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Alt 03.01.2006, 20:31   #1
Desert Rose
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Standard Bizarre Ideen für Städte im All von der NASA

... und was aus ihnen geworden ist.

Zitat:
03. Januar 2006

NASA-LUFTSCHLÖSSER

Bizarre Ideen für Städte im All


Von Thorsten Dambeck

Die Raumstation ISS wird heute von zwei Astronauten mühevoll im Orbit gehalten. In den siebziger Jahren war man gedanklich schon viel weiter. Die Nasa ließ gigantische Weltraumstädte entwerfen, in denen Zehntausende leben sollten. SPIEGEL ONLINE zeigt einige der phantastischen Entwürfe.

Langsam nähert sich der Raumtransporter seinem Reiseziel. Die Weltraumsiedler an den Fensterplätzen sehen als erste den riesigen Reifen, über dem ein gigantischer Spiegel schwebt. Der Reflektor lenkt Sonnenlicht in die Wohnungen, Fabriken und Gärten ihrer neuen Heimat. Fast sechs Kilometer lang ist die Röhre, die zum kosmischen Riesenrad gebogen ist. 130 Meter beträgt der Durchmesser des titanischen Tubus.

SPEKTAKULÄRE ENTWÜRFE: STÄDTE IM ORBIT (Fotostrecke mit 16 Bilder)


Solchen Szenen stellten sich die Autoren von Nasa-Studien vor, die in den siebziger Jahren geradezu phantastische Entwürfe für die Besiedlung des Weltalls enthielten. Wissenschaftler der Weltraumbehörde, der Raumfahrtindustrie und von US-Universitäten kamen in mehreren Jahren zu jeweils zehnwöchigen Sommertreffen zusammen, um visionäre Projekte zu entwerfen. Dabei sollte es nicht um Raumstationen oder ähnliche Petitessen gehen: Weltraumstädte mit mindestens 10.000 Bewohnern nahmen in den Köpfen der Forscher und Studenten Gestalt an.

"Die Kolonisierung des Weltalls genoss ab den späten sechziger Jahren bei jungen Leuten beachtliche Popularität. Dabei spielten Einflüsse des LSD-Gurus Timothy Leary ebenso eine Rolle wie die verbreitete Politikverdrossenheit und die Vietnam-Proteste", sagt Jesco von Puttkamer von der Nasa-Zentrale in Washington. "Eine allgemeine Krise hatte das Land erfasst. Unsere erfolgreichen Mondlandungen beeindruckten da besonders."

Herausforderung an das Vorstellungsvermögen

Die Nasa wollte nicht abseits stehen: Die Kolonie-Vision sollte als Praxisübung in Design-Studien aufgegriffen werden. "Bei solchen Sommertreffen wählen wir traditionell herausfordernde Design-Themen der bemannten Raumfahrt", erklärt Puttkamer im Gespräch mit SPIEGEL ONLINE. Manche Studien aus den siebziger Jahren seien allerdings besondere Herausforderungen an das Vorstellungsvermögen gewesen.

Heutige Weltraum-Enthusiasten dürften sie eher in tiefe Wehmut stürzen. Die real existierende Internationale Raumstation (ISS) wird von nur zwei Mann bewohnt, die mehr mit Wartungs- als mit Forschungsarbeiten beschäftigt sind. Und selbst an diesem Projekt hat die Nasa weitgehend das Interesse verloren. Daneben wirken Entwürfe von Raumstationen, in denen Traktoren Getreidefelder umpflügen, geradezu bizarr.

Seltsam vertraute Formen

Seltsam vertraut erscheint die Formgebung der kosmischen Luftschlösser. Bereits in den fünfziger Jahren hatte sich Wernher von Braun ein 75 Meter großes Weltraumrad ausgemalt. Auch am Langley Research Center der Nasa in Virginia wurden in den frühen Sechzigern Modelle aufblasbarer Weltraum-Reifen entworfen. Gemeinsam mit dem Pneu-Hersteller Goodyear testeten Nasa-Ingenieure verschiedene Materialien auf ihre Tauglichkeit für bemannte Orbitalstationen. Und 1968 wählte Stanley Kubrick für seinen späteren Leinwandklassiker "2001 - Odyssee im Weltraum" eine torusförmige Weltraumstation als Ort für zwanglose Treffs zwischen russischen und amerikanischen Raumfahrern.

