineschiff "HMS Scott" vom Meeresboden 60 Seemeilen vor Sumatra machte, zeigen eine bizarre, von den Kräften der Natur gezeichnete Landschaft. Mit dem hochauflösenden Sonar scannte die Besatzung des Aufklärungsschiffes den Ozeangrund an der Stelle, wo Indische und Eurasische Platte aufeinanderstoßen.

Am Computer entstanden daraus beeindruckende 3D-Modelle der Zone, an der der verheerende Tsunami ausgelöst wurde. Zu erkennen sind schroffe Bergketten, die teils von tiefen Furchen gezeichnet sind.

Gigantische, kilometergroße Felsbrocken seien bis zu elf Kilometer weit über den Meersgrund geschleudert worden, berichteten die britischen Forscher. Die Brocken hätten Geschwindigkeiten von bis zu 160 km/h erreicht.

Mit ihren Sonaraufnahmen gelang es den Forschern erstmals, kurz nach einem verheerenden Seebeben den Meeresgrund neu zu kartieren. Das Beben erreichte eine Stärke von 9,0 auf der Richterskala, US-Forscher glauben inzwischen, dass es sogar die Stärke von 9,3 erreicht haben könnte. Der ausgelöste Tsunami tötete weit über 200.000 Menschen.

Auf den 3D-Bildern ist die ebene Indische Platte gut zu erkennen, die sich unter die Eurasische schiebt. Die Platten seien zusammengestoßen und wie ein Teppich zerknüllt worden, sagte Commander Steve Malcolm, Captain der "HMS Scott". Die Eurasische Platte habe sich plötzlich um rund 20 Meter nach oben bewegt. Dadurch sei die darüber befindliche Wassersäule ebenfalls gehoben worden - Resultat war die verheerende Flutwelle, die anschließend auf die Küsten Südostasiens und Afrikas zuraste.

"Wissenschaftlich gesehen sind die Aufnahmen nicht weniger aufregend und bedeutend als die Fotos von Titan, die wir zuletzt gesehen haben", sagte Captain Ian Turner. Die Unterwasserlandschaft sei "monumental" verändert worden. "Es ist beeindruckend, den Grad der Veränderung zu sehen." Ein sehr großes Gebiet sei vom Seebeben verformt worden.

An Bord der "HMS Scott" fuhren neben der Stammbesatzung auch Wissenschaftler des British Geological Survey mit. Indonesien hatte die Fahrt vor seiner Küste genehmigt.
Quelle (Spiegel)
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Alt 11.02.2005, 19:04   #72
Acolina
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Zitat:
Seebeben warf neue Berge auf

Das verheerende Seebeben im Indischen Ozean hat den Meeresboden wie einen Teppich zusammengeknüllt.

Die tektonischen Platten seien am 26. Dezember vor Sumatra mit so großer Gewalt zusammengestoßen, dass 1500 Meter hohe Erhebungen entstanden seien, sagte der auf dem vor Ort dümpelnden Schiff „HMS Scott“ tätige Offizier Steve Malcolm von der britischen Marine am Donnerstag. Entsprechende Digitalbilder seien gemacht worden.

Es sei das erste Mal, dass der Meeresboden nach einem derart schweren Beben so schnell dokumentiert werden habe können. Die Besatzung der HMS Scott wurde bei ihrer Arbeit von Wissenschaftlern des Zentrums für Ozeanographie in Southampton und des British Geological Survey
unterstützt.
(Quelle: Focus)

Unvorstellbar, welche Kräfte da walten...

Zitat:
Original von Desert Rose
Zitat:
Die Wissenschaftler geben nun vorsichtige Entwarnung. Durch das enorm starke Beben sei ein Großteil der tektonischen Spannung in der Grabenzone vor Sumatra frei geworden. Deshalb wäre ein ähnlich starkes Beben in näherer Zukunft unwahrscheinlich. Schwächere Beben und lokale Tsunamis könnten aber nicht ausgeschlossen werden.
Daran, dass nun Ruhe einkehrt, kann ich nicht so ganz glauben, wenn ich z.B. nanes Beobachtungen -> hier ansehe.
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 19.02.2005, 13:07   #73
Desert Rose
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Ja Acolina, du und nane hab recht, lest hier....

