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Alt 31.10.2005, 08:19   #21
Acolina
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Zitat:
Bedingungsloses Grundeinkommen

Matthias Brake 28.10.2005

Lösung für die Krise der Erwerbsarbeitsgesellschaft?

"Die Erwerbsarbeitsgesellschaft ist in die Krise geraten. Steigende Produktivität und Verlagerung von Produktionsstätten in Billiglohnländer führen zum Abbau von Arbeitsplätzen - das Arbeitsplatzdefizit in Deutschland beträgt derzeit rund 7 Millionen. Dennoch hält die Mehrheit der politischen Akteure an den Zielen Wachstum und Vollbeschäftigung fest. Viele Befürworter des bedingungslosen Grundeinkommens gehen dagegen davon aus, dass Vollbeschäftigung nicht mehr möglich ist und dass auch deshalb für die Zukunft andere Wege gefunden werden müssen, Menschen mit Einkommen zu versorgen."
(Netzwerk Grundeinkommen).

"In den Zeiten des Wirtschaftswunders stieg die Produktivität allein zwischen 1948 und 1965 um fast 300 Prozent. Nach Abzug der Sonderkonjunktur erlebte die Bundesrepublik zwischen 1970 und 1995 immer noch eine Produktivitätsverdoppelung. Das geschah aber bereits vor dem Hintergrund steigender Massenarbeitslosigkeit und des Zusammenbruchs großer Teile der alten Industrien, also gebremst.

Tatsächlich ist es keineswegs nötig, dass in Deutschland noch 26,5 Millionen unselbstständig Erwerbstätige ihrer Erwerbsarbeit nachgehen. Lothar Späth und der frühere McKinsey-Manager Herbert A. Henzler haben im Jahr 1993 eine Berechnung angestellt: Was würde passieren, schöpfte man das technisch machbare Automationspotenzial in der Bundesrepublik voll aus? Die Antwort: Eine Arbeitslosigkeit von 38 Prozent wäre normal.
(Wolf Lotter: Der Lohn der Angst)

Entspricht unter diesen Voraussetzungen das Festhalten am Vollerwerbsmodell nicht irrationalem Wunschdenken? Sollte nicht vielmehr die Situation als Chance begriffen werden? Die zunehmende Befreiung des Menschen von der Arbeitslast entspricht schließlich einem jahrhundertealten Traum an dem Philosophen wie Thomas More, Erich Fromm, Popper-Lynkeus auch die Hoffnung festmachten, die Befreiung des Menschen von der Fron ermögliche ihm um so mehr die Entfaltung als Person.

Wer nicht arbeitet, soll nicht essen

Grundsätzlich ist unser Sozialversicherungssystem an die Arbeit gekoppelt - durch die Massenarbeitslosigkeit ist es in die Dauerkrise geraten. Politiker sagen, man müsse den Druck auf die Arbeitslosen erhöhen, damit sie wieder Arbeit finden. Prekäre Arbeitsverhältnisse wie Leiharbeit, Befristung, Minijob oder Scheinselbständigkeit ohne tragfähige soziale Absicherung werden so als Brücke in den ersten Arbeitsmarkt gehandelt oder bereits als Eingliederungserfolg verbucht. Die Arbeitsnorm ist allgemeinverbindlich und wie schon im Stalinismus der 30er Jahre gilt noch immer: "Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen."

Auch das im Zuge der Hartz-Reform neu formulierte Sozialgesetzbuch II spricht von Grundsicherung nur für Arbeitssuchende und erwerbsfähige Hilfebedürftige. Die Strategie heißt Integration durch Arbeit. Doch wo ist diese Arbeit? Sollen mechanisierte und rationalisierte Produktionsabläufe wieder per Muskelkraft ausgeführt werden – und wenn ja, zu welchem (subventionierten) Lohn?

Befürworter des bisherigen Systems setzen ihre verzweifelte Hoffnung in Verteilung bestehender Arbeit, Stichwort Arbeitszeitverkürzung und die Schaffung neuer Arbeitsfelder etwa sozialer Dienstleistungen wie der Kleinkinder- und Altenbetreuung. Genug zu tun gibt es zweifellos. Aber die letzten erfolgreichen Arbeitskämpfe für die 35-Stunden-Woche fanden vor 20 Jahren statt. Heute sind die Gewerkschaften stark geschwächt und nehmen in Tarifabschlüssen immer weitergehende Öffnungsklauseln hin, die es den Unternehmen erlauben, die Arbeitszeit nach ihren Belangen zu flexibilisieren und auszudehnen. Und es sind gerade die Gemeinwesenaufgaben, die im Zuge von Hartz IV zum Experimentierfeld für so genannte Ein-Euro-Jobs wurden.

Die Krise als Chance zum Systemwechsel

Die weiterhin hohen Arbeitslosenzahlen zeigen, dass die bisherigen Lösungsansätze gescheitert sind und ein Paradigmenwechsel erforderlich ist. Kann die Lösung in einem Grundeinkommen liegen, das dem Bürger eine bedingungslos sichere Existenz ermöglicht, frei von Entmündigung durch materielle Existenzangst und Arbeitszwang?

