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Sterbeforschung Reinkarnation, Nahtoderlebnisse und Vergleichbares sind hier an der richtigen Stelle.

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Alt 02.02.2014, 11:42   #1
Skarabäus
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Standard Wie spende ich meine Organe?

Habt ihr alle schon euren begehrten Organ-Spenderausweis?

Bloß gut das "Schumi" keinen dabei hatte, sonst würden garantiert schon seine Organe in anderen Körpern spazieren gehen.

Kleiner Scherz oder vielleicht doch nicht?

Im Fall "Schumi" zeigt sich einmal ganz deutlich die Wertigkeit eines Menschen. Einen Normalbürger von der Stange wäre ein Spenderausweis garantiert zu seinem Verhängnis geworden.

Wie heißt es doch so schön, "Ohne Moos nix los" oder vielleicht besser "Geld regiert die Welt".

Dieser Beitrag mag zwar manchem etwas makaber erscheinen, aber ist da nicht vielleicht doch ein Quäntchen Wahrheit dran?
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Alt 02.02.2014, 13:46   #2
basti_79
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Es gibt sehr genau definierte Kriterien des sogenannten "Hirntods", die überprüft werden müssen, bevor Organe entnommen werden und damit das Leben des Patienten beendet wird.

Grundlage für eine solche Entscheidung ist die Erfahrung, dass es Hirnverletzungen gibt, die so schwer sind, dass ein Gehirn nie wieder funktionieren wird, und dass dies als Tod des Individuums verstanden wird.

Üblicherweise wird die Möglichkeit, dass der Patient sich noch erholt, ausgeschlossen, indem überprüft wird, ob
  1. Sein Gehirn überhaupt noch elektrisch nachweisbare Aktivität zeigt.
  2. Ob sein Gehirn noch mit Blut versorgt wird (eine schwere Verletzung wird den Energieverbrauch und damit - aufgrund autonomer Regelkreise - die Durchblutung beenden)
  3. Eine Reaktion auf Reize stattfindet
Ist alles drei nicht der Fall (und ist nicht erkennbar, dass der Zustand zum Beispiel von einer Vergiftung herrührt), wird vom Hirntod ausgegangen.


Jedes Kriterium ist für sich ausreichend, eine solche Entscheidung zu rechtfertigen. Dass es bei der Messung von drei Kriterien gleichzeitig zu einem Fehler kommt, ist nahezu ausgeschlossen. Wenn das passiert, ist das traurig. Es wäre ein Grund, die Methodik zu überprüfen und eine bessere vorzuschlagen.


Michael Schumacher erfüllt derzeit wohl keines dieser drei Kriterien. Nach allem, was bekannt geworden ist, ist eben nicht der Hirntod festgestellt worden. In diesem Fall wäre die Nachricht: "Michael Schumacher ist an den Folgen seiner Verletzung gestorben". Dennoch muss von einer sehr schweren Hirnverletzung ausgegangen werden, und die Konsequenzen einer solchen können erheblich sein.


Es fällt schwer, einen Menschen, der atmet, dessen Herz schlägt, für tot zu erklären. Man sollte aber auch berücksichtigen, dass so etwas überhaupt nur dank der modernen Medizin passieren kann. Ohne "Wiederbelebung" wären wohl sämtliche Wachkomapatienten und sämtliche Hirntoten schon vorher gestorben. Wachkoma und Hirntod sind Zustände, die in der Wildnis nicht vorkommen. In dieser Hinsicht könnte man also unterstellen, dass, wenn Ärzte (übrigens nach meiner Erfahrung durchaus mit schlechtem Gewissen) eine Situation hervorrufen, sie auch die Möglichkeit erhalten, deren Konsequenzen einzuschätzen und entsprechend weiterzuarbeiten.


Würde man die Möglichkeit des Hirntods ausschließen, was Du hier zu fordern scheinst, wären die Konsequenzen ebenfalls schlimm. Ich hoffe, Du siehst das.
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Alt 02.02.2014, 15:32   #3
Skarabäus
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Es gibt sehr genau definierte Kriterien des sogenannten "Hirntods", die überprüft werden müssen, bevor Organe entnommen werden und damit das Leben des Patienten beendet wird.
Deine Ausführungen in Gottes Gehörgang. Der Organspende-Skandal des vorigen Jahres belehrt uns aber eines besseren und hier dürfte nur die Spitze des Eisberges aufgezeigt sein.

