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Diverses Alles rund um Grenzwissenschaften, was nirgendwo anders so recht rein passt....

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Alt 20.12.2014, 08:51   #1
perfidulo
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Standard PEGIDA und die Reaktionen

Wenn ich mir die Berichterstattung über PEGIDA in den letzten Wochen anschaue, fühle ich mich in die Anfangszeit der Grünen und in die ersten zwei Jahrzehnte PDS/Linke versetzt.

Nicht wegen der Inhalte, sondern wegen der strukturellen Ähnlichkeit.

Alle in der Main-Stream-Polititk (und mittlerweile zählen Grüne und Linke selbst dazu), sind davon überzeugt, daß das alles grundfalsch ist und versuchen die abtrünnigen Schäflein mit Zuckerbrot und Peitsche auf den rechten Weg zurückzubringen.

In zahllosen Diskussionsrunden wird das zelebriert. Wie üblich kommen Beteiligte selbst kaum zu Wort. Wenn nur, als blökende Nazis oder kleine Doofis in Satire-Sendungen.

Als "offizielle" Stimme der Pegida wird allenfalls die AfD zugelassen, die aber tausendmal behaupten kann, sie wäre nicht so wirklich beteiligt, wie man ihr unterstellt. Zumindest will sie nicht als Strippenzieher erscheinen, bei aller inhaltlichen Übereinstimmung.

Während auf der einen Seite die Drohkulisse der Zerstörung der Demokratie aufgebaut wird, ist man andererseit überzeugt, daß der Sturm vorbeigehen wird. Das hat man bei den Grünen und Linken auch geglaubt. Heute stellen sie Ministerpräsidenten.

Nochmals (für die Pegidas): Es geht nicht um eine inhaltliche Parallele. Es geht um die Reaktion in den Medien und durch "Die Politik". Die flächendeckende Negation des Anliegens.

Dabei wird übersehen, wie bei Grünen und Linken, daß es untergründig ein gewisses Interesse (seinerzeit Umweltschutz, bzw. Sozialismus) gibt, das sich mehr oder weniger gewaltsam Bahn bricht. Das Thema (nun Islamophobie, Angst vor Überfremdung) wird bestritten. Es existiere nicht, oder wenn dann, in ganz geringem Umfang, und überhaupt könnten die Leute keine Statistiken lesen (sterbende Bäume, Ausländeranteil in Sachsen).

Möglicherweise sind die Techniken nicht sehr erfolgreich und erreichen die Zielgruppe nicht. Ich habe mich seinerzeit auch nicht von den Heilsverkündungen der Politik und Industrie über den Segen der Atomkraft blenden lassen und mir selber Informationen verschafft.

Die Rolle alternativer Quellen haben heute dubiose Einrichtungen, wie der Kopp-Verlag oder pi-news übernommen. Das ist vielleicht der Unterschied. Und es stellt sich die Frage, wie spontan und selbstorganisiert die PEGIDA-Proteste sind oder inwiefern gewisse Strukturen die Chance erkannt haben.

Aber das geht schon in Richtung Verschwörungstheorie.
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Geändert von perfidulo (20.12.2014 um 08:58 Uhr).
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Alt 20.12.2014, 15:03   #2
Acolina
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Standard

Da gab es in der Zeit vorgestern einen interessanten Artikel, der sich zwar auf Russland bezieht, der aber auch gut weiter gefasst werden kann, über Russland hinaus auf diverse andere Themen.