Zitat:
Samstag 19. Februar 2005, 09:43 Uhr

Erdbeben der Stärke 6,9 erschüttert Indonesien

Jakarta (AFP) - Ein schweres Erdbeben hat den Osten Indonesiens erschüttert und die Bewohner der Region an die Tsunami-Katastrophe vom vergangenen Dezember erinnert. Das Beben vor der Insel Sulawesi habe eine Stärke von 6,9 auf der Richter-Skala erreicht, teilte das Nationale Wetteramt mit. Das Niveau des Meeresspiegels sei teilweise um drei bis vier Meter angestiegen und habe bei den Menschen Angst vor einer neuen Flutwelle ausgelöst.

In der Stadt Butan, die nahe dem Epizentrum des Bebens liegt, rannten die Menschen aus ihren Häusern, weil sie einen neuen Tsunami fürchteten, berichtete ein Polizist. Die See sei aber ruhig geblieben und die Menschen seien in ihre Häuser zurückgekehrt. Zahlreiche Gebäude hätten Risse. Auch in der Stadt Makassar, der Hauptstadt der Provinz Süd-Sulawesi, rannten die Menschen nach dem Beben aus ihren Häusern, wie die Nachrichtenagentur Antara meldete.

Bruce Presgrave von der US-Erdbebenwarte im Bundesstaat Colorado sagte der BBC, zwischen dem aktuellen Beben und jenem am 26. Dezember bestehe kein Zusammenhang. Die Epizentren lägen fast 2000 Kilometer voneinander entfernt. Außerdem sei bei dem verheerenden Beben vor Sumatra vor acht Wochen rund 5500 Mal mehr Energie freigesetzt worden.

Das Beben vom 26. Dezember hatte eine Stärke von 9,0 auf der Richter-Skala. Es löste gewaltige Flutwellen aus, die in mehreren Anrainerstaaten des Indischen Ozeans fast 300.000 Menschen den Tod brachten. Mehr als 230.000 Menschen starben allein in Indonesien.
Quelle


Und es gibt dort einfach keine Ruhe mehr...
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Alt 26.12.2005, 14:26   #74
Desert Rose
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Unglücklich Ein Jahr nach der Welle.....

Zitat:
26. Dezember 2005

TSUNAMI-GEDENKEN

Um 8.16 Uhr kam die Welle

In aller Welt haben die Menschen der Opfer der Tsunami-Katastrophe vor einem Jahr gedacht. Um 8.16 Uhr Ortszeit gab die Sirene eines neuen Warnsystems im indonesischen Banda Aceh das Signal für eine Schweigeminute. Genau zu dieser Zeit hatte die tödliche Welle am 26. Dezember 2004 die Küste erreicht.

Banda Aceh/Phuket/Colombo - Am Jahrestag des Tsunamis haben in Indonesien und anderen Ländern Asiens Tausende Menschen der Opfer der Naturkatastrophe gedacht. Mit einer Sirene gab der indonesische Präsident Susilo Bambang Yudhoyono um 8.16 Uhr (2.16 Uhr MEZ) in Banda Aceh das Signal für eine Schweigeminute. Die Menschen hielten zu dem Zeitpunkt inne, als die Riesenwelle vor genau einem Jahr die Küste erreichte. Die indonesische Provinz Aceh war damals zuerst betroffen, da sie dem Epizentrum des Seebebens der Stärke neun im Indischen Ozean am nächsten lag.

