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-   -   Monsterwellen: Theorie und Erfahrung (http://forum.grenzwissen.de/showthread.php?t=19811)

Der Phoenizier 17.02.2014 17:31

Monsterwellen: Theorie und Erfahrung
 
Monsterwellen in Höhe von 30 Metern wurden lange Zeit als Seemannsgarn abgetan. Es ist ja bekannt, dass Seeleute ganz gerne übertreiben. Besonders aufschlussreich finde ich das folgende Video, das wohl zu denken gibt:

http://www.youtube.com/watch?v=Rndxy2_xSd0

In der Vergangenheit hätte solch eine Welle jedes Schiff zum Kentern gebracht. Das überlebte keiner, und somit gab es auch keine Zeugen, welche davon berichten konnten. Besonders spannend finde ich den Fall der “Bremen”. Dieses Schiff kam aus der Antarktis und war auf Stürme im Südatlantik ausgelegt. Es überstand nur knapp die Begegnung mit einer Monsterwelle. So war es immerhin möglich, einige Szenen zu filmen, welche deutlich machen, wo hier das Problem liegt. Die Sicht war schlecht, und unter den Umständen war es nicht möglich, die Höhe einer Welle exakt zu bestimmen. Gerade deshalb werden die 30 Meter angezweifelt. Die Welle kommt ungewöhnlich steil und bricht vorzeitig. Dadurch stürzen gigantische Wassermassen auf das Schiff, welche extreme Kräfte entfalten. In diesem Fall drang Seewasser ein und legte die ganze Elektronik lahm. Für kurze Zeit war das Schiff manövrierunfähig und befand sich in äußerster Gefahr. Mit viel Glück gelang es, den Notstrom-Aggregator in Gang zu setzen und das Schiff wieder manövrierfähig zu machen. Somit überlebten genügend Zeugen, welche den Vorfall bestätigen.

Solche Bilder brachten die Wissenschaft zum Umdenken. Bis vor kurzem wurde die Entstehung von Wellen durch die lineare Wellentheorie erklärt. Demnach können Wellen maximal 15 Meter hoch werden. Die Höhe von 30 Metern liegt im Bereich des Unmöglichen. Erst die Quantenphysik erklärt die Entstehung von Wellen anders. Demnach raubt die Monsterwelle Energie, welche beim Brechen wieder frei wird. Die zerstörerischen Kräfte wirken auf das Schiff ein und bilden die eigentliche Gefahr. Dabei ist nicht einmal die exakte Höhe so wichtig. Solche Wellen bilden eine steile Wasserwand und stürzen in sich zusammen.

Dies ist der Weg der empirischen Wissenschaft und darauf will ich hinaus. Erst seitdem glaubwürdige Erfahrungen vorliegen, denkt die Wissenschaft weiter und unterscheidet zwei Arten von Wellen. Gewöhnliche Wellen entstehen immer noch durch Wind und entsprechen der linearen Theorie. Solche Wellen sieht man am Strand. Deshalb kam lange keiner auf den Gedanken, dass es auch andere Wellen geben könnte.

Die neue Theorie erklärt übrigens auch, warum man dieses Phänomen am Strand nicht beobachten kann. Durch die geraubte Energie werden andere Wellen kleiner und das Schiff liegt minus 10 Meter tiefer. Plus einer Wellenhöhe von 20 Metern ergibt sich daraus eine Steilwand von 30 Metern. Das gibt es aber nur im Tiefwasser. Im Flachwasser sind minus 10 Meter nicht möglich. Jetzt blicke ich zurück auf meine Erfahrungen. Ganz gelegentlich sah ich auch am Strand besonders steile Wellen. Die Höhe ist aber nicht dramatisch, und solche Wellen richten auch keinen besonderen Schaden an. Die Steilwand bricht innerhalb von Sekunden in sich zusammen. Obwohl ich das versuchte, ist es mir leider nicht gelungen, so eine Welle zu fotografieren. Bis ich die Welle im Objektiv hatte, blieb nur noch Gischt übrig.