An der Idee musste also etwas dran sein - die Teilnehmer der Sommertreffen der siebziger Jahre machten sich ans Werk. Ihre Weltraumstädte sollten die Erde auf der gleichen Bahn wie der Mond umkreisen und dabei zu beiden Himmelskörpern gleichen Abstand halten. Auf diesem sogenannten Lagrange-Punkt des Erde-Mond-Systems gleichen sich die Anziehungskräfte beider Himmelskörper annähernd aus. Baumaterialien können deshalb vergleichsweise energiesparend vom Mond herangeschafft werden.

Riesenkanone sollte Material durchs All schießen

Für den Materialtransport hatten sich die Forscher etwas Besonderes ausgedacht: Eine atombetriebene Riesenkanone sollte die Baustoffe als zylindrische Projektile zur Großbaustelle katapultieren. Nach dem Prinzip eines gigantischen Luftgewehrs könnten alle 30 Minuten rund 50 Tonnen schwere Transporte ins All gejagt werden, rechnen die Autoren einer Studie von 1975 vor. Eine Flotte aus 50 automatischen Sammel-Sonden wäre im Baustellenbereich emsig bemüht, die umherschwirrenden Großpakete einzufangen.

Geradezu profan mutet im Vergleich dazu die Energiegewinnung für die Weltraumstadt an. Sonnenkraftwerke sollen die fliegende Siedlung mit Strom versorgen, in den Fabriken der Stadt nachproduziert und gar als Exportschlager zum blauen Planeten geliefert werden.

Enge ökonomische Beziehungen mit der alten Heimat würden für den Fortbestand der Kolonie lebenswichtig sein, glaubten die Weltraum-Visionäre. Bei der Lebensmittelversorgung setzen sie allerdings auf Autarkie: Eine Intensivlandwirtschaft auf 63 Hektar könnte alle Bewohner aus eigener Kraft ernähren.

Familienleben im Orbit

Leben, Arbeiten und Familien gründen - das Leben in der Weltraumstadt sollte möglichst einer irdischen Existenz ähneln. Durch Rotation entsteht im Riesenreifen künstliche Schwerkraft. Knochen- und Muskelschwund, heute noch eine bedrohliche Folge der Schwerelosigkeit, könnten so vermieden werden. Eine Schicht aus Mondgeröll auf der Außenhaut des Reifens sollte das Innere vor tödlicher Weltraumstrahlung schützen.

"Einige technische Konzepte, wie etwa der Langzeitschutz vor Strahlung und Mikrometeoriten, sind vom heutigen Standpunkt betrachtet eher Spekulationen nach dem Motto: Die Zukunft wird die richtigen Lösungen bringen", so Nasa-Manager Puttkamer. Das gelte auch für künstliche geschlossene Ökosysteme: "Die können wir bis zum heutigen Tag nicht nachbilden."

49 Quadratmeter im mehrgeschossigen Haus

In den Siebzigern jedoch erschien die gekrümmte Hohlwelt als ernst zu nehmende Vision für die Lebensverhältnisse im kommenden 21. Jahrhundert. In den Weltraumröhren brauche niemand Platzangst zu haben, glaubten damals die Befürworter der Idee. Immerhin 49 Quadratmeter Wohnraum sollte jeder Siedler sein Eigen nennen. Spießige Doppelhaushälften sind im All allerdings tabu. Vielmehr sehen die Bebauungspläne Platz sparende Gebäude mit vier Geschossen vor.

"Die Kolonisierung des Alls war nie ein offizielles Nasa-Programm", sagt Puttkamer. Dennoch könne die Weltraum-Besiedlung eines Tages eine Option für die Menschheit sein. "Persönlich sehe ich die ersten Außenposten im All aber auf natürlichen Himmelskörpern wie dem Mond oder dem Mars und nicht in gigantischen U-Boot-ähnlichen Konstruktionen."
Quelle


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Alt 03.01.2006, 22:13   #2
Nemo
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Standard RE: Bizarre Ideen für Städte im All von der NASA

Danke für den Link!
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Alt 06.01.2006, 02:47   #3
ReneK
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Tja technische interessante Möglichkeiten (stammt von MÖGLICH) gab und gibt es immer wieder.
Leider sind es meist finanzielle oder sogar politische Probleme diese dann auch umzusetzen.
Vor ein paar jahren tauchte die Idee mit den aufblasbaren Weltraumstationen wieder auf, ist aber dann irgendwie wieder im Sand verlaufen - oder hat wer neuere Infos?

