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Science Fiction & Fantasy Alle Weltraum-Spezies sind eingeladen über die täglichen Probleme im Orbit zu berichten. Klingonisch bitte übersetzen ;-) Auch alle Waldelfen und Magier sind in diesem Forum herzlich willkommen!

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Alt 08.09.2011, 19:44   #1
Atlantologe
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Standard mein erster Science Fiction

So… mein neues Buch ist fertig − diesmal ein Science Fiction. Titel wahrscheinlich: "Die große Flut". Naja, bis auf den Text auf dem Buchdeckel fertig, und hier würde ich gerne mal eure Ratschläge einholen, welcher Text sich auf dem hinteren Buchdeckel am besten macht, bzw. bei welchem Text ihr das Buch gerne lesen würdet. Ich habe die verschiedenen Versionen mal nummeriert.


1.

"Ja, Ra'am. Nicht wegen dem Buch selbst, das vielleicht auch, aber vor allem wegen der fortgeschrittenen Technologie, denn es ist ja nur in allen Dimensionen lesbar, wenn man die Pyramide in dem schwarzen Behälter aktiviert. Nicht der Text selbst ist das Entscheidende, sondern die Drumrum-Technologie, die es ermöglicht, das Buch zu viel mehr zu machen als zu einem reinen Lesebuch. Ihr nennt es Multimedia, aber es ist ja noch viel mehr. Dazu gehört ein Hirnchip, den man aktivieren kann, und der erst in Verbindung mit dem Computer ermöglicht es, das Buch so zu ‹lesen›, wie ich die Geschehnisse, von denen es berichtet, einst erlebt habe. Es ist also mehr ein Film, aber einer, in dem du selbst mittendrin stehst, und wenn ich da von einem Wüstenmarsch spreche, dann bist du in der Wüste und spürst die Hitze und wie dir die Zunge am Gaumen klebt, und mein Volk erscheint dir als eine Ansammlung von Menschen mit ihren verschiedenen Gesichtern und Schicksalen, die mit dir gehen und nachts das gleiche Lager teilen und dasselbe Wasser trinken wie du. Nur dass es 15.000 Jahre zurück liegt und jeder deiner Begleiter, mit denen du hier durch die Wüste marschierst und deren Lebensgeschichten du dir auf der langen Wanderung anhörst, längst tot ist ebenso wie seine Kinder und Kindeskinder. Es sind meine Gedanken, die sich aus lebendigen Erinnerungen speisen, die als virtuelles Erlebnis, das du selbst durchmachst, in dir aufsteigen."


2.

"Du weißt, dass es sich nach und nach und absolut zwangsläufig zu einer Biocomputer-Technologie entwickelt, die am Ende jeder Idee, und sei sie auch noch so absurd und pervers, eine Welt gibt, in die du eintauchen und in der du James Bond oder Marilyn Monroe sein kannst, Jesus Christus oder Adolf Hitler, Jimi Hendrix oder der arme Stephen Hawking. Es kommt darauf an, dass die Technologie nicht schneller wächst als die menschliche Moral und ihr Durchsetzungsvermögen, sonst wächst sie uns immer wieder über den Kopf und verschlingt uns."


3.

"Denn es ist ja nicht nur die unvorstellbare Gewalt der Naturkatastrophe, die den Menschen angesichts der dieses Spiel inszenierenden Kräfte sich winzig und hilflos vorkommen lässt, die ihn so bannt, sondern es ist die Erkenntnis im gleichen Moment, in dem sich dieses Drama abspielt, dass nur ein reiner Zufall dafür gesorgt hat, dass er sich als Beobachter hier, in relativer Sicherheit befindet, und nicht unten im Tal, als Ameise, die von einem heranbrausenden Ozean erfasst, verschlungen und gegen das Bergmassiv geschleudert wird; es ist die im Moment der Katastrophe jäh aufleuchtende Erkenntnis, dass der Mensch schon immer nur Spielball der Naturgewalten ist, die ihm insgesamt freundlich gesonnen sind und nur manchmal, wenn er sich zur falschen Zeit am falschen Ort befindet, ihn und seinesgleichen auslöscht ohne es überhaupt zu bemerken, und dass er als Spezies und als Zivilisation nur deshalb überdauert, weil die Natur insgesamt recht zahm und lebensfreundlich ist."


4.

"Auf dem Höhepunkt des warmen, goldenen Zeitalters des späten Pleistozäns, in der Endphase des angenehm temperierten Allerød-Interstadials, das mit seinem regenreichen Sommermonsun ein Segen für die subtropischen Küstenländer dieser Region war und die Erste Welt an die Schwelle zu einer frühen, globalen Hochkultur mit erfreulichem Wohlstand für alle brachte, kam die Flut und zerriss die Erste Welt über Nacht."


5.

"Dann kam ein leichter Wind auf, nein, eigentlich kein Wind, etwas anderes, kurzzeitig etwas wie ein Sog, und dann sahen wir, wie sich vor uns, jenseits der Pyramide, das Meer zurückzog und eine graubraune, im Sonnenlicht wie Salz glitzernde morastige Tiefebene zurückließ, bis das Meer im wahrsten Sinne des Worts hinter dem Horizont verschwand, so als hätte die Erde alles Wasser verloren − bis auf den Strom zu unseren Füßen, der nun einsam durch die trocken gelegte Ebene sein Delta weit, weit hinausschob und seine vielen Arme dem davon gegangenen Meer hinterherschickte, so als wolle er versuchen es aufzuhalten und zurückzuziehen, und ich war mir sicher, dass es ihm gelingen würde."


6.

"Nichts ist so, wie es zu sein scheint. Die Schriftkultur reicht gerade mal 5000 Jahre zurück, während es den anatomisch modernen Menschen seit mindestens 160.000 Jahren gibt, möglicherweise aber auch um einiges länger. Den größten Teil der seines Daseins fristete der Mensch unter Eiszeitbedingungen. Am Ende der Eiszeit und im frühen Holozän kam es zu gewaltigen Flutkatastrophen und Überschwemmungen einst bewohnter Kulturräume. Eine der schlimmsten Flutkatastrophen dürfte das einstige Südmesopotamien heimgesucht haben, denn der Euphrat/Tigris mündete in der Eiszeit in den Golf von Oman. Der heutige Persische Golf war in der Eiszeit noch nicht; dort erstreckte sich Südmesopotamien mit einer unbekannten Kultur. Die Ruinen ihrer Bauwerke, sofern sie schon mit Stein arbeiteten, liegen heute im sumpfigen Meeresboden des Persischen Golfs. Gab es schon eine oder mehrere hoch stehende Kulturen vor der Flut? Zahlreiche Mythen behaupten es, aber die Archäologie hat kaum Zugang zu ihren Relikten, da sich fast alles in mehr als 100m Tiefe am und im Meeresboden befindet. Angesichts der Tatsache, dass es den modernen Menschen schon Hunderttausende von Jahren gibt, archäologische Nachweise höherer Kulturen aber erst seit der Bronzezeit, erscheint die Möglichkeit früherer, vorsintflutlicher Kulturen als immer wahrscheinlicher, je mehr wir von der Klimageschichte wissen.

