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Alt 12.05.2009, 01:22   #1
basti_79
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Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.665
Standard Der Elsevier-Skandal

Früher oder später wird das wohl hier Auftauchen, darum zunächst mal eine kleine Zusammenfassung der Erkenntnisse und ein wenig Kommentar.

Es geht um den Verlag "Elsevier", der seit Jahrhunderten durchaus hochqualitative Wissenschaftspublikationen anbietet, sowohl Periodika als auch Bücher.

Dessen Australische Tochtergesellschaft "Excerpta Medica" hat, so hat Elsevier nach Medienberichten mittlerweile zugegeben, mindestens sechs verschiedene Zeitschriften herausgegeben, die im wesentlichen von Pharmafirmen (genannt wird der Name "Merck") finanziert wurden, ohne dass dies deutlich gekennzeichnet wurde ("Disclosure of Conflict of Interest").

Das Problem dabei ist, dass die Pharmafirma damit drohen kann, ihre Finanziellen zuwendungen zu unterlassen, sollte etwas publiziertes nicht ihr wohlgefallen finden. Man sagt auch "Wes Brot ich ess, des Lied ich sing". Das ist natürlich ein Problem, wenn man wissen will, ob (beispielsweise) Pille A oder Pille B besser wirkt.

Das ist schon alles für meinen Geschmack skurril genug, wenn man jedoch ein wenig tiefer gräbt, wird es echt bizarr.

Ein gewisser Bill Hooker berichtet, dass die Artikel nicht nur bezahlt wurden, sondern auch noch unter falschem Namen veröffentlicht. Außerdem konnte er diese Publikationen nicht in einschlägigen Verzeichnissen und Bibliotheken finden. Websites sind ebenfalls nicht auffindbar.

Wenn man sich allerdings solch eine Publikation mal genau anschaut, fällt auf, dass der Unterschied zu einer normalen Medizinzeitschrift schon enorm ist. Einzelne Artikel sind nicht namentlich gekennzeichnet, andere sind es, denen fehlt aber der marktschreierische Tonfall. Die Platzierung der Werbeanzeigen ist blatant und geschmacklos. Es sieht aus wie ein Werbeblättchen. Kenner der Materie halten diese Sorte der Publikation für üblich, vorhersehbar und nicht besonders Kritisch.

Natürlich muß man diskutieren, was geht und was nicht, und ich denke auch, diese Form der Publikation geht eher nicht, man sollte sich aber auch klarmachen, dass diese Kritik nicht den ganzen Verlag betreffen kann und sich auch nicht gegen die Methode an sich richtet: wären mittlerweile gängige Richtlinien beobachtet worden (Mit dem eigenen Namen unterschrieben, Interessenkonflikte benennen etc.), wäre dieser Effekt ("Rennomierter Verlag publiziert als Forschung getarnte Werbung!!!!") niemals so eingetreten. Der hier vorliegende Betrug kann zudem recht einfach Nachvollzogen werden. Der Schaden war also hoffentlich gering, auch wenn man sich für die Zukunft wünscht, dass man etwas besser achtgäbe, nicht unbedingt in jedes Fettnäpfchen zu treten, das die Welt bereithält.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 12.05.2009, 06:39   #2
Tarlanc
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ein gewisser Bill Hooker berichtet, dass die Artikel nicht nur bezahlt wurden, sondern auch noch unter falschem Namen veröffentlicht. Außerdem konnte er diese Publikationen nicht in einschlägigen Verzeichnissen und Bibliotheken finden. Websites sind ebenfalls nicht auffindbar.
Na das ist doch wenigstens schon was. Wenn die Publikationen nicht in den Datenbanken auftauchen, dann hält sich der Schaden ja in Grenzen. Problematischer wäre die Flutung von MedLine mit solchen Artikeln.

Ich finde es sehr bedauerlich, dass sowas passieren kann. Das zeigt mal wieder, dass man selbst scheinbar seriösen Quellen nicht immer trauen kann und es sich nun sogar bei Fachzeitschriften lohnt, sich den Hintergrund der Autoren anzuschauen und ihre Publikationen auf den Seiten der Forschungseinrichtung gegenzuchecken.
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Vaughan Bell, Institute of Psychiatry, London
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australasian journal, einflußnahme, elsevier, excerpta medica, fälschung, geld, medizin

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