An der Zeremonie in Banda Aceh nahmen neben Überlebenden auch ausländische Würdenträger und Mitarbeiter von Hilfsorganisationen teil. Von einer Bühne in Sichtweite des Meeres erinnerte Yudhoyono an den Moment, "als Mutter Erde ihre zerstörerischste Kraft auf uns losließ". Die Sirene, die er in Gang setzte, ist Teil eines Warnsystems, das im vergangenen Jahr noch nicht existierte. Später verstreute der Präsident Blütenblätter über einem Massengrab, in dem in den Tagen nach der Katastrophe 47.000 Menschen beigesetzt wurden.

Yudhoyono dankte der internationalen Gemeinschaft für ihre Unterstützung. Es gebe aber noch viel zu tun, betonte er. Die schwerste Naturkatastrophe in der modernen Geschichte löste eine bislang nie da gewesene weltweite Spendenbereitschaft aus. Den Vereinten Nationen zufolge kamen 13,6 Milliarden Dollar zusammen. Dennoch ist auch heute noch vielerorts die Not groß.

"Die Katastrophe hat uns eine wichtige Lektion erteilt"

Uno-Generalsekretär Kofi Annan erklärte in einer Videobotschaft, die bei der Zeremonie in Banda Aceh abgespielt wurde, der Tsunami sei "so brutal, so schnell, so gewaltig gewesen, dass wir immer noch Schwierigkeiten haben, ihn ganz zu begreifen". Der frühere US-Präsident Bill Clinton, heute Uno-Botschafter für die Bewältigung der Tsunami-Folgen, erklärte: "Ich will, dass Sie wissen, dass ich nicht zufrieden sein werde, bis Sie anständige Häuser und Arbeitsmöglichkeiten haben." Zahlreiche Menschen beteten heute in Südasien an Massengräbern und nahmen an Gottesdiensten in Moscheen, Tempeln und Kirchen teil.

In Sri Lanka kamen die Menschen zu Gebeten zusammen, sie zündeten Öllampen an und gaben Almosen, um Segen für die Opfer zu erbitten. Landesweit war zu zwei Schweigeminuten für die nach offiziellen Angaben mehr als 30 000 Toten aufgerufen worden. Die zentrale Gedenkfeier fand in Pereliya im Süden des Inselstaats statt, wo die Flutwellen einen vollbesetzten Expresszug aus den Gleisen warfen. Dabei waren mehr als 1200 Menschen ums Leben gekommen worden.

Sri Lankas Präsident Mahinda Rajapakse rief seine Landleute zur Einheit auf. "Die Katastrophe hat uns die schmerzvolle, aber wichtige Lektion erteilt, dass die Menschen dieses Landes zusammenhalten und zusammenarbeiten müssen", sagte er in einer Rede. Die Zeremonie begann mit Gebeten buddhistischer, hinduistischer, muslimischer und christlicher Geistlicher. Nach zwei Schweigeminuten um 9.30 Uhr (4.30 Uhr) enthüllte Rajapakse ein Denkmal für die Opfer.

"Ich will einfach nur weinen"

Bei mehreren Feierlichkeiten an der Südküste Indiens sowie auf der indischen Inselkette der Andamanen und Nikobaren kamen die Menschen zu Gebeten zusammen und weihten Gedenkstätten für die nach offiziellen Angaben mehr als 12.000 Toten ein. Im Bundesstaat Tamil Nadu versammelten sich über tausend Schulkinder an einem Strand, an dem mehr als 300 von der Flut getötete Kinder begraben sind.

Bei der Katastrophe am 26. Dezember 2004 kamen rund um den Indischen Ozean mehr als 220.000 Menschen ums Leben. Die meisten Opfer gab es mit etwa 170.000 Toten an der Nordspitze der Insel Sumatra. Zu den Feierlichkeiten in Thailand waren zahlreiche Angehörige von ausländischen Touristen angereist, die von den Flutwellen getötet worden waren. Etwa die Hälfte der rund 5400 Todesopfern in Thailand waren westliche Urlauber, darunter auch 537 Deutsche.

