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Alt 09.04.2016, 20:11   #1
basti_79
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Standard Wie rechter Journalismus funktioniert

Hier mal ein schönes Beispiel für rechten Journalismus. Rechter Journalismus arbeitet mit Angst, er funktioniert, indem er durch Projektion den Menschen Angst macht.

Man kann deutlich lesen, wie Henryk M. Broder dadurch, dass er ein besseres "früher" projiziert, erst einmal auf Tradition zurückgreift. Dann verhöhnt er bestimmte Erscheinungen, die er als "neu" wahrnimmt, etwa den Weltfrauentag, "political correctness", die Grünen, oder etwas, das er als "infantil" wahrnimmt. Er empfiehlt die Fußball-Nationalmannschaft (!) als Lieferant der (emotionalen?) Leistung, die er offenbar nicht aufbringen kann. Diese merkwürdige Kombination kann ich mir nur so erklären, dass er erkennt, dass hinter seinen Ideen Angst steckt, und Fußball eben auch Auflösung von Angst verspricht, bzw. Angst nur vor letztendlich harmlosen Dingen.

Angst kann ich da vor allem in folgenden Zusammenhängen lesen:
  • Neonazis - aber Adenauer hatte anscheinend das richtige Heilmittel: Gewalt, allerdings niedliche Gewalt
  • Der "Rigorismus", mit dem "Refugees Welcome" gerufen werden müsse (übrigens ein surreales Klischee der Rechten, dass man dazu gezwungen würde)
  • Davor, "in die rechte Ecke abkommandiert" (!) zu werden
  • "Zersiedlung der Landschaft" und "Verödung der Städte"
  • Auch der genannte "moralische Hochseilakt" - das Wort "Ethik" taucht im Artikel nicht auf
Interessanterweise benennt er sogar die Angst, allerdings durch den Mund der bösen Angela Merkel. Da er ja deren Politik kritisiert, wirkt dieser Ausspruch allerdings in diesem Zusammenhang unaufrichtig. Was er in dem Artikel nicht erwähnt, ist ebenso interessant:
  • Anschläge auf Flüchtlingsheime
  • Die Existenz der AfD
  • Die zynische, menschenverachtende Politik der Bundesregierung in Bezug auf die Türkei
  • Dass die BRD schon mehrmals in ihrer Geschichte sowohl Einwanderer als auch Flüchtlinge aufgenommen hat (abgesehen von seiner eigenen Einwanderung, Broder kommt aus Polen - ich meine im Sinne "flächendeckende Erscheinung")
In einen positiven Zusammenhang stellt er Beate Klarsfeld. Der Mann muss schier verzweifelt sein. Es ist schon ein eigenartiges Deutschland, in dem Broder wohnen muss. Einerseits fest im Würgegriff einer Zentralregierung, andererseits hauptsächlich bedroht von Folgen derer Politik. Ich stelle fest: Broder hat außerordentlich naive Vorstellungen von den Zusammenhängen, die die Bundesregierung beschäftigen. Er sollte sich meiner Meinung nach andere Themen suchen, wenn ihn dieses so sehr beunruhigt.

Herr Broder, das ist der mit Abstand einfältigste Artikel, den ich zu dieser Frage in letzter Zeit gelesen habe. Immerhin sind Sie bei der sprachlichen Qualität geblieben, die ich an Ihren Texten immer gern zu würdigen weiß.

Hohn und Angst sind typische Elemente der "rechten" politischen Strategie. Wobei anscheinend darauf gehofft wird, dass der Hohn den verhöhnten ebenfalls Angst macht. Sobald man damit umgehen kann, verschwindet der emotionale Effekt und wird ersetzt durch nüchternes Kopfschütteln, wo man derart versucht, zu eskalieren.

http://www.welt.de/debatte/kommentar...-Hochseil.html
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Alt 09.04.2016, 20:25   #2
Lupo
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Broder?
Wird der überhaupt noch von jemandem ernst genommen?
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Alt 09.04.2016, 20:36   #3
basti_79
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Er scheint das zu denken. Warum denn auch nicht?
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Alt 09.04.2016, 20:44   #4
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Warum denn auch nicht?
Wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die an reptiloide Außerirdische glauben, oder denken, die Afd sei eine Partei für den "kleinen Mann", kann man natürlich auch Broder ernst nehmen.