Claus Offe, Professor für Sozialpolitik, zur Idee des Grundeinkommens:

Zitat:
Alle Bürger, nicht alle Arbeitenden und nicht alle Armen, sondern alle Bürger haben einen Anspruch, wie alle Bürger, auch einen Anspruch auf Grundschulausbildung und auf Polizeischutz und Zugang zu Gerichten, das ist ganz selbstverständlich, das sind ja auch alles kostspielige Dinge. Also eine bürgerrechtliche Ausgestaltung von Sozialsystemen als ein Sockel, auf den andere Leistungssysteme, betriebliche, private, auch öffentliche obendrauf kommen.
Michael Opielka, Sprecher des Netzwerks Grundeinkommen, nennt als Kriterien:

Zitat:
Ein Grundeinkommen muss zunächst die Existenz sichern. Es muss zweitens einen individuellen Rechtsanspruch haben, also der darf nicht abgeleitet sein vom Ehepartner. Er soll ohne Bedürftigkeitsprüfung auskommen und ohne Arbeitszwang.

Wie hältst du's mit der Arbeit, ist das entscheidende Unterscheidungskriterium für die kursierenden Grundeinkommensmodelle. Ein bedingungslos garantiertes Grundeinkommen ist von der Arbeit entkoppelt und funktioniert als eine Art Sozialdividende. Jedem Bürger steht qua Bürgerstatus ein Teil des gesellschaftlich erarbeiteten Reichtums als monatliches Einkommen zu.
Claus Offe
Die Frage, sagt Sascha Liebermann, einer der Initiatoren der Plattform "Freiheit statt Vollbeschäftigung", sei nicht: Wie schaffe ich es, das alte System weiterhin zu finanzieren? Die Frage lautet: Wir kriegen wir ein System hin, bei dem die ungeheuren Möglichkeiten der Automation ihren Nutzen entfalten? Statt Milliarden an Steuergeldern und praktisch alle Energie auf die sinnlose Debatte um den Erhalt der Vollbeschäftigungsgesellschaft zu lenken, wäre es dringlicher, die Grundlagen einer sozialen Grundsicherung für alle auszuarbeiten:

Zitat:
Das ist die wichtigste Arbeit, die wir in der Transformation zu leisten haben. Dabei entsteht ein kleiner, aber starker Staat, dessen einzige Aufgabe die Sicherung des Rahmens ist. Und in dem man keine riesige Sozialadministration mehr braucht.
Sascha Liebermann
Wäre ein Grundeinkommen finanzierbar? Wolf Lotter hat das einmal ausgerechnet:

Zitat:
Selbst wenn man nur das heute gesetzlich festgelegte Existenzminimum – 7664 Euro pro Jahr und Kopf – als Mindesteinkommen garantierte, machte das für 82 Millionen Bundesbürger die gewaltige Summe von 620 Milliarden Euro aus: rund 200 Milliarden mehr, als der Staat an Steuereinnahmen zusammenkratzt. Auf den ersten Blick scheint das vollkommen unfinanzierbar. Doch die gesamten Sozialausgaben der Bundesrepublik betragen bereits heute jährlich mehr als 720 Milliarden Euro. Zieht man davon die Aufwendungen für die Krankenversicherung ab, verbleiben 580 Milliarden Euro für Leistungen, die ein Grundeinkommen langfristig ersetzen könnte. Und all jene, die weiterhin in Erwerbsarbeit blieben, würden nur potenzielle Empfänger des geregelten Einkommens ohne Arbeit werden.
Wolf Lotter: Der Lohn der Angst
Michael Opielka schlägt den Einsatz der Steuergelder für eine Grundeinkommensversicherung vor, bei der alle Einkommen ohne Obergrenze mit 17,5 Prozent besteuert würden. Damit ließe sich ein Grundeinkommen als eine Art Bafög für alle finanzieren.

Einige Ökonomen regen auch die Umstellung auf ein System der Besteuerung des Konsums an, das gerechter wäre, als das bisher schwerpunktmäßig auf der Besteuerung der Löhne basierende Steuerprinzip und somit abhängig Beschäftigte besonders belastet. Bei einem umsatzsteuerbasierten System werden Steuern dort erhoben, wo Waren und Dienstleistungen gekauft werden. Egal, in welchem Winkel des globalisierten Marktes die Waren produziert werden. Damit wäre die Einnahmeseite des Staates befreit von drohenden Mindereinnahmen durch Lohndrückerei, wie sie zur Zeit mit Hinweis auf "die Zwänge des globalisierten Marktes" intensiv betrieben wird. Ein auf Konsumsteuern basierendes Grundeinkommen wäre mithin globalisierungskompatibel.

Das Grundeinkommen als bedingungslose Grundabsicherung ließe jedem Bürger die Freiheit, keiner Lohnarbeit nachzugehen. Für den Wunsch nach einem Mehr an Konsum, dem Bedürfnis nach Anerkennung durch Entlohnung, aus Freude an der Arbeit und der durch sie möglichen sozialen Interaktion, würde jedoch die Mehrzahl weiter erwerbstätig sein. In einem Arbeitsmarkt ohne Lohnsubventionen oder Arbeitszwang hätten zudem bisher billig entlohnte, aber für die Gesellschaft wichtige Tätigkeiten, etwa im sozialen Bereich, einen echten Marktwert – ansonsten würden sie nicht ausgeführt.