"Ich will einfach nur weinen", sagte eine Australierin, die ein Hochzeitsfoto ihrer Tochter umklammerte, die - im dritten Monat schwanger - vom Tsunami hinfortgerissen worden war. "Mir fällt es schwer, das alles zu glauben. Aber ich fühle, dass all die Tsunami-Leute, die starben, bei uns sind. Das Wesen meiner Tochter lebt weiter."

In der indonesischen Stadt Padang erprobten die Behörden am Jahrestag der Katastrophe erstmals ein noch im Aufbau befindliches Tsunami-Warnsystem. Tausende Menschen nahmen an der vorher angekündigten Übung teil. Beim Ertönen des Alarms verließen die Menschen ihre Häuser oder ihren Arbeitsplatz und eilten auf eigens gebauten Wegen an höher gelegene Orte. Padang liegt im Westen der Insel Sumatra.

Deutsche Politiker gedenken der Opfer

Entwicklungshilfeministerin Heidemarie Wieczorek-Zeul erinnerte in Berlin an die Toten und Vermissten. "Keiner und Keine von ihnen ist vergessen", erklärte sie am Sonntagabend. "Wir tun als Bundesregierung mit unsern Partnern alles, damit die Menschen in den gefährdeten Regionen möglichst bald ein funktionierendes Warnsystem nutzen können", betonte die SPD-Politikerin. Dafür setze Berlin 45 Millionen Euro ein.

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD) setzt zur Eindämmung der Gefahren durch Naturkatastrophen große Hoffnungen in das unter Regie von Potsdamer Wissenschaftlern entwickelte Tsunami-Frühwarnsystem. Er hoffe, dass es einen Beitrag zur Zukunftsvorsorge für bedrohte Gebiete leisten könne, sagte Platzeck.

Nach Angaben Platzecks sind im November die ersten Bojen für das deutsche Frühwarnsystem im Indischen Ozean verankert worden. Sie sollen Beben sicherer als bisher erkennen und Fehlalarme vermeiden helfen. In Indonesien werde das System voraussichtlich ab 2008 vollständig arbeiten.

Wieczorek-Zeul betonte zugleich, der erfolgreiche Friedensprozess im indonesischen Aceh habe gezeigt, dass die durch den Tsunami verursachte Not Menschen zusammenbringen könne, die sich bisher bekämpft haben. Sie fügte hinzu: "Ich appelliere an die Konfliktparteien in Sri Lanka, den Weg der Vergebung zu gehen und Frieden zu schließen. Das ist es, was die Menschen am meisten ersehnen."
Quelle
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Alt 28.12.2005, 00:16   #75
Desert Rose
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Böse Asien drohen neue Todeswellen

Noch zwei Berichte zu diesen Thema....

Zitat:
27. Dezember 2005

TSUNAMI-VORSORGE

Schavan will Frühwarnsystem fürs Mittelmeer


Ein Jahr nach der Flutkatastrophe in Asien will die Bundesregierung ein Tsunami-Frühwarnsystem auch vor den Küsten Europas. Bundesforschungsministerin Annette Schavan will sich für ein entsprechendes Projekt für den Mittelmeerraum einsetzen.

Europa müsse auf Naturkatastrophen besser vorbereitet sein, sagte Schavan (CDU) der "Berliner Zeitung". "Wir können nicht ausschließen, dass es hier zu Flutwellen kommt. Das hat mit der Geologie zu tun, aber auch mit dem Klimawandel", sagte die Ministerin. Nach Einschätzung von Forschern würden die Unwägbarkeiten größer.

Das Frühwarnsystem könnte im Mittelmeer und an der Atlantikküste aufgebaut werden, sagte Schavan. "Ich werde mich dafür einsetzen, dass die EU dafür Gelder bereitstellt", sagte die Ministerin. Über dieses Projekt solle auf einer internationalen Konferenz über Frühwarnsysteme gesprochen werden, die im März in Bonn stattfinden werde.

