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Alt 29.07.2018, 15:37   #1
basti_79
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Standard Eva Herman: das dritte Reich und die Kitas

Dass sich eine Rechte mal dazu herablassen würde, das bundesdeutsche Bildungssystem zu "kritisieren", hätte ich mir noch vor ein paar Jahren nicht träumen lassen. Hier meine Kommentare auf Eva Herman:

Zitat:
Seit fast zwanzig Jahren beschäftigen mich Themen wie: Warum ist Deutschland so kinderfeindlich?
Da ist es jetzt schon schwer, das Ziel der Frage auszumachen. Wenn man nachfragt, warum viele Deutsche so unglaublich kinderfeindlich sind, bekommt man in der Regel eine eng auf Arbeit bezogene Antwort wie:
  • Man will vermeiden, dass die Kinder "später in Hartz IV abrutschen"
  • Das hätte Tradition, wäre mithin nicht zu hinterfragen
  • Dem Redner selber hätte "das" auch nicht geschadet
  • Der Redner wolle ja später auch mal eine (möglichst üppige) Rente kassieren
  • Irgendwer müsse ja die ganzen Arbeiten erledigen

etc.

Zitat:
Wieso bekommen die Deutschen die wenigsten Kinder auf der Welt?
Weil alle Deutschen wissen, wie sich Kindheit in Deutschland anfühlt?

Zitat:
Weshalb wird hier der kleinste Kern der Gemeinschaft, die Familie, systematisch durch eine grauselige Familienpolitik zerstört?
Da möchte man zurückfragen, was "Familienpolitik" ist.

Zitat:
Warum werden zu Hause bleibende Mütter diffamiert, wieso erhalten sie keine Anerkennung, weder gesellschaftlich, noch finanziell?
Weil sie "nicht genug arbeiten".

Zitat:
Wieso [ist] nur die erwerbstätige Frau ein »ernstzunehmendes Mitglied der Gesellschaft«, wie es Johannes B. Kerner in seiner legendären ZDF-Rausschmiss-Talkshow vom 09. Oktober 2007 konstatierte?
Da sollte man anmerken, dass es sich möglicherweise um eine rhetorische Frage handelte. Genau wie die Fragen von Eva Herman.

Zitat:
Hitlers Familienpolitik brachte erst den Leidensweg über Mutter und Kind

Wer über solche Themen laut nachdenkt, wird schnell und ohne Umschweife in die rechte Ecke gestellt, meinen doch die politisch korrekten Gutmenschen, dass gerade die Mutter in der dunklen Zeit Deutschlands durch die Familienpolitik Adolf Hitlers hochverehrt worden sei.
Naja, erst einmal hat selbst das dritte Reich schon auf menschenverachtende Traditionen (etwa die Schulen des alten Preußens) zurückgreifen können, und dann kann man ja nach den Mitteln fragen, mit denen diese Übergriffe realisiert wurden.

Wenn man darüber allerdings zuviel nachdenkt (kann ja auch still passieren) kommt man schnell auf den Trichter, dass es nicht um die Frage geht, ob jemand da eine Hakenkreuz-Flagge schwenkt, sondern um die, ob er denkt:

"Arbeit macht frei"

Und auf dieser Grundlage alle Menschenrechte in jedem Zusammenhang in Frage stellt und dem höchsten Wert der Arbeit unterwirft. Meiner Meinung nach (getroffene Hunde bellen) kann man daran, dass Herman sich darüber ereifert, wie Kerner vor mehr als 10 Jahren (!) diese Frage aufgeworfen hat, erkennen, dass sie noch nicht besonders viel darüber nachgedacht hat.

Zitat:
Denn neben dem billigen Propaganda-Instrument des Mutterordens begann genau in dieser der Leidensweg der deutschen Mutter und ihren Kindern- und übrigens damit auch der für die Männer. Und somit entstand erst die Kinderfeindlichkeit, die heute, achtzig Jahre später, all ihre demoralisierenden Auswirkungen zeigt.