Fazit

Die andauernde Krise des bisherigen Systems mit Ziel Vollbeschäftigung, der immense bürokratische Aufwand und inflationäre Transferleistungen zu seiner Stützung verlangen nach einem befreienden Paradigmenwechsel und einem positivistischem, konstruktivem Umgang mit der Realität. Das Konzept des bedingungslosen Grundeinkommens, sein Anerkennen der Rationalisierungspotentiale als glückliche, zunehmende Befreiung vom Joch der Arbeit, hat viel für sich. Seine Finanzierung durch Umwidmung bisheriger Lohnsubventionen und einer gerechteren Lastenverteilung des Steuersystems, etwa durch eine Verlagerung mit Schwerpunkt Konsumsteuern erscheint machbar, zumal nur ein Teil der Bevölkerung auf das Grundeinkommen zugreifen würde. Dennoch sind es vor allem psychologische Hemmnisse, die den Wechsel erschweren. Zu tief hat sich Arbeit als Legitimation für Lebenssinn und Anspruch auf Teilhabe und als Stifter sozialer Kontakte in unseren Köpfen festgesetzt. Auf Seiten der Funktionäre würde ein bedingungsloses Grundeinkommens zudem Machtverlust bedeuten.

Peter Glotz, ehemaliger SPD-Bundesgeschäftsführer, formulierte es für die politischen Parteien so: "Keine Partei findet das gut. Denn an der Arbeit hängt auch die Macht der Parteien und Organisationen." Im bisherigen Arbeitssystem wird jedem unter Ausnutzung von Existenzangst signalisiert, dass er potenziell überflüssig und ersetzbar ist. Ein bedingungsloses Grundeinkommen, das den Lebensunterhalt von der Arbeit abkoppelt, würde den Menschen hingegen die Chance eröffnen, Freiheit, Würde und Gemeinsinn zu gewinnen.
Quelle: Telepolis

Ich finde, besonders der letzte Absatz bringt es auf den Punkt...
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 31.10.2005, 11:13   #22
nane
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Zitat:
Wäre ein Grundeinkommen finanzierbar? Wolf Lotter hat das einmal ausgerechnet:

Zitat:
Selbst wenn man nur das heute gesetzlich festgelegte Existenzminimum – 7664 Euro pro Jahr und Kopf – als Mindesteinkommen garantierte, machte das für 82 Millionen Bundesbürger die gewaltige Summe von 620 Milliarden Euro aus: rund 200 Milliarden mehr, als der Staat an Steuereinnahmen zusammenkratzt. Auf den ersten Blick scheint das vollkommen unfinanzierbar. Doch die gesamten Sozialausgaben der Bundesrepublik betragen bereits heute jährlich mehr als 720 Milliarden Euro. Zieht man davon die Aufwendungen für die Krankenversicherung ab, verbleiben 580 Milliarden Euro für Leistungen, die ein Grundeinkommen langfristig ersetzen könnte. Und all jene, die weiterhin in Erwerbsarbeit blieben, würden nur potenzielle Empfänger des geregelten Einkommens ohne Arbeit werden.
Wolf Lotter: Der Lohn der Angst
sowas kurz und bündig kann jeder schnell für sich nachvollziehn.
eine eindrucksvolle rechnung - wenn sie denn stimmt.
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Alt 13.11.2005, 16:11   #23
Akuma
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Die "Empfänger" unseres Geldes sind wohl die Banken

Ja, das Geld gehört ihnen, und wir bezahlen steuern, um es benutzen zu dürfen

Ich kann nur eins dazu sagen:

"Die Wirtschaft befreit die Menschen vom unbeschwerten Leben."

Auch wenn es anders gehen könnte, man möchte es nicht so.
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Zitat:
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Alt 14.11.2005, 20:03   #24
Acolina
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In Wien fand vom 7. bis 9. Oktober der Kongress Grundeinkommen statt.

Auf Einladung von Attac und den Netzwerken Grundeinkommen (Österreich und Deutschland) erörterten 300 WissenschafterInnen und VertreterInnen politischer wie sozialer Initiativen gesellschaftliche und wirtschaftliche Perspektiven jenseits der Vollbeschäftigung. Im Mittelpunkt stand ein bedingungsloses Grundeinkommen und dessen Realisierungsmöglichkeiten, Chancen und Auswirkungen.

In den kontrovers geführten Diskussionen auf zwei Podien und 18 Workshops standen die Fragen der Höhe und Finanzierung eines Grundeinkommens im Vordergrund, seine Auswirkungen auf Armutsbekämpfung, Gerechtigkeit, Geschlechterverhältnisse und auf Unternehmen. Die Bedingungen einer möglichen Einführung des Grundeinkommens auf nationaler, europäischer und globaler Ebene waren ein weiteres zentrales Thema des Kongresses. Ein Brennpunkt der politischen Kontroverse war die Frage: „Bedarfsorientierte Grundsicherung“ oder „Bedingungsloses Grundeinkommen“ als Richtungsforderung.

Margit Appel vom Netzwerk Grundeinkommen und sozialer Zusammenhalt Österreich resümierte: "Der Traum von der Vollbeschäftigung scheint ausgeträumt. Wachsende Produktivität und forschreitende Rationalisierungen sind Ursachen für die geänderten Bedingungen am Arbeitsmarkt. Neue Beschäftigungen werden zunehmend in Form von prekären Arbeitsverhältnissen geschaffen. Die Zahl der "working poor", also der in Armut lebenden Beschäftigten, wächst. Selbst in Jahren hohen Wirtschaftswachstums gab es Vollbeschäftigung nur für Männer, während Frauen in diversen Abhängigkeiten verblieben."

Werner Rätz, Attac Deutschland, sagte: "Ein Grundeinkommen würde eine Wahlfreiheit eröffnen und eine Aufwertung vieler Tätigkeiten in den Bereichen Erziehung, Pflege, Ehrenämter, Politik und Umwelt bieten; diese sind längst unverzichtbar und übertreffen in ihrer gesellschaftlichen Bedeutung manche Erwerbsarbeit."