Nach der Flutkatastrophe in Asien hatte die Bundesregierung am Aufbau eines Tsunami-Frühwarnsystems vor der Küste Sumatras geholfen.

Schavan sagte, derzeit würden die ersten Messergebnisse aufgezeichnet und ausgewertet. Ab 2008 solle das System Warnungen in Echtzeit übermitteln. An Land könnten dann nach rund zehn Minuten Vorsorgemaßnahmen getroffen werden. Die Bundesregierung gibt 45 Millionen Euro für das System aus.
Quelle

__________________________________

Zitat:
22. Dezember 2005

TSUNAMI-FORSCHUNG

Asien drohen neue Todeswellen


Von Axel Bojanowski

Die Tsunami-Katastrophe in Asien hat eine der größten Forschungskampagnen aller Zeiten ausgelöst. Ein Jahr danach sind Experten besorgter denn je: Hinweise verdichten sich, dass der Region ein neues schweres Seebeben unmittelbar bevorsteht.

Vermutlich 230.000 Menschen starben am 26. Dezember 2004 durch die gigantischen Wellen, die vor allem in Indonesien, Thailand, Sri Lanka und Indien die Küsten verwüsteten. Forscher befürchten, dass eine solche Naturkatastrophe wieder auftreten kann. Möglicherweise werde es schon bald ein neues vernichtendes Beben im Indischen Ozean geben, betonen mehrere Forscherteams unabhängig voneinander.

Sonar-Aufnahmen des Meeresgrundes vor Indonesien, die vom Leibniz-Institut für Meereswissenschaften in Kiel erstellt wurden und SPIEGEL ONLINE vorliegen, beunruhigen die Experten. Forscher um Wilhelm Weinrebe haben den Meeresboden mit Schallwellen abgetastet. Vor Sumatra fällt der Meeresboden auf 5000 Meter Tiefe ab - der Kontinentalhang ist höher als die Alpen. Unter dieses Untersee-Gebirge schiebt sich die australische Erdplatte. Die Gesteine verzahnen sich, große Spannungen entstehen. In letzter Zeit hat sich der Druck nicht abgebaut, fanden die Kieler Forscher heraus: Sie entdeckten keine Spuren größerer Erdstöße. Ein schweres Seebeben erscheint daher überfällig.

Vor einer erneuten Katastrophe warnt auch der Geologe Kerry Sieh vom California Institute of Technology. Er hat in den vergangenen Monaten Korallenriffe an der Küste Indonesiens untersucht. Das Ergebnis: Die schweren Erdstöße vom 26. Dezember 2004 und 28. März 2005 haben die Grenze zwischen den Kontinentalplatten wie einen Reißverschluss geöffnet - allerdings nur zu einem Viertel. Südlich der beiden Epizentren habe es dagegen auf mehreren Tausend Kilometern seit Jahrhunderten kein Starkbeben mehr gegeben.

Das Gestein sei mithin zum Bersten gespannt, folgert Sieh. Die beiden Beben hätten den Druck sogar weiter erhöht - um vier Bar. So stark steigt die Spannung durch die Bewegungen der Erdplatten normalerweise im Lauf von rund 50 Jahren. Die "Erdbebenuhr" habe sich mit einem Schlag auf eine Katastrophe hinbewegt, meint Sieh. Er erwartet schon in Kürze weitere Tsunami-Beben vor Indonesien.

Globale Forschungskampagne nach der Katastrophe

Die Tsunamis, die vor einem Jahr Hunderttausende töteten, haben eine der größten Forschungskampagnen aller Zeiten ausgelöst. Kurzerhand wurden Forschungsschiffe wie die deutsche "Sonne" oder die amerikanische "Performer" freigestellt, die eigentlich auf Jahre hin ausgebucht sind. Monatelang kreuzten Wissenschaftler in der Katastrophenregion und untersuchten den Meeresboden.

