:: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften ::

 

Zurück   :: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften :: > Archäologie > Naher Osten

Naher Osten Archäologische Funde & News aus Israel, Jordanien, Irak, Iran...

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 05.03.2010, 19:54   #1
Fiona
Grünschnabel
 
Registriert seit: 05.03.2010
Beiträge: 4
Standard Auszug aus Ägypten

Hallo !

Habe gerade einige Stunden mit Frank D's hommepage verbracht - hochinteressant, denn auch ich war einmal ein Däniken & Co. Fan.
Nun wird ja viel über "Bundeslade","Mannamaschine etc. geschrieben und diskutiert - nur: wie sieht es denn eigentlich mit den rein historischen Tatsachen aus? Soweit mir bekannt ist, hat das sehr gut funktionierende
Verwaltungssystem des alten Ägyptens mit keinem Wort den Abzug von 600.000 Leuten erwähnt und das ein Herrscher "einfach" so ein ganzes Volk abmarschieren läßt,klingt auch nicht schlüssig.
Aber das größte Rätsel: was veranlaßt eine solche enorme Zahl von Menschen samt Vieh und Gepäck, 40(!) Jahre sinn-und zwecklos ohne Nahrung und Wasser durch eine Wüste zu wandern? Ich bin erst vor wenigen Tagen über dieses Gebiet geflogen - und da kam mir genau dieser Gedanke.Für meine Begriffe stimmt doch da von Grund auf Einiges nicht ...
Fiona ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2010, 20:24   #2
Frank D
Foren-As
 
Registriert seit: 03.11.2007
Beiträge: 876
Standard

Den biblischen Exodus gabs mit Sicherheit auch nicht, die entsprechenden Texte wurden auch erst im babylonischen Exil komponiert, und dabei wurde allerlei Material zusammengetragen. Die Frühgeschichte von Moses ist z.B. eindeutig de geburtslegende von Sargon I von Akkad. Und für den Exodus selbst gibts in der Tat ne Vorlage: Die Hyksos. Das waren Stämme aus Kleinasien, man vermutet Anatolien, die am Ende des mittleren Reichs nach Ägypten zogen, und vom Nildelta aus ganz Ägypten eroberten. Ganz Ägypten, bis auf ein kleines, unbeugsames Dorf names Theben, deren Bewohner sich standhaft gegen alle Eroberungsversuche wehrten.
Von dort aus startete dann ein General namens A-Mose einen Feldzug zur rückeroberung ägyptens, das war erfolgreich, und der letzte Hyksos-Pharao, ein gewisser Ka-Mose, zog sich mit seinen letzten Truppen in die Stadt Avaris zurück und verbarrikadierte sich da.
A-Mose belagerte dier Stadt ne Weile, und laut Manetho einigte man sich dann darauf, dass ka-Mose mit seinen Anhängern fortziehen durfte. Das sollen insgesamt 240000 Leute gewesen sein. Die ließen sich in Kanaan nieder. Und etliche von denen flohen später unter den Philistern aus dem Tiefland und ließen sich in Juda und Israel nieder.

Die Geschichte dürfte, leicht verändert, die Basis für den Exodusbericht sein, nur mit anderen Vorzeichen
Frank D ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2010, 22:23   #3
Toby
Erfahrener Benutzer
 
Benutzerbild von Toby
 
Registriert seit: 01.01.2010
Beiträge: 330
Standard

die auszugsgeschichte könnte auch ein wenig anders zustande gekommen sein:
eine kleine gruppe floh aus ägypten und wanderte durch die wüste in das land kanaan. unterwegs fanden sie ihren gott jahwe. in kanaan angekommen stellten sie fest dass dort nicht ein volk lebt sondern eine vielzahl relativ zufällig zusammengewürfelte stämme die aus verschiedenen gründen dort lebten.
um jetzt diese stämme irgendwie zu einen brauchst du...was?...
ja! eine richtig coole geschichte und am besten besiegt man dabei einen bösen feind. zum einen die bösen anderen stämme in der gegend und zum anderen die richtig pösen ägypter
Toby ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 05.03.2010, 22:39   #4
Frank D
Foren-As
 
Registriert seit: 03.11.2007
Beiträge: 876
Standard

Es gab keinen Grund, aus Ägypten zu fliehen, da es dort keine ausländischen bzw. überhaupt Sklaven gab. Außerdem weiß man ziemlich exakt, wann der Eingott-Glaube eingeführt wurde, nämlich erst unter König Josia um 650 v. Chr, und auch erst nur in Juda. Das war 600 Jahre nach dem propagierten Exodus...
Als dann die Assyrer Israel plattgeklopft hatten, die einen Vielgottglauben mit Astarte als Obergottheit hatten, wollte Josia den Jahwe-Glauben auch darauf ausdehnen und versuchte, israel zu erobern und ein Großreich Juda/Israel zu erstellen, wurde aber von seinem Verbündeten Ägypten (!) betrogen und umgebracht.
Erst 150 Jahre später wurde dann die Auszugs-Geschichte zusammengeschrieben.
Frank D ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2010, 12:06   #5
EinsamerSchütze
Erfahrener Benutzer
 
