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Geomantie Heilige Linien, Erdstrahlen, Störzonen, Kraftplätze...

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Alt 02.03.2004, 15:05   #1
nane
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Erdbebensicher auf Lehm gebaut

ich denke schon - die einfachste lösung
ist grenzwissenschaftlich.

Erdbebensicher auf Lehm gebaut

Kassel (AP) Mehr als 30.000 Menschenleben hat das verheerende Erdbeben gekostet, das am zweiten Weihnachtstag den Südosten Irans erschütterte. Die für ein Beben der Stärke 6,3 außergewöhnlich hohe Opferzahl wurde vor allem mit der Bausubstanz in der historischen Stadt Bam erklärt: Fast alle Häuser dort bestanden aus Lehm.

Gernot Minke würde gern helfen, Bam wieder aufzubauen mit Lehm. Der Architekturprofessor aus Kassel hat zahlreiche Experimente mit dem natürlichen Baustoff durchgeführt und ist überzeugt: Die Katastrophe von Bam wurde nicht durch das Material verursacht, sondern durch die Bauweise.

Seit über 20 Jahren befasst sich Minke mit der erdbebensicheren Konstruktion von Lehmbauten. Die Vorzüge des Baustoffs liegen auf der Hand: Lehm ist fast überall auf der Welt in großen Mengen vorhanden, dementsprechend günstig und ausgesprochen flexibel. Und an sich auch stabil, wie historische Bauten zeigen: In Jemen zum Beispiel gibt es eine Moschee mit einem 38 Meter hohen Minarett aus Lehm sowie eine ganze Stadt mit bis zu neunstöckigen Häusern. Ein immerhin fünfgeschossiges Lehmhaus steht seit bald 200 Jahren in Deutschland: Im Jahr 1828 wurde das Gebäude in Weilburg an der Lahn errichtet.

In Argentinien gebe es alte Lehmhäuser, die seit drei Jahrhunderten allen Erdstößen standhielten - länger als die Ziegelhäuser ringsum, berichtet Minke. Allerdings hatten die alten Gebäude massive, dicke Mauern. «So baut heute niemand mehr», sagt der Architekt. Eben deshalb untersucht das Forschungslabor für Experimentelles Bauen (FEB) der Uni Kassel, wie auch leichtere Lehmkonstruktionen erdbebensicher gemacht werden können. Mit Unterstützung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Gesellschaft für technische Zusammenarbeit (GTZ) hat das FEB bereits Musterhäuser in Bolivien, Chile, Ecuador und Guatemala errichtet.

Die Grundidee: Die Lehmwände werden mit einfachen Stützelementen verstärkt. Das sind Winkel und T-förmige Bauteile, ebenfalls aus Lehm gestampft, aber dank ihrer Form wesentlich standfester als eine einfache Wand. Zusätzlich werden in die Wände senkrecht Holz- oder Bambusstäbe eingezogen. Obenauf kommen Ringbalken aus Stahlbeton oder Holz.

Das Dach wird nicht auf die Mauern aufgelegt, sondern auf Stelzen, die mindestens einen halben Meter von der Wand entfernt stehen. «Bei einem Erdbeben hat das Dach eine andere Schwingungsfrequenz als die Wand», erklärt Minke. Ein fest mit den Mauern verbundenes Dach würde also zusätzlich an den Wänden zerren - durch die Stelzenkonstruktion können die Baukörper unabhängig von einander schwingen.

Um die Spannungen noch weiter zu reduzieren, wurden in die Musterhäuser Sollbruchstellen eingebaut: Zwischen einzelnen Wandelementen wurde eine zwei Zentimeter breite Fuge gelassen und mit elastischerem Lehm verschmiert. Im Falle eines Erdbebens sollte die Wand an dieser schwachen, aber leicht zu reparierenden Stelle brechen und damit schlimmeren Schaden abwenden. «Wie die Knautschzone beim Auto», sagt Minke.

Das von Minke 1978 errichtete Musterhaus in Guatemala überstand seinen Erdbebentest, noch ehe es ganz fertig war: Während der Bauarbeiten brachte ein Erdstoß die Wand einer nahe gelegenen Kirche zum Einsturz. Die Wände des noch nicht überdachten Lehmhauses hätten um zehn Zentimeter hin- und hergeschwankt, aber gehalten, berichtet Minke.

Dennoch blieb das Projekt, das der Architekt im Rahmen einer Gastprofessur zusammen mit guatemaltekischen Studenten durchführte, bislang ohne Nachahmer. Es sei immer das gleiche Problem, sagt Minke: «Alle waren begeistert, aber den lokalen Architekten waren wir zu billig.» Die Materialkosten für ein Lehmhaus mit 52 Quadratmeter Wohnraum beliefen sich auf 500 bis 600 Dollar.

Auch in anderen Entwicklungsländern sei es schwierig, Unterstützer zu finden: «Lehm gilt dort als Material der Armen.» In der Umgebung der Andenstadt Mendoza in Argentinien sei der Baustoff offiziell sogar verboten, 80 Prozent der Bevölkerung benutzten ihn aber trotzdem, weil sie sich nichts anderes leisten könnten - nur eben ohne professionelle Unterstützung.

In Deutschland dagegen ist Minke mit seinen Lehmbauten erfolgreich: Aus Gesundheits- und Umweltschutzgründen interessieren sich immer mehr Menschen für den atmungsaktiven Lehm, der ein zu trockenes Raumklima verhindert und damit Erkältungskrankheiten und Allergien vorbeugt. Der Architekt wohnt selbst in einem von fünf begrünten Kuppeln überwölbten Lehmhaus. Sein «Lehmbau-Handbuch» wurde bereits 18.000 Mal verkauft.

Ob seine Dienste auch in Iran erwünscht sind, weiß der Professor noch nicht. Nach dem Erdbeben in Bam bot er zusammen mit zwei Kollegen dem zuständigen Ministerium an, Workshops zum erdbebensicheren Bauen zu geben - auf die Antwort wartet er noch.
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