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Fake News Vorsätzliche Falschmeldungen, Umgang damit auf politischer und zwischenmenschlicher Ebene

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Alt 05.04.2017, 14:52   #1
basti_79
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Standard dpa-Meldung: "Wie die CDU Schulz von links attackiert"

Heute früh ist mir in der OP (4.4.17, S. 15) eine ziemlich skurrile Meldung aufgefallen. Da wird in großem Pathos davon berichtet, wie die CDU mit kluger Strategie versucht, Schulz' (SPD) Pläne zu durchqueren ("greift von links an"). Abseits davon, dass das inhaltlich ziemlicher Quark ist (im Artikel selber war dann davon auch überhaupt nichts mehr erkennbar), hatte der Autor (ein gewisser Basil Wegener) denselben Artikel auch im Hinterländer Anzeiger (4.4.17, S. 2) abdrucken lassen. Dort war aber die Überschrift eine andere: "Wie die CDU Schulz von links attackiert", und ausserdem war die Quelle (dpa) markiert. Diese Zusammenhänge haben mich neugierig gemacht, also habe ich etwas im Web recherchiert.

Beim Handelsblatt und der neuen Osnabrücker Zeitung gibt es die anscheinend unveränderte dpa-Meldung (NOZ), bei der Saarbrücker Zeitung den Artikel von Basil Wegener (Link), aber mit einer ergänzten Fußnote mit dem Wortlaut:

Zitat:
Wenige Arbeitslose machen Ausbildung

Nur ein Bruchteil der Arbeitslosen qualifiziert sich durch eine Weiterbildung der Bundesagentur für Arbeit (BA) mit einem Berufsabschluss. Nach jüngsten Zahlen der BA absolvierten im September 74 282 Menschen eine Weiterbildung mit Abschluss in einem anerkannten Ausbildungsberuf.
Bei der neuen Osnabrücker Zeitung ist unterhalb - ungelogen - unter der Überschrift "Zur Sache" eine Meldung mit dem Titel: "Seibert: Islamgesetz für Bundesregierung derzeit kein Thema" zu lesen. Was daran zur Sache gehört, erschließt sich mir nicht.

An der Meldung (im mutmaßlichen Originalwortlaut) fällt mir folgendes auf:
  • Im Anreißer und im ersten Absatz CDU fast immer im Agens, SPD immer im Patiens
  • Nach dieser Einleitung wird die CDU sozusagen ins ständige Agens gesetzt ("Es ist ein Dreiklang, mit dem Sozialpolitiker der Union jetzt argumentieren"), die Form ist dann "SPD hat etwas getan, CDU muss es jetzt aber korrigeren" - also auf Linie mit der Groko-Strategie
  • Der "Dreiklang" besteht 1. aus einem Lobgesang auf eine hohe Beschäftigungsquote, 2. einer Kritik der von der SPD geplanten Reform am ALG I ("ALG Q" - warum, zum Geier, "Q"?), 3. der Feststellung (durch einen gewissen Kai Whittaker), dass sich Politiker "um wahre Probleme kümmern" sollten - die Marschrichtung zur Lösung für das "wahre Problem" der Arbeitslosigkeit bleibt aber offen.
  • Die offene Frage wird nach einer Zwischenüberschrift beantwortet: da "kommen" dann "langjährige Hartz-IV-Bezieher" "in den Arbeitsmarkt"...
  • Den Schluß bildet - nach den ersten zwei Dritteln ist das dann folgerichtig - wieder CDU im Agens (diesmal "schwebt" da sogar etwas "vor").
  • Merkwürdigerweise tritt dann auch die Linke auf (als "die Opposition"!), und die SPD im Agens - aber eben nur als Sidekick: Frau Nahles (SPD) hätte "einen Kampf gegen Niedriglöhne" (!) angekündigt (!), und ausserdem will sie "Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit bringen", die müssten sich ohnehin qualifizieren.
  • Ganz am Ende wird dann auch noch die Überschrift begründet: "CDU-Politiker Schiewerling legt den Fokus insgesamt auf die Ärmsten: [...]" - als ob linke Politik sich dadurch auszeichnen würde...
Meiner Meinung nach ist das ein offenkundiger Fall von Wahlwerbung für die CDU, was mindestens zur Linie der beiden hiesigen Provinzblätter passen würde. Einen solchen Artikel nicht als dpa-basiert zu markieren, wie bei der OP, halte ich für verkehrt. Zuguterletzt kann man sich noch einmal Ziffer 1 des Pressekodex zu Gemüte führen:

Zitat:
Die Achtung vor der Wahrheit, die Wahrung der Menschenwürde und die wahrhaftige Unterrichtung der Öffentlichkeit sind oberste Gebote der Presse.

Jede in der Presse tätige Person wahrt auf dieser Grundlage das Ansehen und die Glaubwürdigkeit der Medien.
"wahrhafte Unterrichtung der Öffentlichkeit" sieht anders aus, und ja, das schlägt sich dann auch irgendwann auf die Glaubwürdigkeit nieder.
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Alt 05.04.2017, 16:59   #2
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
"wahrhafte Unterrichtung der Öffentlichkeit" sieht anders aus, und ja, das schlägt sich dann auch irgendwann auf die Glaubwürdigkeit nieder.

Also ich konnte hier nur sehen, dass dir die geschriebene Meinung nicht gefällt.
Dass Fakten verfälscht wurden, ist mir entgangen.

So lange keine Fakten falsch wieder gegeben werden, sollte jeder Erwachsene zwischen Meinung und Meldung unterscheiden können.
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Alt 05.04.2017, 18:23   #3
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Dass Fakten verfälscht wurden, ist mir entgangen.
Naja, alleine den "Angriff von links" durch die CDU zu behaupten, halte ich schon für eine arge Entstellung der Realität. Da fehlen dann auch die dazu nötigen Argumente. Das ist ja alles heiße Luft.

Zitat:
So lange keine Fakten falsch wieder gegeben werden, sollte jeder Erwachsene zwischen Meinung und Meldung unterscheiden können.
Ich würde sogar so weit gehen, dass der Unterschied zwischen Meinung und Meldung unabhängig ist von der Faktizität des jeweils Berichteten. D.h., man kann in einen faktisch korrekten Artikel eine Meinung "hineinschreiben", oder aber einen sachlichen Kommentar völlig auf Falschmeldungen aufbauen. Meiner Meinung nach sollten aber gerade politische Kommentare (wie dieser) nicht in Form der "Meldung" geschrieben werden... Das hat schon was perfides...

Und natürlich färbt jedes Medium - mithin jede Zeitung - jeden Artikel irgendwie ein. Dass sich aber unsere Dorfpostillen jetzt schon trauen, die linksgrüne Versiffung der CDU zu bemühen, ist mindestens aussergewöhnlich.
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Alt 05.04.2017, 19:36   #4
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Naja, alleine den "Angriff von links" durch die CDU zu behaupten, halte ich schon für eine arge Entstellung der Realität.
Wieso?
Sich für Arbeitnehmerrechte einzusetzen gilt gemeinhin als "links", oder nicht?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Da fehlen dann auch die dazu nötigen Argumente. Das ist ja alles heiße Luft.
Siehe oben


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich würde sogar so weit gehen, dass der Unterschied zwischen Meinung und Meldung unabhängig ist von der Faktizität des jeweils Berichteten.
Gar keine Frage, ich habe nichts anderes behauptet.
Bei Fakten kann man allerdings ganz objektiv sagen: Richtig oder falsch, bei Meinungen ist das nicht so.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Meiner Meinung nach sollten aber gerade politische Kommentare (wie dieser) nicht in Form der "Meldung" geschrieben werden... Das hat schon was perfides...
Wieso?
Also ehrlich gesagt, finde ich in dem Artikel relativ wenig direkte Meinung.
Was genau ist dein Problem?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Und natürlich färbt jedes Medium - mithin jede Zeitung - jeden Artikel irgendwie ein. Dass sich aber unsere Dorfpostillen jetzt schon trauen, die linksgrüne Versiffung der CDU zu bemühen, ist mindestens aussergewöhnlich.
Ich habe keine Ahnung, was du mit diesem Teil ausdrücken willst.
Das gilt grundsätzlich für deinen Eingangspost, ich habe nicht wirklich verstanden, was du diskutieren willst.
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Alt 05.04.2017, 20:06   #5
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Wieso? Sich für Arbeitnehmerrechte einzusetzen gilt gemeinhin als "links", oder nicht?
Naja, sicherlich. Inwiefern tut das den jetzt die CDU, und was ist so das vorgeschlagene Ausmaß der Reformen? Und warum wäre das jetzt weiter "links" als die SPD? Also, ausser weil es so in der Zeitung steht.

