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Psychologie & Parapsychologie Remote Viewing, Präkognition, aber auch Spuk und was es da noch so alles an den Grenzen der Psychologie gibt.

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Alt 12.01.2017, 19:10   #1
basti_79
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Standard Machiavellismus, Psychopathie, Narzissmus etc.

Mir ist da etwas aufgefallen.

Es geht um die "dunkle Triade", bzw. um damit verbundene Persönlichkeitsstörungen. Da gibt es anscheinend ein strukturelles Problem. Persönlichkeitsstörungen gelten (Quelle) als:
  • diffus definiert und schwer zu erkennen ("Die Grenze zwischen einer "normalen" Persönlichkeit und einer Persönlichkeitsstörung ist natürlich fließend und deshalb Anlass für vielfältige Diskussionen. Es ist deswegen besonders wichtig, daß man zwischen einem Persönlichkeitsstil und einer Persönlichkeitsstörung unterscheidet.")
  • schwer oder unmöglich behandelbar ("Somit ist die Therapiemotivation bei diesen Patienten eher gering und die Therapien gestalten sich oftmals als recht schwierig.")
Dabei sind die genannten Persönlichkeitszüge tatsächlich sehr häufig, oft auch anscheinend (bei den jeweils betroffenen) dauerhaft vorhanden (wenigstens über Jahre hinweg), auch wirksam in der Form, dass andere Leute darunter leiden und es gibt anscheinend dennoch sehr wenige Bemühungen, die Betroffenen zu therapieren oder auch nur für ihr abweichendes Verhalten zur Verantwortung zu ziehen.


Ich unterstelle hier (enthymemisch): Dass es Maßstäbe für "normales" Verhalten gibt, von dem das problematische abweicht, dass es auch ethisch ist, das festzustellen, und dass es im Grunde keinen anderen Weg gibt, "Gesellschaft" zu denken, ohne in Fallen wie die des Solipsismus, der Anomie oder der Tyrannei zu geraten.


Jetzt ist es ja so, dass diese Persönlichkeitszüge oder Verhaltensweisen einen schlechten Ruf haben, und auch entsprechend versucht wird, Leute zu konditionieren. Das Grundgesetz z.B. scheint solche Verhaltensweisen zu missbilligen. Auch wird behauptet, Facebook etc. würden Eitelkeit (Narzissmus) stärken, was dann durch eine geheimnisvolle Fähigkeit namens "Medienkompetenz" wieder gerichtet werden soll - selbstverständlich per Institution.


Meine Beobachtung lässt sich in den folgenden Hypothesen zusammenfassen:
  • Die "dunkle Triade" bzw. auch die entsprechenden Persönlichkeitsstörungen bestehen vorrangig aus "unerwünschtem Verhalten", d.h. ungeachtet der Ursachen oder möglicherweise angeborener Moral oder Ethik ist die Hauptsache, dass eine große Gruppe von Menschen "gesundes" und "krankes" Verhalten definiert.
  • Menschen, die solches Verhalten zeigen, sind sich darüber im Klaren und zeigen unterschiedliche, ihrem "Typus" entsprechende, Arten und Weisen, eine Korrektur dieses Verhaltens zu vermeiden. Narzissten lehnen z.B. oft persönliche Autorität ab, Borderliner fliehen in eine Halb-Traumwelt, die ich "Lalaland" nenne usw.
  • Anscheinend wäre die beste Therapie fast immer diejenige, die die Betroffenen am intensivsten ablehnen. Narzissten z.B. wäre am besten geholfen, indem ihnen jemand wirksam verbietet, das zu tun, was die anderen stört. Macchiavellisten wären als "kleines Rädchen" in einem (natürlich dann gut - ethisch - funktionierenden) "großen System" am besten aufgehoben. Psychopathen würden gute Soldaten abgeben, und gute Henker.
  • In Erweiterung der vorigen Hypothese: jemand, der einen Putzzwang hat, gibt eine gute Raumreinungsfachkraft ab, jemand mit einem Sammelzwang einen guten Kurator (vielleicht insbesondere für Sammlungen von Kleintierpräparaten), Paranoide wären gute Geheimdienstler (eine bestimmte Art von Paranoia hilft auch beim Programmieren, insbesondere beim "Debugging") usw. - Erscheinungen, die im allgemeinen als schlecht gelten, können also in besonderen Umständen nützlich sein.
Der Kern der Hypothese, die ich hier vertreten möchte, ist: Die Probleme bei der Diagnose und Behandlung der genannten Störungen gehen eben darauf zurück. Bei den Menschen hat sich im Laufe der Zeit erst einmal Sprachfähigkeit entwickelt, und diese war (ab einer bestimmten Entwicklungsstufe) eine notwendige Grundlage für Zivilisation (im Sinne dieser Diskussion: die Fähigkeit, in Gruppen zu überleben, die zu groß sind, als dass jeder jeden kennen könnte, die Fähigkeit, einen Menschen als abstrakten "Fremden" zu betrachten, der aber dennoch "dazu gehört"). Infolgedessen haben sie auch die Fähigkeit entwickelt, per "vermittelten Gedanken", per Kommunikation, Dinge, die sie als "schlecht" wahrnehmen, zu "gutem" umzudeuten und umgekehrt.