Benutzerbild von EinsamerSchütze
 
Registriert seit: 21.04.2009
Ort: Land der Frühaufsteher
Beiträge: 185
Standard

Zitat:
Zitat von Frank D Beitrag anzeigen
Von dort aus startete dann ein General namens A-Mose einen Feldzug zur rückeroberung ägyptens, das war erfolgreich, und der letzte Hyksos-Pharao, ein gewisser Ka-Mose, zog sich mit seinen letzten Truppen in die Stadt Avaris zurück und verbarrikadierte sich da.
A-Mose belagerte dier Stadt ne Weile, und laut Manetho einigte man sich dann darauf, dass ka-Mose mit seinen Anhängern fortziehen durfte. Das sollen insgesamt 240000 Leute gewesen sein. Die ließen sich in Kanaan nieder. Und etliche von denen flohen später unter den Philistern aus dem Tiefland und ließen sich in Juda und Israel nieder.
Wie kommst du denn hier auf Kamose? Kamose gehört zur oberägyptischen 17. Dynastie und war wie sein Nachfolger Ahmose kein Hyksos sondern ein Gegner derselben.
EinsamerSchütze ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 06.03.2010, 12:41   #6
Frank D
Foren-As
 
Registriert seit: 03.11.2007
Beiträge: 876
Standard

Hast Recht, sollte Apophis heißen. Da guckt man schon so viel SG1, und schmeißts trotzdem durcheinander
Frank D ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 19.05.2010, 09:40   #7
Schechina
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Ist der Auszug aus Ägypten überhaupt historisch? Der einzige Nachweis darüber findet sich in der Bibel, die wohl kaum als historisch zu bezeichnen ist.
S.Freud sagte dazu:
Zitat:
Im Buch gibt Freud Gründe an, die eine frühere Veröffentlichung in Österreich unmöglich zu machen schienen: >>Wir leben hier in einem katholischen Land unter dem Schutz dieser Kirche... Wenn unsere Arbeit uns zu einem Ergebnis führt, das die Religion auf eine Menschheitsneurose reduziert und ihre großartige Macht in der gleichen Weise aufklärt wie den neurotischen Zwang bei den einzelnen unserer Patienten, so sind wir sicher, den stärksten Unwillen der bei uns herrschenden Mächte auf uns zu ziehen... Es würde wahrscheinlich dazu führen, daß uns die Betätigung in der Psychoanalyse verboten wird. Jene gewalttätigen Methoden der Unterdrückung sind der Kirche ja keineswegs fremd...<<
Im vollen Bewußtsein der Tatsache, daß sie sich dem historischen Beweis entziehen und nur auf Spuren in archäologischen und bibelkundlichen Befunden stützen können, hat Sigmund Freud folgende Hypothesen aufgestellt:


Den Ausgangspunkt für die Entstehung der monotheistischen jüdischen Religion bildete eine in Ägypten belegte, ebenfalls monotheistische Religion des Pharao Amenhotep IV (Regierungszeit 1375-58 vor Chr.). In einer Phase weitgespannten ägyptischen Imperialismus setzte er als einzigen, von allen eroberten Völkern annehmbaren Gott den Sonnengott Aton, der schon früher in On, dem späteren Heliopolis, eine Stätte hatte. Er sollte nicht als Bildnis angebetet oder durch Opferdienst und magischen Kult verehrt werden, sondern allein durch ein Leben in Maat, der Wahrheit und Gerechtigkeit.
Der Pharao änderte seinen eigenen Namen in Akhenaton: der Gott Aton ist zufrieden. Andere Transkriptionen sind Echnaton oder (englisch) Ikhnaton. Nach seinem Tode wurden die meisten Spuren seiner Religion radikal beseitigt und die alten Götter wieder eingesetzt, insbesondere der Totengott Osiris, Beherrscher des Jenseits und populärster aller ägyptischen Götter.
Moses, dessen Name Bestandteil von Pharaonennamen wie Thutmosis ist und dort Kind des... bedeutet, war ein Ägypter aus dem Hause des Akhenaton, Statthalter einer von hebräischen Zuwanderern bewohnten Nordprovinz und Priester des Aton. Die biblische Legende der Aussetzung und Rettung aus dem Wasser kehrt die Grundstruktur dieses verbreiteten Mythos -- für Freud der Familienroman aller werdenden Menschen -- so um, daß er von ärmlichen Eltern zu königlichen Pflegeeltern gerät. Das entspricht ihrem Zweck: Moses als Hebräer erscheinen zu lassen.
Im Interregnum nach Akhenatons Tod ergriff Moses die Initiative, die Hebräer seiner Provinz der ägyptischen Herrschaft zu entziehen, um wenigstens unter ihnen die Religion des Aton zu erhalten. Mit der ägyptischen Sitte der Beschneidung kennzeichnete er sie als einzigartiges Volk dieses einzigen Gottes; mit der Versprechung des gelobten Landes bewegte er sie zum Zug durch die Wüste. Wolken- und Feuersäule als Leitzeichen sind ein Vorgriff der Legende auf den späteren Jahwe. Der Untergang eines ägyptischen Heeres im Schilf des Roten Meeres dämpfte die erste Revolte der Hebräer gegen Moses.
Solche Revolten gegen die Kargheit und Strenge der auferlegten Religion und Hungersnot während des Zuges durch die Wüste wiederholten sich. Schließlich entledigten die Hebräer sich dieses Moses: im Buch Hosea finden sich Andeutungen des Mordes, der den - aus menschlicher Vorgeschichte stammenden - mythischen Vatermord wiederholte.
Die Aton-Tradition und die Erinnerung an das Schicksal des Moses blieben zunächst in der Überlieferung seines bisherigen ägyptischen Gefolges, der biblischen Leviten, erhalten. Von den Hebräern wurde sie ins Unbewußte ihres Stammes verdrängt. Inzwischen vergingen Generationen, in denen diese Hebräer durch Kontakt mit Arabien die Religion eines Vulkangottes Jahwe annahmen. Er mag ein Naturgott neben vielen anderen gewesen sein. Der Moses, den die Bibel als Beauftragten dieses zornigen, jäh ausbrechenden Jahwe nennt, war sicher nicht der ebenso genannte Ägypter: die Identifizierung von beiden ist Teil der Verdrängung.
http://www.dante-2000.de/FREUDMOS.HTM