Was sind UFOs? Könnte es tatsächlich sein, dass einige von ihnen außerirdischen Zivilisationen gehören? Könnte es vielleicht sogar sein, dass die Wiege der Menschheit und überhaupt des irdischen Lebens im Kosmos liegt? Ist es so ausgeschlossen, dass der Same des Lebens bereits vor 3,5 Milliarden Jahren von einer hoch stehenden Zivilisation in die junge Erde gepflanzt wurde, um später intelligente Lebewesen ganz nach ihrer Art hervorzubringen, und dass die Erde seither ein Versuchslabor dieser Außerirdischen ist, von denen alles irdische Leben abstammt? Lenken sie vielleicht sogar unser Geschick?

Der vorliegende Roman versucht spielerisch, ein Szenario zu entwickeln, das weit über den Horizont unseres derzeitigen Wissens von unserer Herkunft und der Geschichte des Lebens hinausgeht. Unser heutiges Wissen ist noch eine kleine Insel im Ozean des Unwissens. Aber auf der Erde gibt es nicht nur Inseln, sondern auch Kontinente… "


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Alt 08.09.2011, 20:04   #2
Lupo
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Ich weiß, ich bin wahrscheinlich der letzte, von dem Du einen Ratschlag haben möchtest, aber du musst ja ab hier auch nicht weiterlesen.

Ich würde keines der Beispiele nehmen bzw. würde mich keines der Beispiele zum Lesen anregen.

Ich habe die Texte nicht besonders konzentriert gelesen (eben so wie in der Buchhandlung wenn der Laden voll ist ) aber ich habe keinen Schimmer von einer etwaigen Handlung.

Wenn ich den Autor nicht kenne, dann will ich wenigstens grob wissen um was es in dem Buch geht.

EDIT:
Bevor das von dir kommt mache ich es selbst:
Zitat:
Zitat von Atlantologe Beitrag anzeigen
[ [font=Verdana]Der vorliegende Roman versucht spielerisch, ein Szenario zu entwickeln, das weit über den Horizont unseres derzeitigen Wissens von unserer Herkunft und der Geschichte des Lebens hinausgeht.
ICH will schon noch ein wenig genauer wissen, um was es geht. Reiß das Szenario mal ein wenig genauer an.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)

Geändert von Lupo (08.09.2011 um 20:06 Uhr).
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Alt 08.09.2011, 20:19   #3
NoWay
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Hm, hört sich ein wenig nach Indian Jones Machart an!

Ich würde da nur drauf schreiben: 1. Mose 8,14
Also nicht den Inhalt dieses Verses sondern nur die einen Link dazu
__________________
Das Wissen beruht auf der Kenntnis des zu Unterscheidenden, die Wissenschaft auf der Anerkennung des nicht zu Unterscheidenden. Das Wissen wird durch das Gewahrwerden seiner Lücken, durch das Gefühl seiner Mängel zur Wissenschaft geführt, welche vor, mit und nach allem Wissen besteht.
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Alt 08.09.2011, 20:27   #4
Atlantologe
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@Moderator Lupo

Was interessiert dich denn überhaupt? Interessiert mich zwar nicht, was dich interessiert, aber manche Leute sind schon ziemlich kurios, d.h. miissbrauchen ihr Login, um die Bemühungen anderer ohne weitere Kenntnis runter und schlecht zu machen.

Mir kommt das nämlich irgendwie so bekannt vor...

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Naja, 3 vernichtende gegenüber 7 begeisterten Rezensionen......da hast du wohl nicht allzu genau gelesen?

Das stimmt so nicht. So weit ich das mitbekommen habe, denkst du in jedem Thread den Du gestartet hast, dass du eine Art Diskussionsleiter Funktion hast und bestimmen darfst, was off-topic ist.

Ich würde Desinteresse nicht mit Ablehnung gleichsetzen.

Wenn über dein Buch zu reden, der einzige Grund ist, warum du hier bist, ist die Frage berechtigt.

Jetzt sind wir alle aufklärungsfeindliche Neandertaler, weil wir uns nicht für dein Buch interessieren?
Jetzt klingst du ein wenig wie die von Dir untersuchten Autoren.
Ich glaube, dein Thema ist super als Haus-, Diplom-, oder Magisterarbeit im Bereich Soziologie aber ich fürchte außerhalb dieses Szenarios ist es nicht soooooo super spannend (jedenfalls für mich) ob die ganzen Spinner nach der gleichen Methode oder nach individuellen Methoden ihre Sachen zurecht spinnen.

Schließen möchte ich mal mit einem Zitat von Helmut Krausser:
" Ich habe noch nicht eine Zeile von Martin Walser gelesen. Eindeutig seine Schuld, nicht meine."
http://forum.grenzwissen.de/showthre...892#post139892


Daher vermute ich hier unfreundliche Methode. Du kannst mich gerne fertich machen, solltest aber besser bei meinen Versuchen hier im Gespräch zu erfahren, welches wohl der passendste Klappentext ist, nicht ausschließlich foulen.

Für die anderen, die vielleicht interessiert sind:

Die ersten 5 Versionen sind Textauszüge. Man macht das bei Literatur (Romanen) im allgemeinen so. Eine nähere Beschreibung des Inhalts findet sich meistens auf Seite 4 unter "zu diesem Buch"

Und genau das ist Version 6 hier, der etwas längere Text.

Man kann den "Plot" des Buchs schlecht auf einer Seite zusammenfassen, weil hier verschiedene Zeitebenen (vor 15.000 Jahren, Gegenwart, vor 3,5 Milliarden Jahren, Blick in die ferne Zukunft) sich teilweise im Hier und Jetzt treffen und zu kuriosen Begegnungen führen.

Ich wollte das Genre eigentlich Archäo-Fiction nennen, allerdings spielen eben auch UFOS und "Unsterbliche" eine Rolle.

