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Alt 22.02.2005, 12:44   #1
Desert Rose
Gast
 
Beiträge: n/a
Frage Bericht: Foren-Moderatoren - Matadore und Masochisten

Sehr interessant....

Zitat:
22. Februar 2005

FOREN-MODERATOREN

Matadore und Masochisten

Von Richard Meusers

Politische Diskussionsforen im Internet benötigen jemanden, der aufpasst. Im Web heißt so einer Moderator. Ein Amt mit Tücken: Ein Moderator macht es grundsätzlich keinem recht, ist aber immer an allem schuld. Und Geld bekommt er auch nicht.

Der Moderator hat ein angenehmes Leben, wenn man das Berufsbild aus dem Fernsehen zugrunde legt. In lockerer Runde sitzt er da, von meist prominenten Plauderern umgeben, und sollte einer der Anwesenden ein wenig in Harnisch geraten, dann ist er auf Zuruf wieder still und zivilisiert. In politischen Diskussionsforen spielt der Moderator eine wesentlich glanzlosere Rolle, fern ab vom Rampenlicht versieht er seinen unbezahlten Dienst im Dunkel der Anonymität.

Womit wir bei einem entscheidenden Merkmal des Internet überhaupt wären. Denn diese Anonymität macht mancherlei Abstrusitäten möglich: Das Internet im Allgemeinen und Diskussionsforen im Besonderen sind ein Tummelplatz für Sonderlinge aller Art, der auch weidlich zur Selbstdarstellung genutzt wird.

Aber ist man nicht selbst ein Sonderling, wenn sich das Interesse an politischer Debatte mit dem Willen vereint, solche Foren mit unbezahlter Arbeitszeit zu unterstützen? Nicht unbedingt, denn man muss kein Überzeugungstäter sein, um als Moderator "Karriere" zu machen: Am Anfang steht das Interesse am diskutierten Thema. Man meldet man sich an, liest, nimmt Stellung, streitet und wundert sich. Irgendwann fällt man der örtlichen Obrigkeit auf, die einen, wenn man sich nicht rechtzeitig wehrt, in den verehrungswürdigen Stand des Moderators erhebt.

Und aus ist's mit dem lustigen Streit. Das erste, was zu lernen ist: Man muss eine geradezu bundespräsidiale Gelassenheit und Neutralität an den Tag legen. Ansonsten verfällt man sofort dem Verdikt, parteiisch zu sein. Und darunter leidet der Nimbus. Also erlegt sich der Moderator Zurückhaltung auf. Was insofern problematisch ist, weil das viele andere eben nicht tun. Der Moderator agiert gleichsam mit einer gefesselten Hand.

Kein Wunder angesichts der Tatsache, dass die überwiegende Mehrzahl der User in noch recht jugendlichem Alter und zumeist männlich ist. Das führt bei manchen schnell zum Imponiergehabe von Jungstieren, an deren Einsichtsfähigkeit zu appellieren völlig nutzlos ist. Der Moderator, der sich sonst ein friedliebendes Gemüt bescheinigt, ertappt sich zunehmend bei aufsteigenden Gewaltphantasien, die sich beim Austausch mit den Kollegen im internen Kreis gern mit Stoßseufzern á la "Ich könnte ihn erwürgen!" Bahn brechen. Mit einem Wort, er entdeckt unvermutet bisher nicht geahnte autoritäre Züge an sich.

Obacht: Stiere von rechts!

Damit diese nicht durchbrechen, hält er sich ans Regelwerk. Die meisten Foren haben sich selbst eine Art Miniverfassung gegeben, die festlegt, was die User dürfen und was nicht. Vor allem aber ist der Moderator gut beraten, sich mit dem Strafgesetzbuch zu befassen. Am besten stellt er sich den dicken StGB-Wälzer gleich neben den Computer - er wird ihn oft zu Rate ziehen müssen.

Denn nicht nur die Lust an der Provokation treibt manche Zeitgenossen um. Vor allem begreifen - neben ein paar Linken - zahlreiche rechtsextreme User Politforen als Spielwiese. Und so quält sich der Moderator durch zahllose NPD/Holocaust/Rasse-Themenstränge, nach deren Lektüre man den Eindruck hat, die Machtergreifung stünde unmittelbar bevor.

