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Religion Von Animismus bis Zen...

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Alt 11.10.2016, 09:32   #1
basti_79
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Standard Matrixismus

Die Welt treibt schon seltsame Blüten. Jetzt breitet sich da in letzter Zeit der Matrixismus aus. Dessen zentrales Dogma ist, dass die Welt eine Simulation ist, nur ein Programm auf einem Computer, meinetwegen.

Angesichts der Tatsache, dass das ganze (wenn auch weniger raffiniert) als "Brain in a vat" schon seit Jahrzehnten die Runde macht, fühle ich mich erstaunt und auch ein wenig enttäuscht. Der Unterschied besteht darin, dass "Brain in a vat" von einem Individuum ausgeht, während der Matrixismus voraussetzt, dass die gesamte Welt simuliert wäre.

Das ist ja schon mal zumindest etwas näher an der Empirie. Zur Ehrenrettung der Betroffenen muss man sagen, dass an der Idee ja etwas dran ist. "Elfenbeintürme" sind z.B. soziale Konstrukte, die letztendlich das in die Tat umsetzen, was da behauptet wird. Hohe Beamte werden z.B. regelmäßig von Speichelleckern umgeben, die jenen mitteilen, dass alles schon seine Ordnung habe und man sich gar keine Sorgen machen bräuchte.

Andererseits ist mir schon vor ungefähr 20 Jahren aufgefallen, dass die Idee keine Wissenschaftliche ist. Wenn die Simulation perfekt ist, wird man niemals herausfinden, dass man in einer lebt. Und wenn sie nicht perfekt wäre, müsste das auffallen. Bei längerem Bratenwenden dieses Gedankens kommt man dann irgendwann darauf, dass z.B. die Physik nichts anderes sucht als "Fehler in der Matrix", d.h. Situationen, in der die derzeitigen Modelle versagen. Genauso die Medizin, oder auch die Chemie. Was ist Medizin anderes als "Hacken" der Biologie/Physiologie von Menschen? Kunststoff ist überall, und niemand stört sich daran, dass solche Materialien noch vor 150 Jahren als außergewöhnlich, unverständlich und außerordentlich wertvoll wahrgenommen worden wären.

Matrixismus ist das soziale Gegenstück zum Solipsismus, der bekanntlich selber keinerlei Fortschritte gebracht hatte. Das scheint niemanden daran zu hindern, den Gedanken zu erkunden.

http://motherboard.vice.com/read/we-...n-a-simulation

Witzigerweise hält sich die Politik anscheinend aus der Diskussion heraus.
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Alt 11.10.2016, 10:18   #2
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Andererseits ist mir schon vor ungefähr 20 Jahren aufgefallen.....
Da muss Dir der Roman, später auch Film "Welt am Draht" entgangen sein. In der SF-Literatur wurde das Thema "Simulation" auf den damals noch zugegeben schwächlichen Computern, mehrfach erörtert.

Merkwürdig: Das Stichwort ist den Suchmaschinen ziemlich unbekannt

https://en.wikipedia.org/wiki/Matrixism

Vielleicht nur ein privates Hobby von Basti und ein paar anderen Nerds?
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Alt 11.10.2016, 10:37   #3
basti_79
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"Welt am Draht" kenne ich (kannte ich aber noch nicht vor 20 Jahren), Fassbinder halte ich aber für unerträglich.

Wie gesagt, halte ich den Bohei darum eigentlich für überflüssig. Weil ich jedoch weiß, wie Geisterwissenschaftler ticken, wollte ich eine Warnung abgeben, bevor in 20 Jahren wieder herumgenölt wird, dass man sich da irgendwie verrannt habe.
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Alt 11.10.2016, 11:31   #4
Groschenjunge
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Weil ich jedoch weiß, wie Geisterwissenschaftler ticken, wollte ich eine Warnung abgeben, bevor in 20 Jahren wieder herumgenölt wird, dass man sich da irgendwie verrannt habe.
Verrate doch bitte allen Geisteswissenschaftlern, wie der einzig richtige Weg auszusehen hat.
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Alt 11.10.2016, 11:36   #5
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
"Welt am Draht" kenne ich (kannte ich aber noch nicht vor 20 Jahren), Fassbinder halte ich aber für unerträglich.
Die Vorlage stammt aus den 1960er Jahren. Die sollte man auch kennen.
Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wie gesagt, halte ich den Bohei darum eigentlich für überflüssig. Weil ich jedoch weiß, wie Geisterwissenschaftler ticken, wollte ich eine Warnung abgeben, bevor in 20 Jahren wieder herumgenölt wird, dass man sich da irgendwie verrannt habe.
Soweit ich sehe, beschäftigt sich ein verschwindend kleiner Haufen mit dem Thema.
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Alt 11.10.2016, 11:43   #6
basti_79
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Zitat:
Zitat von Groschenjunge Beitrag anzeigen
Verrate doch bitte allen Geisteswissenschaftlern, wie der einzig richtige Weg auszusehen hat.
Naja, ob's der einzige ist, weiß ich strenggenommen nicht, aber man sollte meiner Meinung nach - ob nun Geisterwissenschaftler oder nicht - das Axiom zugrundelegen, dass es eine einzige Realität gibt, die von unseren Wahrnehmungen unabhängig ist. Ansonsten kann man den "Matrixismus" halt verwenden, um alles zu rechtfertigen. Das kann keiner wollen.
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Alt 11.10.2016, 12:10   #7
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
- ob nun Geisterwissenschaftler oder nicht - das Axiom zugrundelegen, dass es eine einzige Realität gibt, die von unseren Wahrnehmungen unabhängig ist.
Warum?

