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Kulte & Sekten Positive wie negative Erfahrungen mit Kulten und Sekten, Empfehlungen oder Warnungen - nur bitte keinen allzu übertriebenen missionarischen Eifer! Sachlichkeit ist hier besonders gefragt!

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Alt 14.02.2014, 17:51   #11
basti_79
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Zitat:
Zitat von Der Phoenizier Beitrag anzeigen
Unter einer Sekte verstehe ich eine Gruppe von Menschen, die sich selbst Regeln auferlegt, die für andere schwer praktikabel sind.
Hmm, da fehlt mir jetzt aber die Abgrenzung zu "Staat", "Verein", "Firma" usw.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 14.02.2014, 19:06   #12
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen

Ich habe im Internet keinen Aufschrei gegen die Kuppelpraxis bei Baha'i gefunden. Im Gegenteil. Sie gelten als verfolgte religiöse Minderheit, nicht einmal als Sekte.
Der Grund ist ganz einfach: Bevor man sich zu diesem Glauben bekennt, wird man aufgeklärt. Man darf ungestraft "nein" sagen. Übrigens füge ich hinzu, wem ich diese Auskunft verdanke. Das war ein Baha'i, der seine 18 jährige Nichte verkuppeln wollte. Das ist meistens die Praxis. Man wird dann darauf angesprochen, wenn man scheinbar ein heiratsfähiger Mensch ist. Und umgekehrt: das sagen meistens solche Baha'i, die selbst wiederum nahe Verwandte im heiratsfähigen Alter haben.

Wenn man aber bereits verheiratet ist, dann entfällt dieses Argument.
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Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. (Cicero)
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Alt 14.02.2014, 19:14   #13
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Hmm, da fehlt mir jetzt aber die Abgrenzung zu "Staat", "Verein", "Firma" usw.
Dann möchte ich wie folgt abgrenzen:

Staat: Ein Staat müsste schon sehr autoritär sein, um solche Regeln allgemein durchsetzen zu können.

Verein / Firma: Da gibt es vielerlei Regeln, die aber nicht religiös begründet werden.

Eine Sekte kann ich dann abgrenzen, wenn ein Prophet behauptet, dies sei der der Wille Gottes. Sobald ich "um Gottes Willen" dies oder jenes tun muss, hege ich schon einen gewissen Verdacht...
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Alt 14.02.2014, 20:18   #14
basti_79
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Zitat:
Zitat von Der Phoenizier Beitrag anzeigen
Staat: Ein Staat müsste schon sehr autoritär sein, um solche Regeln allgemein durchsetzen zu können.
Viele Regeln, die im hiesigen Staat gelten, sind letztlich unverständlich. Zum Beispiel kenne ich Leute, die für die Steuererklärung geheiratet haben. Ob sich das noch wesentlich unterscheidet von einem anderweitigen Arrangement einer Ehe, weiß ich nicht.

Zitat:
Verein / Firma: Da gibt es vielerlei Regeln, die aber nicht religiös begründet werden.
Ah. Das war leider nur implizit Bestandteil Deiner Definition.

Zitat:
Eine Sekte kann ich dann abgrenzen, wenn ein Prophet behauptet, dies sei der der Wille Gottes. Sobald ich "um Gottes Willen" dies oder jenes tun muss, hege ich schon einen gewissen Verdacht...
Mal im Ernst. Ich mache eigentlich kaum noch Unterschiede, ob sich jemand auf "Gott" beruft, auf "Sicherheit", auf Geld oder auf sonst irgendein hermetisches Gedankengebäude. Viele Leute laufen irgendeinem Götzen hinterher, was ihnen anscheinend die Möglichkeit bietet, jede Rückfrage abzuwürgen. Den Unterschied mache ich bei der Kritikfähigkeit.
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Alt 15.02.2014, 13:25   #15
Sancho
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Mal im Ernst. Ich mache eigentlich kaum noch Unterschiede, ob sich jemand auf "Gott" beruft, auf "Sicherheit", auf Geld oder auf sonst irgendein hermetisches Gedankengebäude. Viele Leute laufen irgendeinem Götzen hinterher, was ihnen anscheinend die Möglichkeit bietet, jede Rückfrage abzuwürgen. Den Unterschied mache ich bei der Kritikfähigkeit.
Acolina brachte dazu eine Binsenwahrheit: "Sekten sind auf jeden Fall immer die anderen. Zumindest ist mir kein Sektenmitglied bekannt, das sich selbst als solches bezeichnet".