Zitat:
Bei Fakten kann man allerdings ganz objektiv sagen: Richtig oder falsch, bei Meinungen ist das nicht so.
Zitat:
Wieso? Also ehrlich gesagt, finde ich in dem Artikel relativ wenig direkte Meinung.
Nicht? Ich denke, der ist voll von Meinung. Was ist denn direkte, was indirekte Meinung?

Zitat:
Ich habe keine Ahnung, was du mit diesem Teil ausdrücken willst.
Naja, jetzt unterstellen sie schon der CDU, links zu sein (!). Ich meine, was kann danach überhaupt noch kommen?

Zitat:
Das gilt grundsätzlich für deinen Eingangspost, ich habe nicht wirklich verstanden, was du diskutieren willst.
Naja, einmal den Vorgang da... Tendenziöse dpa-Meldung, teilweise ohne Markierung, Kommentar als Berichterstattung verpackt...
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Alt 05.04.2017, 20:27   #6
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Naja, jetzt unterstellen sie schon der CDU, links zu sein (!). Ich meine, was kann danach überhaupt noch kommen?
Nein, nirgends wird der CDU unterstellt links zu sein.


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Naja, einmal den Vorgang da... Tendenziöse dpa-Meldung, teilweise ohne Markierung, Kommentar als Berichterstattung verpackt...
Also zur Textsorte 'Kommentar' gehört der Text sicher nicht.

Vielleicht kommen wir dem Problem näher, wenn ich mir mal die Punkte deines Eingangspost ansehe.
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Alt 05.04.2017, 21:52   #7
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Im Anreißer und im ersten Absatz CDU fast immer im Agens, SPD immer im Patiens
  • Richtig beobachtet, das ergibt sich zwingend aus dem Inhalt, schließlich geht es darum, wie die CDU auf Schulz zu reagieren versucht.

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Nach dieser Einleitung wird die CDU sozusagen ins ständige Agens gesetzt ("Es ist ein Dreiklang, mit dem Sozialpolitiker der Union jetzt argumentieren"),
  • Logisch oder?
    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
    die Form ist dann "SPD hat etwas getan, CDU muss es jetzt aber korrigeren" - also auf Linie mit der Groko-Strategie
    Nein, so steht das nirgends in dem Text

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Der "Dreiklang" besteht 1. aus einem Lobgesang auf eine hohe Beschäftigungsquote, 2. einer Kritik der von der SPD geplanten Reform am ALG I ("ALG Q" - warum, zum Geier, "Q"?), 3. der Feststellung (durch einen gewissen Kai Whittaker), dass sich Politiker "um wahre Probleme kümmern" sollten - die Marschrichtung zur Lösung für das "wahre Problem" der Arbeitslosigkeit bleibt aber offen.
  • Kolportierte Politikermeinungen, wo ist das Problem?

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Die offene Frage wird nach einer Zwischenüberschrift beantwortet: da "kommen" dann "langjährige Hartz-IV-Bezieher" "in den Arbeitsmarkt"...
  • Und wo ist hier das Problem?

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Den Schluß bildet - nach den ersten zwei Dritteln ist das dann folgerichtig - wieder CDU im Agens (diesmal "schwebt" da sogar etwas "vor").
  • Ja, folgerichtig.