Zitat:
Die von mir [in diesem Zusammenhang] veröffentlichten Resultate waren derartig verheerend, dass das System mich so schnell wie möglich aus selbigem entfernen wollte, was dann auch geschah.
Vorweg: ich habe Hermans Bücher (ich glaube, die hatten Titel wie "Weiter wie bisher", "Die Deutsche Mutter und ihr erstes Kind", "Ordnung, Disziplin, Gehorsam: die Kinder von heute sind die Soldaten der Zukunft") nicht gelesen. Da könnte man auch die Frage stellen, in welche Disziplin die gefallen sind. Ich meine mich aber zu erinnern, dass nicht die Resultate das Problem waren, sondern eher der staubig-konservative Duktus, die Abwesenheit zeitgenössischer Schulkritik, überhaupt schienen Kommentare auf die Nachkriegszeit gefehlt zu haben. Man könnte sagen, die Bücher haben da weitergemacht, wo man im dritten Reich aufgehört hatte. Das ist dann schon irgendwie ein strukturelles Problem.

Zitat:
Denn auch heute tut die Politik alles, um die erwerbstätigen Mütter so früh wie möglich von ihren kleinen Kindern zu trennen und letztere von fremden Personen »erziehen« zu lassen.
Das ist inhaltlich richtig. Witzigerweise scheint Herman nicht zu erkennen, welchen Zweck solche Manöver erfüllen.

Zitat:
Wer also ernsthaft wissen will, was hier in Deutschland dazu führte, dass die Bevölkerung ihre eigene Zukunft ablehnt, sich selbst als nicht mehr lebenswert zu betrachten scheint, der muss sich in die tiefsten Abgründe unserer Geschichte begeben, in die Nazizeit.


Da hat sie jetzt die 360°-Wende gemacht. Ich nehme an, dass Linke bei diesem Satz in weiten Teilen mitgehen würden - bloß würde sich jetzt eine heftige Diskussion darüber entfalten, was es bedeutet, "die eigene Zukunft abzulehnen". Oder "sich selbst nicht als Lebenswert zu betrachten".

Zitat:
Hier nahm man einst flächendeckend und ganz systematisch die rigorose Trennung von Müttern und ihren Babys vor.
Wohlgemerkt geht es nicht nur um die physische Trennung, sondern auch darum, dass die Kinder keinen Rückhalt irgendeiner Art erfahren dürfen, keiner Gnade würdig sein sollen. Deswegen werden sie ja auch in den Bildungs- und Erziehungsanstalten aller Rechte beraubt (kein Rückhalt durch den Staat, keine Gnade vom Staat), deswegen dürfen sie ja dort, wo "Erwachsene" reden (da kann man Kerners - mittlerweile klugerweise abgesetzte - Talkshow z.B. einrechnen), nicht mitreden, deswegen dürfen sie keine Politik betreiben (was ja selbst AStAs noch betrifft), deswegen wird Cliquenbildung ja trotz offensichtlicher politischer Probleme so sehr unterstützt und deswegen schämt man sich ja auch dafür...

Zitat:
Johanna Haarer hieß eine Ärztin, die von Adolf Hitler ins Familienministerium geholt wurde, um mit Propaganda und Gesinnungswäsche das Land davon zu überzeugen, die Kleinen nicht zu »verzärteln«, sondern sie früh wegzugeben.
Da wird es ja sogar wörtlich gesagt. Und wenn wir jetzt "Bildung" sagen, statt "Verzärteln", haben wir eine typisch rechte Schulkritik vor Augen...

Zitat:
Sie schrieb mehrere Bücher, die zur Pflichtlektüre für alle Mütter wurden, worin sie, für jeden Psychologen und Bindungsforscher leicht erkennbar, desaströse »Empfehlungen« gab.
Warum war das denn im dritten Reich nicht erkennbar?

Zitat:
Doch was hat das mit der heutigen, niederschmetternden Geburtenrate zu tun?
Um es auf eine kurze Formel zu bringen: man lässt Kinder auf diese Art und Weise emotional verkümmern. Deswegen sind sie als junge Erwachsene beziehungsunfähig, deswegen braucht man die allermeisten Familien gar nicht zu zerrütten. Wenn irgendjemand "aus der Reihe tanzt", zerstört man kurzerhand die Familie und überlässt die Kinder den Systempädagogen. Jeder Mensch mit Verstand und Gewissen begreift das, und möchte keine Verantwortung für ein Kind übernehmen. Da Empfängnisverhütung mittlerweile deswegen die Norm ist, bekommen nur noch dumme und reiche Menschen Kinder. Oder welche, die sich, weil sie immerzu Flaggen schwenken, Hymen grölen und Fremde verprügeln, der Unterstützung durch die Behörden sicher sein können.

Man könnte auch einfach die Frage stellen, warum sich jemand von einer Geburtenrate "niedergeschmettert" fühlen will.