Putins Krieg gegen die Information


Daraus:
Zitat:
Wurde zu Beginn des Internetzeitalters das Potenzial für politische Befreiung betont, galt das Netz als ein Instrument, mit dem man die Zensur sprengen und autoritäre Regimes unterminieren kann, so hat sich das Internet rasch in eine Waffe für postmoderne Diktaturen wie die russische verwandelt, die statt direkter Unterdrückung eine Manipulation der Gesellschaft von innen betreiben. Das ist kein "Informationskrieg", sondern vielmehr ein Krieg gegen die Information. Indem das Regime den Raum für Debatten und sachgerechte Informationen unbrauchbar macht, kann es die Meinung zu taktischen Zwecken manipulieren.
Als Lösung wird die Schaffung eines "Desinformationsindex" vorgeschlagen:
Zitat:
Einen Realitätskonsens gibt es nicht. Um das zu überwinden, müssen wir nach dem Vorbild des Korruptionsindex von Transparency International und dem Wohlstandsindex des Legatum Institute über die Schaffung eines international anerkannten "Desinformationsindex" nachdenken, der die Medien nach der Faktentreue ihrer Berichterstattung bewertet.
Und:
Zitat:
Öffentliche Aufklärungskampagnen über die Funktionsweise der Desinformation könnten die Bürgerinnen und Bürger dazu bewegen, die Nachrichten, mit denen sie aufgeputscht werden, kritischer zu hinterfragen. Die Auseinandersetzung mit Medien wie RT ist auch deshalb nötig, weil es keine verlässliche Definition dessen gibt, was unter "Propaganda" oder "spin", also Meinungsmache, eigentlich zu verstehen ist. Oft hört man die Aussage: "Ist denn nicht alles Propaganda?" Diese resignative Haltung öffnet dem Missbrauch von Informationen als Waffen Tür und Tor, setzt Irreführung mit Argumentation und den gezielten Missbrauch von Fakten mit sachorientierter Überzeugungsarbeit gleich.

An erster Stelle steht aber wohl die Einsicht, wie wichtig dieses Thema ist. Es geht hier nicht nur um Putins Außenpolitik. Der Kreml nutzt lediglich systematische Schwächen und Entwicklungen innerhalb der freiheitlichen Demokratien. Er hat die Desinformation nicht erfunden, auch wenn er sie in neue Höhen treibt.
Das Problem ist nur, dass tatsächliche Verschwörungstheorien selbstbestätigend sind, jede Widerlegung zur Bestätigung umfunktioniert wird. Trotzdem finde ich das da oben einen interessanten Ansatz.

Zurück zu Pegida. Das Erste hat, nachdem ihm vorgeworfen wurde, die Interviews verfälschend zu selektieren, das Rohmaterial bzw. die Interviews in voller Länge online gestellt: http://daserste.ndr.de/panorama/arch...orama5344.html

Das hat schon dazu geführt, dass der RTL-Reporter Felix Reichstein sich von seinen eigenen Aussagen in diesem Interview distanziert https://www.youtube.com/watch?v=B3tO72CaAoA

Insgesamt ist da zuhören recht erschütternd. So viel Desinformiertheit (Dummheit?) usw. usf. auf einem Haufen hört man selten...

Das Problem ist grundsätzlich immer, Emotionen mit Fakten zu begegnen. Es ist schwer, gefühlte Bedrohungen durch rationale Argumente auszuräumen, das sind unterschiedliche Ebenen...

Die Fakten sind ja verfügbar, trotzdem fühlen sich die Pegida-Teilnehmer bedroht: http://www.heute.de/zahlen-und-fakte...-36392324.html

Die Anstalt hat es perfekt auf den Punkt gebracht https://www.youtube.com/watch?v=IFAtCecCZcY

Das ist eine Frage, die ich mir auch stelle: Bürgerrechtler, warum schweigt Ihr?

Aber Pegida ist inzwischen sowieso wieder so von gestern:
https://scontent-b-fra.xx.fbcdn.net/...28&oe=5501B6D6

NEGIDA! Neuschwabenland gegen die Islamisierung der Antarktis! Die Reichsflugscheibe ist voll!
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 20.12.2014, 17:37   #3
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen

Das ist eine Frage, die ich mir auch stelle: Bürgerrechtler, warum schweigt Ihr?
Schon merkwürdig, welche naive Geistern es in die Geschichtredaktion der "Zeit" schaffen.

Die glauben doch allen Ernstes, die "Bürgerrechtler" seien edlere Menschen.

Es ging ihnen primär um die eigene Bewegungsfreiheit in der DDR. Die haben sie sich erkämpft. Aber das heißt noch lange nicht, daß sie das irgendjemand anderem auch gönnen würden.

Das haben wir in vielen Umstürzen, daß sich die Befreiten hinterher sogar noch einen Zacken restriktiver aufführen. Es hat viele gewundert, warum viele der "Bürgerrechtler" ausgerechnet in der CDU ihre Heimat gefunden haben. Die Grünen waren massiv enttäuscht. Die SPD hat nichts abbekommen.

