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Diverses Alles rund um Grenzwissenschaften, was nirgendwo anders so recht rein passt....

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Alt 02.11.2004, 03:33   #1
Acolina
Hausdrachen
 
Benutzerbild von Acolina
 
Registriert seit: 15.01.2002
Ort: just the other side of nowhere
Beiträge: 11.164
Standard Zeit für Gewaltfreiheit?

Habe gerade bei Telepolis einen interessanten Artikel gelesen und bin gespannt auf eure Meinung dazu

Den kompletten Artikel gibts hier.

Zum Appetit anregen mal einige Zitate daraus:

Zitat:
Zeit für Gewaltfreiheit?

Michael N. Nagler/ Marcel M. Baumann

Trotz der vorherrschenden Gewalt.die stets im Repressionzirkel endet, entsteht im Augenblick eine globale dritte Welle der Gewaltfreiheit

...

Diesem Beitrag liegen keine Naivität oder fehlendes Problembewusstsein zugrunde. Unüberseh- und unüberhörbar sind gerade in den USA die rechten Radio- und Fernseh-Talkshows eifrig darum bemüht, Millionen von Menschen die Botschaft der Gewalt einzuprägen. Spätestens seit der "Gingrich-Revolution" ist diese Form des "Hate Talk" in der amerikanischen medialen Öffentlichkeit fast unaufhaltsam geworden. Es ist der Weg hin zur "Entmenschlichung" einer gesamten Zivilisation - eine Entmenschlichung wie sie besonders die Menschen in den Straßen von Bagdad und Gaza letztlich zu spüren bekommen.

Es gibt jedoch Grund zu Optimismus, wenn man sich der Kraft des menschlichen Individuums -der Kraft der Gewaltfreiheit - bewusst wird, eine Kraft, die erst noch vollends "befreit" werden muss, aber die stetig gewachsen ist. Jonathan Schell, Korrespondent der Zeitschrift "The Nation" und Autor des Bestsellers "Fate of the Earth", schrieb vor kurzem, dass die zweite Hälfte des 20. Jahrhunderts deutlich machte, wie sehr rohe Gewalt mehr und mehr aussichtslos und vergeblich ist - vielem, lautem Schreien in die andere Richtung zum Trotz - und stattdessen die Kraft des menschlichen Individuums mehr und mehr an Bedeutung gewinnt.

...

In allen diesen so unterschiedlichen Bewegungen war es die unterdrückte Bevölkerung, welche erkannte, dass es möglich ist, eine Widerstandsbewegung gegen ein scheinbar unbesiegbares Regime zu organisieren, es in den Augen der Bevölkerung zu "de-legitimieren" und seinen Niedergang zu beschleunigen. Der Schlüssel zum "Sieg" dieser Bewegungen über die scheinbar übermächtige militärische Kraft waren die Hingabe und das Engagement für den Willen der Gemeinschaft. Es wurde eine neue "Entdeckung" gemacht: Physische Kraft konnte durch Willenskraft überwunden werden.

Dieser Wille braucht zur gleichen Zeit jedoch Intelligenz und Strategie. Einige dieser Bewegungen entwickelten eine "Kunst", deren Bedeutung nicht stark genug gewürdigt werden kann: das gewaltfreie Training. Gandhi sprach davon, dass das Training zum "Satyagrahi", zum "gewaltlosen Aktivisten", noch rigoroser sein muss als die Ausbildung eines konventionelle Soldaten.

...

Dieses langsam erwachende Bewusstsein, dass es noch eine andere Kraft gibt als Gewalt, verstärkt die bestehende Tendenz hin zur Gewaltfreiheit. Paradigmatisch findet ein Wechsel von alten marxistischen Vorstellungen (schon Gandhi kam mit der Lehre Marx nicht immer zu Recht) hin zu Vorstellungen statt, welche offener sind für tiefere, spirituelle Veränderungen und Transformationen. Dieses erwachende Bewusstsein und Tendenzen werden umso deutlicher werden, je länger beides weitergehen wird: der Militarismus und der Widerstand gegen Krieg. Die Welt wird vor eine Wahl gestellt werden.

...