Google doch mal unter Organspende-Skandal, was man da so alles interessantes zu lesen bekommt. Da ist sogar schon mal von mehrfachem Totschlag die Rede.

Schön wär's schon wenn alles nach gesetzlichen Festlegungen von statten gehen würde. Ein Organ ist allerdings immer nur noch dann verwendbar, wenn es noch lebt!

Hier dürfte Schnelligkeit gefragt sein und ob da alle möglichen Fehler ausgeschlossen werden können, dürfte man getrost anzweifeln.

Es müsste generell ernsthaft hinterfragt werden, ob hier nicht mehr Unheil als Heilung erzeugt wird.

Der Organhandel ist ein riesiges Geschäft weltweit geworden und was das bedeutet kann man sich an allen zehn Fingern abzählen.

Menschen in den armen Ländern bieten ihre Organe an um zu überleben, wenn diese nicht vorher bereits durch kriminelle Organisationen ihres Lebens beraubt worden sind.

Frei nach dem Motto, was des einem Freud ist des anderen Leid!

Sollte man nicht lieber den Organhandel verbieten und das Leben seinen normalen biologischen Gang gehen lassen?
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Alt 02.02.2014, 15:49   #4
basti_79
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Zitat:
Zitat von Skarabäus Beitrag anzeigen
Deine Ausführungen in Gottes Gehörgang.
Da es den nicht gibt, möchte ich davon abraten, darauf zu hoffen.

Zitat:
Der Organspende-Skandal des vorigen Jahres belehrt uns aber eines besseren und hier dürfte nur die Spitze des Eisberges aufgezeigt sein.
Dort wurde ja auf der Empfängerseite manipuliert. Von Manipulationen bei der Entnahme (die dann wohl mindestens versuchten Totschlag am Patienten darstellen dürften) ist mir nichts bekannt.

Es gab da einen Vorwurf des versuchten Totschlags der potentiellen Empfänger. Das ist aber auf der Seite ein bißchen haarig. Es liegt auf der Hand, dass man ein Organ nur einem Empfänger zuordnen kann. Man müßte also unterstellen, dass derjenige, der das Organ nicht bekommen hat, einen Anspruch darauf hatte, um von Totschlag auszugehen.

Zitat:
Schön wär's schon wenn alles nach gesetzlichen Festlegungen von statten gehen würde. Ein Organ ist allerdings immer nur noch dann verwendbar, wenn es noch lebt!
Naja, die Justiz könnte auch schnell entscheiden, so ist es nicht. Nach meinem Wissen ist die Zuordnung der Empfänger allerdings derart kompliziert und ändert sich auch, so dass es schwer fallen wird, da eine eindeutige Lage festzustellen.

Zitat:
Hier dürfte Schnelligkeit gefragt sein und ob da alle möglichen Fehler ausgeschlossen werden können, dürfte man getrost anzweifeln.
Es werden vorher Methoden festgelegt, die dann schnell durchgeführt werden müssen. Das ist möglich. Ob die Methoden perfekt sind, steht immer in Frage, und im Fall des Skandals sogar, ob sie richtig angewendet wurden.

Dass Organhandel, wie er mancherorts praktiziert wird, übel ist, darüber sind wir uns einig.

