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Astronomie Hier geht's nicht nur um Astronomie im klassischen Sinne, sondern auch um all die Mythen, Geschichten und Prophezeiungen, die sich rund um Sterne, Kometen und andere Himmelskörper ranken.

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Alt 11.04.2003, 23:02   #1
Zwirni
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Standard Streit um die Entdeckung Neptuns beigelegt?

Zitat:
Ein britischer Historiker wirft seinen Landsleuten vor, sich bei der Entdeckung des Planeten Neptun unverdienten Ruhm verschafft zu haben.

Lange stritten Briten und Franzosen darüber, von wem die entscheidenden Berechnungen für die Entdeckung des Planeten Neptun stammen. Nach Untersuchungen, die ein britischer Historiker jetzt auf einer Fachtagung in Dublin vorgestellt hat, dürfte dieser Streit nun endgültig entschieden zu sein. Demnach war der Fund aus dem Jahr 1846 tatsächlich eine französisch-deutsche Koproduktion, die später britische Astronomen für sich reklamierten.

Planetarer Störenfried

Am 23. September 1846 entdeckte der Direktor der Berliner Sternwarte, Johann Gottfried Galle, den achten Planeten unseres Sonnensystems. Als eigentlicher Entdecker Neptuns gilt jedoch der Franzose Urbain Jean-Joseph Le Verrier. Aufgrund von Unregelmäßigkeiten in der Bahn des äußersten der damals bekannten Planeten, Uranus, schloss der Mathematiker auf das Vorhandensein eines planetaren «Störenfrieds».

Seine Berechnungen zur möglichen Umlaufbahn dieses Objekts schickte Le Verrier nach Berlin, wo sich eines der leistungsfähigsten Teleskope jener Zeit befand. Die Daten erwiesen sich als so exakt, dass Galle kaum eine Stunde benötigte, um den neuen Planeten zu entdecken.

Unverdienter Ruhm

Doch schon kurz nach der Entdeckung entbrannte ein Streit um die Frage, wer die Neptun-Bahn zuerst exakt berechnet habe. George Airy, als «Royal Astronomer» damals die Koryphäe schlechthin der britischen Astronomie, reklamierte den Fund für sein Land. Nicht Le Verrier, sondern der englische Mathematiker John Couch Adams, habe die Neptun-Bahn zuerst richtig berechnet, gut ein Jahr vor der eigentlichen Entdeckung. Airys Äußerungen machten Adams in England zum Nationalhelden. Im öffentlichen Bewusstsein genoss er als wahrer Entdecker des Neptun bald mehr Ruhm als sein französischer Konkurrent.

Unverdienten Ruhm, wie Nicholas Kollerstrom vom University College London jetzt auf dem UK National Astronomy Meeting in Dublin darlegte. Der Historiker widmet sich seit Jahren der Erforschung dieses umstrittenen Kapitels der Astronomie. Als wichtige Quelle nutzt er dabei neben Aufzeichnungen von Adams auch Hunderte zeitgenössischer Briefe, die vor langer Zeit aus dem Archiv des Royal Greenwich Observatory verschwanden und erst 1999 in Chile wieder auftauchten. Erst diese Quellen ermöglichten dem Historiker eine genaue Rekonstruktion der damaligen Ereignisse. Und die fällt für seine Landsleute wenig schmeichelhaft aus.

Airy habe, so Kollerstrom, ein falsches Bild von Adams' Berechnungen geliefert. «Der britische Fall wurde weitgehend nach der Entdeckung des Planeten konstruiert», so der Wissenschaftler im Gespräch mit der BBC. Adams habe zwar Kalkulationen angestellt, seine Berechnungen seien jedoch ungenauer gewesen als die seines französischen Kollegen.

Auch sei sich der britische Mathematiker seiner Sache nie wirklich sicher gewesen. «Er blieb sehr vage, und seine Vorhersagen wechselten», so Kollerstrom weiter. «Ich denke, das war auch die Ursache dafür, warum die britischen Astronomen sechs Wochen lang vergeblich nach Neptun suchten  während die Deutschen den Planeten in einer halben Stunde fanden.»

Erfolgreiche Vermarktung

Wesentlich erfolgreicher seien die Briten allerdings gewesen, als es um die Vermarktung der Entdeckung ging. Eine «bemerkenswerte britische Übernahme» nennt Kollermann die erfolgreichen Bemühungen Airys, seinem Kollegen nachträglich Anerkennung zu verschaffen. «Le Verriers Verdienst wurde nahezu ausgelöscht durch die vermeintlichen Erfolge der Briten» so der Forscher. Dabei schreckte Airy sogar vor Schaden für das eigene Renommee nicht zurück, indem er zuließ, dass man ihn für die vermeintlich zu späte Berücksichtigung von Adams Berechnungen verantwortlich machte.

Kollermann ist sich bewusst, dass seine Ergebnisse auch heute noch Kontroversen auslösen können. Um allen Kritikern die Möglichkeit zu geben, die Thesen zu überprüfen, soll der von ihm untersuchte Briefwechsel noch in diesem Jahr veröffentlicht werden.
http://www.netzeitung.de/servlets/pa...81&item=234908
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