Günter Sölken, Netzwerk Grundeinkommen Deutschland: "Die intermationale Beteiligung und der Konferenzort Wien machen deutlich, dass die Einführung des bedingungslosen Grundeinkommens innerhalb der EU koordiniert werden muss."

Auch zahlreiche Unternehmer fanden sich auf dem Kongress ein und brachten in Arbeitskreisen wie persönlichen Gesprächen offen ihre positive Haltung zum Ausdruck.

Einer der Höhepunkte war u.a. die Abschluss-Matinee, auf der Eduardo Suplicy (Senator Brasilien und Mitgründer der Arbeiterpartei Brasilien) die Einführung des Grundeinkommens seit Januar 2005 in Brasilien darlegte.

Die Zeitschrift "Glocalist Review - Digitale Wochenzeitschrift für NGO&NPO-Management, Politik, Ökonomie und Kultur", die bereits im Vorfeld des Kongresses in ihrer Ausgabe Nr. 82/2005 (kostenloser Download, PDF, 704 KB) einen Schwerpunkt unter dem Titel "Grundeinkommen - Nie mehr Arbeiten?" veröffentlichte, dokumentiert ihn nun in ihrer Ausgabe 89-90/2005, die man hier kostenlos herunterladen kann (PDF, knapp 1 MB) sowie in ihrer aktuellen Ausgabe Nr. 91/2005 (kostenloser Download hier, PDF, 667 KB).


Quellen: attac.de und grundeinkommen2005.org
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Alt 23.12.2005, 17:13   #25
Acolina
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Standard Das Recht auf Faulheit

Civitas-Vortrag von Prof. Dr. Peter Kammerer am 09.01.2006

Professor Peter Kammerer, Soziologe an der Universität Urbino, führt im neuen Jahr die Civitas-Reihe "Arbeit! Arbeit! Arbeit?" fort. Mit dem Titel "Recht auf Faulheit" wird ein neuer Akzent gesetzt und - historisch unterlegt - eine Alternative zur Fixierung auf die Erwerbsarbeit benannt. Die Veranstaltung findet am 09. Januar 2006, um 18 Uhr im "Schaufenster" der Hochschule, Friedrich-Ebert-Str. 6, 14467 Potsdam, statt.

Zu den Szenarien, die seit über 100 Jahren diskutiert und jetzt vielleicht Wirklichkeit werden, gehört das vom "Ende der Arbeit" bzw. vom "Ende der Arbeitsgesellschaft". Die gegenwärtige Entwicklung verläuft widersprüchlich. Immer mehr Menschen werden entlassen bzw. finden keine Arbeit mehr, während gleichzeitig die Beschäftigten länger und intensiver arbeiten. Die Regierungen jeder Couleur versprechen mehr Arbeitsplätze und weniger Arbeitslosigkeit. Mit großer Wahrscheinlichkeit werden sie diese Versprechen nicht einlösen können.

Um nicht im Kuddelmuddel der Meinungen über Wachstum, Beschäftigung und technische Revolution die Übersicht zu verlieren, schlägt Peter Kammerer vor, einen oder mehrere Schritte zurück zu machen. Der Ökonom John Maynard Keynes hat schon 1930 prognostiziert, dass im ersten Drittel des 21. Jahrhunderts die wöchentliche Arbeitszeit auf 15 Stunden sinken und das größte Problem der Menschheit wird sein, die Verwandlung von Arbeitszeit in Freizeit kulturell, psychologisch und moralisch zu bewältigen. Keynes spricht von einer anthropologischen Revolution, die in Jahrtausenden verinnerlichte Normen außer Kraft setzen wird. Die von ihm prognostizierten Wachstumsraten und Produktivitätsfortschritte sind verwirklicht, aber das "Transformationsproblem" von Arbeitszeit in Freizeit, das nicht nur von ihm, sondern auch von den frühen Utopisten bis hin zu Denkern wie Schumpeter, Marcuse etc. als zentrale Frage angesprochen wurde, wird heute nicht einmal ernsthaft diskutiert.

Überlegungen zum "Recht auf Faulheit" (Paul Lafargue) sind notwendig, wenn man die Würde des Menschen auch im Falle steigender Arbeitslosigkeit im Auge behalten will und wenn die sogenannten "reichen Länder" kulturell auf der Höhe der Zeit, d.h. ihrer materiellen Möglichkeiten leben wollen.

Peter Kammerer (1938) lehrt Soziologie an der Universität in Urbino. Sein fachlicher Schwerpunkt liegt auf dem Gebiet der Migrationsforschung, seine Neigung gilt dem Thema "Kunst und Politik". Bekannt wurde er u.a. durch seine Arbeiten zu Heiner Müller, Pier Paolo Pasolini, Antonio Gramsci, Franz von Assisi, Jean Marie Straub.

Der nunmehr sechste Civitas-Zyklus steht unter dem Motto "Arbeit! Arbeit! Arbeit?". Kaum ein Thema beherrscht die öffentliche Diskussion seit Jahren so intensiv wie die nach der Zukunft der Arbeit. Ist die Sockelarbeitslosigkeit ein Langzeitphäno-men oder "nur" Ausdruck einer vorübergehenden konjunkturellen Krise? Wird die auf Kontinuität angelegte "normale" Berufsbiographie abgelöst durch die prekäre und riskante Bastelbiographie - eine Mischung aus projektorientierter Tätigkeit, gegebenenfalls fachfremden Jobs und Phasen der Erwerbslosigkeit? Wie sind berufliche Verpflichtungen und Pflichten gegenüber Familie und Freunden, aber auch Ehrenamt und außerberufliches Engagement unter einen Hut zu bringen?

