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Kryptographie & Computersicherheit Verschlüsselung und Untersuchung verschlüsselter Texte, Computerviren und Malware, Sicherheitslücken, Datenschutz, Verkehrsüberwachung, Mautbrücken, Kameras (CCTV etc.), RFID

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Alt 22.07.2013, 15:38   #1
Der Phoenizier
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Beitrag Das Geheimnis der Sprache

Als Programmierer testete ich das mal mit einem einfachen Programm. Das ist sogar ein primitiver Ansatz, denn man muss nur wissen, was eine Schleife bedeutet. Über das Alphabet lege ich drei Schleifen und bilde jede beliebige Kombination aus drei Buchstaben. Es dürfen auch unaussprechliche Wörter dabei sein. Qpx wäre ein Beispiel. Ich will ja nicht sprechen, sondern nur schreiben. Diese Wörter lasse ich zunächst im Hintergrund speichern. Später kann ich die Liste ausdrucken und mit der deutschen Übersetzung anfangen. Nun möchte ich qpx übersetzen und habe 20.000 Möglichkeiten zur Auswahl. Für das nächste Wort habe ich auch 20.000 Möglichkeiten. Diese Sprache kann man nicht mehr enträtseln. Durch fremde Schriftzeichen sieht der Text nur etwas geheimnisvoller aus. Im Grunde genügen übliche Schriftzeichen. Es versteht keiner mehr, was ich mit abc qpx usw. sagen will.

Die Sache hat nur einen Nachteil. Ganz ohne System kann man die Sprache nicht lernen. Bisher wurde noch jede Schrift entschlüsselt, weil eine lernbare Sprache dahinter steckt, die ein System hat. Meine Geheimsprache könnte man nur noch auszugsweise in Stichworten verwenden, und ein bestimmtes Thema geheim halten. Im richtigen Leben würde ich die Reihenfolge umdrehen. Zunächst unterhalte ich mich konspirativ mit einem Menschen, und wir einigen uns darauf, was wir geheim halten wollen. Dann notiere ich Stichworte auf einem Blatt Papier und setze spontan meine Kürzel dahinter. So haben wir ein gemeinsames Wörterverzeichnis. Damit es einfacher wird, lasse ich Wörter weg, sofern sie nicht dem Verständnis dienen. Später schreibe ich so, wie es Ausländern unterstellt wird. Spaßeshalber übersetze ich abc qpx usw mit “du gehen strand”. Diese Sprache kann auch nicht verraten werden, weil sie variabel ist. Hier schreibe ich “Strand” und später meine ich “Kino”.
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Alt 22.07.2013, 15:42   #2
basti_79
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Ich verstehe nicht einmal, worauf Du hinausmöchtest. Was möchtest Du erreichen? Warum löst Du das Problem auf diese Weise?
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Alt 22.07.2013, 17:16   #3
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich verstehe nicht einmal, worauf Du hinausmöchtest. Was möchtest Du erreichen? Warum löst Du das Problem auf diese Weise?
Das Problem ist natürlich nur dann gegeben, wenn ich eine absolut perfekte Verschlüsselung brauche. Damit ist natürlich ein Widerspruch verbunden. Du müsstest am Inhalt schon ein sehr starkes Interesse haben, damit du dich an der Entschlüsselung beteiligst. Sonst kann ich dich verstehen. Ich verwende hier ein belangloses Beispiel, und du willst mir nicht folgen, weil dich mein Beispiel gar nicht tangiert.