Zitat:
Fragen wir einmal Anatoli Lunatscharski (1875-1933), marxistischer Kulturpolitiker Russlands, der unter dem Kommunisten-Idol Wladimir Lenin als Volkskommissar für das Bildungswesen fungierte. Er offenbarte vor fast hundert Jahren, was bei den Nazis dann ganz konkret ins Familienprogramm aufgenommen und stringent umgesetzt wurde:

»Unsere jetzige Aufgabe ist die Zerstörung der Familie und die Ablösung der Frau von der Erziehung ihrer Kinder. Wenn wir in unseren Gemeinschaftshäusern gut vorbereitete Abteilungen für Kinder organisiert haben, ergibt es sich zweifellos, dass die Eltern ihre Kinder von allein dorthin senden werden, wo sie durch medizinisch und pädagogisch qualifiziertes Personal überwacht sind.«
Der springende Punkt ist jetzt, wie das zustande kam:
  • Hat sich Lunartscharski so geäußert, weil er Marxist war, oder weil er Stalinist war?
  • Ist das Gemeinte notwendiger Bestandteil des Marxismus, oder hat Herman da sogar versehentlich einen zugrundeliegenden inneren Widerspruch in der heutigen Ideologie der Zwangsbildung und -erziehung aufgetan?

Zitat:
Zwei Gedanken prägten Haarers Bücher: die physische Trennung von Mutter und Kind und die emotionale Distanz.
Damit wäre die Antwort auf ihre ersten Fragen wohl gefunden, auch wenn es mir ein bisschen Platt ist, den gesamten Bestand der pädagogischen Menschenverachtung auf den Inhalt Bücher von Johanna Haarer zu reduzieren. Unter Pädagogen gilt es heute noch als schick, diese Gedanken bis in die letzte Konsequenz weiterzudenken, und z.B. überraschend Verhörsituationen zu arrangieren, um Kinder dazu zu zwingen, ihre Eltern als "ungebildet", "Hartz IV" etc. zu denunzieren - womit den Lehrern dann alle Macht zufällt.

Zitat:
Die Schriften der Nazi-Gehilfin degradierten Kinder systematisch zu widerspenstigen Störenfrieden.
Wenn man ganz genau hinschaut, kann man erkennen, dass Herman sich darüber beschwert, dass sie selbst in diesem Zusammenhang "infantilisiert" wird - behandelt, wie man ein kleines Kind nicht behandeln sollte.

Zitat:
Das Kind der Nazizeit wurde in einem ständigen Spannungszustand gehalten, seine existenziellen Bedürfnisse wurden permanent mit Füßen getreten.
Wie heute auch.

Zitat:
Viele spüren den Schmerz nicht einmal mehr.
Und viele nehmen auch keinen Schmerz wahr, den andere Empfinden. Genaugenommen beruht das System darauf.

Zitat:
Heute gehört die frühstmögliche Trennung der Mutter von ihrem Säugling zum festen Bestandteil der Gesellschaftspolitik.
Das ist letztendlich doch ein Strohmann: Das Problem ist nicht (nur) die "Trennung der Mutter vom Säugling", sondern die Entfremdung, die im Rahmen von "Sozialisation" gegen den Willen aller Beteiligten eingerichtet wird.

Das macht Herman natürlich mit Absicht, damit sich das Problem, das sie hier besingt, duch eine möglichst abstrakte Bußgeldvorschrift lösen lässt.

Zitat:
Doch bei den Deutschen wird es nichts mehr werden damit, denn es ist zu spät. Wir sind nicht eine Gesellschaft des Lebens, sondern des Sterbens geworden, aber, das stört ja keinen alten Hund mehr. Zu träge sind wir, zu müde offenbar, um zu widersprechen. Man lässt alles einfach geschehen.
Da sind wir ja sogar inhaltlich beieinander. Herman bringt hier aber die Perspektive einer alten Frau ins Spiel, die schon seit Jahren im politischen Abseits steht. Das, was sie da schreibt ist jedenfalls auch keine Perspektive für die jungen Menschen, bestenfalls eine morbide Satire auf die Staatsraison, die sich wie Mehltau über das Merkel-Regime und seine Anhänger gelegt hat.