Zitat:
Sollte man nicht lieber den Organhandel verbieten und das Leben seinen normalen biologischen Gang gehen lassen?
Organhandel ist (hier) verboten. Wie sollte man weiter gehen?
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Alt 02.02.2014, 19:52   #5
Skarabäus
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Es werden vorher Methoden festgelegt, die dann schnell durchgeführt werden müssen. Das ist möglich. Ob die Methoden perfekt sind, steht immer in Frage, und im Fall des Skandals sogar, ob sie richtig angewendet wurden.
So einfach scheint es dennoch nicht zu sein wie dieser Link zu verstehen gibt:

http://www.mmnews.de/index.php/i-new...&if_height=205

oder diese Anschuldigungen:

http://www.focus.de/gesundheit/arzt-...id_906746.html

und machen wir uns doch nichts vor, wo es was zu verdienen gibt, finden sich auch dementsprechende Wege und Möglichkeiten dies zu erreichen und wenn es über Leichen geht.
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Alt 02.02.2014, 20:09   #6
Lupo
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Zitat:
Zitat von Skarabäus Beitrag anzeigen
und machen wir uns doch nichts vor, wo es was zu verdienen gibt, finden sich auch dementsprechende Wege und Möglichkeiten dies zu erreichen und wenn es über Leichen geht.
Mit dieser Argumentation können wir auch gleich alle Krankenhäuser und Arztpraxen schließen.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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Alt 03.02.2014, 20:57   #7
basti_79
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Zitat:
Zitat von Skarabäus Beitrag anzeigen
So einfach scheint es dennoch nicht zu sein wie dieser Link zu verstehen gibt:

http://www.mmnews.de/index.php/i-new...&if_height=205

oder diese Anschuldigungen:

http://www.focus.de/gesundheit/arzt-...id_906746.html

und machen wir uns doch nichts vor, wo es was zu verdienen gibt, finden sich auch dementsprechende Wege und Möglichkeiten dies zu erreichen und wenn es über Leichen geht.
Du setzt hier - meines Erachtens zu kurz Argumentiert - Organhandel und Organtransplantation gleich.

Dein zweiter Link bestätigt ja, was ich hier behauptet hatte: Dass da jemand auf der Empfängerseite ein Problem vermutet. Das als "versuchten Totschlag" zu bezeichnen, geht meines Erachtens nur, wenn man beweisen kann, dass der eine Empfänger mit dem Organ sicher länger gelebt hätte als der andere.

Der erste Link ist hingegen eine recht ideologische Darstellung ethischer Probleme, die zu einem (Deinem?) Schluß kommt.

Ich möchte einige Teile dieses Textes zitieren, um das zu verdeutlichen. Davon ab, dass der Titel schon die Richtung vorgibt, ist die Einleitung schon grenzwertig:

Zitat:
Organe können nur von Lebenden auf Lebende transplantiert werden – nicht von Toten auf Lebende! Den sog. „Hirn-Tod“ gibt es überhaupt nicht; die juristische Definition „Hirn-Tod“ ist eine willkürliche Konstruktion und eine Erfindung der Transplantations-Industrie aus niederen Beweggründen: Profit! Die „legalisierte“ Organ-Entnahme nach dem Transplantations-Gesetz ist staatlich „legitimierter“ Mord!
Es wird behauptet, dass "Hirntod" nicht real ist. Das ist schon eine gewagte Behauptung. Nach der Erfahrung sterben Nervenzellen nach 5 bis 10 Minuten ohne Sauerstoffversorgung. Jede für sich. Nach bestimmten Verletzungen ist das der Fall, der typische Fall ist eine Blutung aus einer Hirnarterie oder ein Kreislaufstillstand.

Sind bestimmte Teile des Gehirns so ohne Funktion oder auch nur voneinander getrennt, können "höhere Funktionen" (also etwa: Sprache, Bewußtsein, Planung oder Gedächtnis) bis zum Verlust eingeschränkt werden.

Solche Verluste können durchaus irreversibel sein. So ist zum Beispiel bekannt, dass eine "Querschnittlähmung" (Rückenmarksverletzung mit Untergang von Nervenzellen) trotz ansonsten intaktem Körper nicht heilt. Heilungserfolge dabei mißt man der Aktivierung verbleibender, gesunder Nervenzellen zu. Erfahrungsgemäß sind diese subtil.

"Schlaganfälle" (örtlicher Untergang von Nervenzellen im Gehirn) heilen auch nicht, es können da aber andere Hirnteile die Funktion der ausgefallenen übernehmen. Man kann nachweisen, dass ein Teil des betroffenen Gewebes seine Funktion wieder aufnimmt, dass aber auch ein Teil tot zurückbleiben kann. Solche Teile verkümmern und werden abgebaut, so dass tatsächlich ein Loch im Hirn entsteht.