Es werden eigentlich alle Fragen zu grenzwissenschaftlichen Themen angesprochen, wonach sich dieses Forum benennt. daher verstehe ich nicht, Lupo, was du hier überhaupt willst,wenn's doch nicht interessiert, und ob du nur hier bist um Moderator werden zu können, damit du anderen mal richtig zeigen kannst, was Sache ist und eine armselige Form von "Macht" ausüben kannst (indem du andere fertich machst), was dir im normalen Leben gottlob wohl verwehrt ist? ("Interessiert mich zwaralles nicht, aber genau das will ich ihm mal zeigen und aufs Brot schmieren.")

Und wenn's dich nicht interessiert - warum hältst du dann nicht einfach endlich mal die Klappe? Ist das so schwer, einfach mal zu schweigen, anstatt immer und immer wieder böses Blut zu schaffen?
.
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Alt 08.09.2011, 20:45   #5
Atlantologe
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Kleiner Nachtrag noch. Wahrscheinlich muss man versuchen, denn allergrößten Mist als die allergrößte Entdeckung seit dem Ei des Kolumbus zu verkaufen - damit meine ich nicht allein die Sachbücher von Dr. hc Hamburger - sondern überhaupt das Bizarrste vom Bizaarren als "Welterklärung" präsentieren, um den regsten Zulauf zu erhalten.

Wie anders ist es möglich,dass durchgeknallte Threads und Thesen wie
http://forum.grenzwissen.de/showthread.php?t=16045
den größten Zulauf haben?

Gut, 3 Bücher reichen. War mein letztes.
Werde dennoch in den nächsten Wochen unten im Werbeblock ein bisschen Reklame machen, auch wenn's Keinen und Lupo interessiert.

Kauft euch den neuen Däniken, der ist billiger und hat zudem noch Hardvcover.
.
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Alt 08.09.2011, 21:00   #6
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*** gelöscht ***

Geändert von Atlantologe (08.09.2011 um 21:39 Uhr).
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Alt 08.09.2011, 21:01   #7
Groschenjunge
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Hi,

Zitat:
Zitat von Atlantologe Beitrag anzeigen
Gut, 3 Bücher reichen. War mein letztes.
Frei nach Insterburg & Co:
Wir haben 3 Schallplatten gemacht. Wir haben alle 3 verkauft.

Was die durchgeknallten Ideen betrifft, so hat Dieter Nuhr das doch recht anschaulich beschrieben.
http://blog.gwup.net/2010/12/29/vers...bt-wird-selig/

-gj
__________________
"Der frühe Vogel mag vielleicht den Wurm fressen, aber erst die zweite Maus bekommt den Käse." Vince Ebert
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Alt 08.09.2011, 21:39   #8
Atlantologe
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OK, hier mal die ersten Seiten des Buchs, damit ihr ne ungefähre Vorstellung davon kriegt, worum's u.a. geht.....