Ich rechne ihr hoch an, dass sie sogar von "Schmerzen" spricht, gar vom Sterben und auch noch (zumindest bildlich) eigene Schmerzen meint. Das ist eine Ehrlichkeit, die man aus dieser Ecke gar nicht gewohnt ist. Warum sie jetzt z.B. die Schulpflicht übersehen hat, oder die "beruflichen Aussichten" von Menschen um Jg. 2000, erklärt sich mir nicht. Das hätte jede Menge Häme und Zynismus hergeben können.

Ich lese diesen Text als ein Zeichen der Zeit. Dumm nur, dass er von Regimetreuen als Vorwand genommen wird, die Folter der Kinder und Jugendlichen noch zu verschärfen. Immerhin hat ja eine vom anderen Ufer verständlich zum Ausdruck gebracht, was ihr Problem ist.

https://www.eva-herman.net/eva-herma...nd-die-kitas/c
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Alt 29.07.2018, 16:43   #2
perfidulo
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Ach je, ach je. So viele Buchstaben für ein banales Problem.
Die Geburtenrate nimmt mit dem "Wohlstand" ab. Das kann man überall beobachten. Das wurde schon zu Kaisers Zeiten beklagt.
Ein Rolle spielt, ob man als Frau Berufstätigkeit mit Kindern vereinbaren kann. In Deutschland nicht so gut, aber das will die AfD nicht wissen.
In Frankreich oder Schweden schon eher, weil es ein flächendeckendes System zur Betreuung der Kinder gibt, teilweise Betriebskindergärten mit langen Öffnungszeiten.
Basti wird da wieder Unterdrückung wittern.
Aber ist das Heimchen am Herd, das sich ohne entsprechende Qualifikation der Kindererziehung widmet, die bessere Variante?
Da werden die FeministInnen auf die Barrikaden gehen. Zu recht!
Aber Mama Hermann will ja das treusorgende Mutterherz, das vom Staat alimentiert wird. Allerdings für eine Leistung ohne Qualitätskontrolle und Befähigungsnachweis.
Da war man zu Kaisers Zeiten weiter: Mütter wurden systematisch geschult in den "Basic Skills" und bekamen Hilfen (Müttergenesungsheim). Weil eben klar war, dass das Modell der Mehrgenerationen-Grossfamilie nicht mehr greift, wo man auf die Oma zurückgreifen kann.
Aber das ist die vormoderne Vision, die Leitbild von AfD und Konsorten ist.
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Alt 29.07.2018, 19:26   #3
Lawrence P. W.
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Wieviel eigen Kinder hast du noch Basti?
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Letztendlich muss jeder Atheist dran glauben
Der Glaube ist eine Realität von den Dingen, die wir hoffen.
Nietzsche "Gott ist tot" ............................................ Gott "Nietzsche ist tot"
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Alt 30.07.2018, 11:40   #4
Venkman
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Zitat:
Zitat von Lawrence P. W. Beitrag anzeigen
Wieviel eigen Kinder hast du noch Basti?
Die Frage ist gut... Bei all der Kritik/Hetze gegen (generell) Bildung/Schule/Kindererziehung verhält es sich ähnlich wie mit den sogenannten/selbsternannten Restaurantkritikern, die wenigsten von denen können wirklich kochen, geschweige denn einen Topf Wasser heiß machen ohne ihn anbrennen zu lassen...
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"Es ist eine ewige Erfahrung, daß jeder Mensch, der Macht in Händen hat, geneigt ist, sie zu mißbrauchen. Er geht soweit, bis er Schranken findet."
- Charles Baron de Montesquieu -
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Alt 30.07.2018, 13:17   #5
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Venkman Beitrag anzeigen
..... ähnlich wie mit den sogenannten/selbsternannten Restaurantkritikern, die wenigsten von denen können wirklich kochen, geschweige denn einen Topf Wasser heiß machen ohne ihn anbrennen zu lassen...
Das ist wieder kompletter Blödsinn, aber das kommt dauernd, wenn jemand etwas kritisiert.
Ein Theaterkritiker muss kein besserer Regisseur oder Autor sein und ich kann die Kochkünste eines anderen sehr wohl beurteilen ohne es selbst besser machen zu können.
Oder nehmen wir die Millionen Fußballfans, die jedes Spiel sachkundig beurteilen können ohne die Bierflasche aus der Hand zu legen.
Man braucht keine eigenen Kinder um zu erkennen, was in der Erziehung schief läuft. Die Kinder der anderen reichen völlig.
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Alt 30.07.2018, 14:06   #6
Venkman
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Das ist wieder kompletter Blödsinn, aber das kommt dauernd, wenn jemand etwas kritisiert.
Wenn du meinst...