Religion (und ähnliche Mythologien, man vergleiche auch Jaynes) wimmelt nur so davon. Ebenso wie Gesetzbücher, Institutionen und überhaupt Gruppen. Man kann sagen: Menschen leben eben so.

Da stellt sich dann die Frage, wenn das gegeben ist, wenn man aus gutem schlechtes machen kann und umgekehrt, was ist dann noch absolut? Ich selber setze an dieser Stelle das Grundgesetz. Und das frappierende daran ist: ich habe mich selber dazu, etwa im Alter von 14 Jahren, bewußt dazu entschieden. Der Hergang war folgender: als ich jünger war, habe ich gelegentlich mal in ein Exemplar geschaut, das ich besaß. Ich habe wahrgenommen, dass ich noch nicht alles erfasse, was da steht, und ich habe mir gedacht, das ist auf jeden Fall ein Hindernis. Als ich alt genug war, ist mir dann aufgefallen, dass es für jedes Grundrecht sehr viele Gegenbeispiele gibt, warum man das Grundrecht gerade so formulieren sollte und nicht anders. Ich habe dann die Entscheidung treffen können, und später sogar noch einige Zweifelsfälle prüfen müssen. Es ist aber jedes Mal dabei herausgekommen, dass die Lösung im GG die Beste ist, und dass ich mich daran halten sollte.

Fest steht, dass das oben als "gestört" bezeichnete Verhalten ziemlich zuverlässig GG-widrig ist. Das GG scheint also aus irgendwelchen Gründen zu denselben Schlüssen gekommen zu sein wie die Psychiatrie - oder hatten GG und meinetwegen die Bibel Einfluss auf die Psychiatrie?

An der Stelle denke ich immer darüber nach, inwiefern sich die Ethik für die Menschen in weit entfernten Gesellschaften von unserer unterscheidet. Und da stellt man dann folgendes fest: in der Regel ist das Leben anderswo gar nicht so viel anders als hier. Man isst und trinkt anders, man zieht sich anders an, man sieht vielleicht sogar anders aus, aber im groben und ganzen bezeichnen Menschen dieselben toten Könige als Tyrannen, dieselben Verhaltensweisen als Verbrechen, dieselben Fetische bzw. sexuellen Verhaltensweisen als "pervers" (o.Ä., im heutigen Sprachgebrauch passt das Wort vielleicht nicht mehr), dieselben Dinge als "Glück" oder "erstrebenswert" usw.

Abweichungen von dieser Regel sind "freak cases", z.B. das heutige Nordkorea, das dritte Reich oder dann, auf der "anderen Seite der Medallie", die Gesellschaften der Ureinwohner Australiens - die einerseits als "edle Wilde" stilisiert werden, anderseits als grausame Primitivlinge. Unter dem Druck der Gemeinverständlichkeit bzw. der Ethik wird also das Bild (das eh eigentlich nicht einheitlich sein kann, das ist so wie "sag mal was zum Mittelmeerraum" - im ethnologischen Sinne, also Basken, Türken und Tunesier unter einem Hut) gespalten. Die typische menschliche Gesellschaft ist eine, in der es Recht gibt und Frieden.

Zur Zeit scheint etwas außergewöhnliches zu passieren: überall flammt Streit auf, überall Uneinigkeit. Sehr viele von diesen Streitigkeiten gehen auch auf die genannten psychiatrischen Phänomene zurück. Meiner Meinung nach ist das das Resultat davon, dass sehr viele Leute nicht, wie ich das nenne, wie ich es getan habe, früher "ihre ganz persönliche Ideologie mit derer der Anderen synchronisiert" haben. Sie müssen die Widersprüche, die sich dadurch ergeben, bis heute zurückgehalten haben, und durch irgendwelche gesellschaftlichen Entwicklungen treten diese ans Tageslicht. Teilweise (Reichsbürger, Nazis) heftig, strittig und mit letztendlich ungewissem Ausgang, teilweise in politischem Rahmen, teilweise auch eben heimlich, intim oder auch bewusst innerhalb einer Gruppe versteckt ("hermetisch", Entwicklung von Sektierertum). Und teilweise eben auch vermischt.

So lässt sich meiner Meinung nach der derzeitige "Bohei" erklären. Und, naja, ich bin da nicht ganz aussen vor. Ich spüre, was die anderen Menschen bewegt, und werde selber etwas aktiv, und möglicherweise ecke ich damit gerade auch hier an. Dafür möchte ich um Entschuldigung bitten. Ich weiß letztendlich keinen anderen Ausweg, keinen anderen ethischen Weg. Auch für mich übersteigen die Widersprüche das erträgliche Maß, auch ich möchte aufbrechen in eine ungewisse, aber möglicherwiese bessere Zukunft. Ich will einfach mein bestes dafür tun, dass dieser Aufbruch uns in die richtige Richtung führt.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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