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Alt 19.02.2017, 19:46   #1
basti_79
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Standard Mobbing & Schauspiel

Neuigkeitswert eigentlich 0: Es ist meiner Meinung nach absehbar, dass Schüler jubeln werden und die "Täter" anfeuern, wenn man ihnen Mobbing vorspielt.
  1. Durch das Schauspiel entsteht Distanz, die die Schüler nutzen können, sadistischen Impulsen freien Lauf zu lassen. Das merkt man daran, dass das Argument "es war ja nur ein Schauspiel" offensteht. Durch "einsteigen" in das Mobbing können die Schüler auch zeigen, dass sie diese Distanz verstanden haben.
  2. Mobbing ist ja einer der Bildungsschwerpunkte von Schulen. Auch, wenn Pädagogen das nicht zugeben wollen. D.h. die Schüler sind geradezu dazu gezwungen, zu demonstrieren, dass sie verstanden haben.
Die Schauspielerinnen waren sich offensichtlich im Klaren darüber, was sie da tun. Deswegen kann die Zeitung jetzt auch davon schreiben. Das Problem scheint ja gelöst.

Ein wissenschaftlicher Ansatz wäre jetzt, dieses Schauspiel auch noch vor anderen Schülern zu wiederholen, oder aber später zu prüfen, ob die Zahl der Mobbingbeschwerden in dieser Schule alleine dadurch sinkt. Witzigerweise werden aber Mobbingbeschwerden nicht gezählt, und erst recht nicht die Zahl veröffentlicht.

Ein pädagogischer Ansatz ist, weiterzumachen wie bisher, das Schauspiel als "grausam" zu bezeichnen, weitere ähnliche Aufführungen im Ansatz zu verhindern, den Befehl auszugeben, dass Mobbing verboten wäre, sich selber als unschuldig zu bezeichnen und dann zu sagen, es kann alles weitergehen wie bisher.

Ein weiterer pädagogischer Ansatz ist, zu behaupten, man habe (jetzt insbesondere durch diese Aktion) etwas verstanden, würde sich ja ohnehin seit Jahren um dieses Problem kümmern, es gäbe da auch schon ein Projekt, und die beiden Schauspielerinnen könnten ja auch mal an "unsere" Schule kommen. Dann macht man weiter wie bisher, behauptet die eigene unschuld und erzählt allen, dass alles weitergehen kann wie bisher.

http://www.rp-online.de/nrw/staedte/...campaign=share
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Alt 19.02.2017, 20:08   #2
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
[*]Mobbing ist ja einer der Bildungsschwerpunkte von Schulen. Auch, wenn Pädagogen das nicht zugeben wollen. D.h. die Schüler sind geradezu dazu gezwungen, zu demonstrieren, dass sie verstanden haben.
Magst du das mal belegen?


Ich darf mal aus dem Artikel zitieren:

Zitat:
Die Realschülerin habe an ihrer Schule noch kein Mobbing erlebt, aber sie ist sich sicher: "Wenn so etwas passieren würde, würde ich auf jeden Fall dem Opfer beistehen und was dagegen unternehmen."
oder

Zitat:
Der 14-jährige Claas dagegen fühlte sich durch das Stück an seine Grundschulzeit erinnert. "Ich habe selbst Erfahrung als Mobbingopfer und finde es gut, dass es mal thematisiert wird." Diese unschöne Zeit sei glücklicherweise vorbei, und auf seiner jetzigen Schule, sagt der Realschüler, habe er keine Probleme mehr.
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Alt 20.02.2017, 12:48   #3
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Magst du das mal belegen?
Naja, in der Pfeiffer-Studie (die Du ja sicherlich gelesen hast) wird der Unterschied zwischen Anspruch und Wirklichkeit ja gut beschrieben.