1
Crash
Als endlich der Anruf kam, war ich keineswegs erstaunt; viel mehr wunderte ich mich, dass er so lange hatte auf sich warten lassen; ich hatte ihn eigentlich schon zwei, drei Tage früher erwartet. Noch während das Handy piepte, versuchte ich mit mir selbst eine Wette abzuschließen, was wohl der offizielle Anlass für den Anruf war − der mysteriöse Absturz eines Airbus über Mannheim oder diese seltsame Internet-Botschaft, die gleichzeitig weltweit in diversen grenzwissenschaftlichen Foren auftauchte, die sich schwerpunktmäßig mit UFOs beschäftigen. Ich tippte auf Letzteres, ohne dass ich das aber mit letzter Logik zu begründen vermochte; es war eher so eine Art Bauchgefühl. (Ist man gleich schon ein Verschwörungstheoretiker, wenn man hier einen Zusammenhang vermutet?)
Vor zwei Wochen war eine Lufthansa-Maschine über Mannheim abgestürzt, die in Frankfurt gestartet war und sich auf dem Weg nach Rom befand. Aus offiziell noch ungeklärten Gründen gab es in 8500 Metern Höhe eine Explosion. Der Unfall ereignete sich gegen 22.30 Uhr bei klarem Himmel. Es muss ein veritables Himmelsspektakel gewesen sein; einen Eindruck bekommt man, wenn man sich die diversen YouTube-Videos anschaut, die von Augenzeugen zumeist mit Handy-Kameras gefilmt, im Internet kursieren. Am eindrucksvollsten ist das Video eines Bewohners des Collini-Centers, eines Hochhauses am Neckarufer. Genau über diesem Hochhaus, das offenbar aus der Luft gut sichtbar ist und an strategisch günstiger Stelle steht, kreuzen gleich mehrere Flugkorridore, bei denen dieses Hochhaus als Orientierungsmarke für die Piloten fungiert. Der junge Mann, ein Journalist, sah plötzlich in den Fenstern der Häuser gegenüber (unter ihm) ein Aufflackern, lange vor dem Knall, rannte auf den Balkon, bemerkte nichts, wollte sich umdrehen und zurückgehen in die Wohnung, als ihm irgendwie, halb bewusst, knapp außerhalb seines Sichtfelds, etwas Helles auffiel, hob unwillkürlich den Kopf, bemerkte den Feuerball, der aus dem Himmel über ihn niederstürzte, rannte zurück in den Raum, ergriff das Handy, drückte den Knopf, suchte kurz, und fand dann den Feuerball im Sucher, der im Sturz rasend schnell anschwoll. Gleichzeitig schoss ihm ein wirres Kreuzfeuerwerk verschiedener Gedanken durch den Kopf, vor allem die Angst, der brennende Feuerball, das ganze brennende Wrack, könnte ihm auf den Kopf fallen, aber glücklicherweise wusste er noch 15 Etagen über sich, von denen die obersten den Aufprall schon abfangen würden, durchschossen von wirren 9/11-Visionen und überzeugt davon, dass es sich hier um den lange angekündigten neuen Anschlag von Al-Qaida gehandelt haben dürfte, und dem völlig vergessenen, ihn daher umso unerwarteter treffenden Knall der Explosion. Mit einem eigentümlich rauschenden Pfeifen und einem Knistern, als würden längst geborstene brennende Wrackteile weiter brechen, rauschte die Feuerkugel schließlich seitwärts, halb verborgen von der Hausecke, in etwa 30 Metern Entfernung an ihm vorbei und stürzte in den Fluss, wobei sie zischend verpuffte und nur eine armselige schwarze Rauchwolke hinterließ, die vorübergehend die Lichter der Häuser am gegenüberliegenden Ufer verschlang. Dann war alles still, und als er endlich seinen Blick vom Fluss abwandte, der die Wrackteile offenbar restlos verschlungen hatte, bemerkte er, dass die Autos stehen geblieben waren und eine Reihe Gaffer am Straßenrand, teilweise auch am Ufer standen und in den Fluss starrten, dessen Oberfläche sich nicht mehr anmerken ließ, dass sie soeben die Reste eines Flugzeugs und eine unbekannte Menge Leichen verschlungen hatte.
Der Bann hielt ihn noch ein Weilchen am Balkon fest, ohne dass er sich von dem Anblick lösen und zurücktreten konnte, und er hat auch mit niemandem darüber gesprochen, was ihm in diesen Sekunden, in denen die Zeit aus dem Tritt geraten zu sein schien, wohl durch den Kopf gegangen sein mochte. Schließlich riss er sich gewaltsam von der Brüstung los, befreite sich von dem Bann, gab sich einen Ruck und stürzte zurück ins Zimmer; dann ging alles automatisch wie so oft in seinem Berufsleben; er schlüpfte in die Stiefel, streifte sich die Lederjacke über, hängte sich die Kamera um und ging hinaus, eilte zum Lift. Jetzt kam es auf jede Sekunde an.
Als er endlich unten war, hinaustrat und die paar Schritt zum Flussufer eilen wollte − auch wenn ihm nicht klar war, was er da eigentlich wollte, denn von dem Unglück war nichts zu sehen −, hatte sich dort in den paar Minuten seit dem Unglück längst eine Menschenmenge gebildet und die Autos säumten den Straßenrand. Wo die nur alle so schnell herkamen?! Es gelang ihm gerade noch ein paar Leute aus der gaffenden Menge zu interviewen, während im Hintergrund das Sirenenkonzert der herannahenden Polizei-, Feuerwehr- und Krankenwagen zunehmend anschwoll. Noch ehe die Polizeiwagen überhaupt zum Stillstand kamen, wurde die Meute der Schaulustigen bereits aufgefordert, zurück in ihre Autos zu gehen und die Straße freizumachen, die dann auch weiträumig abgesperrt wurde. Auch die andern Gaffer wurden zurückgedrängt, während das gesamte Neckarufer abgesperrt wurde. Scheinwerfer wurden aufgebaut; mehrere Rettungsschiffe kamen mit Blaulicht den Fluss herunter zur Unglücksstelle, auch sie richteten die Scheinwerfer auf die mutmaßliche Absturzstelle, und noch ehe alles fertig aufgebaut war, sprangen schon die ersten Taucher ins Wasser. Obwohl er sich mehrfach auswies, wurde unser junger Lokalreporter nicht in die Nähe der Unfallstelle gelassen, sondern musste zusammen mit der Meute hinter die Absperrung zurück. Gute Fotos oder gar Interviews mit höherrangigen ‹Offiziellen› waren so natürlich nicht möglich.
Langsam schlenderte er zurück und fuhr hoch in seine Wohnung im 23. Stock, trat hinaus auf den Balkon und besah sich das Ganze von oben durch sein Fernglas. Der Fluss war in gleißend helles Licht aus diversen Scheinwerfern an beiden Ufern getaucht, und selbst auf der nahe gelegenen Fußgängerbrücke hatte die Feuerwehr einige Richtscheinwerfer montiert. Ab und zu beförderten Taucher ein paar kleinere Wrackteile aus dem Wasser, aber auch einige Leichen und Leichenteile, die auf dem Wasser auftauchten, wurden schleunigst in die Boote gehievt. Kurz darauf erschien ein Schiff mit einem Kran, dessen Aufgabe es wohl war, die größeren Wrackteile zu bergen. Aber irgendetwas war komisch an der ganzen Sache, und plötzlich packte ihn eine Idee wie ein eiskalter Würgegriff und ließ ihm das Blut gefrieren, aber das, was er sah, ließ keinen Zweifel aufkommen. Kurz bevor auch ein Areal auf der flußabgewandten Seite der Uferstraße abgesperrt wurde, weil dort offenbar ebenfalls Wrackteile lagen, waren auch ein paar amerikanische MP-Fahrzeuge und Zivilfahrzeuge mit amerikanischen Kennzeichen aufgetaucht, die die Absperrung passieren durften; ein paar Leute in Zivil waren auch dabei, und zum Schluss hin hörte er mehr Amerikanisch als Deutsch. Was hatten die Amis damit zu tun? Einige von ihnen standen zusammen mit ein paar offenbar höherrangigen deutschen Polizisten, und dann bekam einer ein dunkles, fast schwarzes Wrackteil präsentiert, das, wenn es in einem bestimmten Winkel gehalten wurde, ein schwaches rötliches Licht emittierte, so, als wäre das ganze Material leicht leuchtend, etwa einen halben Meter lang, das er mehrmals mit der flachen Hand hob und senkte, so als würde er es wiegen, um sein Gewicht zu schätzen. Kurz darauf wurde er am Arm genommen und hinter die Absperrung gezerrt. Was hatten die Amis nur dort zu suchen? Es gibt wohl keinen Terroranschlag, bei dem nicht sofort die CIA zu Stelle ist.