Die schlimmsten Auswüchse sucht man durch Löschung entsprechender Beiträge bzw. Sperrung der wüstesten User zu unterbinden, aber natürlich erntet man nur Undank. Für die Linken im Forum ist man zu lasch, die Rechten beweinen mangelnde Demokratie ...

"Zensur!" ist da noch der mildeste Vorwurf. Grundsätzlich werden Beleidigungen gerne auf der persönlichen Ebene angesiedelt. Daher verfügt jeder halbwegs aktive Moderator nach einiger Zeit über eine stattliche Sammlung von Titeln, die von "Judas", "linksradikaler Anarchist", "Volksverräter", "Weichei" über "Systemling" oder "Spitzel" bis hin zu "brauner SS-Scherge" reichen. Auch wenn man sich bisher selbst eher in der Mitte des politischen Spektrums angesiedelt hatte.

Ein Lehrstück: Das Eiern im Extremen

Sehr interessant ist übrigens, wie sich hier die Schwierigkeiten der wehrhaften Demokratie im Umgang mit Extremen im Kleinen wiederholen. Wie weit darf man gehen, wann wird die notwendige Beschneidung zur Willkür? Soll man die Quälgeister aussitzen und warten, bis sie weiterziehen? Bei dieser Gratwanderung ist Schwindelfreiheit sehr hilfreich.

Das Leben wird nicht leichter durch die beständig aufkreuzenden sogenannten Forentrolle, deren Mission darin besteht, jedes Thema durch möglichst sinnfreie Einlassungen zu zerstören. An manchen Tagen sackt der Moderator am Schreibtisch zusammen, reibt sich die Augen und hat das dringende Gefühl, mit den Insassen einer forensischen Klinik zu verhandeln.

Sehr erholsam (und zur Resozialisierung unbedingt anzuraten) sind regelmäßige Auszeiten bzw. Ausflüge ins richtige Leben. Die sachbedingten längeren Online-Zeiten führen nämlich schnell zu einem gewissen Tunnelblick. Da ist es dann sehr erfrischend zu erfahren, dass die Frage zum Beispiel nach "artgerechter Lebensführung" doch nicht die Bedeutung besitzt, die ihr manche zuweisen. Wie auch ein gesundes soziales Umfeld vor aufsteigenden Selbstzweifeln bewahren kann.

Und wer nicht ganz vom virtuellen Pulverdampf lassen kann, dem sei angeraten, sich in einem anderen Forum anzumelden und sich nie, nie zum Moderator ernennen zu lassen. Dort darf er dann als Otto Normaluser frei von der Leber weg schreiben und auch polemisieren - immer im Rahmen der Regeln, versteht sich.

Doch klaglos loggt sich der Moderator wieder in sein Forum ein, er hat es nicht anders gewollt. Er könnte auch Briefmarken sammeln, im Himalaja klettern oder endlich seine Steuererklärung erledigen. Stattdessen nimmt er die Muleta in die Hand, bereit, die Welt zu bessern und den Zorn der Allgemeinheit auf sich zu ziehen. Es ist ja für einen guten Zweck.

Richard Meusers ist freier Journalist in Köln und ehrenamtlich Moderator eines politischen Diskussionsforums
Quelle


.... ich denke mal das trifft ja nicht nur in politische Foren zu.
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Alt 22.02.2005, 13:57   #2
Commander Duke
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Beiträge: 327
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wobei man aber sagen muss das die rechtsextremen in politischen Foren doch zahlreicher sind als hier
Commander Duke ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2005, 14:03   #3
Bundy
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Benutzerbild von Bundy
 
Registriert seit: 18.07.2003
Beiträge: 939
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was wohl daran liegt, daß rechtsextremismus eine politsche einstellung (oder was auch immer) ist und es in diesem Forum nicht wirklich oft um Polik geht.
__________________
______________________________________
...unterwegs im Auftrag des Herrn
Bundy ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 22.02.2005, 19:41   #4
da kami
Lebendes Foren-Inventar
 
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Registriert seit: 06.08.2003
Ort: Come from Banana Republic
Beiträge: 4.760
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Ich weiss schon wieso ich nie wieder freiwillig nen Mod mache...da bin ich lieber polemischer Troll
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Yes you can me.
Der Freiheit eine Gasse!
Ron Paul Revolution
da kami ist offline   Mit Zitat antworten
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