Selbstverständlich wird an den Schulen "Omerta" durchgesetzt. Verläßliche Aussagen über die Häufigkeit und Intensität des Mobbing könnte man nur mit "Zeugenschutz" erhalten. Dazu müsste man wenigstens mal Opfer und Täter voneinander fernhalten, statt die Täter immer wieder auf die Opfer zu hetzen.

Viel interessanter ist hier die Frage, wann etwas als "zu vermittelnder Bildungsinhalt" gilt. Wenn Pädagogen aufschreiben, dass sie etwas "vermitteln" wollen, oder aber wenn sie das einfach tun und später behaupten, von nichts gewusst zu haben.

Ich bin auch neugierig, wie Du Dir erklärst, dass die Zeitung sich derart überrascht gibt.
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Alt 20.02.2017, 14:03   #4
Lupo
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Nur noch mal zur Erinnerung, dies war die Behauptung, die es zu belegen gilt:

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
[*]Mobbing ist ja einer der Bildungsschwerpunkte von Schulen. Auch, wenn Pädagogen das nicht zugeben wollen. D.h. die Schüler sind geradezu dazu gezwungen, zu demonstrieren, dass sie verstanden haben.
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Alt 20.02.2017, 15:37   #5
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich bin auch neugierig, wie Du Dir erklärst, dass die Zeitung sich derart überrascht gibt.
Auch ich bin, wie Lupo, zunächst mal genau so neugierig auf deine Belege zu deiner Behauptung:

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Mobbing ist ja einer der Bildungsschwerpunkte von Schulen.
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Alt 20.02.2017, 16:01   #6
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Nur noch mal zur Erinnerung, dies war die Behauptung, die es zu belegen gilt:
Wie stellt man denn fest, was an den Schulen überhaupt ein "Bildungsschwerpunkt" ist? Sind das nur Lehrplaninhalte? Oder könnte es sein, dass da (z.B.) "unter der Hand", "ohne offizielle Billigung" oder ähnlich konsistent irgendwelche Inhalte vermittelt werden?

Das unerwünschte Verhalten "SVV" tritt offenbar vermehrt auf. Ich kann mich erinnern, dass das, als ich zur Schule gegangen bin, lautstark hysterisiert wurde (Untergang des Abendlandes, da würde ja wohl der Teufel angebetet, es müsse alles weitergehen wie bisher). Ich habe damals gesagt, dass das Verhalten an sich wohl nicht ansteckend wäre. Heutzutage sehe ich das so: SVV ist ein extremer Ausbund von "Neurosen" bzw. "Persönlichkeitsstörungen" (zwei augenscheinlich fast deckungsgleiche Begriffe). Da wäre dann erst einmal zu erklären, wie das trotz permanenter Pädagogik überhaupt sein kann ("Naturgegeben"? Wohl kaum...), und dann auch nachzuweisen, dass Pädagogik das nötige tut, die Weitergabe bzw. Reproduktion der Ursachen zu verhindern. Der wissenschaftlich korrekte Ansatz wäre meiner Meinung nach, zuerst einmal bei einer "Experimentalgruppe" von Kindern einen gewissermaßen unberührten Zustand herzustellen, d.h. die eben nicht 40 Stunden die Woche zwangszubeschulen, sie nicht dem brutalen Schulalltag aussetzen, sie und ihre Eltern nicht als "bildungsferne Sippe" zu betrachten, nicht fast alle Grundrechte zu streichen. Würde dann bei dieser Experimentalgruppe immer noch (im selben Maße) SVV auftreten, könnte man davon ausgehen, dass die Schulen damit ursächlich nichts zu tun haben.

Heutzutage vermeidet man aber solche Experimente, weil das Abendland untergeht, sobald irgendwer legal die Schulen vermeidet. Da ist irgendwie der Fehler im System.