Generell war die NASA in den 70ern geistreicher, erfinderischer und dem neuen ungewohnten wesentlich offener als heutzutage, war eben die gute alte Zeit.
Heute muss überall das Budget eingehalten werden, und es wird nicht mehr Wissenschaft und Forschung der Selben wegen gemacht sonder nur um daraus Profit zu schlagen
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Alt 06.01.2006, 14:56   #4
Llewellian
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@ReneK

In den 70ern hat die Nasa noch geträumt. Und vorallem ein Budget gehabt das alles zu spät war.

Über die Jahre hinweg hat man dann aber in den Tests rausgefunden, das vieles was geträumt war, nicht realisierbar ist. Und vieles, wo man glaubte unbedingt in den Weltraum zu müssen um es dort herstellen zu können, wurde durch einfachere Herstellungstechniken auf der Erde ersetzt.

Beispiel "Weltraumteleskope". Mit dem erdgestützten VLST kann man in der Endausbaustufe Bilder schiessen, die das Hubble aussehen lassen wie ein Opernglas. Und billiger ist es auch noch.
Llewellian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2006, 18:23   #5
Nemo
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Zitat:
Original von LlewellianBeispiel "Weltraumteleskope". Mit dem erdgestützten VLST kann man in der Endausbaustufe Bilder schiessen, die das Hubble aussehen lassen wie ein Opernglas. Und billiger ist es auch noch.
Hi, VLST sagt mir leider nichts. Ich habe eben gegoogelt und fand Informationen zu einem "VLT" (Very Large Teleskope). Meinst du dieses? Wie kommt das VLST oder auch VLT denn mit der Erdatmosphäre und evtl. Lichtsmog klar? Soweit ich weis waren das ja die Hauptfaktoren die man mit dem Hubbleteleskop ausschalten wollte.
Handelt es sich bei dem VLST/VLT um ein "konventionelles" oder um ein Spiegelteleskop?

gruß Nemo
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Alt 06.01.2006, 18:38   #6
Valdor
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Und War es nicht Hubble der mehr Fotos von entfernten galaxien geschossen hat als alle anderen teleskope zusammen ??? Wie kann man dann jenes alt aussehen lassen ???
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Alt 06.01.2006, 18:39   #7
Sajuuk
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@ nemo
Das Very Large Teleskope liegt in der Atacamawüste und liegt
auf den 2660m hohen Berg Cerro Paranal.
Dort ist die Luft sehr sauber.
Das Paranal Observatory beherbergt das Very Large Telescope. Dies wiederum ist ein aus vier Einzelteleskopen bestehendes astronomisches Großteleskop, dessen Spiegel zusammengeschaltet werden können. Die einzelnen Unit-Telescopes wurden in der Sprache der Mapuche-Indianer nach Antu (Sonne), Kueyen (Mond), Melipal (Kreuz des Südens) und Yepun (Venus) benannt. Das VLT ist für Beobachtungen im sichtbaren Licht bis hin zum mittleren Infrarot bestimmt. Bis zu drei VLT-Teleskope können mit Hilfe des VLT-Interferometer zur Interferometrie zusammengeschaltet werden.
Die optischen Spiegel jedes einzelnen Teleskops haben einen Durchmesser von 8,2 Meter und bilden Zusammen den größten Spiegel aller Zeiten. Die Spiegel sind Spezialanfertigungen, wurden in den Jahren 1991 bis 1993 in Deutschland hergestellt und ähneln in der Bauweise einem Ritchey-Chrétien-Cassegrain-Teleskop. Die Oberflächenbearbeitung der Spiegel nahm weitere zwei Jahre in Anspruch und brachte eine Oberflächengenauigkeit von einem 500.000stel Millimeter zu Tage. Am 25.Mai 1998 konnte das erste fertiggestellte Teleskop in Betrieb genommen werden.

