:: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften ::

 

Zurück   :: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften :: > Politik & Wirtschaft > Politik & Zeitgeschehen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 29.06.2017, 16:14   #1
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.128
Standard Die Creme de la Creme des Neoliberalismus

Im "Freitag" (einem der Zentralorgane der neoliberalen Wutbürgerszene) gibt es derzeit einen Artikel zu lesen, der die Denkfehler dieser Polit- und Psychosekte, die sich ungebrochenen Zulaufs erfreut, enthüllt.

Zitat:
Die soziale Frage, die in der alten BRD längst gelöst schien, stellt sich nicht mehr.
Das kann man ja jetzt so nicht sagen. Ganze Parteien beschäftigen sich damit. Das scheint bei den Neoliberalen nicht anzukommen.

Zitat:
Aus der Arbeiterklasse sind prekär Beschäftigte geworden, die vereinzelt zu kämpfen haben.
Und warum? Welche Prozesse (und Institutionen) haben bewirkt, dass Strukturen innerhalb der Arbeiterschaft nicht mehr funktionieren, und dass die Interessen der Arbeiterschaft als Fußnote betrachtet werden?

Zitat:
Das Selbstbewusstsein der organisierten Arbeiterschaft gibt es nicht mehr.
Dieser Satz ist schwer aufzudröseln. Selbstverständlich gibt es da noch Selbstbewusstsein, man muss sich nur mal Auftritte der IG Metall angucken. Die Gewerkschaften wirken nicht mehr. Das ist etwas anderes. Und es gibt auch andere Formen der Organisation als Gewerkschaften.

Zitat:
Mit der weitgehenden Entmachtung der Gewerkschaften ist auch die Fähigkeit nachhaltig beeinträchtigt worden, die sozialen Bedürfnisse und politischen Forderungen überhaupt als solche zu artikulieren.
Das ist schlicht und einfach gelogen. Ich artikuliere z.B. regelmäßig politische Forderungen.

Die Gewerkschaften sind übrigens in den 1950ern zersetzt worden, nicht erst neulich.

http://forum.grenzwissen.de/showpost...9&postcount=39

Zitat:
Wer sich ohnmächtig fühlt und isoliert ist, der verstummt.
Wie kann man solch einen Satz schreiben, ohne anzumerken, dass im Kern der Problematik die Zwangsarbeit im Schulsystem und unter SGB II steht? Vor allem, wie kann man behaupten, jemand (in diesem Fall "die Arbeiterschaft") habe gar nichts gesagt, wo doch kaum ein Tag vergeht, an dem lauter Protest gegen Hartz IV, die Zustände im Schulsystem oder die Herrschaft der Neoliberalen deutlich wird?

Zitat:
Die soziale Linke wurde durch eine kulturelle Linke verdrängt.
Tolle Diagnose, leider für die falsche Krankheit. Es stimmt ja, dass Linke oft kulturell Arbeiten. Dass sie aber die Ursachen für die Verelendung nicht verstehen oder nicht bekämpfen würden ("sozial"), ist eine bösartige und ziemlich bizarre Unterstellung.

Krokodilstränen und Ignoranz: So funktioniert der Liberalismus...

https://www.freitag.de/autoren/der-f...doch-geschafft
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 29.06.2017, 16:16   #2
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Im "Freitag" (einem der Zentralorgane der neoliberalen Wutbürgerszene)

Ich habe den Freitag schon eine Weile nicht mehr gelesen, aber wir beide scheinen SEHR unterschiedliche Vorstellungen von den Begriffen 'neoliberal' und 'Wutbürger' zu haben......
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 10:35   #3
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.128
Standard

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Ich habe den Freitag schon eine Weile nicht mehr gelesen, aber wir beide scheinen SEHR unterschiedliche Vorstellungen von den Begriffen 'neoliberal' und 'Wutbürger' zu haben......
Kann schon sein. Meine persönlichen Definitionen:

"Neoliberal"
  • Glaube an die Allmacht, Allgütigkeit und den unzweifelhaften weltweiten Erfolg des so genannten "freien Marktes"
  • Verdrängung jedes Gedankens an Elend, Verelendung, an die Tatsache, dass Marx Recht hatte, an eine bessere Zukunft etc.
  • Gewalt (mitunter Sadismus) als Fundament der Gesellschaft (teilweise Verschleiert durch Konstruktionen wie "Recht" oder "Notwehr")
  • (In Bezug auf Deutschland möglicherweise Mitgliedschaft oder sogar Unterstützung in einer politischen Partei, die sich nicht ausdrücklich gegen Zwangsarbeit in Schule und SGB II ausspricht
"Wutbürger"
  • Tritt meist als Demonstrant auf, gelegentlich als Täter des "schweren Hausfriedensbruchs" oder von Mordversuchen
  • Argumente oft: "Das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!", "Das haben uns die Grünen eingebrockt!", "Das ist ja Links!" etc.
  • "Konservative", oft dörfliche oder anderweitig traditionelle Sozialisierung (Schützenvereine, CDU- oder SPD-Ortsverband)
  • Vehementes Eintreten für das Recht, Menschen Gruppenweise oder einzeln zu beleidigen, oft verschleiert als "freie Meinungsäußerung". Wird auch häufig praktiziert
Die Schnittmenge beider Gruppen hält Ken Jebsen alias Moustafa Kashemi für einen Journalisten, die AfD für eine "ganz normale demokratische Partei", die selbstverständlich "neutrale Berichterstattung" in ÖR-Medien verdient, die man anderweitig heftig kritisiert, und liest eben die Szenetypische Yellow Press wie den Freitag, "Tichys Einblick", "eigentümlich frei", mitunter auch merkbefreite Vollhonks wie Albrecht Müller oder Matthias Bröckers. Ich denke, dahinter steckt dann ein Zustand, wie man ihn sonst eigentlich nur aus der Psychiatrie kennt.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 15:36   #4
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.121
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
......und liest eben die Szenetypische Yellow Press wie den Freitag, "Tichys Einblick", "eigentümlich frei", mitunter auch merkbefreite Vollhonks wie Albrecht Müller oder Matthias Bröckers. Ich denke, dahinter steckt dann ein Zustand, wie man ihn sonst eigentlich nur aus der Psychiatrie kennt.
Aber was hat das mit dem "Freitag" zu tun?
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
perfidulo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 15:43   #5
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.128
Standard

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Aber was hat das mit dem "Freitag" zu tun?
Da kriegt man seinen intellektuelle Nahrung her, wenn man zu blöd ist, um etwas zu merken. Seichte Unterhaltung ohne Tiefgang, aber mit jeder Menge Pathos. Wie eine Seifenoper.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 15:48   #6
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Da kriegt man seinen intellektuelle Nahrung her, wenn man zu blöd ist, um etwas zu merken. Seichte Unterhaltung ohne Tiefgang, aber mit jeder Menge Pathos. Wie eine Seifenoper.
Du erzählst manchmal so einen unglaublichen Blödsinn.

Der Freitag eine Wutbürgerpostille....
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 15:57   #7
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.128
Standard

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Du erzählst manchmal so einen unglaublichen Blödsinn.
Wo bekommen die denn Deiner Meinung nach den Unsinn her, den sie die ganze Zeit von sich geben? Denken die sich den Mist selber aus? Und warum die inhaltliche Übereinstimmung?
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 16:31   #8
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.121
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wo bekommen die denn Deiner Meinung nach den Unsinn her, den sie die ganze Zeit von sich geben? Denken die sich den Mist selber aus? Und warum die inhaltliche Übereinstimmung?
Also ich finde, der Beitrag
https://www.freitag.de/autoren/der-f...doch-geschafft
ist eine ausgezeichnete Darstellung der Problemlage anhand eines Einzelschicksals (Familie des Autors)

Was mich eher stört ist die unreflektierte Einstellung zum Hauseigentum. Wir haben das in meiner Heimat noch extremer (Schaffe, schaffe, Häusle baue) mit dem Effekt, dass sich die Männer abrackern und an Herzschlag sterben, wenn das Haus endlich fertig ist. Bis dahin gibt es keine Freizeit, keinen Urlaub, weil gebaut wird.

Auch das hat uns vermutlich die SPD eingebrockt, statt etwa Wohngenossenschaften zu propagieren. Die Neue Heimat haben sie erfolgreich in den Sand gesetzt. In Berlin wurde der öffentlich Wohnungsbau (auch Genossenschaften) zurückgefahren mit dem Erfolg, dass die Preise auf dem "freien Markt" steigen.

Selbst als nach Ende der DDR einige Wohnbau- und Konsumgenossenschaften auf dem Präsenterteller präsentiert wurden, wurde nicht zugegriffen. Von Produktionsgenossenschaften ganz zu schweigen. Das war wohl zuviel Kommunismus.