Das öffentliche Interesse an diesen Fragen ist zugleich auch das Interesse der Hochschule: In welche Berufe - auch ganz neuen Zuschnitts - gehen die Absolventen der Hoch-schule, wie werden sie die Arbeitswelt prägen? Welche Möglichkeiten bieten sich mit den neuen Abschlüssen Bachelor und Master? Wie prägt die Hochschule durch neue Angebote und Strukturen die Arbeitswelt der Zukunft?

Civitas VI nähert sich dem Thema aus der Sicht der unterschiedlichen Fä-cher und Studiengänge und nimmt auch die Chancen und Mög-lichkeiten, die mit dem massiven Wandel verbunden sind, in den Blick. Externe Fachfrauen wie Frau Edelgart Woythe, Vorsitzende der Geschäftsführung der Agentur für Arbeit Potsdam, und Frau Uta Schnell von der Bundeskulturstiftung werden aktuelle Daten und Analysen, aber auch kulturelle Prognosen in die Diskussion einbringen.

Die Vorträge finden seit dem 7.11.2005 wieder jeden Montag um 18 Uhr im "Schaufenster" der FH Potsdam am Alten Markt, Friedrich-Ebert-Str. 6, 14467 Potsdam statt. Wie in den vergangenen Jahren, bietet sich auch bei Civitas VI im Anschluss an die Vorträge die Möglichkeit zur Dis-kussion und zum Austausch bei einem Glas Wein.

Die FH Potsdam lädt alle Potsdamerinnen und Potsdamer, Berlinerinnen und Berliner, alle Studierenden und Lehrenden und alle sonstigen Interessierten herzlich ein.

Civitas wird unterstützt von Frau Dr. Pia und Herrn Klaus Krone, krone mt, Berlin, der Gesellschaft der Freunde und Förderer der FH Potsdam e.V. und der Druckerei Feller, Teltow.



PROGRAMM

16.1.2006
"Neuer Bildungsanspruch und Sozialpädagogik"
Prof. Dr. Karin Weiss

23.1.2006
"Die Vertreibung aus dem Paradies und unsere geplante Rückkehr - wie die Abschaffung der Erwerbsarbeit den Menschen befreit"
Uwe Hanf

30.1.2006
"Design als Emanzipation oder Prostitution - können wir uns noch Ideale leisten?" Überlegungen zur Arbeitswirklichkeit von Designern im Hinblick auf berufsethische Grundfragen
Prof. Dr. Rainer Funke

6.2.2006
"Arbeit in Zukunft"
Uta Schnell




Das vollständige Programm und Informationen über Civitas I bis V gibt es unter http://www.fh-potsdam.de/1409.html

Medieninformationen und Veranstaltungshinweise der FH Potsdam: http://www.fh-potsdam.de/aktuelles.html


Quelle: Informationsdienst Wissenschaft e.V.
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Acolina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 23.12.2005, 22:14   #26
cheeby
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So ich hab jetzt ca bis zur Mitte gelesen und halt das ganze für eine Wunderbare Idee.

Auf den ersten Blick wars die genialste Sache nach Erfindung der Schokolade.
Auf den zweiten Blick wars Chaos pur und der größte Blödsinn seit der Erfindung von Webforen.

Aber auf den dritten Blick muss ich wieder sagen wenn wir den Weg nicht beschreiten werden wir über kurz oder lang gegen die neuen Weltmächte zu denen sich China und Indien im Laufe der nächsten Jahrzehnte entwickeln werden untergehen.

Alleine der Gedanke das jeder genug Geld zur Verfügung hat sich seine Grundbedürfnisse (Essen, Trinken, Wohnen,...) zu erfüllen ohne Schwierigkeiten zu haben. Man hat auf einmal Zeit sich um sich selbst zu kümmern und um die Menschen die einem Nahe stehen. Jeder mensch kann sich jede erdenkliche Arbeit suchen, das was ihm gefällt ohne Druck von irgendjemandem. Viele würden sich vielleicht erstmal eine Auszeit nehmen um sich vom bisherigen Leben zu erholen, aber im Laufe der Zeit würde sich das ändern. Alleine schon aus Selbstbestätigung würden die Leute sich Arbeit suchen. Das Leben wäre attraktiver, fast vollkommene Selbstbestimmung im Rahmen ethischer Grundsätze.

Klar kann man jetzt x-Kritikpunkte suchen und sagen das geht nicht, aber ich denke man kann alle im Ansatz zerschlagen.
Einkäufe in den Nachbarländern? Na klar sicher werden dass einige in Anspruch nehmen, machen sie doch jetzt auch schon. Aber wer bitte würde ins nahe ausland fahren wenn er sich ein paar Lebensmittel kauft, oder wenn er mit Freunden ins Kino geht?
Vielleicht wegen großen Sachen wie nem neuen BMW oder Mercedes (huch die müssten ja zuvor aus Deutschland importiert werden...wer da wohl das Geld kassiert - ah deutsche Firmen, die es dann an deutsche Mitarbeiter auszahlen) Tja dann muss man als deutscher Bürger eben darauf achten deutsche Qualitätswaren im Ausland einzukaufen ( Und das sag ich als Österreicher, oh du meine güte hab ich nen Vogel? )
Oder die würden doch ncihts mehr machen die Leute - Hmm ja vermutlich einige die sowieso nichts machen, die man als Staat sowieso mittragen müsste. Naja die haben halt jetzt auch weniger Geld als jene die sich noch etwas dazuverdienen (bekommen ja jetzt auch welches vom Staat) Aber der Großteil würd was machen und wenn er nur beim nem Fussballverein eine Jugendmannschaft trainiert. hat Doch auch was. Oder er hilft in nem Altersheim aus wenns dort knapp ist. Oder er produziert mit seiner Band die genialste Musik die man sich vorstellen kann. Ist doch was, und frei nach Mastercard "eben unbezahlbar" für die Mitmenschen.