Bei Naturwissenschaften mag es Sinn machen, obwohl sich beiweitem nicht alle Beobachtungen damit erklären lassen.

Aber Geisteswissenschaftler dürfen auch andere Konzepte ins Auge fassen.

Immerhin zählt Theologie zu den Geisteswissenschaften. Willst Du Theologie abwürgen?
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Alt 11.10.2016, 12:34   #8
SchwarzerFuerst
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Warum?

Bei Naturwissenschaften mag es Sinn machen, obwohl sich beiweitem nicht alle Beobachtungen damit erklären lassen.

Aber Geisteswissenschaftler dürfen auch andere Konzepte ins Auge fassen.

Immerhin zählt Theologie zu den Geisteswissenschaften. Willst Du Theologie abwürgen?
Ich denke, man könnte durchaus darüber streiten, ob Theologie überhaupt wirklich eine Wissenschaft ist oder nur eine wissenschaftliche Aufarbeitung eines verbreiteten Aberglaubens...
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Alt 11.10.2016, 12:47   #9
Lupo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Weil ich jedoch weiß, wie Geisterwissenschaftler ticken, wollte ich eine Warnung abgeben, bevor in 20 Jahren wieder herumgenölt wird, dass man sich da irgendwie verrannt habe.
Wo beschäftigen sich denn Geisteswissenschaftler damit?
Ich dachte, das ist eher so eine Sache, die unter Freaks und SF-Fans in Internetforen ventiliert wird.
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Alt 11.10.2016, 14:42   #10
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Warum?

Bei Naturwissenschaften mag es Sinn machen, obwohl sich beiweitem nicht alle Beobachtungen damit erklären lassen.
Die Behauptung wird immer wiederholt, obwohl die Grundlagen fehlen. Jede unerklärte Beobachtung ist eine Herausforderung für die Naturwissenschaft. Demzufolge ist der einzige richtige Umgang damit, sie zu veröffentlichen.

Das wird einzig gemindert durch Ignoranz und Arroganz. z.B. hat hier jemand die Tage ins Forum geschrieben, er hätte des Nachts Besuch von einem Gespenst gehabt. Das erfüllt ja oberflächlich die Kriterien einer "unerklärten Beobachtung". Leider (oder zum Glück?) lässt sich diese Beobachtung ja doch erklären. Nur halt anscheinend nicht so, wie der Fragesteller es erwartet hatte.

Zitat:
Aber Geisteswissenschaftler dürfen auch andere Konzepte ins Auge fassen.
Naja, da geht es dann halt am Ende um Ressourcen. Die Geisteswissenschaftler versuchen schon seit Jahrzehnten, alles Papier vollzuschreiben und in irgendwelche Bibliotheken zu stellen. Seit der Entwicklung des Internet (bzw. der großen Festplatten) dürfte ihnen klargeworden sein, dass der Versuch von Anfang an vergeblich war. Heutzutage geht es an den Instituten eigentlich nur noch um Planstellen. Als nächstes kommt dann der Pflicht-Geisteswissenschaftler in Ethikkommissionen und dergleichen.

Wozu das führt, ist ja geläufig. Hier in Marburg verzögert z.B. ein Umweltgutachter seit etwa 5 Jahren die Errichtung von Windkraftanlagen an einem bestimmten Ort, und zwar wegen eines roten Milans (mit gestörtem Flugverhalten!), der da - angeblich - nistet. Keine Spur von Abwägung da. Würde man dem den Ausfall in Rechnung stellen (wie ja für "Freihandelsabkommen" verhandelt wird), würde der aus den roten Zahlen gar nicht mehr herauskommen. Solche "Absurdistan"-Resultate sind die direkten Nachfolger der Pippi-Langstrumpf-Ideologie der Geisteswissenschaften.

Zitat:
Immerhin zählt Theologie zu den Geisteswissenschaften. Willst Du Theologie abwürgen?
Äh, nein. Das ergibt sich von selbst, wenn man mal Plan und Resultat vergleicht.

Zitat:
Zitat von Lupo Beitrag anzeigen
Wo beschäftigen sich denn Geisteswissenschaftler damit?
Hier z.B.: http://philosophie.ch/scheinrealitaet.html

Natürlich können wir jetzt Haare spalten und darüber reden, was denn nun einen "Geisteswissenschaftler" genau ausmacht und was nicht. Das verfehlt aber dann meine Intention. Einig ist man sich da ja nur darüber, dass es dringend mehr Geisteswissenschaft braucht.

Zitat:
Ich dachte, das ist eher so eine Sache, die unter Freaks und SF-Fans in Internetforen ventiliert wird.
Sicherlich, ernsthafte Adhärenten dieser Ideologie sind (wie auch ernsthafte Solipsisten) vermutlich geisteskrank. Das wird doch aber keinen Philosophen daran hindern, sie ernstzunehmen. Der Perfi hat's ja gesagt: warum denn auch nicht?

Darum nicht...
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