Aber eine unreflektierte Situationsbeschreibung macht aus dem Autor noch keinen Wutbürger.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
perfidulo ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 01.07.2017, 17:02   #9
Lupo
Super-Moderator
 
Benutzerbild von Lupo
 
Registriert seit: 19.10.2007
Beiträge: 6.686
Standard

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Aber eine unreflektierte Situationsbeschreibung macht aus dem Autor noch keinen Wutbürger.
Und ein "Wutbürger-Artikel" (wenn es denn einer ist/wäre) macht aus einer Zeitung noch keine Hauspostille der "neoliberalen Wutbürger"

Ich habe den Freitag nun schon zwei Jahre nicht mehr gelesen, aber als ich ihn noch relativ regelmäßig gelesen habe, war er es ganz sicher nicht.

Kann natürlich sein, dass er sich in den letzten zwei Jahren radikal geändert hat - würde mich aber schwer wundern.
__________________
"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
Lupo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 03.07.2017, 15:04   #10
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.128
Standard

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Also ich finde, der Beitrag https://www.freitag.de/autoren/der-f...doch-geschafft ist eine ausgezeichnete Darstellung der Problemlage anhand eines Einzelschicksals (Familie des Autors)
Das kann man so sagen, ja.

Wann wird denn die Analyse folgen?

Zitat:
Was mich eher stört ist die unreflektierte Einstellung zum Hauseigentum.
Verstehe ich nicht ganz. Was ist denn daran unreflektiert, und wer reflektiert nicht?

Zitat:
Bis dahin gibt es keine Freizeit, keinen Urlaub, weil gebaut wird.
Meinst du den Satz: "An den Wochenenden und wann immer es ging, hat mein Vater an unserem Haus gebaut."?

Also meiner Meinung nach ist das sogar ziemlich reflektiert. Der Vater hatte wohl erkannt, dass man ihn vernichten würde, wenn er nicht den ganzen Tag lang arbeitet. Die Haltung des Sohns (Vorname Leander!) kann ich noch viel weniger nachvollziehen. Der ningelt sogar noch darüber, dass seine Eltern dauernd geschuftet haben. Ob dem wohl etwas gefehlt hat in seiner Kindheit?

Zitat:
Auch das hat uns vermutlich die SPD eingebrockt, statt etwa Wohngenossenschaften zu propagieren.
Kannst Du diese Behauptung irgendwie belegen? Oder war das nur Linksvermeidung?

In meiner Erinnerung ist es so, dass, als ich Kind war, es für meine Eltern sowohl aus praktischen als auch aus finanziellen Erwägungen vollkommen unmöglich war, ein Haus zu bauen bzw. bauen zu lassen. Und meine Eltern sind und waren niemals arm. Im Gegenteil.

Ich war niemals abhängig, und möchte auch niemals abhängig werden von irgendwelcher Parteipropaganda. Noch dazu dürfte ja wohl (mindestens aus dem Geschichtsbuch) geläufig sein, dass die SPD bloss eine rote Fahne schwenkt, die Gewerkschaften kommandiert und in regelmäßigen Abständen den sterbenden Schwan gibt. Die Arbeiterbewegung ist schon seit der weimarer Republik woanders zuhause.

https://www.syndikat.org/de/

Zitat:
Die Neue Heimat haben sie erfolgreich in den Sand gesetzt.
Ich nehme an, Du meinst das hier:

https://de.wikipedia.org/wiki/Neue_Heimat

Was ist da jetzt der Zusammenhang zur SPD?

Zitat:
In Berlin wurde der öffentlich Wohnungsbau (auch Genossenschaften) zurückgefahren mit dem Erfolg, dass die Preise auf dem "freien Markt" steigen.
Naja, warum hat man das denn wohl getan? Also den öffentlichen Wohnungsbau "zurückgefahren"?

Doch nicht etwa weil Mieten steuerfreie Einnahmen sind, oder?

Zitat:
Selbst als nach Ende der DDR einige Wohnbau- und Konsumgenossenschaften auf dem Präsenterteller präsentiert wurden, wurde nicht zugegriffen.
Selbstverständlich nicht. Wer hätte denn da auch zugreifen sollen, ausser Lord Sith von der Bank oder Onkel Dagobert?

Wie hätte das denn ausgesehen, wenn 1992 100 Mieter einer leipziger Platte bei der Bank vorstellig werden, und nach einem Kredit fragen, um ihre Platte zu übernehmen? "Ja nü, mir hom do so'n Verdrach..."