Man könnte wieder mehr Dinge produzieren die im Moment unbezahlbar wären, eben weil die Leute aus Idealismus in die Firma kommen und sagen so jetzt setzen wir uns zusammen und bauen einen Prototyp für ne "eierlegende Wollmilchsau". Wer leistet sich den sowas heute? Kein Mensch, und warum? Weil es nicht realisierbar ist. Weil eben diese Wirtschaft heutzutage so ausgelegt ist das wir nur auf Nachfrage produzieren. Und wer könnte noch verdienen wenn wir eine "eierlegende Wollmilchsau" kreieren würden? Niemand.. Weil wir dann eben schon alles haben was wir brauchen. Und was wenn das Ding auch so kommen würe? Naja dann kann es sich keiner leisten, eh klar. Wir wollen ja genug verdienen.

Hmm das wars erstmal. Viel Spaß beim kritisieren.

lg daniel

PS Ich bin gerade krank und lieg zuhause also falls wer auf Wortgefechtre aus ist, lets fets *gg*
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Alt 04.08.2006, 19:20   #27
Acolina
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Zitat:
Deutschland auf dem Weg zur Kulturgesellschaft?

Alexa Weyrauch-Pung

Seltsame Einigkeiten beim Thema Bürgergeld oder Grundeinkommen

Hitzewelle, Sommerloch und inoffizieller Sommerschluss-Verkauf: Deutschland im alljährlichen Zustand der Politiklosigkeit? Oder bewegt sich doch etwas im Staate? Ballt sich vielleicht gar irgendwo eine Lawine zusammen, die den gewohnten "Sozialstaat kapitalistischer Ausprägung" hinwegfegen wird? Möglicherweise sogar mit unserer demokratischen Zustimmung?

Zugegeben, wahrscheinlich werden wir nicht gerade morgen in einem völlig neuen Staat aufwachen, aber möglicherweise schon nach der nächsten Wahl? Eine ganz und gar unwahrscheinliche Vorstellung, dass wir unser nächstes Wahlkreuz in der Annahme machen, über eine tatsächliche, grundlegende Veränderung unseres Staates und überhaupt unseres Miteinanders mitzubestimmen? Nun, das käme auf die Themen an.

Wie wäre es z.B. mit dem Thema Bürgergeld bzw. Grundeinkommen? [...]

Alle Diejenigen, die dies nun für Utopie, Phantasterei, reine Spinnerei oder was auch immer halten, seien freundlich darauf hingewiesen, dass die Grundidee als negative Einkommensteuer in den 1940ern von der Ökonomin Juliet Rhys-Williams bereits angedacht und in ihrer Neuauflage aus den 1960ern tatsächlich auf Milton Friedman zurückgeht, immerhin ein Nobelpreisträger der Wirtschaftswissenschaften.

Auch in der Politik ist der Gedanke nicht neu. So z.B. als sog. negative Einkommensteuer bzw. liberales Bürgergeld, wie es sich die FDP 1994 bzw. Anfang 2005 vorstellte. Dieses sollte aber eben doch wieder an "zumutbare Arbeit" gekoppelt sein und sieht ebenfalls für den Fall, dass die Bürgergeld-Empfänger/innen diese ablehnen, staatliche Sanktionen in Form von empfindlichen Geldkürzungen vor. Damit wäre das Bürgergeld der FDP zwar ein Schritt in Richtung Bürokratie-Abbau, aber eben auch wieder ein Schritt weg von bürgerlicher Selbstbestimmung.

Dass z.B. der Linkspartei-PDS solche Konzepte bei weitem nicht genug sind, verwundert wohl kaum, dass aber ausgerechnet aus der CDU (!) der neueste Vorstoß in diese Richtung kommt schon. Und so vermeldete der Tagesspiegel kürzlich zu Recht erstaunt: "Zwei Lager, eine Idee - Thüringens Ministerpräsident will dasselbe wie Politiker der Linkspartei: ein Bürgergeld für alle." Nun ist der nächste Bundeswahlkampf noch weit entfernt, der Berliner Wahlkampf hingegen steht vor der Tür. Wohl der Grund, weshalb auch die BZ jubeln durfte: "Erster Ministerpräsident will Hartz IV abschaffen - Dieter Althaus (CDU) fordert stattdessen 800 Euro Bürgergeld."

Tatsächlich macht sich Althaus dafür stark, in Zukunft an jeden Bürger ohne Bedarfsprüfung eine einheitliche Zahlung zu leisten, die mindestens das Existenzminimum sichern soll. Gekoppelt an einen für alle verbindlichen Steuersatz auf alles, was noch hinzuverdient wird. Diese Vorstellungen entsprechen weitgehend dem sog. Ulmer Modell, das 1996 unter der Leitung von Helmut Pelzer am Institut für Naturheilkunde der Universität Ulm erdacht wurde. Konkrete Zahlen nennt Althaus auch: Zur freien Wahl stünden dann ein staatliches Grundeinkommen von 800 Euro, verbunden mit einem Steuersatz von 50 % bzw. 400 Euro bei 25 %. Finanziert werden soll das Ganze u.a. durch den Abbau des bestehenden Sozialsystems. Althaus rechnet vor, dass es mit dem neuen Modell gar zu erheblichen Einsparungen käme. Zumindest laut seiner eigenen Internetseite fühlt sich Althaus in seiner Partei auch keineswegs alleine mit seinen Vorstellungen.

