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Alt 11.02.2016, 13:11   #1
basti_79
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Standard Abitur ohne Schulbesuch

Ein Interview mit Moritz Neubronner, einem bekannten und bekennenden "Freilerner". Auffällig: er scheint chronischer Gewalttäter zu sein, wie aus dem Interview in der "Kreiszeitung" hervorgeht.

In den Texten wird kaum erwähnt, dass die Familie über Jahre im Streit mit der Gerichtsbarkeit lag, letztendlich "unterlag", also die entsprechenden Strafen zahlen musste und diese Form der Erziehung nicht als legale Variante erkannt wurde. Wichtiges technisches Detail bei der Geschichte war ein pro-forma-Umzug nach Frankreich, wo es keine Schulpflicht gibt. Warum ausgerechnet an dieser Stelle nicht die Regel greifen sollte, dass alle EU-Bürger unter dem gleichen Recht leben dürfen, konnten die Richter anscheinend nicht erklären.

So darf man z.B. seit langer Zeit auch in Deutschland Firmen als "limited" ("ltd.") gründen, sozusagen eine englische GmbH. Vorteil dabei ist, dass die Mindesteinlage 1 GBP beträgt.

Was in der Darstellung regelmäßig fehlt, ist wenigstens eine Bemerkung über die teilweise schrill abwegigen Äußerungen der Mutter. Vermutlich, weil so das Klischee erfüllt würde, dass Menschen, die aus freien Stücken die Schule vermeiden wollen, geisteskrank wären oder anderweitig "sozial delinquent". Das wäre aber auch gar kein Argument. Denn selbstverständlich muss man auch die Menschenrechte von "psychisch herausgeforderten" anerkennen.

http://www.kreiszeitung.de/lokales/b...n-2980142.html
http://www.spiegel.de/schulspiegel/d...a-1049018.html
http://www.netzwerk-bildungsfreiheit...eubronner.html
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Alt 11.02.2016, 14:09   #2
Groschenjunge
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ein Interview ...
Dieser Einzelfall hat jetzt was für eine Bedeutung für die Gesamtheit unseres Schulsystems?
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Alt 11.02.2016, 16:34   #3
Lupo
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Gibt es hier im Forum eigentlich jemanden, der nur für die Schulpflicht und gegen eine Bildungspflicht ist?
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Alt 11.02.2016, 18:07   #4
Groschenjunge
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Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Gibt es hier im Forum eigentlich jemanden, der nur für die Schulpflicht und gegen eine Bildungspflicht ist?
Meinst du so etwas: "Ich muss zwangsweise in die Schule, brauche aber nichts zu lernen."
Dazu kann ich mich leider nicht bekennen, aber eine Bildungspflicht wäre für mich ausreichend. Wobei ich bei der Schulpflicht durchaus eine positive soziale Richtung erkenne, denn viele Eltern haben keine Möglichkeit, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten und einer anderen Menge Eltern geht es am Arxxx vorbei, ob und was ihr Nachwuchs lernt. Da sehe ich den Zwang zum Schulbesuch positiv an.
Eine Schulpflicht wäre somit auch ein sanfter Druck für die, die die Verlierer im Bildungsrennen wären. Schweden hat übrigens auch eine Schulpflicht: http://www.alltag-in-schweden.de/schulsystem.php
Zunächst klingt deren System interessant:
Zitat:
Der Schulalltag kann von den einzelnen Schulen selbständig strukturiert werden. Schon in der fünften und sechsten Klasse sollen die Schüler lernen, selbständig zu arbeiten. Die Schüler erarbeiten gemeinsam mit dem Lehrer einen Wochenplan, in dem festgelegt wird, wann die Schüler allein arbeiten, wann sie in einer Gruppe arbeiten und wann sie gemeinsam mit dem Lehrer arbeiten.
Aber nichts ist so, wie es scheint:
Zitat:
Obwohl schwedische Schüler in der PISA-Studie deutlich besser abgeschnitten haben, als deutsche Schüler, wird das schwedische Schulsystem häufig kritisiert. Besonders von deutschen Schülern und Eltern, die einen Teil ihrer Schulbildung in Deutschland genossen haben und später einige Jahre in Schweden zur Schule gingen. Als besonders nachteilig wird empfunden, dass die Schulbenotung erst sehr spät erfolgt. Da es weder eine Haupt- oder Realschule gibt und Schüler nicht sitzen bleiben können, werden gute Schüler nicht gefördert und das Unterrichtsniveau orientiert sich an den schlechteren Schülern. Die Klassenstufe kann nur dann wiederholt werden, wenn die Eltern ihre Zustimmung geben.