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Merkwürdigerweise tritt dann auch die Linke auf (als "die Opposition"!), und die SPD im Agens -
  • Das Parlament besteht eben aus mehr als SPD und CDU

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
    aber eben nur als Sidekick: Frau Nahles (SPD) hätte "einen Kampf gegen Niedriglöhne" (!) angekündigt (!), und ausserdem will sie "Langzeitarbeitslose wieder in Arbeit bringen", die müssten sich ohnehin qualifizieren.
    Wieder kolportierte Politikeraussagen, wo ist hier das Problem?

    Zitat:
    Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
  • Ganz am Ende wird dann auch noch die Überschrift begründet: "CDU-Politiker Schiewerling legt den Fokus insgesamt auf die Ärmsten: [...]" - als ob linke Politik sich dadurch auszeichnen würde...

Du hattest selbst eingeräumt, dass dies aber als linke Politik gesehen wird

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Meiner Meinung nach ist das ein offenkundiger Fall von Wahlwerbung für die CDU, was mindestens zur Linie der beiden hiesigen Provinzblätter passen würde.
Wo ist die Werbung in dem Text?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Einen solchen Artikel nicht als dpa-basiert zu markieren, wie bei der OP, halte ich für verkehrt. Zuguterletzt kann man sich noch einmal Ziffer 1 des Pressekodex zu Gemüte führen:
.
Kannst du nochmal sagen (bzw verlinken) wo der Text als dpa Text ersichtlich ist?
__________________
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Alt 06.04.2017, 08:06   #8
basti_79
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Uff, jetzt wirds fachlich.

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Nein, nirgends wird der CDU unterstellt links zu sein.
Überschrift in der NOZ: "Wie die CDU Schulz von links attackiert"

Ok, strenggenommen ist das nicht links sein, sondern sich links verhalten. Es wird nichts darüber gesagt, ob die CDU nach der Attacke z.B. von ihren Forderungen wieder abrückt oder ob sie sie aufrechterhält. Ich würde allerdings aus rein diskursiv-pragmatischen Gründen davon ausgehen, dass, wenn die "Attacke" Erfolg hat, danach die CDU eine Position "links von Schulz" mittragen müsste.

Zitat:
Also zur Textsorte 'Kommentar' gehört der Text sicher nicht.
https://de.wikipedia.org/wiki/Kommentar_(Journalismus)

Richtige Widersprüche zur Definition eines Kommentars finde ich allerdings auch nicht.

Zitat:
Vielleicht kommen wir dem Problem näher, wenn ich mir mal die Punkte deines Eingangspost ansehe.


Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Zitat:
Im Anreißer und im ersten Absatz CDU fast immer im Agens, SPD immer im Patiens
Richtig beobachtet, das ergibt sich zwingend aus dem Inhalt, schließlich geht es darum, wie die CDU auf Schulz zu reagieren versucht.
Also, "zwingend" würde ich nicht gerade sagen. Man hätte auch schreiben können:
  • "Schulz (oder die SPD) treibt die CDU in die Defensive"
  • "CDU-Parteitag (oder Vorständetreffen oder Zirkel X) reagiert auf Schulz' Reformvorschläge"
  • "CDU lenkt in Sozialdebatte ein"
  • "CDU und SPD bereiten sich auf die Bundestagswahl vor"
o.Ä.


Mit meinem Beitrag wollte ich auch darauf hinaus, wie (vgl. Lakoff/Wehling) "Sprache das politische Denken formt".


Zitat:
Zitat:
die Form ist dann "SPD hat etwas getan, CDU muss es jetzt aber korrigeren" - also auf Linie mit der Groko-Strategie
Nein, so steht das nirgends in dem Text
Stimmt, wörtlich nicht. Wie konnte ich das da nur hineinlesen?

Zitat:
Kolportierte Politikermeinungen, wo ist das Problem?
In der Auswahl und der Darstellung. Als ob von einer hohen Beschäftigungsquote jemand glücklich würde, ausser ein paar Banker...

