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Ökonomie - BWL & VWL Disziplinen, die große Probleme mit der wissenschaftlichen Methode haben. Banken, Geldschöpfung, Inflation, Goldstandard, Banking-Theorie

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Alt 21.04.2013, 11:46   #1
basti_79
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Standard Die unsichtbare Hand des Marktes

Ich möchte auf ein Phänomen eingehen, das in der ökonomischen Debatte einen gewissen Stellenwert besitzt. Es handelt sich um die sogenannte "Unsichtbare Hand des Marktes". Dabei geht es meistens irgendwie darum, dass alle Leute ganz viel arbeiten müssen, damit ganz wenige Leute ganz viel Geld verdienen. "Die unsichtbare Hand des Marktes" sorgt dann angeblich irgendwie dafür, dass nicht allzuviele Arbeiter verhungern.

Zur Zeit hat z.B. die unsichtbare Hand mal wieder Versagt:

Zitat:
Die Finanzkrise hat zum einen unmissverständlich das spektakuläre Versagen der »unsichtbaren Hand des Marktes« vor Augen geführt und Skandale zu Hauf ans Licht gebracht. Zum anderen hat sie auch ein riesiges Loch in die öffentlichen Haushalte gerissen.
http://deutschelobby.com/2013/04/20/...-sich-dreht-2/

Also, dieses paranormale Phänomen ist gleichzeitig unerhört mächtig (es kann immerhin Löcher in Haushalte reißen) und schwer kontrollierbar. Wäre es kontrollierbar, hätten wohl die Wirtschaftsweisen längst das Problem gelöst.

Ich denke, es nimmt die Stelle ein, die "Gott" für Christen einnimmt. Es blendet Erklärungen aus und befreit die Verantwortlichen von ihrer Verantwortung. Der Markt war's halt. Nicht der Aufsichtsratsvorsitzende, der Geschäftsführer oder auch der Kunde.

Vielleicht kann sich der ein oder andere Ökonom oder Christ zu diesen Verhältnissen äußern. Ist der Glaube an "den Markt" ein Götzendienst? Darf ein Christ (der Unterschied zwischen Protestantismus und Katholizismus wäre hier interessant) sich Marktmacht anmaßen?
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Alt 21.04.2013, 11:54   #2
MJ01
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich möchte auf ein Phänomen eingehen, das in der ökonomischen Debatte einen gewissen Stellenwert besitzt. Es handelt sich um die sogenannte "Unsichtbare Hand des Marktes". Dabei geht es meistens irgendwie darum, dass alle Leute ganz viel arbeiten müssen, damit ganz wenige Leute ganz viel Geld verdienen. "Die unsichtbare Hand des Marktes" sorgt dann angeblich irgendwie dafür, dass nicht allzuviele Arbeiter verhungern.

Also, dieses paranormale Phänomen ist gleichzeitig unerhört mächtig (es kann immerhin Löcher in Haushalte reißen) und schwer kontrollierbar. Wäre es kontrollierbar, hätten wohl die Wirtschaftsweisen längst das Problem gelöst.

Ich denke, es nimmt die Stelle ein, die "Gott" für Christen einnimmt. Es blendet Erklärungen aus und befreit die Verantwortlichen von ihrer Verantwortung. Der Markt war's halt. Nicht der Aufsichtsratsvorsitzende, der Geschäftsführer oder auch der Kunde.
Das erinnert mich an den Wirtschaftswitz:
Kunde zum Wirtschaftsberater: "Waas, und durch die Wirtschaftskrise ist nun mein ganzes Geld verlorengegangen?"
Wirtschaftsberater: "Nein verlorengegangen ist es nicht, es hat nur jetzt ein anderer!"

MfG

MJ
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Alt 21.04.2013, 12:00   #3
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich möchte auf ein Phänomen eingehen, das in der ökonomischen Debatte einen gewissen Stellenwert besitzt. [...] "Die unsichtbare Hand des Marktes" sorgt dann angeblich irgendwie dafür, dass nicht allzuviele Arbeiter verhungern.
Ich kenne das viel Allgemeiner:

Die "unsichbare Hand des Marktes" solle alle Angelegenheiten in einem Gemeinwesen so regeln, daß ein Idealzustand entsteht, bei dem alle das bekommen, was ihnen zusteht. Es ist der Gegensatz zur lenkenden Hand, im Extremfall des Kommunismus (Planwirtschaft), aber auch die Sozialdemokraten wurden immer wieder damit in Verbindung gebracht.

Die meisten Staaten haben ein Mischsystem. Aber es gibt seit langem einen Trend zur "Liberalisierung" und "Deregulierung"
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Alt 21.04.2013, 12:11   #4
basti_79
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Schöne Definition
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Alt 21.04.2013, 12:30   #5
kfir007
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Adam Smith hat das 1776 gesagt:

Zitat:
Die Metapher der unsichtbaren Hand wurde 1776 von Adam Smith in seinem Werk „Der Wohlstand der Nationen“ formuliert. Er umschreibt damit, dass sich das Allgemeinwohl automatisch einstellt, wenn sich die einzelnen Menschen „nur“ um ihr eigenes Wohl kümmern. Man hat also das Gefühl, es gäbe eine unsichtbare Hand im Hintergrund.
Vielleicht hat er recht, "jeder kehre vor seiner eigenen Thür", mittelalterliches Sprichwort...
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Alt 21.04.2013, 13:00   #6
perfidulo
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Zitat:
Zitat von kfir007 Beitrag anzeigen
Vielleicht hat er recht...
Es gibt inzwischen genügen Beispiele, dass er nicht recht hatte. Die Bankenkrisen sind doch der schlagende Beweis. Wenn das Kind im Brunnen liegt, wird nach Regulierung gerufen.