Wenn nun also die CDU und die Linkspartei-PDS grundsätzlich einer Meinung sind, zudem bei einem Vorhaben, das so ähnlich auch schon von der FDP angebracht wurde...? Was sagt nun die SPD dazu? Zumindest auf ihrer Internetseite auf den ersten Blick nichts. [...]

Wer sich aber jenseits aller Wahlkampfspekulationen weiter über die Idee informieren möchte, kann dies z.B. beim Basic Income Earth Network bzw. bei ihrer deutschen Unterorganisation dem Netzwerk Grundeinkommen. [...]

Die gleichen Netzwerke gibt es in unseren Nachbarländern Österreich und Schweiz. Und in Argentinien, Brasilien, Dänemark, Irland, den Niederlanden, Spanien, Großbritannien. Könnte es also sein, dass wir eines schönen Tages aufwachen und uns verwundert die Augen reiben, weil wir uns in einer Gesellschaft wiederfinden, in der wir nicht mehr als Einzelne einer Kosten-/Nutzen-Berechnung unterworfen werden, sondern in der tatsächlich eine soziale Gemeinschaft das Recht auf freie Entfaltung für und mit den Anderen garantiert?
(Quelle: Telepolis)



Es mag irrational sein, aber trotzdem habe ich Hoffnung, dass dieser mein Traum eines Tages Realität sein wird...
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Alt 04.08.2006, 19:57   #28
Sajuuk
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Na hoffentlich,
aber auf Arbeit würde ich trotzdem nicht verzichten wollen.
Allerdings habe ich dann mehr Freiraum, da man dann problemlos
Halbzeit arbeiten kann.
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Sei frei wie ein Vogel, sei stolz ein wie ein Adler, und geniesse das Leben.
So wie du bist, denn jeder ist für sich ganz was besonderes.
Sajuuk ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2006, 14:38   #29
schkl
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also grundsätzlich mal:

ich unterstütze auf keinem fall irgendwelche faulen leute,
die nicht gewillt sind für ihren lebensunterhalt selbst aufzukommen.
das ist m. e. ein völlig falsches verständnis für "soziale gerechtigkeit".

gerecht bzw. vernünftig wäre es wenn sich organisationen wie attac oder andere pseudosozialen vereinigungen darauf konzentrieren würden,
das jeder die möglichkeit hat sich seinen lebensunterhalt selbst zu verdienen (erarbeiten).


soziale gerechtigkeit, bedeutet aus meiner sicht, das menschen, die imo keine möglichkeit haben sich selbst zu versorgen (wegen krankheit oder der wirtschaftlichen situation) von der gesellschaft aufgefangen werden bzw. finanziell unterstützt werden.
auf keinen fall aber ist unsere solidarität dafür zu missbrauchen, faulen menschen ein angenehmes leben zu ermöglichen.
leute, die von anderen derer arbeit leben und selber nix dazu beitragen gibt es schon genug, mehr davon brauchen wir sicher ned=>

Zitat:
Deutschland auf dem Weg zur Kulturgesellschaft?
sry, alleine die überschrift ist blanker hohn....
buschido & co mögens zwar so sehen, denn den gangstas und ihrer musikkultur kommts zugute......alle anderen die diesen für sich dekadenten weg ablehnen sind gott sei dank noch in der mehrheit=>


//
Zitat:
Dass z.B. der Linkspartei-PDS solche Konzepte bei weitem nicht genug sind, verwundert wohl kaum, dass aber ausgerechnet aus der CDU (!) der neueste Vorstoß in diese Richtung kommt schon. Und so vermeldete der Tagesspiegel kürzlich zu Recht erstaunt: "Zwei Lager, eine Idee - Thüringens Ministerpräsident will dasselbe wie Politiker der Linkspartei: ein Bürgergeld für alle." Nun ist der nächste Bundeswahlkampf noch weit entfernt, der Berliner Wahlkampf hingegen steht vor der Tür. Wohl der Grund, weshalb auch die BZ jubeln durfte: "Erster Ministerpräsident will Hartz IV abschaffen - Dieter Althaus (CDU) fordert stattdessen 800 Euro Bürgergeld."
aha, mal eine zahl=>
nicht abzustreiten wäre ein gewaltiger bürokratischer vorteil, gegenüber dem hartz IV murx.
einen wirklichen vorteil, was die leistungen an arbeitslosen gegenüber betrifft, sehe ich fast keinen (ist auch nicht gerecht, denn kommt mal einer mit 800 euro in gegenden wie münchen klar....den will ich sehen).
hartz IV zahlt unter anderem miete, strom, gez, wasser, müllabfuhr, für jeden (zusätzlich dazu gibts noch 300 euro?), auch für alle anderen eu-bürger, die sich bei uns aufhalten.....für nicht wenige würden diese 800 euro bürgergeld eine deutliche wirtschaftliche verschlechterung bedeuten.

ist es das was man dann als sozial gerecht verkaufen will?
...
eine frisuese im osten (laut blödzeitung) hat als beispiel
3,70 in der stunde verdient......bei einer angenehmen 40 stunden woche macht das 592 euro (brutto) im monat......erklärt ihr dann mal einer die 800 euro bürgergeld......ich meine, das sich die dame dabei verarscht vorkommen würde=>


