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Überwachungsstaat Zensur, Medienkontrolle, Telekommunikations-, Verkehrs- und Bürgerüberwachung, Kameras, RFID-Chips...

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Alt 30.10.2013, 16:22   #1
Der Phoenizier
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Überwachung wird oftmals verharmlost, denn das sagt sich so leicht hin: Ich bin ein ehrlicher Mensch und habe nichts zu verbergen. Jetzt fällt mir wieder eine Episode aus meinem Leben ein, und da wäre es etwas heikel gewesen. (Zu meinem Glück wurde ich nicht überwacht).

Es wird immer gepredigt, der arbeitslose Mensch müsse sich um jeden Job bemühen. Damals war ich aktiv arbeitssuchend und erinnere mich an eine Stellenanzeige mit sinngemäß folgendem Wortlaut: “Die Tätigkeit ist so neu, dass es dafür keine anerkannte Ausbildung gibt. Einarbeitung wird garantiert. Quereinsteiger sind willkommen.” Das Vorstellungsgespräch grenzte an eine Aufforderung zu Straftaten. Der zukünftige Mitarbeiter soll sich als Vermögensberater ausgeben und unter dem Vorwand Wohnungen auskundschaften. Das Wort “Einbrecher” musste der Chef nicht in den Mund nehmen, denn ich konnte mir denken, was eine Einbrecherbande mit solchen Informationen anfangen wird. Natürlich habe ich abgelehnt. Wäre der Überwacher mir gegenüber fair gewesen, dann hätte er meine Absage mit aufzeichnen müssen. Eben da bin ich mir nicht so sicher.

Durch eine flächendeckende Überwachung kann auch die Jobsuche ein erhebliches Risiko bedeuten. Unseriöse Firmen geben sich in Stellenanzeigen nicht zu erkennen, und es gibt auch Scheinfirmen von der Mafia…
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Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. (Cicero)
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Alt 30.10.2013, 17:54   #2
Acolina
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Es gibt immer wieder Leute, die mir sagen: "Ich habe nichts zu verbergen!" Und ich sage jedes Mal hoch erfreut: "Toll! Ich komme gleich vorbei und baue Cams und Mikros in dein Bad, dein Schlafzimmer, jedes Zimmer, überall auf deine Wege, in dein Auto... Inkl. Livestreaming ins Net!" Sie sind dann immer voll begeistert!
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 30.10.2013, 19:03   #3
Nobby Nobbs
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Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
..."Toll! Ich komme gleich vorbei und baue Cams und Mikros in dein Bad, dein Schlafzimmer, jedes Zimmer, überall auf deine Wege, in dein Auto... Inkl. Livestreaming ins Net!" Sie sind dann immer voll begeistert!
Du willst das für die erledigen? Die Meisten tun das doch selbst. ^^
Wenn man das Netzverhalten Vieler mal auf die Straße projizieren würde, dann würde man 'ne ganze Menge Leute nackt und laut schreiend, mit geöffnetem Geldbeutel jonglierend durch die finstersten Straßen laufen sehen...
Aber ich könnte mir vorstellen, daß dein Vorschlag trotzdem auf wenig Gegenliebe stößt.
Vor Längerem habe ich mal irgendwo gelesen, daß ein Lehrer die Facebook-Daten (oder war es Studi-VZ? Egal.) seiner Schüler am schwarzen Brett der Schule ausgehängt hat. Das gab 'n riesen Spektakel.
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Alt 02.06.2014, 12:41   #4
Carola_136
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Das glaube ich Dir auf's Wort, dass es für Aufruhr gesorgt hat

Aber ich wüsste auch zu gerne, wie man als Lehrer auf eine derartige Idee kommt..

Hab hier ein interessantes Video zu "Überwachungsstaat" entdeckt:
https://www.youtube.com/watch?v=iHlzsURb0WI

Außerdem gibt es hier einen Beitrag zu der Überwachung in anderen Ländern, beispielsweise Indien:
https://digitalcourage.de/blog/2014/...eispiel-indien

LG,
Caro
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Alt 02.06.2014, 13:57   #5
Tarlanc
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Ich sehe aber das Problem, ganz ehrlich, auch nicht. Wenn man die Zeitung liest, komme ich mir manchmal wie der letzte Mensch vor, dem der NSA-'Skandal' komplett am Allerwertesten vorbeigeht und der die Vorratsdatenspeicherung über Jahre gutheissen würde.

Ja, man kann mit Daten Schabernack treiben. Aber das kann man auch mit allen anderen Dingen auf der Welt. Es gibt keine Technologie und kein Gegenstand, den man nicht für kriminelle Zwecke missbrauchen könnte oder schon missbraucht hat. Aber das macht eine saubere und umfassende Datensammlung, auf die man im Bedarfsfall zurückgreifen kann, nicht weniger sinnvoll.

