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Ökonomie - BWL & VWL Disziplinen, die große Probleme mit der wissenschaftlichen Methode haben. Banken, Geldschöpfung, Inflation, Goldstandard, Banking-Theorie

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Alt 18.04.2017, 12:55   #1
Nobby Nobbs
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Registriert seit: 29.06.2013
Beiträge: 578
Standard Die Sache mit dem Spitzensteuersatz

Im Spielgel steht heute ein sonderbarer Artikel mit der Überschrift: "Einkommensteuer - 4,2 Millionen Deutsche zahlen den Spitzensteuersatz".
Bei der Lektüre stellt sich schnell heraus: Es geht um diejenigen, bei denen der Spitzensteuersatz anfängt zu greifen. Also die letzten paar Euro werden mit 42% belastet, nicht das gesamte zu versteuernde(!) Einkommen - auch dies ist missverständlich dargestellt. Und dann wir gleich wieder die gesamte Abgabenlast des "Normal-/Gutverdienenden" Angestellten herausgezogen und lamentiert, daß die Hälfte des Einkommens vrsechwunden ist, ehe man überhaupt was davon ausgeben kann. Entsprechend genervt ist dann auch die Diskussion dazu.
Mich ärgert an der Stelle, daß hier von dem tatsächlich vorhandenen Problem abgelenkt wird und eine sachliche Diskussion zum Thema "Spitzensteuersatz" nicht stattfindet. Allerdings vermisse ich dies auch in der Politik.
Mir stellt sich die Situation so dar:
Als ich 1991 in das Berufsleben eingtreten bin, startete ich meinen ersten Job mit ca. 1.800 DM Brutto. Mein Traumeinkommen waren mal 10.000 DM monatlich. Das verdiene ich heute. Aber im Traumland wähne ich mich trotzdem nicht. Mit diesem Einkommen, also monatlich um die 5.100€, befinde ich mich als nach der Grundtabelle versteuerter Bürger (und da ist es vollkommen Wurscht, ob angestellt oder selbständig) in einem Bereich, der mich mit dem Spitzensteuersatz in Berührung bringt. Der Durchschnittssteuersatz liegt bei etwas unter 30%. Genauer gesagt 27%. Soweit so gut. Progressionstechnisch hat sich zu 1991 nicht viel geändert. Die Durchschnitts-Steuerlast ist zurückgegangen. ich schätze mal, 4-5%?
Im Gegensatz dazu hat sich allerdings der Verbraucherpreisindex (VPI) den ich mal als Bezugsgröße für den Anstieg der Lebenshaltungskosten hernehme, von 70,2 auf 107,4 hochgearbeitet. Kaufkrafttechnisch sind meine 10.000 DM heute also noch etwas mehr als 6.500 DM wert und trotzdem komme ich mit meinem Einkommen teilweise schon in die Nähe des Spitzensteuersatzes. Obwohl es heute kein Spitzeneinkommen mehr ist.
Abhängig davon, wo man lebt, Allgäu, Meck-Pomm, München, Köln kann man natürlich auch damit noch mehr oder weniger zufrieden sein. Aber für mich zeigt sich eindeutig, daß sich die hohe Belstung mit Eikommensteuer immer weiter nach "unten" ausdehnt. Nicht in Bezug auf die absolute Höhe des Einkommens - aber in Bezug auf den Platz des versteuerten Bürgers in der Gesellschaft. Oder sehe ich das falsch und ich habe hier ein Luxus-Problem?
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Alt 18.04.2017, 13:09   #2
Lupo
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Beiträge: 6.381
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Zitat:
Zitat von Nobby Nobbs Beitrag anzeigen
Aber für mich zeigt sich eindeutig, daß sich die hohe Belstung mit Eikommensteuer immer weiter nach "unten" ausdehnt. Nicht in Bezug auf die absolute Höhe des Einkommens - aber in Bezug auf den Platz des versteuerten Bürgers in der Gesellschaft. Oder sehe ich das falsch und ich habe hier ein Luxus-Problem?
Also dein "unten" ist für mich ein unerreichbares (!) oben.