Zitat:
Zitat:
Ganz am Ende wird dann auch noch die Überschrift begründet: "CDU-Politiker Schiewerling legt den Fokus insgesamt auf die Ärmsten: [...]" - als ob linke Politik sich dadurch auszeichnen würde...
Du hattest selbst eingeräumt, dass dies aber als linke Politik gesehen wird
Meine Aussage ist hier: linke Politik ist mehr, als "den Fokus insgesamt auf die Ärmsten zu legen". Erst einmal fällt da die beschränkte Bandbreite auf: wenn das schon "links" ist, was ist dann die SPD? Und die Linke? Und die KPD? Und die PSG? - als ob es da so eine Art Fieberthermometer gäbe, was zwischen 35 ° (CDU) und 36 ° (SPD) eine "linksheit" anzeigt, und jetzt gerade die CDU 37 ° Fieber hätte, was aber bestimmt bald wieder vorbeigeht. Und dann ist linke Politik ja erstmal emanzipatorisch, kooperativ und pluralistisch, nicht, wie ich hier zu erkennen vermeine, wohltätig und hoheitlich...

Zitat:
Wo ist die Werbung in dem Text?
Der Eindruck, der bleibt, ist ungefähr jener:

Zitat:
Zitat von Wegeners Traum
Gelassen-sachlich tritt die CDU die Herausforderung durch den Würselener Buchhändler Martin Schulz an. Indem sie großmütig sinnvolle Zugeständnisse macht, gewinnt sie einerseits linke Wähler von der SPD zurück, andererseits erteilt sie der AfD durch ihre gemäßigte Mittenpolitik eine Absage.
Zitat:
Kannst du nochmal sagen (bzw verlinken) wo der Text als dpa Text ersichtlich ist?
z.B. im Handelsblatt ganz unten:

http://www.handelsblatt.com/politik/.../19605122.html
Zitat:


(Screenshot von gerade eben)

Ich gebe zu: es ist nicht besonders deutlich. Allerdings erforderlich, solange man den Inhalt nicht verändert (fällt MmN unter "Pressemitteilung", Richtlinie 1.3 des Pressekodex), und jedenfalls Usus.
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Alt 07.04.2017, 09:25   #9
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Überschrift in der NOZ: "Wie die CDU Schulz von links attackiert"

Ok, strenggenommen ist das nicht links sein, sondern sich links verhalten. Es wird nichts darüber gesagt, ob die CDU nach der Attacke z.B. von ihren Forderungen wieder abrückt oder ob sie sie aufrechterhält.
Lassen wir mal die Frage beiseite, ob das, um das es da geht wirklich links ist oder nicht.
Nur weil die CDU eine Position vertritt, die man als links ansehen könnte, macht es die CDU noch lange nicht 'links'

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich würde allerdings aus rein diskursiv-pragmatischen Gründen davon ausgehen, dass, wenn die "Attacke" Erfolg hat, danach die CDU eine Position "links von Schulz" mittragen müsste.
Ja, so kann man das sagen.
Aber eben nicht, die CDU ist jetzt links oder sowas.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen

Richtige Widersprüche zur Definition eines Kommentars finde ich allerdings auch nicht.
Na, dann schau nochmal genauer hin.
Es gibt in dem Text eigentlich nichts, was einem 'Kommentar' entspricht.
Ich kann in dem Text nirgends erkennen, wo der Autor seine Meinung über die politischen Handlungen erkennen lässt.

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Also, "zwingend" würde ich nicht gerade sagen. Man hätte auch schreiben können:
  • "Schulz (oder die SPD) treibt die CDU in die Defensive"
  • "CDU-Parteitag (oder Vorständetreffen oder Zirkel X) reagiert auf Schulz' Reformvorschläge"
  • "CDU lenkt in Sozialdebatte ein"
  • "CDU und SPD bereiten sich auf die Bundestagswahl vor"
o.Ä.
Bei zwei von deinen vier Vorschlägen ist die CDU immer noch im Agens.
Natürlich kann man jeden Text auch mit komplizierten Passiv Konstruktionen formulieren, aber warum sollte man das tun?

Die SPD hat mit Schulz ein Programm vorgestellt.
Darüber wurde sicher in früheren Artikeln (mit der SPD im Agens) berichtet, nun reagiert die CDU darauf und folgerichtig steht die CDU hier im Agens.


