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Asien Asien birgt noch so manches Geheimnis über unsere früheste Vorzeit, versunkene Hochkulturen...

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Alt 06.02.2010, 01:37   #1
Atlantologe
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Standard Eine der ältesten Sprachen der Welt

…ist ausgestorben.

Rund 65.000 Jahre lang wurde die Sprache Bo auf den asiatischen Andamanen-Inseln benutzt. Jetzt ist die letzte Sprecherin gestorben. Viele Geheimnisse ihrer Kultur nahm sie mit ins Grab.

http://www.spiegel.de/wissenschaft/m...676144,00.html


.

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Alt 06.02.2010, 09:29   #2
harry
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Danke für den Beitrag und schade drum, ist wie im Artikel schon erwähnt, wirklich ein unwiederbringlicher Verlust..
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Alt 06.02.2010, 11:18   #3
basti_79
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Sprachen und Kulturen vergehen ständig, ebenso wie neue entwickelt werden (jede größere Stadt in Deutschland hat ihren eigenen Dialekt und eigenes Brauchtum). Das traurige ist, dass ein Zeugnis der Vergangenheit verlorengegangen ist, ohne dass jemand es bewahren konnte. So kann man z.B. an den europäischen Sprachen sehr gut gesellschaftliche Vorgänge im Laufe der Jahrhunderte nachverfolgen. Dergleichen wird für die teilweise zehntausende Jahre alten Geschichten einiger Menschen langsam, aber sicher unmöglich.

Man sollte sich aber davor hüten, das zu verbrämen. Genau wie unsere "Hochkultur" die Dialekte und Kulturen von einsamen Inselvölkern ausrottet, planiert sie die Dialekte und Kulturen der einheimischen Hinterwäldler.

Irgendwann in den 80'ern gab es mal einen Linguisten, der bei "Wetten, dass...?" anhand einer kurzen deutschen Sprachprobe den Heimatort eines Sprechers innerhalb weniger Kilometer eingrenzen konnte. Schon damals sprach er fast nur mit alten Leuten. In 60 Jahren wird so eine Wette vermutlich undenkbar sein, da wir ja alle Fans der weltweiten Besatzung sein müssen, und uns demzufolge in einem auf das nötigste reduzierten Kauderwelsch, der aller Voraussicht nach starke Ähnlichkeiten mit Englisch haben wird, werden unterhalten müssen.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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Alt 06.02.2010, 13:27   #4
Llewellian
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Deshalb hat die Unesco ja auch Sprach-CDs von vielen Dialekten und Kleinstsprachen aufgenommen... klar, das sie einfach nicht hinterherkommen.

Ich hab das damals erlebt in den 90ern als sie in Pfronten (einem Dorf nicht weit von uns in einem Seitental) das gemacht haben und per Zeitung alte Leute gesucht hatten...

Incl. jüngeren Leuten, die das ganze noch übersetzen konnten...

Pfronten ist wirklich was besonderes... die sprechen einen allgäuer Mischmasch-Dialekt der so einige tausend Jahre auf dem Buckel hat... niemand, der 20 km von denen ausserhalb ihres Tales lebt versteht das. Nicht mal die alten. Die kriegen den Sinn mit, aber nicht den genauen Wortlaut.

Laut der damaligen linguistischen Forschung kam raus, das es nur noch ein Taldorf in Thüringen gibt, wo sie ähnlich alte Wörter verwenden...

Der original Pfrontner Dialekt soll laut den Sprachforschern noch über 30% alemannische Wörter, 30% althochdeutsch und mittelhochdeutsch und 15% Latein enthalten.

Die haben noch deutsche Wörter, die schon zu Luthers Zeiten nicht mehr benutzt wurden... hats mir damals auch echt den Vogel abgeschossen, als in der Schule einer der Pfrontner Mitschüler ein Gedicht von Walter von der Vogelweide sauber übersetzen konnte...

http://www.unesco.org/archives/multi...lms&id_page=14
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Alt 06.02.2010, 16:59   #5
Acolina
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Als ich in Island war, hat mir ein Isländer (die zweibeinige Variante ) erzählt, dass dort vorgelesene althochdeutsche Texte recht gut verstanden werden, da große Ähnlichkeiten mit isländisch beständen (die mir bis dahin nur vom Altnordischen bekannt waren). Ich weiß allerdings nicht, inwieweit das wirklich zutrifft. Vielleicht wurde deshalb der erste isländische Bischof Isleifur Gissurarson hier in Herford ausgebildet ...

