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Alt 24.07.2018, 09:26   #1
perfidulo
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Standard Kriegsschuldlüge - VT/Hoax vom Feinsten

Es jährt sich zum 100 Mal die Zeit, in der die sogenannte "Kriegsschuldlüge" in die Welt gesetzt wurde, die das politische und wirtschaftliche Leben in den 1920er Jahren geprägt hat und letzlich dem Faschismus den Weg bereitet hat. Das von dem Machern nicht so nicht geplant und auch nicht vorhersehbar, aber so kann es gehen.


Im Sommer 1918 musste für die Oberste Heeresleitung (OHL) eingestehen, dass der Grosse Krieg, der später der "Erste Weltkrieg" genannt wurde, "im Feld" nicht zu gewinnen war. Es gab Verzweiflungsaktionen, wie die Bombardierung von London mit Zeppelinen oder der uneingeschränkte U-Boot-Krieg. Das führte aber nur zum Kriegseintritt der USA mit nahezu unbeschränkten Ressourcen.
Die OHL drängte auf Friedensverhandlungen, allerdings mit ziemlich unrealistischen Forderungen, aber immerhin.
Gleichzeitig wurde die Fiktion auf den Weg gebracht, dass das "Heer im Felde unbesiegt" sei und es wurde alles in die Wege geleitet, die Schuld den Sozialdemokraten (stellvertretend für die Zivilgesellschaft) in die Schuhe zu schieben.
Die Sozialdemokraten (Ebert, Scheidemann) machten begeistet mit, weil sie endlich gebraucht wurden, nachdem sie Jahrzehntelang als Parias behandelt wurden. Mit den "Sozialistengesetzen" waren sie einst sogar vieler legaler Wirkungsmöglichkeiten beraubt worden und hatten eine raffinierte Untergrundagitation entwickelt.
Nun sollten sie für die Ergebnisse der Waffenstillstandsverhandlungen gradestehen.

Das Militär und die Adelskaste, die nachweislich für den Krieg verantwortlich war, sollten ungeschoren davonkommen und ihre Privilegien retten. Die Sozialdemokraten hätten am liebsten sogar den Kaiser behalten, der aber unter seinen eigenen Leuten als nicht mehr haltbar betrachtet wurde. Aber einen Thronverzicht lehnte er starrköpfig ab. So wurde auf höchster Ebene geputscht und er rauschte schmollend mit seinem Sonderzug vom belgischen Spa (besetzt) in die freien Niederlande.
In Berlin und im ganzen Reich war die Freude gross. Schon seit Monaten gab Streiks und Demonstrationen für den Frieden und um Brot, die mit brutaler Gewalt unterdrückt worden waren.
Jetzt wurden Arbeiter- und Soldatenräte gegründet um den Laden selbst zu übernehmen und gerechter zu organisieren.
Das war den nun regierenden Sozialdemokraten ein Dorn im Auge. Über eine geheime Telefonleitung verständigte sich der neue Reichskanzler Ebert mit der OHL über die Bekämpfung der Anarchie. Die nun freigewordenen Kapazitäten der Reichswehr (es war ja Waffenstillstand) konnten zur Bekämpfung der "Aufständischen" eingesetzt werden. Diese "Anarchisten" waren meist wackere Sozialdemokraten, die glaubten endlich das tun zu dürfen, wovon sie jahrelang geträumt hatten. Der Sozialdemokrat Noske bediente sich rechter Freikorps, die unter anderem Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht umbrachten, was nie gesühnt wurde.
So konnte die "alte Ordnung" mit ein paar Konzessionen (Frauenwahlrecht) gerettet werden und die Hetze gegen die "Linken", die Schuld an Deutschlands Elend waren, beginnen.
Es waren schwere Jahre, woran auch die ungeheuerlichen Forderungen der Sieger schuld waren. Teile von Deutschland (Ruhrgebiet) waren besetzt.
Trotz vieler Versuche pazifistische gesinnter Kräfte in allen Ländern konnte kein Gefühl des Friedens aufkommen. Deutschland musste stark sein und sich militärisch gegen die böse Welt drumherum verteidigen.
Diese Ideologie, die im Bürgertum verankert war, ebnete den Nationalsozialisten den Weg. Gegen alles "linke", die "Vaterlandsverrräter" konnte hemmungslos gehetzt werden. Dazu hatte sich in Russland der Kommunismus etabliert, der angeblich auch expansive Gelüste hatte und Deutschland von Osten bedrohte, so dass jeder Kommunist als Agent Moskaus diffaniert werden konnte. Also als Landesverräter, worauf die Todesstrafe stehen sollte.
Die Fiktion, die von der OHL im Herbst 1918 in die Welt gesetzt worden war, zeigte Wirkung.
Doch statt gemeinsam gegen die Feinde der Demokratie von rechts zu kämpfen, zankten sich Sozialdemokraten und Kommunisten. Die Stigmatisierung, den Krieg verloren zu haben, wo man doch gerade kurz vor dem Sieg an allen Fronten gewesen sei, bleib. Eine Flut von Schriften mit dieser Tendenz wurde veröffentlicht und wird von den Rechten heute noch für bare Münze genommen. Kriegskritische Bücher (dazu kamen zunehmend Filme) wurden unterdrückt und verboten.
Man sollte 100 Jahre danach sich daran erinnern, wie eine infame Lüge die Weltgeschichte beeinflusst hat.
Im nachhinein ist es leicht zu sagen, das hätte man unterbinden können. Etwa durch konsequente Abrüstung, Abschaffung der Reichswehr, Enteignung des Adels, Nationalisierung der Grundstoffindustie. Das wurde alles vorgeschlagen. Die Fürstenenteignung scheiterte knapp.
Aber die rechten Sozialdemokraten glaubten, die alten Mächte als Garanten gegen die "Anarchie" zu brauchen.
Nur in einem gab es bescheidene Fortschritte: Die Kirche, die Waffen gesegnet hatte, wurde vom Staat getrennt. Sie behielt aber bis heute viele Priviliegien, weil man auf das Bündnis von Thron und Altar nicht verzichten wollte.
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