Lupo 17.02.2014 19:02

Zitat:

Zitat von Der Phoenizier (Beitrag 187268)
Bis vor kurzem wurde die Entstehung von Wellen durch die lineare Wellentheorie erklärt. Demnach können Wellen maximal 15 Meter hoch werden. Die Höhe von 30 Metern liegt im Bereich des Unmöglichen.

Ich weiß ja nicht, was du mit "bis vor Kurzem" meinst, aber das habe ich so vor ca. 10 Jahren schon im Spiegel gelesen.

EDIT:
http://www.spiegel.de/jahreschronik/a-331482.html

Llewellian 18.02.2014 10:43

Nicht an die Küste? I beg to differ:

http://www.youtube.com/watch?v=xJBN6V7VrYs

http://www.youtube.com/watch?v=UQPEKl_2nwg (Filmaufname kommt in der zweiten Hälfte des Videos.)

Der Phoenizier 18.02.2014 18:16

Zitat:

Zitat von Lupo (Beitrag 187279)
Ich weiß ja nicht, was du mit "bis vor Kurzem" meinst, aber das habe ich so vor ca. 10 Jahren schon im Spiegel gelesen.

EDIT:
http://www.spiegel.de/jahreschronik/a-331482.html

Vielelicht bin ich nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Vor allem bin ich ein Augenmensch. Bilder im Video überzeugen mich mehr als theoretische Erklärungen.

basti_79 18.02.2014 18:26

Zitat:

Zitat von Der Phoenizier (Beitrag 187317)
Vielelicht bin ich nicht ganz auf der Höhe der Zeit. Vor allem bin ich ein Augenmensch. Bilder im Video überzeugen mich mehr als theoretische Erklärungen.

Kategorienfehler.

Bilder und Erklärungen können unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe sein. Sie schließen einander nicht aus. Es gab einmal die Ansicht, dass zu präzise Darstellung den Blick auf das wesentliche verstelle, diese scheint aber heutzutage eher unverständlich. Jedenfalls scheint es nicht sinnvoll, bestimmte Perspektiven abzulehnen.

Ich würde sogar sagen, dass Bilder mehr Potential haben zur Täuschung als Erklärungen.

Lupo 18.02.2014 19:08

Zitat:

Zitat von Der Phoenizier (Beitrag 187317)
Vielelicht bin ich nicht ganz auf der Höhe der Zeit.

Macht ja nichts.
Die Nachfrage war aber ernst gemeint. Für manchen ist vor 10 Jahren ja durchaus "vor kurzem" (je nach Thema )

Der Phoenizier 19.02.2014 13:11

Zitat:

Zitat von basti_79 (Beitrag 187319)
Kategorienfehler.

Bilder und Erklärungen können unterschiedliche Perspektiven auf dasselbe sein. Sie schließen einander nicht aus. Es gab einmal die Ansicht, dass zu präzise Darstellung den Blick auf das wesentliche verstelle, diese scheint aber heutzutage eher unverständlich. Jedenfalls scheint es nicht sinnvoll, bestimmte Perspektiven abzulehnen.

Ich würde sogar sagen, dass Bilder mehr Potential haben zur Täuschung als Erklärungen.

Hier gibt es tatsächlich zwei Sichtweisen der Dinge. Forschung kostet Geld und der Wissenschaftler braucht gute Argumente, um eine Finanzierung zu bekommen. Ein Beispiel ist die Aussage, wonach ein Schiff dem Wasserdruck von 100 Tonnen pro Quadratmeter nicht standhält. Der Wissenschaftler muss nachweisen,dass es Wellen gibt, welche diesen Druck real bewirken. Dann kann er mit der Sicherheit in der Seefahrt argumentieren und das zieht immer.

Ich als Laie brauche die eigene Anschauung, um verstehen zu können, worin das Problem besteht. Das sehe ich einmal als Steuerzahler, der solche Forschungen mitfinanziert. Das sehe ich auch als Passagier, der vielleicht auf einem Schiff mitfahren möchte. Somit lehne ich keine dieser Perspektiven ab, dafür gibt es einen Unterschied in der Relevanz.