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Ein Theaterkritiker muss kein besserer Regisseur oder Autor sein und ich kann die Kochkünste eines anderen sehr wohl beurteilen ohne es selbst besser machen zu können.
Natürlich kannst du die beurteilen... hab ich ja auch nicht bestritten...

Kritisieren ist immer einfacher und schnell erledigt, aber etwas selber besser machen, da haperts dann doch bei den einen oder anderen...

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Oder nehmen wir die Millionen Fußballfans, die jedes Spiel sachkundig beurteilen können ohne die Bierflasche aus der Hand zu legen.
Na wenn du die als sachkundig bezeichnest, erübrigt sich jeglicher Kommentar...

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Man braucht keine eigenen Kinder um zu erkennen, was in der Erziehung schief läuft. Die Kinder der anderen reichen völlig.
Laß mich raten, du hast auch keine? Andernfalls, woher willst du wissen das ein "Kinderloser" der bessere Erzieher/Erzieherin ist?

Wie schon gesagt rummeckern an allem Möglichen das kann ein jeder (selbst der größte Depp!) aber eine Sache tatsächlich besser machen, da scheiterts dann doch meist. Sicher Ausnahmen gibts da immer.
Und im übrigen, ich hatte vor den Restaurantkritiker nicht umsonst die beiden Wörter: "sogenannt und selbsternannt" gesetzt...
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Geändert von Venkman (30.07.2018 um 14:10 Uhr).
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Alt 03.08.2018, 09:41   #7
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Die Geburtenrate nimmt mit dem "Wohlstand" ab. Das kann man überall beobachten. Das wurde schon zu Kaisers Zeiten beklagt.
Da fragt man sich doch, wer wie, womit und warum "Wohlstand" messen wollte.

Man kann allerdings auch beobachten, dass Triebunterdrückung eng mit Kultur verknüpft wird, was wohl die Ursache darstellen dürfte.

Zitat:
Ein Rolle spielt, ob man als Frau Berufstätigkeit mit Kindern vereinbaren kann. In Deutschland nicht so gut, aber das will die AfD nicht wissen.
Warum nicht als Mann auch?

Und: warum interessiert es niemanden, dass die GroKo bzw. ihre vorigen Inkarnationen genausowenig davon wissen wollte?

Zitat:
In Frankreich oder Schweden schon eher, weil es ein flächendeckendes System zur Betreuung der Kinder gibt, teilweise Betriebskindergärten mit langen Öffnungszeiten.
Was ist denn an Fremdbetreuung überhaupt gut?

Zitat:
Basti wird da wieder Unterdrückung wittern.
Warum denn? Wenn die Eltern so blöd sind, sich als Sklaven zu verschachern, ist es doch nur folgerichtig, "die Kinder dort abzuholen, wo sie stehen", oder?

Zitat:
Aber ist das Heimchen am Herd, das sich ohne entsprechende Qualifikation der Kindererziehung widmet, die bessere Variante?
Nein, das ist nur ein Strohmann, den Systempädagogen regelmäßig auffahren.

Zitat:
Aber Mama Hermann will ja das treusorgende Mutterherz, das vom Staat alimentiert wird. Allerdings für eine Leistung ohne Qualitätskontrolle und Befähigungsnachweis.


Jetzt mal im Ernst:
  1. Wie hängen "treue Sorge", "Mütterlichkeit" und "staatliche Alimente" (!) miteinander zusammen?
  2. Wer erbringt hier welche Leistung?
  3. Was für Qualitäten (oder Befähigungen) würde wer warum kontrollieren?

Zitat:
Da war man zu Kaisers Zeiten weiter: Mütter wurden systematisch geschult in den "Basic Skills" und bekamen Hilfen (Müttergenesungsheim).
Immerhin etwas, was nicht ganz falsch ist. Tatsächlich würde ich sagen, dass das Kaiserreich noch bedeutend fürsorglicher war als der heutige LMAA-Staat.

Zitat:
Weil eben klar war, dass das Modell der Mehrgenerationen-Grossfamilie nicht mehr greift, wo man auf die Oma zurückgreifen kann.
Watt?