@aco:

erklär mir mal was ich da nun falsch dran verstehe (und das tue ich mit sicherheit=>).
also nichts gegen dich persönlich......ich erkenne nur in keinster weise die vorteile eines bürgergeldes.....für die gesellschaft.
evtl. habe ich diesbezüglich einfach zuviele fakten außer acht gelassen=>
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Alt 12.08.2006, 16:37   #30
Acolina
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Mal ein paar Gedanken von mir dazu:

"Schmarotzer" wird es immer geben, egal wie rigide ein System dies zu verhindern versucht. Die Verhinderung solcher "Schmarotzerei" dient als Basis dafür, Menschen "vorbeugend" unter Generalverdacht zu stellen und immer rigidere, totalere Überwachung einzuführen. Aus meiner Sicht ist dies menschenunwürdig. Der "Erfolg" rechtfertigt in keiner Weise den Aufwand und schon gar nicht die Vorgehensweise.

Aufgrund unserer fortschreitenden Technisierung und Rationalisierung sind wir heute in der Lage, mit immer weniger Menschen immer mehr zu produzieren. Wofür wir vor noch gar nicht so langer Zeit 100 Leute brauchten, brauchen wir heut vielleicht grad noch 10. Was machen wir mit den 90?

Erst mal stempeln wir sie zu Almosenempfängern... stellen sie unter den Generalverdacht "Schmarotzer" ... verweigern ihnen einen den anderen 10 vergleichbaren Lebensstandard. Mit welcher Berechtigung?

Nun können wir versuchen, was unsere Politik immer so nett "Förderung des Wirtschaftwachstums" (hast du schon mal Bäume gesehen, die unendlich in den Himmel wachsen? Nein? Siehst du, deshalb brauchen wir Kriege... Sie fördern das Wirtschaftswachstum ungemein!) nennt:[list=a][*]den Absatz / Konsum entsprechend erhöhen - kurzlebigere Produkte, kurzlebigere Modetrends, immer mehr und immer neue Begehrlichkeiten wecken usw. - mit allen unangenehmen Folgen insbesondere auch für unsere Umwelt.[*]versuchen, Arbeit billiger zu machen, in dem wir Löhne und Sozialleistungen immer mehr drücken, damit wir vielleicht 20 zum gleichen Preis von 10 unterbringen - mit allen Folgen für unsere Gesellschaft, einer immer größeren Schere zwischen wenigen Reichen und vielen Armen, die von ihrer Arbeit kaum noch leben können, nur noch eine medizinische Minimalversorgung erhalten usw.[/list=a]
Genau das führt imho in den Teufelskreis, in dem wir gerade stecken.

Gehen wir mal davon aus, für den Unternehmer bringt es Vorteile (= erhöhten Gewinn), statt 100 Menschen nur 10 plus die entsprechenden Maschinen zu beschäftigen. Sonst würd er es ja wohl kaum tun.

Wem steht dieser Gewinn aus der Rationalisierung zu? Nur dem Unternehmer? Sicher nicht. Ich finde, auch den 90, die er "von Arbeit befreit" hat.

Ein Teil dieses Gewinns hat Produkte billiger gemacht, kommt somit scheinbar uns allen zu Gute. Ich sage, nur scheinbar. Beim 1-Euro-T-Shirt zahlen wir mit dem einen Euro nur die erste Rate, den Rat(t)enschwanz der anderen Raten, wie verpestete Umwelt, Unterstützung von verantwortungslosen Konzernbossen, Flüchtlingswellen, Krieg um immer knapper werdende Ressourcen etc. stottern wir dann nach und nach ab.

Ich behaupte nun mal, den allergrößten Teil des Gewinns aus der Technisierung/Rationalisierung stecken sich einige wenige Leute - imho unberechtigt - in die Tasche. Das führt dazu, dass nicht alle Menschen in gerechter Weise an den Errungenschaften unser Gesellschaft beteiligt werden. Das führt dazu, dass Geld für wichtige Dinge fehlt, dass eigentlich gute und wichtige soziale Errungenschaften immer unbezahlbarer werden.

Meiner Meinung nach wäre ein bedingungsloses Grundeinkommen ein guter Weg, die Verteilung o.g. Gewinns gerechter zu organisieren. (Das beinhaltet natürlich auch, die vermehrte Wertschöpfung durch Maschinen zum Nutzen aller abzuschöpfen und nicht nur in einer Tasche landen zu lassen.)

Das Argument, wenn wir den Leuten Geld ohne Gegenleistung geben, geht keiner mehr arbeiten, zieht imho nicht, weil
  • warum arbeiten und engagieren sich dann so viele Menschen ehrenamtlich?
  • warum gibt es dann Dinge wie Wikipedia, Linux, Open Source .... etc. pp. ... die Liste ist lang?
Dieses Argument geht davon aus, dass Menschen grundsätzlich keinen anderen Wert in Arbeit sehen, als damit den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Ist das bei dir so? Wenn du morgen 800 Teuros für lau bekämst, würdest du dann null Spaß am was tun, dich für was engagieren etc. pp. empfinden?

Wieso wird da für dich der Begriff Kulturgesellschaft zum Hohn? Ich denke, es würde eine Menge neue Kultur schaffen, erst ermöglichen, wenn Kultur unabhängiger vom Geld einbringen müssen wird. Bisher hat überwiegend nur die Kultur eine Chance, für die eine Mehrheit bereit ist zu zahlen. Oder anders: Die Einschaltquote bestimmt das Programm. Bist du der Meinung, dass die Sendung mit der höchsten Einschaltquote auch immer die kulturell Wertvollste ist?
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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