Minutiös rekonstruierten sie, was unter der Erde vor Sumatra geschehen war. Zwei dicke Gesteinsplatten, beide Dutzende Kilometer stark, schieben sich dort übereinander, verzahnen sich und bauen dadurch Spannungen auf, die sich regelmäßig bei Erdbeben entladen. Am 26. Dezember 2004 um 1.58 Uhr mitteleuropäischer Zeit hielt die nach unten gebogene südostasiatische Platte nicht mehr Stand: Sie brach an der Kante ab und schnellte nach oben. Mit einer Stärke von 9,3 auf der Richterskala war es das heftigste Beben der vergangenen 40 Jahre. Der Boden des Indischen Ozeans wurde erschüttert wie beim Einschlag eines 1000-Meter-Meteoriten.

Von der Nordspitze Sumatras aus riss die Erde auf einer Länge von 1300 Kilometern auf. Die 160 Kilometer tiefe Spalte fraß sich mit einer Geschwindigkeit von 2,5 Kilometern pro Sekunde nach Norden vor, der Ozeanboden ruckte bis zu 15 Meter in die Höhe. Der Stoß verursachte die Monsterwellen, die sich über den Indischen Ozean bis in alle Meere ausbreiteten.

Erdball vibrierte wochenlang

Die Erschütterungen liefen mehrmals um den Globus: Sie ließen den Boden von Sri Lanka wie einen wellenschlagenden Teppich neun Zentimeter auf und ab flattern. Inseln verschoben sich um Dutzende Zentimeter, der gesamte Indische Kontinent bewegte sich zwei Zentimeter nach Osten. Noch Wochen später zitterte der gesamte Erdball.

Die neuen Erkenntnisse über eine bevorstehende Wiederholung der Katastrophe treiben auch die deutschen Experten zur Eile, die derzeit ein Tsunami-Warnsystem im Indischen Ozean aufbauen. Obwohl es in Deutschland bis vergangenes Jahr kaum Tsunami-Forschung gab, begannen auf Geheiß der Bundesregierung mehrere Wissenschaftszentren mit der Entwicklung eines Warnsystems für Indonesien im Wert von 45 Millionen Euro.

Die erfahrenen Tsunami-Nationen USA und Japan hätten das Alarmsystem ebenfalls gern entwickelt. Eifersüchtig sperrten sie den Deutschen den Zugang zu ihren Daten. Den Plan, binnen drei Jahren ein modernes Warnsystem fertigzustellen, hielten US-Forscher ohnehin für abwegig. Die deutsche Gruppe unter Leitung von Jörn Lauterjung vom Geoforschungszentrum Potsdam (GFZ) erklärte indes unerschrocken, sie wolle das beste Alarmsystem der Welt entwickeln. Zunächst wusste allerdings niemand, wie man das macht.

Schnelle Arbeit am Frühwarnsystem

Doch das änderte sich. Auf zahlreichen Tagungen, die Teilnehmer als "chaotisch und kreativ" beschreiben, entstand das Konzept. Schneller als erwartet fanden sich zudem geeignete Technikfirmen, die die benötigten Geräte entwickelten.

Die Basis des Warnsystems bilden Erdbebenmessgeräte. Sie sind erforderlich, weil die meisten Tsunamis von starken Seebeben ausgelöst werden. Je mehr Seismometer in einer Region platziert sind, desto schneller und genauer kann ein Beben lokalisiert werden - denn bei der Tsunami-Warnung zählt jede Sekunde.

Der Indische Ozean ist bisher viel zu grobmaschig mit den Messgeräten bestückt, als dass rechtzeitige Warnungen möglich wären. Deshalb sollen in der Region 40 Geräte installiert werden, die über Satellitenverbindungen verfügen. Binnen zwei Minuten werde die Stärke eines Seebebens im Indischen Ozean gemessen sein, verspricht Lauterjung. Die ersten Geräte wurden bereits installiert.