Sogar das Unwort "Finanztransaktionssteuer" mit dem ATTAC vor Jahren angetreten ist und ausgelacht wurde, findet nun mehr und mehr Anhänger.

Und das ist noch eine ganz kleine Geschichte. Ich würde es auch Regulierung (also Planwirtschaft) nennen, wenn ein Staat einer Bank befiehlt pleite zu gehen. Wenn so etwas die Sowjets gemacht hätten, eiwei eiwei.
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Alt 21.04.2013, 13:33   #7
kfir007
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Ooooch perfidulo

Zitat:
Und das ist noch eine ganz kleine Geschichte. Ich würde es auch Regulierung (also Planwirtschaft) nennen, wenn ein Staat einer Bank befiehlt pleite zu gehen. Wenn so etwas die Sowjets gemacht hätten, eiwei eiwei.
Sie haben noch viel Schlimmeres gemacht, sie haben Alle enteignet, oder hast du DA zufällig eine Gedächnislücke?
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Alt 21.04.2013, 16:44   #8
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Also, dieses paranormale Phänomen ......

Das ist zunächst einmal eine ziemlich treffende Beschreibung für dieses "Phänomen" (welches ich, bis zum Beweis des Gegenteils, in eine Reihe mit Big Foot, Yeti und dem Ungeheuer von Loch Ness stellen würde)

Das geht, wie kfir richtig sagte, auf Adam Smith zurück:
"Räumt man alle Begünstigungs- oder Beschränkungsmaßnahmen völlig aus dem Wege, so stellt sich von selbst das klare und einfache System der natürlichen Freiheit her.
In ihm hat jeder Mensch, solange er nicht die rechtlichen Schranken überschreitet, die vollkommene freiheit, seine eigenen Interessen so, wie er will, zu verfolgen und seine Arbeit sowie sein Kapital mit der Arbeit und den Kapitalien anderer Menschen oder anderer sozialer Schichten in Wettbewerb zu bringen..."

Dass sich dadurch das Allgemeinwohl einstellen soll, wird zwar von gewissen Kreisen bis heute gerne behauptet, allerdings gibt es keine Anzeichen dafür, dass das auch nur im Ansatz so funktioniert - im Gegenteil.

Wenn man den Befürwortern dann mit Beispielen von Märkten kommt, die im Vergelich zu anderen Märkten die geringsten staatlichen Regularien haben und dann erklärt, dass es dort um das Allgemeinwohl aber schlechter bestellt ist, als in anderen Märkten, kommt gerne als Antwort: "Ja, wenn erst ALLE Regularien weg sind, wird sich das Allgemeinwohl endlich einstellen."

Naja.....

Wie gesagt: Paranormales Phänomen beschreibt es trefflich.
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"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)

Geändert von Lupo (21.04.2013 um 16:46 Uhr).
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Alt 21.04.2013, 17:43   #9
kfir007
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@Lupo

Zitat:
Dass sich dadurch das Allgemeinwohl einstellen soll, wird zwar von gewissen Kreisen bis heute gerne behauptet, allerdings gibt es keine Anzeichen dafür, dass das auch nur im Ansatz so funktioniert - im Gegenteil.
Schau um dich, vergleiche das Allgemeinwohl von heute mit dem vor 40 Jahren und du wirst feststellen, dass es sich bei uns verdoppelt und vervielfältigt hat, nicht zuletzt oder sogar vor allem durch den bei uns herrschendem demokratischen Kapitalismus. Da hatte Adam Smith recht.

Zitat:
Wenn man den Befürwortern dann mit Beispielen von Märkten kommt, die im Vergelich zu anderen Märkten die geringsten staatlichen Regularien haben und dann erklärt, dass es dort um das Allgemeinwohl aber schlechter bestellt ist, als in anderen Märkten
Interessant, welche Märkte denn, Beispiele?
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Alt 21.04.2013, 18:07   #10
Lupo
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Zitat:
Zitat von kfir007 Beitrag anzeigen
Schau um dich, vergleiche das Allgemeinwohl von heute mit dem vor 40 Jahren und du wirst feststellen, dass es sich bei uns verdoppelt und vervielfältigt hat, nicht zuletzt oder sogar vor allem durch den bei uns herrschendem demokratischen Kapitalismus. Da hatte Adam Smith recht.:
Kann es sein, dass du Adam Smith nicht verstanden hast?
Hier in Deutschland gab es keine freien Märkte im Smithschen Sinne.
Ergo können die von Smith propagierten freien Märkte nicht der Grund für den gestiegenen Wohlstand sein.

Zitat:
Zitat von kfir007 Beitrag anzeigen
Interessant, welche Märkte denn, Beispiele?
Ich wiederhole mich gerne nochmal: ich werde irgendwelche wirtschaftlichen Themen nicht mit dir diskutieren - das hat null Sinn.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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