Der Phoenizier 20.02.2014 14:08

Zitat:

Zitat von Llewellian (Beitrag 187290)
Nicht an die Küste? I beg to differ:

http://www.youtube.com/watch?v=xJBN6V7VrYs

http://www.youtube.com/watch?v=UQPEKl_2nwg (Filmaufname kommt in der zweiten Hälfte des Videos.)

Hallo Llewellian,

soeben habe ich mir die Videos angschaut. Manche Dinge glaubt man erst, wenn man sie gesehen hat. Im ersten Video beindruckte mich vor allem die Flucht dieser Menschen. Also das kenne ich nur in kleinerem Maßstab. Meine "Flucht" betrug höchstens mal 50 Meter im Laufschritt. Außerdem bieten kleinere Wellen den Vorteil, dass ich vor der Gischt keine Angst haben muss. Äußerstenfalls ist das wie eine kalte Dusche, und an heißen Tagen kann das sogar erfrischend sein. Jedenfalls habe ich noch keine solche Panik erlebt, wie das im Video gezeigt wird.

Llewellian 21.02.2014 13:08

Als Segler hab ich ja das selber schon ein paar Mal vor der Küste von Korsika bei einem längeren Mistral miterlebt (für kleine Boote übrigens kein Problem durch den Korkeneffekt).

Ich würde übrigens behaupten was man im ersten Video sieht ist der Aufschlag einer sogenannten "3 Schwestern" Welle (die sind auch in den flachen Kreuzseen in der Ostsee beim Segeln ein Schiffekiller). Denn man sieht wie die erste (die "Jüngste") erst das Strandbecken flutet, die zweite aufschlägt und das Wasser nicht mehr ablaufen lässt und dann kommt die grosse Schwester und alles rennt.

Sieht man hier auch sehr schön: http://www.youtube.com/watch?v=Ar79VQSa6xQ

Ab 0.36. Davor: Normal, Normal, Normal. Ab 0.36 : Bäm, Mittelträger. Nächst Welle: Bam bis unter den Boden, Bam Mittelträger..... Normal, Normal, Normal.

~~oOo~~~

Kann man auch schön in der Strasse von Gibraltar sehen. Da werden die 3 Schwestern-Solitone (Oberwelle mit 2 Nebenpeaks vorn und hinten) so gross, das man sie sogar aus dem All fotografieren kann.

http://www.lpi.usra.edu/publications...es/ocean14.jpg

http://de.wikipedia.org/wiki/Monsterwelle

Der Phoenizier 21.02.2014 17:50

Zitat:

Zitat von Llewellian (Beitrag 187410)

Ich würde übrigens behaupten was man im ersten Video sieht ist der Aufschlag einer sogenannten "3 Schwestern" Welle (die sind auch in den flachen Kreuzseen in der Ostsee beim Segeln ein Schiffekiller). Denn man sieht wie die erste (die "Jüngste") erst das Strandbecken flutet, die zweite aufschlägt und das Wasser nicht mehr ablaufen lässt und dann kommt die grosse Schwester und alles rennt.

Danke für die Videos. Dem füge ich nur hinzu, wozu ich die eigene Anschauung sehr viel mehr brauche. Deine Beschreibung genügt, damit ich mir unter den "3 Schwestern" etwas vorstellen kann. Abgesehen von der Unterhaltung macht das Video weiter keinen Unterschied aus.

Anders der Ablick rennender Menschen auf dem ersten Video. Das hat meine Meinung korrigiert, denn ich kann mir nicht vorstellen, dass Menschen grundlos in Panik geraten. Am Strand habe ich das noch niemals erlebt und aus Erfahrung kenne ich eher den "kakulierten Rückzug". Nicht deshalb, weil ich Angst habe, sondern weil es klüger ist, bestimmte Wellen zu meiden.


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