Zitat:
Zitat von Venkman Beitrag anzeigen
Kritisieren ist immer einfacher und schnell erledigt, aber etwas selber besser machen, da haperts dann doch bei den einen oder anderen...
Kleiner Einwand: hier in Deutschland darf man nicht einmal irgend etwas anders machen, geschweige denn besser.

https://de.wikipedia.org/wiki/Offene_Gesellschaft

Zitat:
Na wenn du die als sachkundig bezeichnest, erübrigt sich jeglicher Kommentar...
Da hast Du wohl den Ironiedetektor daheim gelassen.

Zitat:
Andernfalls, woher willst du wissen das ein "Kinderloser" der bessere Erzieher/Erzieherin ist?
Strohmann.

Zitat:
Wie schon gesagt rummeckern an allem Möglichen das kann ein jeder (selbst der größte Depp!) aber eine Sache tatsächlich besser machen, da scheiterts dann doch meist. Sicher Ausnahmen gibts da immer.
Ich halte es auch für einen interessanten Zirkelschluss, unter dem Vorwand der "Verwahrlosung" Kinder zu misshandeln.
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Alt 03.08.2018, 10:37   #8
perfidulo
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Wieder mal einen Menge Text, aber eine Frage, die offensichtlich näherer Betrachtung bedarf

[quote]
Zitat:
Wie hängen "treue Sorge", "Mütterlichkeit" und "staatliche Alimente" (!) miteinander zusammen?
Wer erbringt hier welche Leistung?
Was für Qualitäten (oder Befähigungen) würde wer warum kontrollieren?
]

Das "klassische" Modell geht davon aus, dass der Mann Geld heimbringt und die Frau sich um die Kinder kümmert. Also eine Leistung bei der "Reproduktion der Arbeitskraft" erbringt, die in den Lohn des Mannes eingerechnet wird.
Nach "Qualifikation" wird nicht gefragt. Nach "Lust" auf diesen Job schon garnicht. Das war eben das Schicksal der Frau. Weiterbildung allenfalls über die Kirche.
In anderen Ländern gehört auch Kochen, Wasser- und Holzschleppen, Getreide mahlen zu den Aufgaben der Frauen und wird neben der Kindererziehung erledigt.
Ich hoffe, das ist nicht das Modell, das Basti vorschwebt.
Während der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft ergab es sich, dass man die Frauen gelegentlich in der Produktion brauchte (Reservearmee), vor allem in Kriegszeiten. Dann fiel die Kinderbetreuung flach und musste zentral organisiert werden.
Zudem stellte man fest, dass die Kinder (vor allem die männlichen) bestimmte Kenntnisse für ihr späteres Leben brauchten (Lesen, Rechnen), die ihnen die analphabetischen Mütter nicht vermitteln können. Also Schulpflicht, damit die Soldaten halbwegs Anhnung haben. Auch für die Fabrikarbeit konnten die Mütter wenig beitragen.
Es ist ein typische Phänomen der "gebildeten Schichten", die früher Hauslehrer hatten, dass man die Erziehung individuell und privat organisieren könnte (Basti glaubt auch noch daran).
Da sich das Modell heute aus dem Einkommen eines Elternteils nur selten rechnet, soll eben der Staat finanziell angezapft werden (Elterngeld).
Das ist natürlich eine horrend ineffiziente Methode, aber das traut sich keiner in dieser Deutlichkeit zu sagen. Mal abgesehen von den laufenden Qualitätsicherungsmassnahmen und Endkontrollen.
Die etwas kollektivere Variante der Privatschulen ist das schon besser, aber auch die kommen ohne Geld vom Staat nicht aus. Im vorschulischen Segment ist ja die privatisierung schon weiter (KiTa-Vereine).
Das kollidiert natürlich mit dem Paradigma, das "Mütterliche Fürsorge" etwas individuelles, allenfals familiäres (Oma) sei. Bei Versagen des Modells soll eben der Staat einspringen und das durch Zuschüsse weiter gewährleisten.
Da waren die Bolschewiki schon wesentlich weiter!
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Alt 08.08.2018, 08:15   #9
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Mal davon abgesehen, dass Du Dich hier im Vorbeireden übst, und Strohmänner aufstellst:

Zitat:
Ich hoffe, das ist nicht das Modell, das Basti vorschwebt.
Nein, ist es nicht. Gut aber, dass Du dieses Menschenbild mal schriftlich wiedergegeben hast.

Zitat:
Während der Entwicklung der kapitalistischen Gesellschaft ergab es sich, dass man die Frauen gelegentlich in der Produktion brauchte (Reservearmee), vor allem in Kriegszeiten. Dann fiel die Kinderbetreuung flach und musste zentral organisiert werden.
Mein Reden...