Durch den fehlenden Leistungsdruck stumpfen gute Schüler ab und verlieren schnell das Interesse. Diese Problematik haben mittlerweile auch viele Schweden erkannt und schicken ihre Kinder deshalb auf Privatschulen, auf denen die Schüler besser gefordert und gefördert werden.
Mir scheint, die Diskussion um Schulpflicht oder nicht geht ein wenig an den Realitäten vorbei. Das sind mehr formale Dinge. Solche Aussagen wie oben "Durch den fehlenden Leistungsdruck stumpfen gute Schüler ab und verlieren schnell das Interesse." stimmen mich traurig, denn wir bauchen doch eine gute Mischung von Nachwuchs, zu dem auch die Förderung von guten Schülern gehört, genau so wie die Akzeptanz von schlechteren Schülern.
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Alt 12.02.2016, 14:57   #5
basti_79
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Zitat:
Zitat von Groschenjunge Beitrag anzeigen
Dazu kann ich mich leider nicht bekennen, aber eine Bildungspflicht wäre für mich ausreichend.
Kannst Du Umfang und Mittel zur Durchsetzung "einer Bildungspflicht", die für Dich "ausreichend" wäre, möglicherweise sogar in einem neuen Thread, erläutern?

Zitat:
Eine Schulpflicht wäre somit auch ein sanfter Druck für die, die die Verlierer im Bildungsrennen wären.
Was findest Du an Entführungen und Isolationshaft "sanft"? Und warum verwendest Du unbestimmte Artikel?

Zitat:
Schweden hat übrigens auch eine Schulpflicht:
In Schweden ist die Situation vergleichbar mit hier, d.h. auf dem Papier soll es Beamten möglich sein, sich wie denkende und fühlende Menschen zu benehmen. Um den Weltuntergang zu vermeiden und alle Vergewaltigungen langfristig zu verhindern, tun sie das jedoch üblicherweise nicht.

Das ist auch gar kein Argument, sondern so etwas wie Kirschenpflücken. Bloß weil hier ein reformunfähiges Behördenkonglomerat gewohnheitsmäßig Kinder quält und irgendwelchen Sadisten dafür den Hintern pudert, wird es das nicht besser davon, dass viele Schweden ähnlich verdreht denken. Es heißt ja nur, dass der Staat Schweden ähnlich wenig reformfähig und genauso krass rückständig ist in dieser Hinsicht wie die Länder der BRD.

Zur Ehrenrettung der Schweden muss man wohl noch dazu sagen, dass die Unterstellung, ein Schwede könnte so krank und verdreht denken, wie viele Deutsche über die deutsche Schulpflicht denken, vermutlich fehl geht. Auch dort werden es wahrscheinlich besonders isolierte, unfähige Menschen sein, denen man die Last überträgt, dummes Zeug zu erzählen.

Zitat:
Mir scheint, die Diskussion um Schulpflicht oder nicht geht ein wenig an den Realitäten vorbei.
Das scheint aber auch nur Dir so. Die Frage, ob Kinder unter Gewaltdrohungen oder sogar per Entführung in eine Schule gewzungen werden, ist bei der Frage nach der Ethik des Konzepts zentral. Das ist auch genau der Unterschied zwischen Vergewaltigung und Sex.

Zitat:
Das sind mehr formale Dinge.
Eben nicht. Es ist mir ja klar, dass Du denkst, dass Grundrechte überhaupt nur auf dem Papier existieren. Das heißt aber nicht, dass man auch nur ein wesentliches Argument ausser acht lassen darf.