Zitat:
Die einzige Quelle zu Leben und Wirken Mose stellt die Bibel und darin vor allem der Pentateuch dar, d. h. die nach ihm benannten ersten fünf Bücher des Alten Testaments, die auch die "Thora", also das jüdische Gesetz, bilden.

Mose gilt nach der Überlieferung des Alten Testaments als Führer der Israeliten aus der ägyptischen Unterdrückung und als Mittler zwischen Jahwe und Israel. Er hatte eine Gotteserscheinung in einem brennenden Dornbusch, die ihm die Befreiung der in Ägypten unterdrückten Israeliten auftrug.
http://www.whoswho.de/templ/te_bio.php?PID=1318&RID=1

  Mit Zitat antworten
Alt 05.07.2010, 22:55   #8
Spöckenkieker
Lebende Foren-Legende
 
Registriert seit: 16.04.2009
Beiträge: 1.191
Standard

Ach so nen Mist da basteln wir nen ganzes Wochenende an nem neuen Skript für nen Roman über die Habiru und dann sowas. Ich war mir sicher wir könnten die Habiru der Armanazeit zu den Ur Hebräern machen. Geht dass? Ich bin einfach mal so frei und frage hier nach statt dass selber rauszusuchen ihr kennt euch ja sehr gut aus da.
Spöckenkieker ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 07.07.2010, 14:23   #9
Frá Ramon
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard

Wenn man die ganzen Geschichten mischt, sollte sich durchaus was realisieren lassen, was der Wahrheit irgendwie ähneln könnte. Jede enthält zumindest Ansätze der überlieferten Erzählungen über dieses Thema.
  Mit Zitat antworten
Alt 08.07.2010, 01:59   #10
Frank D
Foren-As
 
Registriert seit: 03.11.2007
Beiträge: 876
Standard

Naja, was Schechina da postete ist schon lange überholt. Ein paar Posts darüber hab ich den aktuellen Stand der Forschung lang und breit geschildert. Er dürfte auf die Vertreibung der hyksos aus Ägypten zurückgehen, als der General A-Mose den letzten Hyksos-Herrscher Apophis aus dem Land jagte, mit 240000 seiner Anhänger, nach ägyptischen Quellen. Die ließen sich überwiegend in Kanaan nieder, wanderten von da in die Bergregionen des späteren Juda und Israel aus und erzählten ihren Kindern wohl eine etwas heroischere Geschichte über den Grund ihres dortseins.
Also aus einem "Verschwindet aus unserem Land" wurde ein "Let my people go".
Frank D ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Elektrizität im Alten Ägypten??? Foo-Fighter Ägypten 111 02.11.2013 01:09
Satellitenbilder vom alten Ägypten Acolina Ägypten 0 18.12.2003 04:29
Ägypter verklagt jüdisches Volk wegen Auszug aus Ägypten vor 5000 Jahren Zwirni Kurioses 6 07.09.2003 21:58
Ägypten will Nofretete zurück nane Ägypten 8 01.08.2003 00:19
Ägypten Milliardenprojekt "Toschka" nane Kurioses 1 13.01.2003 00:52


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 22:10 Uhr.


Powered by vBulletin® ~ Copyright ©2000 - 2017 ~ Jelsoft Enterprises Ltd.


Das forum.grenzwissen.de unterliegt der Creative Common Lizenz, die Sie hier nachlesen können.
Wir bitten um Benachrichtigung, falls Sie Inhalte von uns verwenden.