Nach der Erfahrung gibt es also Situationen, in denen Hirnteile ihre Funktion für immer einbüßen. Nach solchen Erfahrungen extrapoliert sind manche Verletzungen derart schwerwiegend, dass große Teile des Hirns in diesem Sinne absterben. Solches ist - wie geschildert - nachweisbar und Bedingung für die Behauptung des Hirntods.

Es würde Argumente erfordern, solche Dinge zu widerlegen. Diese läßt der Text schmerzlich vermissen. Stattdessen bringt er eigene Auslegungen vor, die mir verständlich sind - weil ja nicht sein kann, was nicht sein darf - die aber leider nicht als Argument taugen.

Es wird teleologisch Argumentiert. Ein Ziel eines bestimmten Gesetzes wird unterstellt und das soll dann auch der Grund sein, das Gesetz abzulehnen. Das kann man so aber nicht machen. Es müsste erst bewiesen werden, dass das Ziel richtig unterstellt wird.

Zitat:
Doch vor einer Einwilligungs-Erklärung zur Organ-Spende kann nur eindringlich gewarnt werden! Davon ist dringend abzuraten!
Es ist vollkommen zulässig, von Organspenden abzuraten. Dies aber mit dem Hinweis zu tun, Organspende und Organhandel seien identisch, ist wenig aufrichtig.

Zitat:
Das zeigt sich unmißverständlich und zweifelsfrei daran, daß der Körper erkaltet, Totenflecken auftreten, die Leichenstarre eintritt und der Verwesungs-Prozeß beginnt. (Vgl. Das Tibetische Totenbuch, Erste vollständige Ausgabe mit einem einleitenden Kommentar des XIV. Dalai Lama, 8. Kapitel: „Natürliche Befreiung durch Erkennen der visuellen Hinweise und Zeichen des Todes“, S. 231 – 268, 1. Auflage, Arkana, München 2008)
Die genannten Zeichen sind eindeutig. Das heißt aber nicht, dass andere Zeichen genauso eindeutig sein können.

Wie gesagt: Der Zustand des Hirntods würde nicht auftreten, gäbe es nicht schon den (an sich widernatürlichen) Eingriff durch Mediziner in den Prozess des Todes.

Zitat:
Es handelt sich, um eine makabere Formulierung zu gebrauchen, sozusagen um einen „lebenden Leichnam“, dessen Herz noch schlägt und den gesamten Kreislauf aufrecht erhält. Der Körper ist voll durchblutet, normal temperiert, und der Stoffwechsel funktioniert. Auch das allerdings funktionsunfähige Gehirn ist durchblutet, nicht erkaltet und nicht in Verwesung.
Das ist großteils richtig. Warum bestätigt der Autor die Funktionsunfähigkeit des Gehirns, bestreitet aber, dass diese irreversibel sei?

Zitat:
„Hirntote“ Patienten können sich erkälten, Fieber bekommen und sich spontan bewegen. Männliche „Hirn-Tote“ sind noch zu Erektionen fähig. Weibliche schwangere „Hirn-Tote“ lassen den Embryo oder Fetus in ihrem Leib bis zur Reife weiterwachsen; die Babies, die per Operation (Kaiser-Schnitt) ans Licht der Welt geholt werden, sind meist uneingeschränkt lebensfähig. Sogar Wunden oder Verletzungen können in vielen Fällen noch ausheilen.
Das ist richtig, aber irreführend. Wundheilung und Erkrankungen ist nicht von der Funktion des Gehirns abhängig. Erektion und Schwangerschaft sind autonome Funktionen, die nicht vom Gehirn abhängig sind. Die dazugehörigen Reflexe sind Funktionen des Rückenmarks.

Die "spontanen Bewegungen" werden immer wieder diskutiert, führen aber auch in die Irre. Ein Regenwurm kann sich auch spontan bewegen. Sollte man ihm deswegen Menschenrechte zusprechen?