Das heisst nicht, dass ich gegen Datenschutz bin. Ich muss nicht jedem Menschen, mit dem ich zu tun habe, meine ganze Lebensgeschichte, meine Gewohnheiten und meine Krankenakte zeigen. Aber wenn jemand diese Daten im Rahmen einer Untersuchung braucht, soll mir das recht sein.
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Alt 02.06.2014, 15:23   #6
basti_79
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Naja, früher war einmal - in Deutschland zumindest - der Wunsch nach Intimität in der Konstruktion des "höchstpersönlichen Lebensbereichs" formalisiert. Es gab keinen, aber auch wirklich keinen Grund, und schon gar keine Ausrede, etwa Schlaf- und Badezimmer, aber auch Gespräche mit Intimpartnern abzuhören.

Solche Aufnahmen sollten, wenn sie durch Zufall entstanden waren, gelöscht werden, da man eben diesen Bereich auch Straftätern noch zugestehen wollte. Der Grund war schlicht: der überwachte Mensch ändert sein Verhalten.

Jetzt könnte man argumentieren, dass diese Änderung zum guten wäre. Ich sehe das aber ein bißchen anders. Am Beispiel etwa der DDR sieht man, was aus vollkommen sozial kontrollierten Staaten wird: vollkommene Unfreiheit. Elend, das sich vielleicht nur in den Köpfen einer ignorierten Minderheit abspielt, das aber nichtsdestotrotz vorhanden ist. In diesem Sinne halte ich es nach wie vor für die beste Lösung, die einstmals niedergelegten Gesetze zu beachten, voran das Grundgesetz, und den Herrschern die Möglichkeit zu bieten, ihr Handeln zu reflektieren und sogar vielleicht zu ändern. Sollten sie diese Möglichkeit ausschlagen wollen, bleibt als letzter Anker das Recht zum Widerstand gegen Feinde der Verfassung. Andere Abhilfen gehen uns langsam, aber sicher, zur Neige. Sollte der Gesetzgeber weiter zögern, könnte es gelegentlich persönlich werden.
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Alt 02.06.2014, 16:19   #7
Der Phoenizier
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Meines Erachtens besteht das größte Problem darin, dass Zitate völlig missverständlich sind, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt. Dazu ein hypothetisches Beispiel. Angenommen, ich äußere mich zum utopischen Sozialismus. Nun überliest der Überwacher das Wörtchen "utopisch" und denkt, ich würde eine Revolution anzetteln. Dann bekomme ich Schwierigkeiten mit dem Verfassungsschutz...
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Alt 02.06.2014, 16:34   #8
Tarlanc
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Zitat:
Zitat von Der Phoenizier Beitrag anzeigen
Meines Erachtens besteht das größte Problem darin, dass Zitate völlig missverständlich sind, wenn man sie aus dem Zusammenhang reißt. Dazu ein hypothetisches Beispiel. Angenommen, ich äußere mich zum utopischen Sozialismus. Nun überliest der Überwacher das Wörtchen "utopisch" und denkt, ich würde eine Revolution anzetteln. Dann bekomme ich Schwierigkeiten mit dem Verfassungsschutz...
Wieso solltest du Probleme mit dem Verfassungsschutz bekommen? Da sie die restlichen Daten auch haben, wird schon eine oberflächliche Analyse ergeben, dass dieses Zitat nicht verfassungsfeindlich ist und du wirst nie etwas davon mitbekommen, dass für ein paar Millisekunden ein Algo deine bisherigen Posts gescannt hat.

Ausserdem leben wir nicht in einer Welt, in der man für Ideen und Äusserungen solche Probleme bekommt. Die bekommt man, wenn man sich Sprengstoff kauft, gesetzeswidrige Inhalte verbreitet oder sonst etwas strafrechtlich relevantes anstellt. Und dass man für Straftaten bestraft wird, finde ich nicht wirklich bedenklich. Auch nicht, wenn die Polizei nur deswegen herausfindet, dass man es war, weil sie unfair gespielt haben.

@Basti: Ja, in der DDR und im Reich lief nicht alles gut. Aber das lag nicht primär an der Überwachung (wobei die natürlich auch wichtig war), sondern an der Aufhebung des Rechtsstaates zu Gunsten einer Diktatur. Dazu sollten wir es wirklich nicht mehr kommen lassen, denn dann kann man aus der Überwachung ein Kontrollorgan machen. Dass das nicht erfreulich ist, daran kann sich die Welt noch sehr gut erinnern.
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jobsuche, überwachung

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