Gleichzeitig bedauerte er aber auch sehr, dass seine so lange "rein" erhaltene Sprache nun von Fremdworten überflutet werde, obwohl man so viel dafür tue, für Fremdworte oder neue Begriffe isländische zu kreieren.
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 06.02.2010, 17:57   #6
Atlantologe
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Das ist gar nicht so verwunderlich. Wenn man in der Zeit zurückgeht, werden sich die Sprachen einer Sprachfamilie ähnlicher, weil die Verzweigung in Einzelsprachen noch nicht so lange zurückliegt. Und das nordische Germanische trennte sich vom südlichen Germanischen (zu dem auch das Deutsche und Englische zählt) ziemlich spät. Andere indoeuropäische Sprachen wie die romanischen Sprachen oder die indoarischen hatten sich schon früher aus der gemeinsamen indoeuropäischen Sprachfamilie herausgelöst und als eigenständiger Zweig entwickelt, daher ist die Sprachdifferenz zu den germanischen Sprachen auch viel größer.

Die geringsten Sprachunterschiede gibt es zwischen den Sprachen, die zuletzt eine gemeinsame Vorsprache gebildet hatten - das ist bei uns das Deutsche und das Hollänische bzw. Flämische. Die plattdeutschen Mundarten z.B. im norddeutschen Flachland sind eigentlich ostfriesisch, und Holländisch westfriesisch - die können sich gegenseitig noch ganz gut verstehen. Noch vor einigen hundert Jahren war es leichter für Westfriesen und Ostfriesen, einander zu verstehen, als z.B. Ostfriesen und Bayern. Aber auch heute noch sind einige oberbayerische Dialekte für alle nördlich des Mains absolute Fremdsprache - hingegen einige tschechische Idiome haben Verwandtschaft mit einigen bayerischen, weil die früher mal zusammen gehörten. Ich glaube die Vorfahren der Bayern kommen ursprünglich aus Böhmen. (Nicht zu verwechseln mit den "Sudentendeutschen", das ist schon wieder eine ganz andere Geschichte.)
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Alt 08.02.2010, 16:54   #7
farseer
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Zudem ist es erstaunlich wielange sich diese "Geheimsprachen"(sächsisch, bayrisch, hessisch, pfälzisch, usw...) gehalten haben!

Als sogenannter "hochdeutsch"-begabter Mensch ist es heutzutage ja nicht so leicht überall in Deutschland jedermann und -frau und dazwischen, darf man ja nicht vergessen, zu verstehen!

- farseer


>>Werbung entfernt<<

Geändert von Tarlanc (08.02.2010 um 17:42 Uhr).
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Alt 09.02.2010, 22:12   #8
harry
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Och, als Ösi versteh ich die Bayern recht gut
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Alt 09.09.2013, 18:15   #9
Der Phoenizier
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Das Studium alter Sprachen bietet Einblicke in die Mentalität früherer Kulturen. In einem Buch über die alten Germanen habe ich ein interessantes Beispiel gelesen. In der frühgermanischen Sprache hatten "Feld" und "Erde" die gleiche Bedeutung. ("Welt" klingt ähnlich wie "Feld" und wurde damals gleich gesprochen). Der frühgermanische Bauer hielt es für selbstverständlich, dass ein Feld aus Erde besteht. Von unserem Planeten hatte der noch keine Ahnung und kam gar nicht erst auf die Idee, die "Erdkugel" als solche zu bezeichnen. Also hätte man mit solchen Leuten gar nicht erst über die "Welt" diskutieren brauchen, denn das hätten sie nicht verstanden.
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Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. (Cicero)
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Alt 11.09.2013, 09:22   #10
Lawrence P. W.
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Wie definiert man die 65000 Jahre?
Auch unsere Ahnen sprechen Sprachen weit zurückreichend in die Zeit als der Mensch Kommunikation entwickelt, entdeckt oder ausgefeilt hat.

Ist es nicht sogar so, dass sie die in der Welt gesprochenen Sprachen auf 3 Sprachstämme zurückführen lassen?
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Letztendlich muss jeder Atheist dran glauben
Der Glaube ist eine Realität von den Dingen, die wir hoffen.
"Gott ist tot" Nietzsche ............................................ "Nietzsche ist tot" Gott
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