Zitat:
Doch die sowieso schon willkürliche und fragwürdige, zweifelhafte Definition „Hirn-Tod“ ging dem medizinisch-industriellen Komplex noch nicht weit genug. 2008 gingen Transplantations-Mediziner und Juristen in den U.S.A. – wo sonst…?! – gar noch einen Schritt weiter; der Kreis potentieller Organ-Spender wurde um eine vom „Hirn-Tod“ unabhängige Patienten-Gruppe erweitert. Hierbei handelt es sich um Patienten mit einem Herz-Stillstand, der jedoch in den meisten Fällen durchaus noch reversibel (rückgängig) gemacht werden könnte. Trotzdem wird bei diesen Patienten ohne Reanimations-Bemühungen schon zwei bis zehn Minuten nach der offiziellen „Feststellung“ des „Todes“ mit der Organ-Entnahme begonnen – wobei der Patient künstlich beatmet wird (sic!), um die Organe (und den Patienten!) lebend zu halten und möglichst „frisch“ entnehmen zu können…
An der Stelle wird es ethisch. Soll man bei jedem Patienten technisch Herz und Lunge in gang halten? Das wäre meines Erachtens genauso wenig ethisch wie es niemals zu tun. Richtig wäre, die Chancen des Patienten auf Gesundung einzuschätzen und demzufolge zu handeln.

Es gibt leider Situationen, in denen keine Gesundung zu erwarten ist. Das ist wieder eine Folge der Medizin. Diese Patienten würden ohne Reanimation und ohne Intensivmedizin wahrscheinlich alle sterben. Hier sich zu beklagen, dass "nur" zur Organentnahme Herzschlag und Atmung aufrecht erhalten werden, ist wieder irgendwie perfide. In der Praxis ist es häufig eher so, dass man sich zum Einsatz derart drastischer Mittel entscheidet, und später den Hirntod feststellt. Wer gesundet (was durchaus vorkommt), taucht in dieser Debatte gar nicht auf.

Zitat:
Bezeichnend und verräterisch sowie strafrechtlich relevant: Vor der Organ-Entnahme auf dem Operations-Tisch erhalten solche „Toten“ häufig muskelentspannende und muskellähmende sowie manchmal, immerhin (!), schmerzstillende Medikamente; hier und da bekommen sie sogar auch eine örtliche Anästhesie oder eine Vollnarkose. Nicht selten werden sie auf dem Operations-Tisch festgeschnallt (sic!), um „irritierende“ Bewegungen zu verhindern. (Das heißt, daß die Transplantations-Mediziner, die Chirurgen, wissen, was sie tun!)
Ja, die wissen, was sie tun. So gibt es zum Beispiel autonome Abwehrreflexe, die mit Hirntätigkeit nichts zu tun haben. Ohne diese wären unsere Vorfahren (zu der Zeit, als man noch im Meer tauchte) wohl nicht in der Lage gewesen, zu überleben. Wenn man mal mit unklaren Bauchschmerzen zum Arzt geht, wird er einem auf den Bauch klopfen. Damit prüft er genau solche Abwehrreflexe. Ist ein inneres Organ entzündet, spannen sich Muskeln darüber unwillkürlich an.

Und wenn man davon ausgeht, dass Schmerz vermieden werden muss (auch bei Lebewesen ohne Bewußtsein, wie etwa bei Tieren) - der eine sehr viel "tiefere" Funktion des Nervensystems darstellt als Bewußtsein - muss man so handeln. Die Frage geht hier danach, ob das den gesamten Menschen darstellt. Das scheint nicht der Fall zu sein.

Die Gleichsetzung von Schmerzempfinden mit dem Recht auf Leben scheint nicht ganz schlüssig. In diesem Sinne dürfte man auch Tieren keinerlei Leid zuführen. Zudem wird in unserer Welt sehr viel Leid durch andere Umstände als (menschengemachte, körperliche) Verletzung hervorgerufen. Ich würde dringend dazu raten, das andere Leid zu reduzieren, bevor man sich um den "Freak-Case" des Hirntods kümmert.