Zitat:
[...]

Es ist ein typische Phänomen der "gebildeten Schichten", die früher Hauslehrer hatten, dass man die Erziehung individuell und privat organisieren könnte (Basti glaubt auch noch daran).
Moment mal... In Deinem Text geht es bislang um Wirtschaft und um Krieg, und jetzt auf einmal geht es um "Erziehung"... Da passt doch was nicht zusammen.

Zitat:
Da sich das Modell heute aus dem Einkommen eines Elternteils nur selten rechnet, soll eben der Staat finanziell angezapft werden (Elterngeld).
Das entsprechende Institut heißt in Deutschland "Kindergeld" - aber was ist das Problem dabei? Lehrer werden doch auch von Steuern finanziert.

Zitat:
Das ist natürlich eine horrend ineffiziente Methode, aber das traut sich keiner in dieser Deutlichkeit zu sagen. Mal abgesehen von den laufenden Qualitätsicherungsmassnahmen und Endkontrollen.
Es ging um die Zünder für die 40-mm-Granaten, oder?

Scherz beiseite: das, was Du schreibst, klingt wie Fabrik und Fließband, nicht wie Schule, Kita oder Mensch.

Zitat:
Die etwas kollektivere Variante der Privatschulen ist das schon besser, aber auch die kommen ohne Geld vom Staat nicht aus.
Wie kommt es denn, dass etwa seit dem Ende des zweiten Weltkriegs niemand mehr denkt, dass "Bildung" ein gutes Investment wäre, in Euro gemessen, d.h. dass es sich lohnen könnte, eine Schule zu bezahlen?

Ich würde sagen, es liegt hauptsächlich an dem beschissenen ROI.

Zitat:
Im vorschulischen Segment ist ja die privatisierung schon weiter (KiTa-Vereine).
Öhm, "Fördervereine" mit Zwangsmitgliedschaft (versteckte Schulgebühren) sind m.W. inzwischen üblich. Klar: wie sollte man denn auch sonst das marode Dach flicken?

Zitat:
Das kollidiert natürlich mit dem Paradigma, das "Mütterliche Fürsorge" etwas individuelles, allenfals familiäres (Oma) sei.
Watt?

Zitat:
Bei Versagen des Modells soll eben der Staat einspringen und das durch Zuschüsse weiter gewährleisten.
Ich würde mal sagen, der Staat ist schon aus ethischen Gründen dazu verpflichtet, Unterkünfte und Betreuung für junge Menschen anzubieten. Du sagst es ja selber: überall droht die sittlich-moralische Verwahrlosung, der Kern allen Übels.

Wie das jetzt dazu führen kann, dass man allen jungen Menschen alle Menschenrechte abspricht, und das auch noch ökonomisch begründet ("wir wollen die ja mal ausbeuten"), leuchtet mir nicht richtig ein, aber Du kannst das sicherlich im Detail erklären.

Zitat:
Da waren die Bolschewiki schon wesentlich weiter!
Laut O.B. (geboren um 1985 in Karaganda) waren im fernen Osten zur Zeit der Wende die Lebensbedingungen für junge Menschen und auch für ihre Eltern deutlich besser als hier und heute.
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Alt 08.08.2018, 08:42   #10
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich würde mal sagen, der Staat ist schon aus ethischen Gründen dazu verpflichtet, Unterkünfte und Betreuung für junge Menschen anzubieten. Du sagst es ja selber: überall droht die sittlich-moralische Verwahrlosung, der Kern allen Übels.
Ich kann mich nicht erinnern, das ich je von "sittlich-moralischer Verwahrlosung" gesprochen hätte. Das ist AfD-Stil, aber das traut man mir offensichtlich inzwischen zu (Framing?) Ethische Gründe und Staat - Der Herr belieben zu scherzen! Der Staat ist dafür da, optimale Verwertungsbedingungen des Kapitals zu sichern. Da hat man schon im 18. Jahrhundert erkannt, dass eine zentrale Lösung bei der Kindererziehung objektiv Vorteile hat. Nur der Umkehrschluss, dass deswegen die Rückverlagerung auf die Familie wünschenswert sei, ist falsch. Das ist die plumpe Denke früher Ökos: Weil Machinen den Kapitalisten gehören, wollen wir sie nicht und werkeln von Hand.
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