Zitat:
Von Produktionsgenossenschaften ganz zu schweigen. Das war wohl zuviel Kommunismus.
Alles ist für diese Leute "zuviel Kommunismus". Insbesondere:
  • Gewerkschaften
  • Genossenschaften
  • Demokratie
  • Menschlichkeit
  • Mitgefühl
  • Grundrechte
  • Emotionen
  • Diskussionen oder Erwägungen, die nicht zum Ergebnis "Weiter wie bisher!" führen
  • Parteien, die nicht dem neoliberalen Block angehören
  • sehr viele andere - an sich recht sinnvolle - Gedankengänge
Zitat:
Aber eine unreflektierte Situationsbeschreibung macht aus dem Autor noch keinen Wutbürger.
Nicht?

Ich denke, diese mangelnde Reflexion ist Ursache, Folge und einer der Wesenskerne des Wutbürgertums. Man könnte dem Autor ja mal die Frage stellen, warum er angesichts dieser Erwägungen, die er da zum besten gibt, nicht mal etwas vernünftiges denkt und vielleicht auch im Herbst eine vernünftige Partei wählt, statt immer denselben Schrott.

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Und ein "Wutbürger-Artikel" (wenn es denn einer ist/wäre) macht aus einer Zeitung noch keine Hauspostille der "neoliberalen Wutbürger"
Also meiner Erfahrung nach ist der Vorgang ungefähr folgender:
  1. Ein "politisch neutrales", sozusagen "liberales" Medium bringt einen Artikel mit einem "das wird man ja wohl noch mal sagen dürfen!"-Inhalt. Meistens wimmelt es darin vor "Aber die Ausländer!" und "Das haben wir alles den Linken zu verdanken!", und von "Das Abendland droht unterzugehen!". Oft kommt auch "Früher war alles besser" dazu. Wichtig dabei ist vor allem dieser Mangel an Reflexion.
  2. Dem Wutbürger-Leser tritt der Schaum vor den Mund. Das Medium wird in seiner Perspektive viel neutraler und liberaler, weil: das wird man ja wohl nochmal sagen dürfen! Und im Herbst wird dann AfD gewählt, auf dass die Gutmenschen mal was merken!
  3. Der Wutbürger-Leser empfiehlt das Medium und besonders den Artikel weiter, oft recht penetrant. Das Medium wird noch sehr viel liberaler und politisch neutraler, und das ganze Spiel kann von vorn losgehen.
  4. In der Öffentlichkeit darf man natürlich im Allgemeinen nicht einmal darauf anspielen, dass es diesen Mechanismus gibt oder dass man ihn verstanden hat.
[qutoe]Ich habe den Freitag nun schon zwei Jahre nicht mehr gelesen, aber als ich ihn noch relativ regelmäßig gelesen habe, war er es ganz sicher nicht. Kann natürlich sein, dass er sich in den letzten zwei Jahren radikal geändert hat - würde mich aber schwer wundern.[/quote]Manchmal hilft ein Blick in die Wikipedia:

https://de.wikipedia.org/wiki/Der_Freitag

Zitat:
Verleger ist seit 2008 Jakob Augstein, der im Februar 2013 auch die Chefredaktion übernahm. Seit Januar 2017 ist Jürgen Todenhöfer Herausgeber der Wochenzeitung und seit März 2017 ist Christian Füller Chefredakteur.


Wie würdest Du eine politische Auffassung nennen, auf die sich Augstein, Todenhöfer und Füller einigen könnten?

Übrigens: tatsächlich nehme ich das selber so wahr, als ob der Freitag seit ca. 2 Jahren (vielleicht auch etwas länger, ich hab's mir nicht gemerkt) in "diese Szene" drängen will. Dazu sind die beim Freitag natürlich bei weitem nicht paranoid genug, als dass sie damit Erfolg hätten. Vielleicht ist das aber auch nur ein "Zufallstreffer", d.h. beim Freitag machen sie einfach ihr Ding, weiter wie bisher, und die Wahnwichtel finden das ganz toll. Vielleicht, weil der Hodentöter da immer noch seinen Senf dazugibt, oder so...
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Erfolg für den Neoliberalismus basti_79 Politik & Zeitgeschehen 4 10.01.2017 16:11
Neoliberalismus in der Schule basti_79 Bildung und Schulen 0 27.09.2016 10:49
SPD bezeichnet Neoliberalismus als Problem basti_79 Politik & Zeitgeschehen 1 15.05.2016 13:18
Abrechnung mit dem Neoliberalismus Acolina Politik & Zeitgeschehen 5 16.10.2013 13:47


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 11:29 Uhr.


Powered by vBulletin® ~ Copyright ©2000 - 2018 ~ Jelsoft Enterprises Ltd.


Das forum.grenzwissen.de unterliegt der Creative Common Lizenz, die Sie hier nachlesen können.
Wir bitten um Benachrichtigung, falls Sie Inhalte von uns verwenden.