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Alt 05.01.2014, 17:19   #1
Acolina
Hausdrachen
 
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Idee Akademischer Kapitalismus

In der SZ vom Wochenende gibt es einen interessanten Artikel (leider kostenpflichtig: http://szmobil.sueddeutsche.de/show....tag=1388790000) von Wolfgang Kemp: "Akademischer Kapitalismus - Die amerikanischen Universitäten werden gerade von profithungrigen Managern zerstört. Eine Warnung an alle willigen Nachahmer in Deutschland." Lesenswert.
Zitat:
Es geht um das US-amerikanische Hochschulsystem, genannt High Ed. In dem Moment, da bei uns das letzte Bundesland die Studiengebühren wieder abschafft, steigen in den USA die Kosten für das Studium ins Unermessliche. Die Höhe der Sätze richtet sich nicht nach Aufwand und Gegenleistung. Nein, auch die Universitäten, die auf den höchsten Vermögen sitzen, verlangen die höchsten Gebühren, denn diese gelten „als Trophäe, als Symbol“, wie der frühere Präsident der George Washington University vor einigen Jahren unverblümt eingestand. Er hatte in seiner Amtszeit die Kosten in die Höhe von etwas unter 50000 Dollar für „tuition“, also für das Studium, getrieben. Hinzu kommen 10000 Dollar für einen Platz im Studentenheim und für Verpflegung. Nun deckt das nicht alles, was ein junger Mensch so braucht. Legen wir noch einmal sparsame 5000 Dollar drauf, und wir haben einen Spitzenwert von 65000 Dollar pro Jahr. Das sind nach jetzigem Kurs 47000 Euro. [...]

Ungezügelte Konkurrenz führt zu dem Resultat, das kurz „University Inc.“ oder Aktiengesellschaft Universität heißt. Da ist zunächst der Wettbewerb zwischen den Stiftungsuniversitäten, die ihre Gewinne behalten müssen, und den „Pro-Profit“-Universitäten. Der US-amerikanische Senat hat dieser boomenden Branche vor Kurzem eine Untersuchung gewidmet – eine Zahl mag aus dem 800 Seiten-Report herausgepickt werden: Für die Zwecke der Lehre werden in „Pro-Profit“-Universitäten im Durchschnitt 17,4 Prozent der eingenommenen Gelder aufgewandt, der Rest ist Gewinn, Werbung, Management. Forschung findet an diesen Universitäten nicht statt.
Der Artikel basiert auf einem von Thomas Frank: "Academy Fight Song" (in "The Baffler").
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 05.01.2014, 18:08   #2
basti_79
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Naja, das ist an sich ein alter Hut. Hierzulande findet sich die sogenannte "Drittmitteldiskussion" an den Hochschulen und Werbung von Protagonisten des militärisch-industriellen Komplexes an den Pflichtschulen, zuletzt diskutiert: die Bundeswehr.

Der Witz ist ja, dass "Wirtschaft" und "Staat" mittlerweile vollends verschmolzen sind. Wenn z.B. Siemens sich von Prof. Beck aus Clausthal die Leistungselektronik für den ICE rechnen läßt, ist das ja fast eine "In-House-Lösung".

Es handelt sich letztlich um eine Phantomdebatte, da niemandem ein gutes Kriterium einfällt, zwischen "Staat" und "Wirtschaft" auch nur zu unterscheiden. Auf dem Papier gibt es da vielleicht Unterschiede, aber de Facto gibt es nur eine große Suppe.

Ein gewisser Benito Mussolini hatte übrigens genau diese Suppe einmal mit dem Begriff "Faschismus" identifiziert. Ein Schelm, wer schlechtes dabei denkt.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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