Aber das war nur die eine Seite der Gleichung. Inzwischen hatte er das Stativ aufgebaut, die Kamera montiert und zoomte einige Objekte aus dem Fluss so dicht heran, wie es gerade noch ging, ehe die Konturen zu unscharf wurden. Er hatte sich nicht getäuscht. Überall auf dem Fluss waren Boote ausgeschwärmt, um Wrackteile aufzusammeln, die langsam stromabwärts trieben, allesamt mattschwarz mit einem diffusen ganz schwachen rötlichen Licht, das aber offenbar immer schwächer wurde. Seit wann sind Flugzeuge mattschwarz und leuchten rötlich? Vor allem, seit wann ist Aluminium − und Flugzeuge bestehen zum größten Teil aus Aluminium − leichter als Wasser? Was ist mit Karbon? Ist Kohlefaser leichter als Wasser? Nicht unbedingt, wenn er an sein Karbon-Fahrrad dachte. Aber wie ist das mit dünnen großen Flächen aus Kohlefaser − schwimmen die?
Er schoss ein Bild nach dem anderen von den Booten und den Tauchern bzw. Schwimmern, die diese ominösen Wrackteile an die Männer in den Booten hoch reichten, bis ihm schließlich bewusst wurde, dass es besser wäre weniger zu knipsen und mehr zu denken, um so schnell wie möglich hinter das System zu kommen, das er in dem Moment erkannte, als er die Kamera losließ und einfach auf das Ganze schaute. Ein Boot nach dem anderen legte kurz an der Andockstelle an; je drei Männer aus dem Boot trugen diese mattschwarzen, noch leicht ‹nachglühenden› Wrackteile zu einem dort geparkten Lieferwagen, wo sie von Leuten, die dort offenbar drinstanden und von denen man nur die Arme und Hände sehen konnte, in Empfang genommen wurden; sobald das Boot leer war, drehte es ab, um dem nächsten Boot, das schon wartete, den Dockplatz frei zumachen, und dann setzte sich die gleiche Prozedur fort. Als der Lieferwagen voll war, fuhr er fort, und gleich der nächste fuhr ein paar Meter vor bis zur Andockstelle und wurde ebenfalls mit diesen exotischen Trümmern beladen.
Und genau das filmte er nun bei maximaler Zoomperspektive: die Entladung der Boote, die Beladung des Lieferwagens, die Abfahrt des beladenen Lieferwagens, die Beladung des nächsten. Leider konnte er, auch mit Fernglas und Zoom, die Nummernschilder der Lieferwagen nicht erkennen, aus dem schlichten Grund, weil sie keine hatten. Dafür wurden sie aber von Pkws eskortiert, einer vorn, der andere hinten, die mir erst gar nicht aufgefallen waren, weil sie irgendwo in der Dunkelheit völlig unbemerkt geparkt waren und die ohne Licht davon fuhren. Erst weiter hinten, am Ende der Absperrung, als die auf die normale Straße einbogen, schalteten sie das Licht an − aber da waren sie so weit weg, zudem verdeckt von Bäumen, dass es unmöglich war, die Kennzeichen zu lesen.
Noch während am und im Fluss weiterhin Trümmer und Leichen geborgen wurden und die schaulustige Menge sich, inzwischen weit nach Mitternacht, langsam zerstreute und in den Medien in Eilmeldungen von dem Flugzeugunglück, bei dem offenbar 180 Menschen den Tod gefunden hatten, berichtet und die Befürchtung ausgesprochen wurde, es könne sich um ein Attentat, wahrscheinlich von Al-Qaida, gehandelt haben, obwohl noch keine Bekennerschreiben im Internet oder sonstwo eingegangen waren, und noch ehe er sich den Luxus gönnte wirklich tief nachzudenken, setzte er spontan den Videoclip vom abstürzenden Feuerball bei YouTube ins Internet, ging dann noch einmal sinnierend auf den Balkon, und glaubte erst seinen Augen nicht zu trauen: Im Hinterhof − eigentlich eine Art Dachgarten über der Tiefgarage, nahm er ein schwaches rötliches Glimmern wahr, und er wunderte sich nur darüber, dass alles weitere absolut mechanisch ablief, ohne dass er groß drüber nachdachte oder auch nur einen Plan fasste − er wusste nur, dass jetzt alles sehr schnell gehen musste und sehr viel Glück von ihm erforderte. Als er den Lift verließ und aus dem Wohnabschnitt in die Halle im Erdgeschoss trat, merkte er zunächst zu seiner großen Freude, dass der ‹Pförtner› gerade ein Nickerchen machte, und er betete, dass er das die nächsten zwei, drei Minuten noch weiter tat, wünschte ihm jedenfalls einen gesegneten Schlaf; nun mussten noch zwei weitere Hindernisse überwunden werden. Wunderbarerweise war auch der Personalaufzug in Betrieb, der ihn in den zweiten Stock brachte, und selbst die schwere Tür zum Dachgarten, zu dem er auch als Anwohner keine Zugangsberechtigung hatte, war nicht verschlossen; er musste aber sofort einen Schuh in die Tür stellen, um sich nicht selbst auszuschließen, denn dann wäre er gezwungen, etwa acht Meter in die Tiefe zu springen auf den Asphalt, was wohl nicht ganz ohne Knochenbrüche abgehen würde. Er wunderte sich nur, wie leicht alles ging, denn obwohl draußen pechschwarze Nacht war, entdeckte er das Teil sofort, weil es rötlich glimmerte und ihm den Weg wies. Als er das Metall oder was immer es sein mochte, da liegen sah − ein etwa 60 mal 50 mal 20 Zentimeter großes − ja was denn nun? − ‹Aggregat› von der Größe eines Sechszylindermotors, war ihm klar, dass alle Mühe umsonst war, denn wie sollte er dieses Getriebe oder was immer es war von einer Vierteltonne Gewicht ganz allein tragen, und vor allem: Was wollte er damit? Das einzige, was ihm in dieser Situation noch zu tun blieb, war den Hausmeister anrufen, selbst jetzt in der Nacht, um ihn auf den wohl nicht ganz unwichtigen Fund hinzuweisen, den bisher noch niemand bemerkt hatte. Dennoch wollte er mal testen, wie sich das Ding anfühlte und wie schwer es wohl war. Als er es berührte, zuckte er jäh zurück, als stünde das Ding unter Strom, aber es war nur wegen der Kälte − es war eisig kalt, viel zu kalt für diese warme Sommernacht, zumal der rötliche Glimmer ja eher auf Wärme hinwies. Vor allem aber, und das merkte er, als er, nun auf die Kälte eingestellt, das Ding mal anheben wollte, war es federleicht, leicht wie Sperrholz. Das ganze große Aggregat wog nicht mal ein Kilo. Als er unten in die Halle trat, kam ihm aus dem Wohnbereich gerade ein Paar entgegen und dürfte sich wohl gefragt haben, was er da so unterm Arm trug, wenn ihn die beiden überhaupt bemerkt hätten, aber die waren so in sich verliebt, dass sie nur Augen für einander hatten. Der Pförtner pennte immer noch, und so betrat er den erstbesten Lift, und auch auf seinem Flur kam ihm niemand entgegen − es war eine Sache von weniger als fünf Minuten gewesen, und nun hatte er das geheimnisvollste Material in seiner Hütte, das er je in seinem Leben gesehen hatte.