Zitat:
Denn bekanntlich erleidet das menschliche Gehirn schon nach wenigen Minuten ohne Sauerstoff-Versorgung schwerste, teilweise irreparable Schäden. Wenn man bis zu zehn Minuten wartet, ob nach dem Aussetzen der künstlichen Beatmung eine Spontan-Atmung einsetzt, bedeutet das nichts anderes, als daß man das Gehirn des potentiellen Organ-Spenders wissentlich, wenn nicht vorsätzlich absterben läßt! Und wenn man das dann auch noch dreimal hintereinander macht, dann kann man natürlich einfach, leicht und schnell einen „Hirn-Tod“ „diagnostizieren“ – den man in vielen Fällen wohl selber erst herbeigeführt hat!
Wieder großteils richtig. Unterstellt wird hier aber, dass Leute willkürlich und zum Zweck der Organentnahme getötet werden. Das ist nicht richtig.

Es ist richtig, dass Ärzte manchmal einen Patienten "aufgeben" und dem Tod überlassen. Das muss sein, denn wie man hier ja richtig bemerkt, strenggenommen könnte man wohl jedes Herz am Schlagen halten und jeden beatmen. Ist das der Sinn von Medizin? Meines erachtens nicht. Mediziner müssen immer die vorhandenen Ressourcen (Wozu auch Zeit und Platz gehören) einteilen, und entscheiden, welchem Patienten sie am sinnvollsten dienen. Dass dabei auch manchmal Entscheidungen gegen einzelne Patienten fallen, nennt man vielleicht "Triage", und es ist eine Art von Grundlage dieses Berufs. Medizinern zu unterstellen, sie würden solche Entscheidungen immer wieder falsch treffen, ist ein starkes Stück und meines Erachtens bar jeder Realität.

Zitat:
Der (angestrebte…??) „Hirn-Tod“ könne durch Behandlungs-Fehler bei der Diagnose ent-stehen oder bei Schwellen-Patienten gar absichtlich / vorsätzlich herbeigeführt werden, zitiert Gerhard Wisnewski den Arzt Prof. Dr. Achim Jaeckel vom Deutschen Medizin Forum.
http://www.psiram.com/ge/index.php/Gerhard_Wisnewski

Das ist eine üble Unterstellung. Wäre ein bestimmter Arzt genannt worden, wäre das eine Verleumdung.

Zitat:
Bezeichnend und verräterisch sowie wiederum strafrechtlich relevant ist es allerdings, daß immer wieder vorgeschriebene EEGs aus dem maßgeblichen Dokument der Akten, dem Hirntod-Protokoll, verschwinden.
Man möge das belegen.

Zitat:
Mit „tödlicher“ Sicherheit ist davon auszugehen, daß es in der Transplantations-Industrie nicht nur „Unregelmäßigkeiten“ auf der Seite der Organ-Empfänger gibt. (Vgl. den jüngsten Göttinger Skandal)
Da geht es ans eingemachte. Und wieder bleibt die Frage nach dem Beleg im Raum. Fälschungen auf der Spenderseite wären in der tat hochgradig brisant.

Es folgen einige weitere Ausführungen, die aber anscheinend keinen Zusammenhang mehr zu den behaupteten Tatsachen haben. Wie gesagt, es ist legal, sich gegen Organspenden zu wenden. Nur die Art und Weise hat es hier in sich.

Ich möchte auch noch auf einen Unterschied hinweisen, der hier häufig und erschreckenderweise nicht gemacht wird. "Wachkoma" ist ein dem Hirntod ähnlicher Zustand, der sich aber dadurch unterscheidet, dass dort noch Reste von Hirnfunktion vorhanden sind. An der Diskussion über Sterbehilfe in solchen Fällen kann man sehr deutlich erkennen, wo die Bedenken der Angehörigen liegen.

Niemand möchte das Leben von Wachkoma-Patienten beenden, um die Organe zu entnehmen. Im Gegenteil. Man möchte da das Leid des Patienten beenden. Denn Wachkoma scheint für die anderen furchtbar tragisch. In einer gewissen Form des Zynismus werden wohl gelegentlich Wachkoma-Patienten in Pflegestufe 2 eingeordnet. 3 würde maximale Pflege bedeuten. Man reduziert diese, da die Hoffnung auf Heilung so gering ist.