In jedem einzelnen Teleskop verbergen sich zusätzliche astronomische Instrumente die den jeweiligen Untersuchungsmethoden angepasst sind. Mittlerweile werden ältere Instrumente durch besser und genauere ersetzt. Jedoch der Grundstock der Instrumente ist gleich geblieben.
Hier eine kleine Auflistung und Beschreibung der einzelnen Instrumente:

Antu (UT-1):
* FORS 2
FOcal Reducer and low dispersion Spectrograph ist eine Kamera im visuellen Spektralbereich mit großem Gesichtsfeld von bis zu 6.8' × 6.8'. Zudem sind polarmetrische und spektropolarmetrische Messung möglich.
* ISAAC
(Infrared Spectrometer And Array Camera) kann im Nahen Infrarotbereich Bilder und Spaltspektren aufzeichnen.

Kueyen (UT-2):
* FORS 1
Wie FORS 2 nur mit leicht reduzierten Fähigkeiten.
* FLAMES
Fibre Large Area Multi-Element Spectrograph ist ein Spektrograph, der mit Hilfe von Glasfasern bis zu 130 Objekte im Gesichtsfeld gleichzeitig mit mittlere Auflösung spektroskopieren kann.
* UVES
Ultraviolett and Visual Echelle Spectrograph ist ein hochauflösender Spektrograph.

Melipal (UT-3):
* Gastfokus
Bieten Wissenschaftler die Möglichkeit diverse Beobachtungsinstrumente anzubringen. So eine Art „Allroundaufsatz“.
* VIMOS
Visible Multi Object Spectrograph ist eine Art Weitwinkel Kamera der es möglicht ist mehrere Objekte gleichzeitig aufzunehmen.


Yepun (UT-4):
* NACO
(NAOS-CONICA) steht für Nasmyth Adaptive Optics System & COude Near Infrared Camera. NAOS ist ein System zur Bildverbesserung, CONICA eine Infrarotkamera und ein Spektrograph.
Andere Systeme im UT-4 sind noch im Bau oder in der Testphase so wie z.B HAWK-I und HAWK-II.

Zusätzlich zu den vier Großteleskopen gibt es drei kleinere 1,8 Meter Teleskope ( Auxiliary-Telescopes). Sie werden für für die Interferenzteleskopie eingesetzt. 2006 wird ein viertes fertiggestellt.

Durch die zusannemschlatbaren Teleskope, werden die Interferenzen ausgeglichen.
Quelle

Soviel wollt ich eigentlich nicht schreiben.

Gruss:Kuun-Laan
__________________
Sei frei wie ein Vogel, sei stolz ein wie ein Adler, und geniesse das Leben.
So wie du bist, denn jeder ist für sich ganz was besonderes.
Sajuuk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.01.2006, 18:53   #8
Nemo
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Beiträge: 460
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Danke für die Info Kuun-Laan! Habe eben noch diesen Link gefunden: http://www.bbs-winsen.de/GoBlack/Ast...e/t_zuknft.htm
Nemo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.01.2006, 01:30   #9
Llewellian
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Tschullige. Ich hatte noch den alten Begriff "Very Large Space Telescope" benutzt, inzwischen ist es aber kürzer nur noch "VLT" ;o)


Die Spiegel dort haben übrigens "adaptive" Oberflächen und können durch computergesteuerte Druckpins stellenweise so verbogen werden, das sie dadurch auch das Luftflimmern ausschalten können. Den Rest rechnen die Computer raus.

Hier der Bauplan:

http://www.eso.org/projects/vlt/
Llewellian ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 08.01.2006, 19:53   #10
ReneK
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Soweit mir bekannt gibt es aber auch schon überlegungen solche gekoppelten Teleskope auch im Weltall zu stationieren.

Sie sind zwar teurer, müssen dafür aber nicht umbedingt auf die Erdrotation rücksicht nehmen (= längere Belichtungszeit für zb. DeepField/Space Bilder)

In Summe muss, bei zwei identen Systemen, das im All stationierte die besseren Bilder liefern.
ReneK ist offline   Mit Zitat antworten
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