Aus meiner Perspektive bist du ziemlich reich.

Natürlich weiß ich aber auch, dass es Einkommen gibt, für die du ein armer Schlucker bist
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 18.04.2017, 13:56   #3
Nobby Nobbs
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Beiträge: 578
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Naja, deshalb schrieb ich "unten" ja auch in Anführungsstriche. Mir ist klar, daß, wenn man vom Spitzensteuersatz spricht, auch entsprechend hohe Zuflüsse damit verbunden sind. Allerdings schiebt sich die Grenze des steuerlichen "Spitzenverdieners" immer weiter in den Bereich der wirtschaftlichen Normal-/Gutverdiener hinein.
Es ging mir ja auch nur um die Problematik, daß Verbraucherpreise (und auch Löhne) fast identisch gestiegen sind, die Besteuerung aber dahingehend nicht ausreichend angepasst wurde. Das zeigt sich halt besonders stark bei der Betrachung der Auswirkungen des Spitzensteuersatzes in diesem Anfangsbereich, gilt natürlich aber auch für Einkommen unterhalb des Spitzensteuersatzes. Wenn man (überspitzt gesagt) inflationsbedingt mehr erhält, steigt der persönliche Steuersatz und die Steuerbelastung. Somit steigt das verfügbare Einkommen in geringerem Maße als die Preise im gleichen Zeitraum. Also letztendlich ein Teilproblem der kalten Progression.
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Alt 18.04.2017, 14:49   #4
basti_79
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Beiträge: 9.253
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Zitat:
Zitat von Nobby Nobbs Beitrag anzeigen
Es geht um diejenigen, bei denen der Spitzensteuersatz anfängt zu greifen. Also die letzten paar Euro werden mit 42% belastet, nicht das gesamte zu versteuernde(!) Einkommen - auch dies ist missverständlich dargestellt.
Das ist auch wieder irgendwie verdreht. Das System funktioniert so:
  1. Man "bemisst" das zu versteuernde Einkommen (D.h. Jahreseinkommen minus Freibetrag minus Bausparen usw.)
  2. Ausgehend vom zu versteuernden Einkommen wird mit einer bestimmten Formel der Steuersatz berechnet
Das heißt, wenn in Schritt 2 der Spitzensteuersatz herauskommt, dann muss der eben gezahlt werden - auf die gesamte zu versteuernde Summe.


Zitat:
Mich ärgert an der Stelle, daß hier von dem tatsächlich vorhandenen Problem abgelenkt wird und eine sachliche Diskussion zum Thema "Spitzensteuersatz" nicht stattfindet. Allerdings vermisse ich dies auch in der Politik.
Was genau würdest Du da denn in Frage stellen? Unter Kohl war, bis 1990, der Spitzensteuersatz bei 56 Prozent.

Meiner Meinung nach ist das auch ein ziemliches Randthema. Da wird der Eindruck erzeugt, der Spitzensteuersatz sei eine wesentliche Größe. Sehr viel bedeutendere Größen sind aber:
  • Der Freibetrag
  • Die tatsächliche Möglichkeit, Vermögende oder Menschen mit höchsten Einkommen fair zu besteuern (diese ist heutzutage nicht gegeben)
  • Dass die Einkommens- und Vermögensverhältnisse erst einmal klar darstellt werden (Der größte Reibach wird von einigen Wenigen gemacht - vgl.: Wealth Infographics - das ist leider für die USA, aber in Deutschland sieht es ähnlich aus)
  • Der Grad der Menschenverachtung, der in der jeweils aktuellen rituellen Beschimpfung gewisser entrechteter Untergruppen der Bevölkerung spürbar wird (je heftiger, desto wichtiger wird der Spitzensteuersatz und desto unwichtiger wird die Frage nach Elend und Hungertod)
Zitat:
Oder sehe ich das falsch und ich habe hier ein Luxus-Problem?
2x ja, aber gut, dass Du wenigstens nachgefragt hast.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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