Ich bin mir auch völlig im klaren darüber, dass es da Grauzonen gibt und Grenzfälle (wie das sogenannte "Locked-In-Syndrom"), aber "Hirntod" ist eben ein anderer Fall.
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Alt 04.02.2014, 12:19   #8
Skarabäus
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Das ist ja alles ganz gut und schön. Hier bewegt man sich wirklich in Grenzbereichen der Medizin. Sobald allerdings Geld im Spiel ist, wird schnell aus Organspenden ein Organhandel.

Wir sind hier eigentlich etwas vom Thema abgewichen und die Organspende war meinerseits etwas ironisch zu verstehen gewesen.

Mein anfänglicher Thread zielte jedoch auf etwas anderes hinaus, hier ging es nicht in erster Linie um Organspende, sondern um die Versorgung einer Person im allgemeinen.

Ich bin mir nicht sicher ob ein Otto Normalverbraucher bei so einem schweren Hirnschaden die gleiche Versorgung erfahren hätte wie Michael Schuhmacher.

In seinem Fall stehen doch die besten Ärzte der Welt an seinem "Krankenbett" und wer bezahlt diese eigentlich, doch nur der welcher es sich auch leisten kann.

Das mag zwar für manchen wie eine Unterstellung klingen, aber wenn man die ärztliche Versorgung in den USA als Beispiel nimmt, dann ist garantiert ohne Moos nix los, denn dort muss man als Otto Normalverbraucher zu einem Arzt der einem zugewiesen wird.

Also machen wir hier keinen Elefanten daraus und sehen die Welt so wie sie ist, denn diese wird regiert vom Geld. Damit möchte ich auch gleich dieses heikle Thema zu Ende gebracht wissen.
Skarabäus ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 04.02.2014, 22:48   #9
basti_79
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Zitat:
Zitat von Skarabäus Beitrag anzeigen
Das ist ja alles ganz gut und schön. Hier bewegt man sich wirklich in Grenzbereichen der Medizin. Sobald allerdings Geld im Spiel ist, wird schnell aus Organspenden ein Organhandel.
Eher nicht. Ich würde sagen, Organhandel wird dadurch charakterisiert, dass der Spender (oder ihm nahestehende Personen) bezahlt werden.

Zitat:
Ich bin mir nicht sicher ob ein Otto Normalverbraucher bei so einem schweren Hirnschaden die gleiche Versorgung erfahren hätte wie Michael Schuhmacher.
Das ist doch nun einmal eine sachliche Frage. Kannst Du diese Vermutung irgendwie unterstützen oder bleibt es eine Vermutung Deiner?

Zitat:
In seinem Fall stehen doch die besten Ärzte der Welt an seinem "Krankenbett" und wer bezahlt diese eigentlich, doch nur der welcher es sich auch leisten kann.
Das ist eine Sache zwischen ihm (bzw. seinen Angehörigen) und seiner Krankenkasse. Zum Glück haben wir keinen Zugriff auf diese Informationen.

Zitat:
Das mag zwar für manchen wie eine Unterstellung klingen, aber wenn man die ärztliche Versorgung in den USA als Beispiel nimmt, dann ist garantiert ohne Moos nix los, denn dort muss man als Otto Normalverbraucher zu einem Arzt der einem zugewiesen wird.
Warum sollte man das hiesige System mit dem der USA anders als im Kontrast vergleichen?

Zitat:
Also machen wir hier keinen Elefanten daraus und sehen die Welt so wie sie ist, denn diese wird regiert vom Geld. Damit möchte ich auch gleich dieses heikle Thema zu Ende gebracht wissen.
Ah, darauf wolltest Du also hinaus. Das klang ein wenig anders. Glaubst Du, dass man sich hierzulande Organe "kaufen" kann? Denkst Du, dass Schwerverletzte (wie Wischneski behauptet hatte) gezielt getötet werden, um ihren Körpern Organe zu entnehmen? Ich halte das Thema nicht für besonders heikel, tatsächlich.
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