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Künstliche Intelligenz Deep Learning, KI in der Praxis, Turing-Tests

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Alt 23.09.2018, 15:46   #1
basti_79
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Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.933
Standard IBM: Computer werden keine Entscheidungen treffen

Ein IBM-Manager hat gezeigt, dass er von seinem Geschäft nichts versteht.

Zitat:
Zitat von Bob Lord
Computer werden keine Entscheidungen treffen.
Damit tritt er in die Fußstapfen eines seiner Vorgänger, Thomas Watsons:

Zitat:
Zitat von Thomas Watson
Ich denke, dass es einen Markt für vielleicht fünf Computer gibt.
Selbstverständlich treffen "klassische" Computer schon unzählige Entscheidungen täglich. Was Lord vielleicht meinte war das, was er später gesagt hat:

Zitat:
Aber wer sich mit der Technologie KI auseinandersetzt, der wird sie beherrschen, nicht umgekehrt.
Das ist bemerkenswert vage. Zum Einen zeigt es, dass Lord immer noch mechanisch denkt - dass man KI's wie einen klassischen Computer "programmieren" würde (der deswegen auch keine "echten Entscheidungen" treffen kann). Zum Anderen verwendet er das Wieselwort "sich auseinandersetzen" und das soziale Konzept "beherrschen".

Vorher hatte er Ängste angesprochen, dass die KIs die Kontrolle übernehmen würden. Es geht also tatsächlich um Herrschaft, nicht um Kompetenz. Und dann ist es ja so, dass Computer sich so weit verbreitet haben, weil sie eben "mitdenken". Sie verarbeiten symbolische Informationen. Demzufolge können sie auch Entscheidungen treffen. Klassische Computer haben keine Möglichkeit zur Einsicht und müssen deshalb beurteilt werden wie ein Werkzeug. Bei KIs verschiebt sich das ein wenig, aber immer noch wird der die Schuld tragen, der so eine KI auf die Menschheit losgelassen hat. Genauso wie bei einem sehr mächtigen Werkzeug.

Zitat:
In Personalabteilungen beispielsweise müssten künftig die Mitarbeiter keine Stapel von Bewerbungen mehr sichten. "Das macht die Software", so Lord. "Aber die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter entscheiden, wer eingestellt wird." Das gleiche gelte für Ärzte: Die Software gehe für sie durch Studien, aber sie fällten am Ende die Entscheidung.
Witzig, dass er hier ausgerechnet zwei Situationen von extremer Machtausübung als Beispiel wählt. Man kann kaum anders deutlich machen, dass man Ethik für eine Definitionsfrage hält oder für eine danach, wer am besten zahlt.

Auch im Zuge von Wahrnehmung (die Beispiele beschreiben "deskriptive" Vorgänge, die aber "normative" Ergebnisse haben) kommt es schon zu Entscheidungen. Ein berühmtes Beispiel ist die Forderung, bei Bewerbungsschreiben das Foto wegzulassen oder zu verdecken. Es ist geläufig, dass z.B. Menschen mit dunkler Haut auf diese Art und Weise diskriminiert werden. Ebenso geläufig ist, dass in Deutschland ein türkischer Name die Aussichten auf einen Job verschlechtert.

Es ist auch auffällig, dass er nicht davon redet, wie man entweder erreichen könnte oder vermeiden, dass die verwendeten KI's Rassismus lernen. An sich ist es ja offensichtlich: die KI bekommt keinen Zugang zum Foto und zum Namen - schwups, kann sie nicht mehr auf dieser Grundlage diskriminieren. Eine kleine "Hintertür" verbirgt sich bei der Rückkopplung. Wenn der Rassismus System hat, wie allerorten üblich, wird die KI mit der Zeit z.B. lernen, welche Schulen Schwarze in den USA besuchen (da herrscht de Facto immer noch "Rassentrennung"), und sie dann deswegen diskriminieren.