Sekten sind Glaubenssysteme, wie alle Kirchen auch. Und Gott in jeder Form ist ganz allgemein eine soziale Erfindung. So geben sich die jeweiligen "Insider" eine Identität und strukturieren und steuern ihr Leben. Eines der bizarrsten und schwierigsten Systeme ist z.B. der Jainismus. 3000 Jahre alt und von 3% der indischen Bevölkerung auf verschiedene Weise praktiziert. Aber insgesamt mit einem annehmbaren Ergebnis für alle Anhänger.
Die Anhänger sind extreme Asketen. Sie filtern ihre Atemluft und das Trinkwasser, sie fegen den Weg vor sich, nur damit sie nicht versehentlich kleine Tiere zertreten. Die extremen Asketen sind nur eine winzige Fraktion der Jain-Gemeinschaft. Die Laien sind weniger strikt. Anshu Jain, der Co-Chef der Deutschen Bank, ist dafür ein Beispiel. In Indien gehören sie zu den reichsten Edelsteinkaufleuten. Sie leben in vielen kleinen Gemeinschaften. Sie transferieren große Summen und wertvolle Güter über weite Distanzen und müssen sich also gegenseitig unbedingt vertrauen. Und das genau leistet ihre Religion: Ihr Glaube fordert strikte Kooperation, Betrug ist tabu. Auch hier: Religion ist ein kulturelles System und stabilisiert Gemeinschaften.
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Alt 15.02.2014, 13:40   #16
basti_79
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Zitat:
Zitat von Sancho Beitrag anzeigen
Und das genau leistet ihre Religion: Ihr Glaube fordert strikte Kooperation, Betrug ist tabu.
Naja, das steht jetzt aber direkt entgegen der Definition des Phöniziers. Er hatte sich ja auf "unverständliches" berufen, Kooperation und das Verbot des Betrugs sind aber verständlich. Demnach wären also die Jain gerade keine Sekte?

Zitat:
Auch hier: Religion ist ein kulturelles System und stabilisiert Gemeinschaften.
Das mag vielleicht stimmen. Ich würde dennoch die Aufmerksamkeit wieder auf den Gegensatz zwischen Orthodoxie und Paradoxie lenken wollen. Eine "Sekte" scheint erst dann gegeben, wenn sich eine solche Gemeinschaft neben der zentralen bildet.
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Alt 15.02.2014, 14:46   #17
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Eine "Sekte" scheint erst dann gegeben, wenn sich eine solche Gemeinschaft neben der zentralen bildet.
Eine Sekte entsteht erst, wenn es eine mächtige Orthodoxie gibt.
So wie im Christentum nach Konstantin.
Vorher gabe es unterschiedliche Strömungen, die mehr oder weniger koexistiert haben. Sie waren sich nicht immer grün, aber keiner hatte die Definitionsgewalt.

Ähnlich im Kommunismus nach Etablierung der Bolschewiki in Rußland. Trotzkisten galten dann zunehmend als "Sekte" mit teilweise tödlicher Konsequenz.

Das System der "Jain-Gemeinschaft" erinnert stark an die Katharer. Man konnte dazu gehören ohne die ganz strengen Regeln einzuhalten, die nur für die Parfaits galten. Aber für alle galten strenge ethische Maßstäbe, die viele Menschen bei der damals herrschenden katholischen Kirche vermißt haben.
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Alt 15.02.2014, 15:12   #18
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Aber für alle galten strenge ethische Maßstäbe, die viele Menschen bei der damals herrschenden katholischen Kirche vermißt haben.
Ich denke eher, dass die mangelde Geltung vermißt wurde als die bloße Existenz der Maßstäbe.
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Alt 15.02.2014, 16:01   #19
Sancho
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Das System der "Jain-Gemeinschaft" erinnert stark an die Katharer. Man konnte dazu gehören ohne die ganz strengen Regeln einzuhalten, die nur für die Parfaits galten. Aber für alle galten strenge ethische Maßstäbe, die viele Menschen bei der damals herrschenden katholischen Kirche vermißt haben.
Ja, das sind wirklich erstaunliche Parallelen. Nur konnten die Katharer ihre Überzeugung nur ganz im Geheimen leben.

Zitat:
basti_79:
Ich denke eher, dass die mangelnde Geltung vermißt wurde als die bloße Existenz der Maßstäbe.
Den Katharern mußte sich die katholische Kirche damals so darstellen, als ob diese Maßstäbe nicht nur keine Geltung hatten, sondern beim Glauben überhaupt keine Rolle spielten und sogar bekämpft wurden.
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Alt 15.02.2014, 17:14   #20
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Naja, das steht jetzt aber direkt entgegen der Definition des Phöniziers. Er hatte sich ja auf "unverständliches" berufen, Kooperation und das Verbot des Betrugs sind aber verständlich. Demnach wären also die Jain gerade keine Sekte?
Nochmals komme ich zurück auf das Beispiel der Baha'i. Viele Menschen auf der Welt sind verheiratet und haben eine wesentliche Bedingung bereits erfüllt. Sie sind aber keine Baha'i und werden es auch nicht, weil ihnen der Glaube fehlt. Sonst wäre es einfach, denn dann könnten die Baha'i unter Ehepaaren missionieren. Sie tun es deshalb nicht, weil es ein ziemlich sinnloses Unterfangen wäre.

Ich berufe mich auch nicht auf "unveständliches". Ganz im Gegenteil. Ich wähle Beispiele, die mir sehr gut verständlich sind. Ich finde es jedoch sektiererisch, wenn man sich erst auf einen Gott berufen muss, um bestimmte Regeln verständlich zu machen.

Eher unverständlich finde ich die Altgläubigen der orthodoxen Kirche. Als sie sich abspalteten ging es im Streit um die Frage, ob man sich mit zwei Fingern oder mit drei Fingern bekreuzigt. (Das kann ich mir nie merken). Da muss schon einer ganz spitzfindig die Bibel interpretieren, um das verständlich zu machen.
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