Ihm fiel nichts anderes ein, als das Gerät abzustellen, den Schreibtisch leer zu räumen und es dort unter seine Leselampe zu platzieren, um es näher in Augenschein zu nehmen. Es war eine Art Quader aus einem ihm unbekannten Material, weder Metall noch gläsern, dabei aber halb transparent; im Innern erkannte er 12 Silberplatten, die im Abstand von jeweils fünf Zentimetern angeordnet waren und durch eine Art Stab oder Röhre, die durch ihr Zentrum führte, miteinander verbunden waren, die aus dem gleichen Material zu bestehen schien wie die Platten; alles war wie aus einem Guss. Was mochte das bloß für ein Material sein, dass es so federleicht war? Es muss, nein, es kann nicht alles Silber sein, was silbern glänzt, denn Silber hat Gewicht. Was mochte es nur sein − der Flugschreiber? Natürlich nicht der Flugschreiber, denn der ist schwer wie der Motor eines Bikes, und vor allem sieht er, wie er sich durch einen Klick auf Wikipedia überzeugen konnte, auch ganz anders aus. Das hier war ein völlig exotisches Material, wesentlich leichter als Karbon oder ähnlich ultraleichtes und gleichzeitig hochfestes Material. Dieses hier − das konnte er beschwören, auch ohne den Test zu machen − würde mit keiner Temperatur der Welt verbrannt werden können − andernfalls hätte es die Explosion und die unerträgliche Hitze, die diese Feuerkugel gehabt haben musste, und den Absturz aus 8000 oder vielleicht gar 10000 Metern Höhe nicht so völlig unbeschadet überstanden haben. Er versuchte mit dem Taschenmesser eine Kerbe ich das Material zu ritzen, aber es glitt nur aus ohne den geringsten Krater zu hinterlassen. Und es war, wie er auch bei der nächsten Berührung mit dem Finger feststellte, immer noch genauso eiskalt wie immer. Selbst im Backofen würde es, da war er sich ganz sicher, die gleiche Temperatur beibehalten. Es war, kurz gesagt, dermaßen was von strange, als sei es nicht von dieser Welt.
Vor allem hatte er keine Idee, was er mit dem Gerät denn nun überhaupt anstellen sollte. Er könnte es als Souvenir behalten, oder irgendwem − wem? − zu einem angemessenen Preis anbieten. Aber wer würde so etwas schon haben wollen? Von Interesse wäre es doch nur für Regierungsstellen oder für die Bundespolizei, die mit der Aufklärung des Falls befasst war. Und die lassen nicht mit sich handeln − im Gegenteil: Er würde mit einer saftigen Strafe zu rechnen haben, wenn irgendwer herausfände, dass er Beweisstücke, die zur Aufklärung eines Terroranschlags dringend benötigt wurden, zurückbehielt oder gar versuchte Dienststellen zu einer Art üppigen Finderlohn zu erpressen − da würde er schneller vor Gericht gebracht, als er denken konnte. Nein, das war eine völlige Schnapsidee. Es gab nur zwei Möglichkeiten: es als Souvenir zu behalten oder spätestens am nächsten Tag auf der nächsten Polizeidienststelle als Fundsache abzugeben. Und natürlich noch eine dritte. Wenn es schon nicht der Flugschreiber war, was könnte es dann wohl sein? Eine neue geheime Erfindung? War das Ganze vielleicht gar kein Terroranschlag gewesen, sondern Sabotage?
Endlich hatte er genügend Rotwein intus, um die richtige Bettschwere zu haben, die es ihm ermöglichen würde problemlos einzuschlafen; es wurde aber auch Zeit; er war eine Stunde zu spät dran mit Einschlafen; das würde ihm − vorausgesetzt er schlief sofort ein und konnte dieses Grübeln und Nachdenken abstellen − gerade noch etwas über sechs Stunden Schlaf ermöglichen; es würde ihm aber auch erlauben, nicht vorzeitig wach zu werden.
Kaum hatte er das Licht gelöscht und es sich im Bett bequem eingerichtet, als das Ding wieder zu leuchten begann. Vielleicht hatte es auch die ganze Zeit über schwach geglimmert und er es im Licht nur nicht bemerkt. Es war alles andere als ein normales Licht. Er konnte nicht anders, musste noch mal aufstehen und sich dieses Licht anschauen. Das Gerät war jetzt mehr oder weniger voll transparent, und das rote Licht schien aus den Platten und der seltsamen Stange zu kommen, aber es war kein Licht, das die ganze Stange erleuchtete, sondern eher ein Aderwerk zahlreicher haardünner Stränge, die innerhalb der ‹Stange› leuchteten wie ein Nervengeflecht, und die Platten waren auch keineswegs durchgehend erleuchtet, sondern das Licht bildete Muster − Flächen und Stränge, Verbindungen zwischen diesen Flächen, die sich permanent änderten, aber in einem wie ihm schien unbekannten aber nichtsdestotrotz vorhandenen Rhythmus, auch wenn er weder den Rhythmus noch die Bedeutung der Muster ‹lesen› konnte, aber irgendwie schien es ihm wie die optische Darstellung von − er wusste selbst nicht, wie er darauf kam − von Gedanken, geradeso als habe er hier ein Gehirn aus dessen molekularer Innenansicht innerhalb einer ‹Maschine› vor sich, und als könne ein guter Computer mit einer anständigen, ausreichend komplexen Software diese Schwingungen und sich verändernden Muster lesen und verstehen. Und mit welcher Energie wurde diese Lightshow betrieben, der er nicht den Status normalen elektrischen Lichts zugestehen mochte? Wahrscheinlich war er nur zu betrunken, um hier einen höheren Sinn in eine seltsame Technologie hinein zu interpretieren, die ihm nur deshalb so ‹intelligent› erschien, weil er sie nicht verstand. Damit war auch klar, dass er in Gegenwart dieser ‹Maschine› nicht einschlafen konnte. Jetzt gab's nur noch drei Möglichkeiten: Noch mal raus und den Apparat zur Polizeiwache bringen, oder den Kasten einfach vom Balkon runterschmeißen dahin, wo er ihn aufgelesen hatte, oder... Er entschied sich für die dritte Variante und trug das Gerät einfach in den Nebenraum, den er sich schon seit Jahr und Tag als Wohnzimmer einrichten wollte, aber außer zwei Ledersesseln, die er, ach lang, lang war's her, aus einer frühen Wohngemeinschaft hatte mitgehen lassen, war der Raum völlig leer; er stellte das Ding einfach mitten in den Raum, ging zurück ins Wohnschlafzimmer, zog sich die Decke bis ans Kinn und schlief tatsächlich im Nu ein.
Aber nicht für lange, denn als er wieder wach wurde, befand sich das Flugzeug in schweren Turbulenzen. Er hörte gerade noch die Stimme des Piloten oder Copiloten, dass sich die Passagiere wegen der Turbulenzen bitte anschnallen sollten. Dann passierte es: Wie von überirdischen Kräften gezogen, schoss das Flugzeug in jäher Beschleunigung in die Höhe und gleichzeitig seitwärts − die Lichter unter ihm schossen wie eine Wand nahezu in die Senkrechte; im nächsten Moment, als der Überschlag und der Absturz drohte, schien das ganze Flugzeug transparent zu werden und wurde in ein grelles Licht getaucht. Für den Bruchteil eines Augenblicks, verbunden mit einem Ruck, als wäre die Maschine gegen eine Betonwand geprallt, war er umgeben von diesen seltsamen glühenden Kästen, von denen er einen gefunden hatte, die mit leuchtend grünen, gelben und blauen Adern miteinander verbunden waren, dann explodierte die Welt in einem unermesslich grellen Lichtblitz. Schweißgebadet wurde er wach; das Herz raste, aber er lebte noch. Es war alles nur ein Alptraum gewesen. Er ging an die Hausbar, goss sich ein Glas ein und kippte den Rotwein in zwei, drei tiefen Zügen hinunter, dann ließ er sich auf sein Bett fallen und schlief endlich richtig ein.