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Mit meinem Beitrag wollte ich auch darauf hinaus, wie (vgl. Lakoff/Wehling) "Sprache das politische Denken formt".
Das ist ja richtig, aber warum schreibst du das nicht gleich direkt in deinen ersten Beitrag.


Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Stimmt, wörtlich nicht. Wie konnte ich das da nur hineinlesen?
Die Frage stelle ich mir bei dir nicht mehr.




Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Meine Aussage ist hier: linke Politik ist mehr, als "den Fokus insgesamt auf die Ärmsten zu legen". Erst einmal fällt da die beschränkte Bandbreite auf: wenn das schon "links" ist, was ist dann die SPD? Und die Linke? Und die KPD? Und die PSG? - als ob es da so eine Art Fieberthermometer gäbe, was zwischen 35 ° (CDU) und 36 ° (SPD) eine "linksheit" anzeigt, und jetzt gerade die CDU 37 ° Fieber hätte, was aber bestimmt bald wieder vorbeigeht. Und dann ist linke Politik ja erstmal emanzipatorisch, kooperativ und pluralistisch, nicht, wie ich hier zu erkennen vermeine, wohltätig und hoheitlich...
Na darüber kann man doch prima diskutieren.
Warum nicht gleich im EP so deutlich?

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Der Eindruck, der bleibt, ist ungefähr jener:
Der Eindruck, der bei DIR bleibt, meiner ist ein ganz anderer.
Deinen Eindruck kann ich nicht wegdiskutieren, der gehört ganz dir.

Aber ich sehe nicht wirklich, wo der Text diesen Eindruck generiert.
In so einem Fall ist es hilfreich einen Satz zu zitieren und sich diesen dann gemeinsam anzusehen.
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Geändert von Lupo (07.04.2017 um 09:28 Uhr).
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Alt 07.04.2017, 15:07   #10
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Lassen wir mal die Frage beiseite, ob das, um das es da geht wirklich links ist oder nicht.
Naja, die ist aber zentral. Oder darf die CDU jetzt "linksschwenks" machen, wie es ihr gefällt, um sich Mehrheiten zu sichern?

Zitat:
Nur weil die CDU eine Position vertritt, die man als links ansehen könnte, macht es die CDU noch lange nicht 'links'
Naja, wenn die Forderung dann aber Bestand hat, müsste man doch sagen, dass die CDU dauerhaft "ein Stück nach links gerückt" wäre, oder?

Es ging mir hauptsächlich darum, dass ähnliche "Linksschwenks" bei anderen Parteien öfter als Grund hergenommen werden, die "Unwählbarkeit" oder die "Regierungsuntauglichkeit" einer Partei zu behaupten - selbstverständlich permanent, nicht nur bis zur nächsten Wahl. Das ist ähnlich wie mit "Ketzerei". Ein linker Gedankengang (selbst, wenn er nicht einmal wirklich links ist, sondern nur so darstellen kann), der an die Öffentlichkeit tritt, reicht aus, monatelange Öffentlichkeitsarbeit zunichte zu machen.

Zitat:
Ja, so kann man das sagen. Aber eben nicht, die CDU ist jetzt links oder sowas.
Wie kann man denn überhaupt festellen, ob oder wie links eine Partei wäre, oder ein Argument oder eine politische Ideologie? Wie sieht dieses "Fieberthermometer" aus?

Zitat:
Ich kann in dem Text nirgends erkennen, wo der Autor seine Meinung über die politischen Handlungen erkennen lässt.
In der Denotation nicht. Aber das ist doch gerade der Trick. Die CDU regiert einfach vor sich hin, jeder Vorschlag ist im Zweifel ein Versuch, den Staat durch Unterwanderung von Links zu vernichten, und deshalb muss alles weitergehen wie bisher. Nicht einmal mehr die SPD kann man überhaupt als regierungsfähig betrachten! Was stellen die auch für Kandidaten auf!

Zitat:
Bei zwei von deinen vier Vorschlägen ist die CDU immer noch im Agens.
Alle meine Vorschläge aber aber gemein, dass sie die Rolle der CDU schwächen und die der SPD stärken.