Ein wichtiges Standbein des Warnsystems sind zudem Bojen, die gefährliche Schwankungen des Wasserspiegels aufspüren sollen. Zwei deutsche Testbojen tanzen bereits auf den Wellen 160 Kilometer vor der Küste Sumatras.

Gefahr an Atlantik- und Mittelmeerküsten

Von den Fortschritten der Deutschen offensichtlich beeindruckt, lenkten die US-Experten ein. Im August gaben sie ihre Daten frei und vereinbarten eine Kooperation. Schiffe beider Länder erkundeten den Boden des Indischen Ozeans und speisten die Karten in Computermodelle ein, die die Ausbreitung der Riesenwellen vorhersagen sollen. Ein besonders ambitioniertes Vorhaben, denn die Amerikaner tüfteln seit neun Jahren an ähnlichen Programmen für ihre Pazifikküste - bisher ohne durchschlagenden Erfolg.

Bei den intensiven Forschungen nach der Tsunami-Katastrophe entpuppten sich auch viele andere Küsten als gefährdet. So sollen nun auch der Atlantik und das Mittelmeer besser geschützt werden. Anders als am Indischen Ozean, wo politische Konflikte kontraproduktiv wirken, fällt die Zusammenarbeit der Atlantik- und Mittelmeer-Anrainer leichter: Bis Ende des Jahres 2007 wollen sie gemeinsame Alarmsysteme fertigstellen.

Sollte es in Asien erneut zu einem Starkbeben und Tsunamis kommen, könnte aber auch das beste Warnsystem nicht alle Menschen in der betroffenen Region retten. Die Millionenstadt Padang in Sumatra etwa liegt unmittelbar nördlich der Erdbebenzone. Nach einem schweren Seebeben würden zehn Meter hohe Wasserwände innerhalb weniger Minuten die zum Teil unter dem Meeresspiegel gelegene Stadt erreichen und zu großen Teilen verwüsten.

Als der Tsunami am 26. Dezember 2004 die indonesische Stadt Banda Aceh traf, drang er acht Kilometer ins Landesinnere ein und tötete Zehntausende. In Padang leben rund dreimal mehr Menschen als damals in Banda Aceh - und die Hälfte lebt weniger als fünf Kilometer vom Strand entfernt. Sollte hier ein Tsunami einschlagen, so warnt US-Geologe Sieh, könnte er die Zahl der 169.000 Toten und Vermissten von Banda Aceh weit übertreffen.
Quelle

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Alt 28.12.2005, 08:27   #76
Alhym
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Zitat:
Original von Desert Rose
Ähm, ich verstehe nicht wie man "Umweltschäden" in Geld umwandeln/ausdrücken kann.
Kann man Natur mit Geld "ersetzen"? Kann man Geld essen???
Korallenriffe brauchen evtl. Jahrhunderte bis sie sich vollkommen regeneriert haben.
Man kann es in dadurch entstandene/entgangene Kosten/Gewinne ausdrücken. Z.b.: Die Verseuchung des Trinkwassers und somit Zerstörung der Natur eines Wanderweges etc. könnte man so ausdrücken, dass a) Kosten für die Reinigung des Trinkwassers (sollte es aus dem GW gewonnen werden) entstehen sowie Ausfallskosten der TW Nutzung und b) Tourismusabwanderung durch verschandelte/kaputte Natur und erneut Instandsetzungskosten, um diesen Fehler zu beheben.
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Alt 04.04.2009, 23:59   #77
HaraldL
Lebendes Foren-Inventar
 
Registriert seit: 18.08.2002
Beiträge: 2.782
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Nicht bei jeder Tsunamikatastrophe war übrgens Wasser im Spiel. 1919 gab es eine Melasseflutwelle in Boston ( http://en.wikipedia.org/wiki/Boston_Molasses_Disaster ) und 1814 in London eine aus Bier ( http://en.wikipedia.org/wiki/London_Beer_Flood ). Na dann Prost!
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