Andererseits
Zitat:
Dennoch denkt es manchmal in mir: Lieber Gott, gib uns unsere Probleme von gestern wieder. Wir haben sie so geliebt!
Ich kann jemanden, der so einen Unsinn schreibt, nicht ernst nehmen.
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Geändert von Lupo (09.04.2016 um 20:52 Uhr).
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Alt 09.04.2016, 21:03   #5
basti_79
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Wenn man bedenkt, dass es Menschen gibt, die an reptiloide Außerirdische glauben, oder denken, die Afd sei eine Partei für den "kleinen Mann", kann man natürlich auch Broder ernst nehmen.
Aber, aber. Spielst Du darauf an, dass, wer an eine Verschwörungstheorie glaubt, auch für andere empfänglich wäre?

Das, was der Broder macht, ist doch ganz klar Journalismus. In dem Sinne nehme ich ihn auch ernst. Ist doch nicht mein Problem, wenn die Leute ihm glauben.

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Alt 09.04.2016, 21:10   #6
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Aber, aber. Spielst Du darauf an, dass, wer an eine Verschwörungstheorie glaubt, auch für andere empfänglich wäre?
Nee, wollte nur ganz harmlos anmerken, dass es Leute gibt die noch viel größeren Unsinn ernst nehmen.



Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Das, was der Broder macht, ist doch ganz klar Journalismus. In dem Sinne nehme ich ihn auch ernst. Ist doch nicht mein Problem, wenn die Leute ihm glauben.
Ja, so irgendwie....

Aber wenn ich sowas(mal als Beispiel) lese

Zitat:
Dennoch denkt es manchmal in mir: Lieber Gott, gib uns unsere Probleme von gestern wieder. Wir haben sie so geliebt!
Kann ich nur noch konstatieren: "Viel gedacht hat er vor oder während des Schreibens aber nicht"

Wir haben sie eben nicht geliebt, damals.
Wir lieben nur bewältigte, erledigte, überlebte Probleme im Gegensatz zu anstehenden, aktuellen Problemen.
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Alt 10.04.2016, 16:01   #7
basti_79
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Ja, der Eindruck überwältigender Einfalt ist derjenige, der mich bei Broders Texten auch häufig stört. Ich wollte halt mal an einem Beispiel zeigen, wie rechter Journalismus funktioniert, oder wie seine Protagonisten glauben, dass er funktionieren kann. Das ist ja in dem Fall fast schon rührig. Ich habe ein wenig Mitgefühl mit Herrn Broder. Wenn er denkt, dass das seine politische Position unterstützt... Das muss echt übel sein...
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Alt 10.04.2016, 18:22   #8
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ja, der Eindruck überwältigender Einfalt ist derjenige, der mich bei Broders Texten auch häufig stört.
Ich bin kürzlich zufällig über einen Kommantar von Broder über das Volksbegehren zum Fahrradverkehr in Berlin gestolpert.

Schön für ihn, daß ihm die "Welt" ein Gnadenbrot gibt.
Die Achsen des Guten – Radfahrer sind gefährliche Autisten

Es sind die geballten Vorurteile des automobilen Mittelstandes. Er sagt ja selbst.

Zitat:
Aber worüber rege ich mich auf? Es sind nicht meine Kinder, und ich fahre Auto.
aber er ist dagegen und projiziert seine kranken Ansprüche auf die anderen.

Zitat:
Radfahren ist keine Möglichkeit, von A nach B zu kommen, es ist eine Weltanschauung. Und wie bei allen Weltanschauungen geht es auch beim Radfahren vor allem darum, sich durchzusetzen. Koste es, was es wolle.
Fragt sich ob er sein Versprechen eingelöst hat

Zitat:
Sobald ich wieder in Berlin bin, kauf ich mir auch so ein Ding. Radfahren, ohne in die Pedale treten zu müssen, das ist wahrer Fortschritt!
Broder ist einfach ein arrogantes Arschloch.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
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Alt 10.04.2016, 18:38   #9
Lupo
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Broder ist einfach ein arrogantes Arschloch.
Ein dummes, arrogantes A********
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