Also betrachte ich die Sache von anderer Seite. Das Geheimnis der Sprache besteht darin, dass wir eine innere Grammatik haben, die uns befähigt, die eigene Muttersprache und später vielleicht noch, weitere Fremdsprachen zu lernen. Damit ist eine Sprachlogik verbunden, die einem gewissen System folgt. Wenn aber dieses System bekannt ist, dann ist es möglich, jede beliebige Schrift zu entziffern. Deshalb ist es ein Irrtum, zu glauben, die Verwendung fremder Schriftzeichen würde vor Überwachung schützen. Sobald ein Geheimdienst misstrauisch wird, liest er mit. Es ist nur etwas anderes, wenn ich den Computer Worte generieren lasse. Der Computer hat keine innere Grammatik. Für den Computer ist gleiche Wortlänge praktisch, denn solche Programme sind leichter zu entwickeln und laufen schneller. Für uns sind ungleiche Wortlängen praktisch, weil wir daraus Schlussfolgerungen ziehen. Mich beschäftigt die Frage, wie man Überwachungen unterlaufen kann. Es wäre wohl widersinnig, gleichzeitig eigene Geheimnisse zu verraten. Deshalb ein Beispiel, das heute nicht mehr aktuell ist. In der islamischen Republik Iran kannte ich mal einen Dissidenten. Damals hatten wir beide noch keine E-Mail, und es stellte sich nicht die Frage, wie wir unsere Mails verschlüsseln. Sonst hätte ich diesem Mann genau den Vorschlag gemacht, den ich hier erklären wollte. Wir verwenden generierte Kunstworte, und dazu ein geheimes Wörterverzeichnis, das nur wir beide kennen.
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Alt 22.07.2013, 17:34   #4
basti_79
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Aha. Hast Du mal darüber nachgedacht, Dich mit Kryptographie auseinanderzusetzen?
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Alt 22.07.2013, 18:27   #5
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Aha. Hast Du mal darüber nachgedacht, Dich mit Kryptographie auseinanderzusetzen?
Genau darüber habe ich nachgedacht. Selbst wenn ich Schriftzeichen frei erfinde, kann dahinter ein logisches System stecken, dass durchschaut werden kann. Hast du mal nachgelesen, wie ägyptische Hieroglyphen entziffert wurden? Auch das erkannte die Wissenschaft durch Logik. 1.) Vergleichbare Beispiele, welche die Entwicklung von Bildschrift zur Silbenschrift aufzeigen. 2.) Der berühmte Stein von Rosette. Darauf befand sich eine gleichlautende griechische Übersetzung. 3.) Die Sprache koptischer Christen. Die wurde nämlich aus der altägyptischen Sprache abgeleitet.

Es ist wiederum deine Entscheidung, ob du Geheimnisse hast, die du perfekt verschlüsseln möchtest. Wenn ja, dann wirst du es hier nicht sagen. Deshalb nur mein Beispiel. Schon zu einem Wort habe ich 20.000 verschiedene Optionen. Um auch nur den sinnvollen Zusammenhang von zwei Wörtern herstellen zu können, bestehen 20.000 x 20.000 Kombinationen - macht 40 Millionen, falls ich mich nicht verrechnet habe. Zusätzlich könnte ich im Duden nachschauen, und dann komme ich auf 100.000 Vokablen. Und ich sage ja nicht, welche Sprachen ich sonst noch gelernt habe. Sagen wir mal, ich mache das auf Französisch. Das Problem besteht darin, dass du nicht einen Hauch einer Chance hättest, meinen Text entziffern zu können.
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Alt 22.07.2013, 18:49   #6
Acolina
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Die Antwort ist 42. Ersatzweise hilft auch, einfach mal 4 Morgen Acker umzugraben.
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 22.07.2013, 19:25   #7
Sakslane
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Grundsätzlich ist so ein "Wörterbuch" eine praktische Sache. Es gibt dabei aber zwei Probleme:

1. Bevor man die Verschlüsselung nutzen kann, muss man ein Wörterbuch generieren, dass Sender und Empfänger kennen. Dafür muss man es aber an beide verteilen, bzw. einer muss es generieren und dem anderen schicken. Auch diese Kommunikation kann abgefangen werden - und schon hat der, der mitliest, das Wörterbuch, und kann alles übersetzen.