Zitat:
Dabei geht es darum, den Menschen Grundzüge der Informatik beizubringen, damit sie befähigt werden, künftig damit umzugehen", so Lord. "Wir wollen bei IBM auch Ungelernte an Software heranführen, denn das ist auch eine Möglichkeit, Arbeitslosigkeit zu vermeiden."
Selbstverständlich ist es das. Genauso wie durch Maschinen auch schwächere Menschen Möglichkeit zur Arbeit in der KfZ-Produktion bekamen, werden durch KIs auch dumme Menschen neue Möglichkeiten bekommen. Wie üblich für Kapitalisten übersieht er da auch den Unterschied zwischen Intelligenz und Qualifikation.

Empfindliche Seelen überlesen bitte den nächsten Absatz.

Was er auch übersieht ist, dass sehr viele Tätigkeiten heutzutage immer noch im Grunde Wahrnehmung (oder Hand/Auge-Koordination) ist. Ich kenne hier in Marburg z.B. Einen, der hat mal bei Temmeler in der Impfstoffherstellung gearbeitet. Dort hat er im Akkord Hühnerembryos aus Eiern "gefischt". Der hatte ungefähr 10 Kollegen, die genau dasselbe gemacht haben. Das ist ein Job, den KIs dann übernehmen werden, wenn die KI billiger wird als 10 Leute zu beschäftigen (ich glaube, die haben alle so etwa 1500 € pro Monat verdient).

Ich würde davon ausgehen, dass man die Zahl der Produktionshelfer in Hunderttausenden messen muss. Etwas ähnliches gilt in der Pflege: irgendwann wird es (die Japaner arbeiten schon seit Ewigkeiten daran) Pflegeroboter geben. Nicht, weil die so lieb sind, zu Menschen, zu denen sonst niemand mehr lieb sein will, sondern weil ein großer Teil des Jobs schlicht und einfach die Knochenarbeit ist.

In anderen Worten: Lord fällt auf das herein, auf das alle hereinfallen. Er extrapoliert die heutige Situation, in der ein paar "fancy" KI-Anwendungen herausstechen, und übersieht, dass KI in ganz alltäglichen Anwendungen schon unglaubliche Vorteile bringen kann.

Zitat:
"Ich kenne keine aktuellen Geschäftsmodelle, die nicht von Software profitieren", so Lord. "Ein kleines Café in Denver hat beispielsweise QR-Codes auf ihre Tassen gedruckt. Dort können Kunden sehen, wer ihren Kaffee angebaut hat." Dafür werde Blockchain-Technologie eingesetzt, die Rechnerkapazität weltweit nutzt. "Das bringt einen Vorteil gegenüber den großen Ketten. Sie nutzen also die Technologie, um sich einen Vorteil zu verschaffen."


Neben den Buzzwords: Einfach auf eine Tafel zu schreiben, woher sie den Kaffee haben, ist denen nicht eingefallen?

Da fällt mir ein, dass ich in letzter Zeit gerade in Restaurants/Bars verstärkt Kalligraphie sehe. Die leute bemühen sich, auch mit dem "Angebot des Tages", das sie mit Neon-Edding auf den Spiegel neben der Tür schreiben, noch Eindruck zu schinden. Mitunter erreichen die Leute da hohe Kunstfertigkeit.

Zitat:
Alte Geschäftsmodelle müssten deshalb aber nicht unbedingt verschwinden, so Lord. "Aber es wird immer Raum für beide Seiten geben: Manche Leute werden sich eine Limousine im Autohaus kaufen, andere einen Carsharing-Service nutzen."
Das ist ja, in Bezug auf IBM, richtig. Das Geschäft von IBM wird sich nicht großartig verändern. Man wird andere Produkte verkaufen, vielleicht so etwas wie KI-Mainboards zusammen mit Softwarepaketen, aber man wird immer noch "in Hardwaresysteme machen".

Ob mein Bekannter bzw. seine Kollegen dann auf die Straße gesetzt werden, oder ob die Zahl der Pflegekräfte weiter stagniert, kümmert IBM, wie bereits bekannt, natürlich nicht die Bohne.

Alles in Allem: Dino-Syndrom. Zuviel Masse, zuwenig Hirn.

https://www.heise.de/newsticker/meld...n-4170802.html
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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