Zitat:
wir bauchen doch eine gute Mischung von Nachwuchs, zu dem auch die Förderung von guten Schülern gehört, genau so wie die Akzeptanz von schlechteren Schülern.
Da sieht man, wohin sowas führt: Terrorstrategien werden als "Akzeptanz" verklärt, Inwertsetzungen von Menschen zur Grundlage der Diskussion, das ganze dient dann nicht mehr der Gleichschaltung und der Entrechtung, sondern "einer guten Mischung", Menschenrechte werden ignoriert usw. - aus falschem folgt beliebiges.

Nicht mehr.
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Alt 12.02.2016, 15:02   #6
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Kannst Du Umfang und Mittel zur Durchsetzung "einer Bildungspflicht", die für Dich "ausreichend" wäre, möglicherweise sogar in einem neuen Thread, erläutern?
Ich kann schon, aber ich habe dazu keine Lust. Der Grund dafür sind solche Aussagen:
Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Was findest Du an Entführungen und Isolationshaft "sanft"?
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Alt 16.02.2016, 12:56   #7
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
So darf man z.B. seit langer Zeit auch in Deutschland Firmen als "limited" ("ltd.") gründen, sozusagen eine englische GmbH. Vorteil dabei ist, dass die Mindesteinlage 1 GBP beträgt.
Das ist so nicht richtig.

Man kann eine Ltd. in England gründen und ist dort verpflichtet eine Steuererklärung abzugeben.

Mit der englischen Ltd. kann man eine deutsche Niederlassung gründen, die ins Handelsregister als deutsche Firma eingetragen wird.

Der Vorteil gegen einer GmbH ist, daß es schneller geht und man kein Stammkapital (außer dem einen Pfund) braucht. Aber jeder Geschäftspartner sieht, was es für eine Art von Unternehmen ist.
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Alt 16.02.2016, 13:46   #8
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Der Vorteil gegen einer GmbH ist, daß es schneller geht und man kein Stammkapital (außer dem einen Pfund) braucht.
Und wenn du das Pfund in Bier umgesetzt hast, bist du pleite. Spaß beiseite,

So richtig viel Vorteil ist das eigentlich überhaupt nicht, siehe dazu https://www.stuttgart.ihk24.de/recht...Limited/677198
Letztlich unterliegst du zwei verschiedenen Rechts- und Steuerwelten, eine hier und die andere auf der Insel. Das war eine Zeitlang eine richtige Hype "Wir gründen für ein Taschengeld 'ne LTD". Letztlich verhielt es sich wie beim Kauf eines Tintenstrahldruckers. Das Gerät selber kostet wenige Euros, aber wenn du die erste neue Farbpatrone brauchst, dann musst du einen großen Kredit aufnehmen.
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Alt 16.02.2016, 15:54   #9
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Groschenjunge Beitrag anzeigen
So richtig viel Vorteil ist das eigentlich überhaupt nicht, siehe dazu
Die Kosten in England halten sich in Grenzen, wenn man einen "Strohmann" aus der Familie hat, der dort wohnt.

Wenn man es aber über einen professionellen Treuhänder abwickelt, wird es teuer (so um die 1000 Euro Overhead pro Jahr), der die Formulare in England abgibt. Und einen Briefkasten für einen aufstellt.

Solange man in England keine Geschäftstätigkeit hat, fallen auch keine Steuern an. Man gibt auf einem Blatt eine "Null-Erklärung" ab und gut ist.

Es hängt davon ab, was man damit bezweckt. Wenn man schnell eine Firma braucht, die in Deutschland ein Konto eröffnen kann, dauert eine GmbH viel zu lange. Man kann allenfalls eine Vorrats-GmbH kaufen, aber das hat auch seinen Preis.

Eine flugs gegründete GbR wird oft nicht ernst genommen.
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Alt 17.02.2016, 12:25   #10
basti_79
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Angesichts dieser Ausführungen: wo bleibt denn da der Grundsatz auf Gleichbehandlung bei der Frage, ob man Kinder z.B. in Frankreich oder Norwegen "zur Schule anmelden" kann, wo zivilisierte Schulgesetze gelten und den Kindern somit diese Qual erspart bleiben kann?
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