2. Man kann das gleiche Wörterbuch nur einmal benutzen. Ansonsten lassen sich Korrelationen zwischen früheren und späteren Nachrichten feststellen, weil z.B. das gleiche Wort wiederholt benutzt wird. Wenn man dann noch erahnen kann, in welchem Kontext die Kommunikation steht (weil man z.B. weiß, wer Sender und Empfänger sind, was sie beruflich machen, in welchen Verhältnis sie stehen), kann man erraten, welche Wörter häufig vorkommen. Daraus kann man zwar noch nicht den Sinn der anderen Wörter erschließen, aber man kann zumindest as Thema einer Nachricht herausfinden.

Für eine wirklich sichere Kommunikation empfehle ich Quantenkryptographie.
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Alt 22.07.2013, 20:20   #8
Der Phoenizier
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Zitat:
Zitat von Sakslane Beitrag anzeigen
Grundsätzlich ist so ein "Wörterbuch" eine praktische Sache. Es gibt dabei aber zwei Probleme:

1. Bevor man die Verschlüsselung nutzen kann, muss man ein Wörterbuch generieren, dass Sender und Empfänger kennen. Dafür muss man es aber an beide verteilen, bzw. einer muss es generieren und dem anderen schicken. Auch diese Kommunikation kann abgefangen werden - und schon hat der, der mitliest, das Wörterbuch, und kann alles übersetzen.

2. Man kann das gleiche Wörterbuch nur einmal benutzen. Ansonsten lassen sich Korrelationen zwischen früheren und späteren Nachrichten feststellen, weil z.B. das gleiche Wort wiederholt benutzt wird. Wenn man dann noch erahnen kann, in welchem Kontext die Kommunikation steht (weil man z.B. weiß, wer Sender und Empfänger sind, was sie beruflich machen, in welchen Verhältnis sie stehen), kann man erraten, welche Wörter häufig vorkommen. Daraus kann man zwar noch nicht den Sinn der anderen Wörter erschließen, aber man kann zumindest as Thema einer Nachricht herausfinden.

Für eine wirklich sichere Kommunikation empfehle ich Quantenkryptographie.
Das ist richtig. Meines Erachtens lohnt sich kryptische Kommunikation nur dann, wenn man vorher jemanden kennt, mit dem man konspirativ Nachrichten austauschen will. Sonst wäre das zu verwirrend. Ein praktisches Beispiel wäre ein Widerspruch in sich selbst. Sobald du meinen Code durchschauen kannst, habe ich mich selber verraten.
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Alt 23.07.2013, 09:25   #9
Nobby Nobbs
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Erst mal Hallo alle zusammen!

Hast du dich schon mal mit dem Voynich-Manuskript befasst?
http://de.m.wikipedia.org/wiki/Voynich-Manuskript
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Alt 23.07.2013, 09:58   #10
Tarlanc
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Zitat:
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Genau darüber habe ich nachgedacht. Selbst wenn ich Schriftzeichen frei erfinde, kann dahinter ein logisches System stecken, dass durchschaut werden kann.
Du kannst aber auch ein System dahinter verstecken, das man nicht so schnell durchschaut. Auf jeden Fall wäre dieses System einfacher zu generieren als ein komplettes Wörterbuch. Es gibt ziemlich gute Krypto-Algorithmen, welche man ohne einen komplexen Schlüssel nicht innert nützlicher Frist entschlüsseln kann.
Wir haben als Jugendliche Decision-Tree Verschlüsselungen verwendet. Die sind ziemlich hart zu knacken.

Sobald du aber deutsche Sätze mit den vertauschten Worten bildest, kriegt ein Computerlinguist mit ausreichend Rechenleistung dein Wörterbuch ziemlich schnell raus.

@Cpl. Nobbs:
Wir haben hier einen langen Thread zum Voynich-Manuskript:
http://forum.grenzwissen.de/showthre...hlight=Voynich
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Even people who are a pain in the arse can stimulate new thinking.
Vaughan Bell, Institute of Psychiatry, London

Geändert von Tarlanc (23.07.2013 um 10:02 Uhr).
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