Zitat:
Natürlich kann man jeden Text auch mit komplizierten Passiv Konstruktionen formulieren, aber warum sollte man das tun?
Gute Frage. Als Beispiel hier ein Artikel in der Saarbrücker Zeitung:

Zitat:
Ein Volkstribun spaltet Frankreichs Linke

Jean-Luc Mélenchon könnte den Sozialisten bei der Präsidentschaftswahl entscheidende Stimmen wegnehmen. Umfragen sehen ihn im Aufwind.
Wohlgemerkt ist Jean-Luc Mélenchon selber ein Linker. D.h. man könnte diesen Artikel so zusammenfassen: "Dieser Linke ist so links, dass er sich schon ins eigene Fleisch schneidet!".

Zitat:
Die SPD hat mit Schulz ein Programm vorgestellt. Darüber wurde sicher in früheren Artikeln (mit der SPD im Agens) berichtet, nun reagiert die CDU darauf und folgerichtig steht die CDU hier im Agens.
Ja, das ist ja auch gar nicht das Hauptproblem. Das ist nur das einzige, das ich erkannt habe, welches man mit den Mitteln der Germanistik darstellen kann. Du scheinst zu erkennen, dass diese besondere Art und Weise der Formulierung jetzt dazu führt, dass die CDU in diesem Artikel die stärkere Rolle hat.

Kannst Du Dir erklären, warum Du gerade auf diesen meinen Beitrag so reagierst?

Zitat:
Zitat:
Meine Aussage ist hier: linke Politik ist mehr, als "den Fokus insgesamt auf die Ärmsten zu legen". Erst einmal fällt da die beschränkte Bandbreite auf: wenn das schon "links" ist, was ist dann die SPD? Und die Linke? Und die KPD? Und die PSG? - als ob es da so eine Art Fieberthermometer gäbe, was zwischen 35 ° (CDU) und 36 ° (SPD) eine "linksheit" anzeigt, und jetzt gerade die CDU 37 ° Fieber hätte, was aber bestimmt bald wieder vorbeigeht. Und dann ist linke Politik ja erstmal emanzipatorisch, kooperativ und pluralistisch, nicht, wie ich hier zu erkennen vermeine, wohltätig und hoheitlich...
Na darüber kann man doch prima diskutieren. Warum nicht gleich im EP so deutlich?
Weil ich da noch gar nicht wusste, dass Du das nicht verstehen würdest oder nicht würdest nachvollziehen können.

Zitat:
Aber ich sehe nicht wirklich, wo der Text diesen Eindruck generiert. In so einem Fall ist es hilfreich einen Satz zu zitieren und sich diesen dann gemeinsam anzusehen.
Teil meiner Aussage ist, dass hier der analytische Ansatz, den Du ja vorschlägst, an der Sache vorbeigeht, und ich lieber den oben aus meiner Perspektive wiedergegebenen emotionalen oder synthetischen Eindruck diskutieren würde.

Es gibt auch keine Grundlage, z.B. zu vermuten, dass Zeitungen oder Journalisten ihre politischen Haltungen nur so verbreiten würden, dass sie einzelne Sätze schreiben, aus denen man diese dann ablesen könnte. Im Gegenteil, ich gehe sogar davon aus, dass man das als platt empfinden würde, als Wahlwerbung eben, und man schon - ganz allgemein - den Anspruch hat, diese müssten irgendwie (z.B. auf die hier untersuchte Art) verschlüsselt werden, damit daraus dann "wirkliche Politik" würde.

Das hat dann den unangenehmen Nebeneffekt, dass dieser "Schlüssel" das Gegenteil von Transparenz schafft. Bei diesem Artikel (bzw. bei der Fassung in der OP) ist es sogar so, dass eine (zwar kleine) Stichprobe von 18- bis 25-jährigen den Text nach mehreren Angeboten entweder immer noch nicht lesen wollte, oder aber, falls er (meist unwillig) gelesen wurde, nicht oder nur teilweise verstanden hat.
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