Am nächsten Morgen musste er keine großen Überredungskünste anwenden, um die Redaktion vom geplanten Leitartikel zu überzeugen. Obwohl bereits längst alle Medien nur ein einziges Thema kannten, den Selbstmordanschlag in dem gesprengten Flugzeug, rissen sie ihm das Bild- und Filmmaterial geradezu aus den Händen, denn er war der einzige Journalist, der das Unglück nicht nur mit eigenen Augen gesehen, sondern auch noch dokumentiert hatte. Alle anderen Zeitungen konnten nur stets die gleichen, von den Nachrichtenagenturen zur Verfügung gestellten Bilder von der Unglücksstelle bringen, die längst geräumt war, nebst einem Amateurphoto aus mehreren Kilometern Entfernung, das einen kleinen gelblichen Feuerball zeigte − nichts sonderlich Spektakuläres. Das Absturzvideo wurde sofort online gestellt und der Bericht mit einer Reihe Fotos illustriert, die er vom Balkon aus geschossen hatte. Die Krönung war aber ein kurzer Kommentar, in dem auch ein Foto von dem Wrackteil veröffentlicht wurde, das er noch am Morgen in seinem Zimmer durch Fernauslöser geschossen hatte. Man sieht ihn, wie er diesen seltsamen halbtransparenten Kasten triumphierend in die Kamera hält. In dem Kommentar spricht er die Mutmaßung aus, es könne sich um eine Geheimtechnologie handeln, die, gut getarnt in einem harmlosen Passagierflugzeug, einfach im Gepäckabteil mitgenommen wurde, aus welchen Gründen und zu welchem Zweck auch immer. Dann war es möglicherweise kein Terroranschlag, sondern ein gezielter politischer Anschlag. Die Frage wäre dann nur: Wer gegen wen?
Man riet ihm in der Redaktion, das Fundstück sofort zur Polizeiwache zu bringen, und zwar im wohlverstandenen Eigeninteresse, denn andernfalls würde er sich strafbar machen, und auch Journalisten stünden nun mal nicht über dem Gesetz. Der Chefredakteur meinte noch, er habe bei der ganzen Sache kein gutes Gefühl, aber nun sei die Story mit den Dokus schon mal im Netz und damit die Pandorabüchse geöffnet. Ein Rückzieher würde nichts ändern; allenfalls würde man Hohn und Spott ernten.
Nachdenklich ging der junge Mann nach Hause; er hatte jetzt einen Namen, denn seine Geschichte zirkulierte jetzt im Netz mit seinem Film und seinen Fotos, und für jede Weiterveröffentlichung durch andere Medien konnte er Tantiemen einstreichen. Bald würde man auch mehr über ihn wissen wollen und sein Konterfei würde genauso durchs Web zirkulieren wie seine Dokumentation.
Nun musste er aber erst diesen mysteriösen, aber auch heißen und belastenden Apparat loswerden. Unten stieg mit ihm noch ein Paar etwa in seinem Alter mit in den Lift ein, das ihm irgendwie bekannt vorkam, er wusste aber nicht woher. Er drückte die 23 für seine Etage. Die Frau tat so, als wollte sie ihre Etagennummer drücken, zog denn aber die Hand wieder zurück."
"Ach, 23", murmelte sie, "da wollen wir ja auch hin."
"Sind Sie neu eingezogen?", fragte er, nur um was zu sagen.
"Nein, nein", antwortete sie schnell. Wir wollen nur einen Bekannten besuchen."
Dann waren sie auch schon angekommen; die Lifttür öffnete sich, er sagte kurz mechanisch tschüss zu den beiden und ging raschen Schritts den Gang runter zu seiner Wohnung. Hinter sich hörte er die leisen Stimmen der beiden; sie hatten auch seinen Gang genommen und nicht den in die andere Richtung; offenbar wollten sie zu dem jüngeren Araber ganz am Ende des Gangs, denn dazwischen wohnten nur noch zwei ältere Damen und eine Spießerfamilie.
Als er seine Tür erreichte und den Schlüssel ins Schloss steckte, waren die beiden fast auf seiner Höhe; er nickte ihnen noch mal kurz zu und ihm war, aber das war wohl nur eine Sinnestäuschung, als hätten sie Handschuhe an, mitten im Sommer.
Gerade als er die Tür aufstieß, schlug etwas viel zu hart, als dass es eine harmlose Lösung hätte finden können, gegen seinen Kopf. Er wollte gerade noch denken, dass es dasselbe Gefühl war wie im Traum, als das Flugzeug gegen eine Betonwand zu krachen schien, aber der Gedanke schien ihm auf dem Weg von einer Gehirnregion zur anderen, wo die Idee in ein Bild und in eine Form gebracht wird, abzureißen, so dass er gar nicht mehr mitbekam, dass ihm von vorn ein Spray ins Gesicht gesprüht wurde, das zu einer spontanen und vollständigen Atemlähmung führte. Als einer der beiden die Tür hinter sich zumachte und sie ihn ins Arbeitsschlafwohnzimmer schleiften, war er bereits tot.
Der Rest wurde schnell, zielgerichtet, mechanisch professionell erledigt. Der Mann sah sich kurz die Lesezeichen der Internet-Links an, legte mit der anderen Hand eine DVD ins Laufwerk ein, kopierte die ihm wichtig erscheinenden Seiten, anschließend sämtliche eigene Dateien und Bilder, wobei er die 20 zuletzt verwendeten Dokumente kurz öffnete und stichprobenartig die Texte überflog. Ein zwei Tage alter Text war offenbar das, was er suchte; parallel dazu öffnete er die letzten versandten E-Mails. Volltreffer! Der Text aus der ‹eigenen Datei› war identisch mit dieser E-Mail; offenbar hatte er den Text in der eigenen Datei geschrieben und dann als E-Mail direkt versandt, und zwar an eine Anna, von der er nach zehn Zeilen wusste, dass es sich dabei offenbar um seine Freundin, Angebetete oder Geliebte handelte. Jetzt musste er nur noch einen kurzen Text verfassen.
Anna, ich mach Schluss, ich kann nicht mehr. Ich wollte es dir eigentlich so lange wie möglich verschweigen in der Hoffnung, ich könnte es besiegen oder es würde sich mit der Zeit von selbst zurückziehen, aber es wird von Mal zu Mal schlimmer. Ich weiß nicht, was genau es ist, entweder ein Hirntumor oder ein Blutgerinnsel im Hirn − auf jeden Fall werden diese Anfälle jedemal schlimmer und suchen mich in immer kürzeren Intervallen heim, und ich bin diesen Schmerzattacken völlig hilflos ausgesetzt. Gerade eben vor einer halben Stunde war es wieder so weit. Sie kommen überfallartig, diese Attacken, ohne Vorankündigung wie der Blitz aus heiterem Himmel. Es sind unbeschreiblich furchtbare Kopfschmerzen, die ich nicht mal meinem ärgsten Feind gönnen würde...
Sie beugte sich über ihn, um mitzulesen.
"Mach doch nicht 'n ganzen Roman draus. Wer unter solchen Anfällen leidet, verabschiedet sich nicht pompös und dramatisch, sondern kurz und knapp und schmerzlos, um sich von dem übermenschlichen unmenschlichen Schmerz für immer zu befreien. Mach wir's kurz und dann weg."
"Nun lass mich doch. Wenn ich wüsste, dass danach alles aus ist, würde ich mir die paar Minuten noch nehmen, auch wenn sie wie Ewigkeiten erscheinen, um mich von dem liebsten Menschen zu verabschieden, den ich kannte."
Sie sah ihn entnervt an, und er hämmerte die letzten Worte in die Tasten:
Vielleicht ist es für uns beide besser so. Ich wäre mit der Zeit unausstehlich geworden, weil keine Liebe der Welt stark genug ist, um den Wahnsinn solcher Schmerzen zu besiegen. Behalt mich einfach so in Erinnerung, wie du mich kanntest. Ich wünsche dir von Herzen, dass du glücklich wirst und den Richtigen findest. Leb wohl. Alex.
Der letzte Tastendruck schickte die Mail an die eingegebene Adresse.
Dann trugen sie ihn auf den Balkon, schaukelten, wie Kids dies mit einem tun, den sie vom Beckenrand ins Wasser schmeißen wollen, dreimal hin und her, bis sie genug Schwung hatten, ließen dann im richtigen Moment los und waren froh, dass er waagerecht wie ein Hochspringer über die Brüstung flog, ohne sie auch nur zu touchieren. Sie verzichteten darauf, ihm die fünf oder sechs Sekunden nachzuschauen, in denen er sich im freien Fall befand, sondern hatten zusammen mit dem ominösen Kasten und der DVD den Raum bereits in dem Moment verlassen, als er unten aufschlug.
.
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Alt 08.09.2011, 21:56   #9
Lupo
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Deine Paranoia ist ja schon ein wenig beängstigend