In der Ost-SPD sind harmlose Bürokraten, die ihre Opposition so gut geheim gehalten haben, daß nicht einmal die Stasi etwas mitbekam. Charismatische Persönlichkeiten, wie Platzek, mußten sie von den Grünen abwerben.
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Alt 21.12.2014, 06:29   #4
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Das deutsche Festival des Wahnsinns

"Bei den jüngsten Protesten wächst auseinander, was nicht zusammengehört: auf der einen Seite die Politik, die verordnet, was man hierzulande meinen darf – auf der anderen das angeblich "dumme" Volk."
Von Henryk M. Broder: hier weiter lesen (auf Welt online)


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Alt 24.12.2014, 10:42   #5
perfidulo
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Standard Warum PEGIGA

Da ich fleißig die Haßtiraden auf
https://groups.google.com/forum/?hl=...c.politik.misc
verfolge, wurde ich auch diese Seite aufmerksam
http://journalistenwatch.com.
So etwas, wie das intelektuelle Feigenblättchen der Bewegung.

Da gibt es 16 Argumente, die einer näheren Betrachtung wert sind.

Das Interessante ist die Mischung aus berechtigten, auch linken, Anliegen mit einem Islambild, das keiner sachlichen Argumentation zugänglich ist.

Natürlich bereichern sich Politiker und machen den Rest der Bevölkerung arm, werden die Steuern erhöht und die Medien sind nicht immer ehrlich. Es wird seit Jahren auf militärische Konfliktlösung hingearbeitet und es gibt "Sprechverbote (sogar Denkverbote) hinsichtlich "political correctness"

Da ist alles seit Jahren ursächlicher Bestandteil "linker" Kritik.

Das Ganze wird nun aber mit dem Stempel "Islamisierung des Abendlandes" versehen.

Der Effekt ist ähnlich, wie im Falle von Verschwörungstheorien gezeigt. Die berechtigten Zweifel werden quasi entwertet. Selbst Zweifler und Kritiker des herrschenden Systems müssen sich dem "Regierungslager" anschließen um nicht in Verdacht zu geraten auch zu PEGIDA zu gehören. Ein Schulterschluß der "Demokraten" wird wieder einmal eingefordert.

Damit ist der Zweck erreicht. Bei einem großen Teil der Medien und damit tendenziell auch der Bevölkerung ist die Kritik desavouiert. Wer die Verschwendung öffentlicher Mittel anprangert ist nur ein verkappter PEGIDA.

Mehr noch. Man darf "denen" keine weiteren Argumente liefern und schweigt lieber über Sauereien. Es bildet sich ein monolithischer (aber multikulturell angepinselter) Block gegen das "schlechtere Deutschland"

Möglicherweise haben viele einfach die Schnauze voll, daß sie über Jahrzehnte nicht angehört und ignoriert wurden. Die Grünen haben ihre Strahlkraft als Opposition ebenso eingebüßt, wie die Linke. Wer nach Sitzen in einer Regierung giert und dann die Politik umsetzt, die man vorher kritisiert hat, ist nicht mehr sehr glaubwürdig.

In diese Lücke konnte als einzige erfolgreich die AfD stoßen, was sicher vielen Mut gemacht hat, die sich nicht unbedingt gleich in einer Partei betätigen wollen.

Und wenn man es mal mit der Anti-Atom-Bewegung verglecht. Die Angst vor Ausländern oder Muslimen ist von den Fakten her ebenso irrational wie die Angst vor radioaktiver Strahlung seinerzeit.

Die wenigsten hatten wirklich eine Ahnung, was Strahlung ist und wo sie herkommt. Immerhin, wir haben die Leute sachlich aufgeklärt. Zuindest versucht. Aber die alten Omas in ihren selbstgestrickten Wollpullovern hatten einfach Angst. Alpha oder Gamma, alles gefährlich. Kernkraftwerke gehen hoch wie Atombomben und Salat darf man nicht essen.

Nur der Unterschied ist, bei PEGIDA bemüht sich niemand um Aufklärung sondern die latenten Vorurteile werden noch von den intellektuellen Helfern unterstützt.

Geradezu grausam ist, was da über die Rolle der Muslime in der Geschichte verbreitet wird. Ein Haufen tumber Kameltreiber, die nur Gewalt kennen und alles, was ihnen (von gekauften Propagandisten) an kulturellen Errungenschaften zugesprochen werden könnte, ist nur geklaut.

Dagegen erhebt sich das lichte Abendland (vgl. Kreuzzüge), der Hort aller Kultur. Scholastik kommt in dieser schlichten Denkweise nicht vor.

Aber selbst in diesem Punkt kann man keine Einsicht erwarten.
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