Also, was wären in Deinen Augen "Bildungsschwerpunkte" der Schulen? Wie könnte man feststellen, dass es einen "Bildungsschwerpunkt" gibt, der nicht auf dem Papier vorgegeben wird, oder dass ein "Bildungsschwerpunkt", der vorgegeben wird, gar nicht stattfindet, oder (vor der "Vermittlung") krass verändert wurde?
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Alt 20.02.2017, 17:05   #7
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wie stellt man denn fest, was an den Schulen überhaupt ein "Bildungsschwerpunkt" ist?
Du hast behauptet, dass Mobbing einer sie. Dazu hätte ich gerne Belege.
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Alt 20.02.2017, 17:07   #8
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wie stellt man denn fest, was an den Schulen überhaupt ein "Bildungsschwerpunkt" ist? Sind das nur Lehrplaninhalte? Oder könnte es sein, dass da (z.B.) "unter der Hand", "ohne offizielle Billigung" oder ähnlich konsistent irgendwelche Inhalte vermittelt werden?
Darf ich die Frage so verstehen, dass du deine Behauptung - ohne Rücksicht auf diese Fragestellungen - getroffen hast?

Nun, es ist deine Behauptung, WIE du die am besten belegst, überlasse ich dir.
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Alt 20.02.2017, 18:10   #9
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Darf ich die Frage so verstehen, dass du deine Behauptung - ohne Rücksicht auf diese Fragestellungen - getroffen hast?
Nein, ich war davon ausgegangen, dass das gemeinte erkennbar ist, oder sich zumindest durch Nachweis der Praxis (wie geschehen) Belegen liesse. Kurz gesagt: für mich ist etwas "Bildungsschwerpunkt", wenn es in den Schulen - aus welchen Gründen auch immer - eine wesentliche Rolle spielt. Mobbing spielt in Schulen offensichtlich eine wesentliche Rolle, wie Pfeiffer ja herausgefunden hat.

Meine Frage bezieht sich darauf, dass Du möglicherweise andere Dinge als "Bildungsschwerpunkte" siehst. Beispielsweise könnten das sein: Lehrplaninhalte, verdeckte oder offene Inhalte der (institutionellen) Pädagogik als solcher, private Ansichten einzelner Pädagogen o.Ä.

Zitat:
Nun, es ist deine Behauptung, WIE du die am besten belegst, überlasse ich dir.
Das ist jetzt so etwas wie eine Beweislastumkehr, typisch Geisteswissenschaftlich, leider hier unschlüssig. Wenigstens könnte ich an der Stelle fordern, dass Du den von Dir geforderten Weg zum Beweis genauer schilderst.

Meiner Meinung nach ist der, wie gesagt:
  1. Mobbing findet an Schulen häufig statt.
  2. Etwas, was - Vorsatz hin oder her - an Schulen häufig stattfindet, wird gelernt.
  3. Etwas, was an Schulen gelernt wird, kann man mit Fug und Recht, und ohne Haare zu spalten, "einen wesentlichen Bildungsinhalt" nennen.
  4. In diesem Fall führt dieses lernen offensichtlich dazu, dass Schüler lernen, "wie Mobbing geht" - nämlich, indem man über die Opfer lacht. So kann man unter anderem das scheinbar merkwürdige Verhalten der Schüler erklären.
Der Trick, die Zielmarke zu verschieben, zieht bei mir nicht.
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Alt 20.02.2017, 19:07   #10
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Nein, ich war davon ausgegangen, dass das gemeinte erkennbar ist, oder sich zumindest durch Nachweis der Praxis (wie geschehen) Belegen liesse. Kurz gesagt: für mich ist etwas "Bildungsschwerpunkt", wenn es in den Schulen - aus welchen Gründen auch immer - eine wesentliche Rolle spielt. Mobbing spielt in Schulen offensichtlich eine wesentliche Rolle, wie Pfeiffer ja herausgefunden hat.
Mit anderen Worten: Du kannst deine Behauptung nicht belegen, sondern behauptest einfach weiter.

Damit ist dieses Gespräch für mich zu Ende.
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