Ich weiß nicht, ob es an meinen Formulierungen liegt, oder deiner Rezeption derselben, aber ich wollte wirklich nur helfen. Keine Ahnung wie man das so böswillig auslegen kann.

Morgen werde ich mal versuchen, mich ein wenig präziser auszudrücken.


Ob dich das dann interessiert, ist mir relativ egal, hier im Forum schreibt man ja gerne mal für den ominösen Drittleser.

EDIT: Habe mir gerade meinen von dir zitierten Text aus einem anderen Thread durchgelesen, deshalb dieser Nachtrag.

Alle meine Äußerungen in meinem Post weiter oben bezogen sich auf die von dir angebotenen Klappentexte und ihr Potential jemanden in der Buchhandlung zum Kauf deines Buches anzuregen. Sie bezogen sich NICHT auf deinen Roman selbst.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)

Geändert von Lupo (08.09.2011 um 22:02 Uhr).
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Alt 09.09.2011, 10:47   #10
MJ01
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@Atlantologe
Also ich würde den letzten (Nr 6) Klappentext nehmen, allerdings lediglich den letzten Absatz.

Grundsätzliches:
Also bitte siehe meine Worte nicht als Kritik, sondern lediglich als gutgemeintes Feedback:
Ich schätze dein Wissen in den Bereichen der historischen Themen sehr. Und Du kannst sicherlich hier in den Postings dieses Wissen sehr gut hinüberbringen. Allerdings für einen Roman, insbesonders für ein SiFi-Roman gelten andere Stilmittel. Nämlich Spannung, Aktion und der Sense of Wonder.

In einem Roman sollte man relativ kurze, prägnante Sätze verwenden, die ohne Schachtelungen und Nebensätze das Wesentliche darlegen. Zugegeben, auch ich liebe Schachtelsätze, weil alle Informationen, in einem Satz, im richtigen Zusammehang komprimiert dargelegt werden können (Darum schreibe ich auch keine Romane). Nur hat dieses Stilmittel, welches man in einem Forum gut verwenden kann, in einem Roman nichts zu suchen.

Dort kommt es darauf an, dass man z.B. in Form von kurzen Dialogen Spannung aufbaut, sie immer mehr steigert, bis es der Leser nicht mehr aushält, und dann einen Schnitt macht und meinetwegen einen historischen Wissensinput liefert. Was im Endeffekt die Spannung weiter steigert. Auch ist es ratsam, einen roten Faden, der den gesamten Roman durchzieht, zu generieren. Beispielsweise durch einen Helden, mit dem sich der Leser identifizieren kann und der ihn "ins Boot holt". Sinnvoll wäre es weiters diesen Helden in den ersten Kapiteln bereits einzuführen und ihn näher, inklusive seiner Stärken und Schwächen, vorzustellen. Es macht aber wenig Sinn, einen Helden im ersten Kapitel aufzubauenund ihn im zweiten bereits wieder "abzuservieren". Das frustiert den Leser nämlich. Auch sollten die Dialoge, so wie im richtigen Leben kurz und prägnant sein. Monologe über drei Sätze sind für den Leser eines Romans ermüdend und unrealistisch.

Ist allerdings nur meine persönliche Meinung.

MfG

MJ

Geändert von MJ01 (09.09.2011 um 13:30 Uhr).
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