Gewalt untergräbt sich selbst: das Paradoxon der Repression

Der rasante Aufstieg der Anti-Kriegs-Bewegung zu einer Massenbewegung erklärt ein oft beobachtbares Muster. Gewaltfreier Widerstand zwingt ein gewalttätiges Regime oder eine Regierung in ein "Paradoxon der Gewalt": Nach der Eigenlogik von Regierungen und Regimen müssen diese ihre rohe und nackte Gewalt gegen aufkeimende Widerstände mehr und mehr verstärken, um die Kontrolle zu bewahren; es wird jedoch irgendwann ein Punkt erreicht, an welchem diese Gewaltstrategie von niemandem mehr akzeptiert werden kann - nicht nur von den unmittelbar Betroffenen, sondern auch von der Gesamtgesellschaft (im englischen Sprachgebrauch wird dafür oft der Begriff reference publics verwendet) und vor allem von der Weltöffentlichkeit.

...

Die dritte Welle der Gewaltfreiheit ist auch eine Gegenbewegung zur "exklusiven" Globalisierung, die zu viele Interessen und Regionen der Weltgesellschaft außen vor lässt. Durch Bewegungen wie in Seattle wurde "entdeckt", dass man Zusammenschlüsse so organisieren kann, dass sie von der Energie und Kreativität des Individuums profitieren können und der einzelne nicht nur ein "Zahnrad" in einer großen Maschine darstellt. Gruppen wie die "Ruckus Society" machten sich die lose zusammenhängende, demokratische Struktur der "Affinity Gruppen" zunutze, eine Struktur, welche zuerst in den Anfängen der Kämpfe gegen den Faschismus in Spanien auftauchte und später in den amerikanischen Anti-Atom-Kampagnen weiterentwickelt wurde:

Die Hierarchie- und Führerlosigkeit der heterogenen Bewegung (ein paar 'Stars' sind mittlerweile ins Rampenlicht gestellt worden) entpuppte sich als Vorteil: Ein lose verkoppeltes, auf thematisch gebundene Zellen setzendes Netzwerk mobilisiert ohne formale Entscheidungsprozeduren punktgenau und weltweit mit Hilfe neuester Kommunikationstechnologien. Die zu Unrecht als 'Protesttourismus' abgetane Bewegung verflüchtigt sich vorübergehend im Cyberspace, um bei nächster Gelegenheit wieder in Gruppen aus Fleisch und Blut hervorzutreten.
Claus Leggewie, David gegen Goliath: Seattle und die Folgen, in: Aus Politik und Zeitgeschichte, Nr. B48/2000, S. 3-4

Das bedeutet Demokratie in ihrem eigentlichen, direkten Sinne.

...

In einer indianischen Geschichte erzählt der Großvater seinem Enkel, dass es zwei Wölfe in ihm gibt, welche gegeneinander kämpfen: einer ist grausam und zerstörerisch, der andere ist sanftmütig und stark. Als das Kind ihn ängstlich danach fragt, welcher von beiden gewinnen wird, antwortet der Großvater: "Jener, den ich füttern werde." Die Bewegungen von Gandhi und King erweckten die "versteckte" Kraft der Unterdrückten, welche zu einer Welle von Aufständen gegen verschiedene Regime führten. Mit der Zeit verstreute sich das Bewusstsein über diese Kraft über den ganzen Globus, je schneller und besser die Kommunikationstechniken wuchsen.

So haben wir jetzt das Stadium des "globalen Bewusstseins" für Gewaltfreiheit und die Interdependenz der globalen Probleme erreicht, die dritte Welle der Gewaltfreiheit. Es ist eine Chance, aber auch eine Herausforderung: Haben die ersten beiden Wellen gezeigt, wie man sich als Gesellschaft oder unterdrückte Gemeinschaft in einem gemeinsam, aufgeklärten Willen vereinigen kann, um rohe Gewalt zu bezwingen, so offenbart die dritte Welle die verlockende Vision, was eine "Weltgesellschaft" (world community), welche sich in einem bestimmten Willen vereinigt, erreichen könnte.

...

Gandhi und Martin Luther King betonten beide: "Die Wahl besteht nicht mehr zwischen Gewalt oder Gewaltfreiheit. Übrig geblieben ist nur noch die Wahl zwischen Gewaltfreiheit oder Versagen." Hoffentlich treffen wir bald die richtige.
Ja ich weiß, viieele Zitate ... aber der Artikel ist ja auch laang...
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
Acolina ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 14.11.2004, 09:55   #2
SIAM
Gast
 
Beiträge: n/a
Standard Weltfrieden

Liebe Acolina !

Antworte Dir hier EINfach auch mit einem Zitat
Aus "SANANDA - Frieden jetzt ! von Barbara Vödisch, ISBN: 3-934254-76-4:



Weltfrieden

Kennst du den Wunsch nach einer besseren Welt, nach Frieden in der Welt ? Kennst Du den Wunsch, dass alle Menschen miteinander in Frieden sind und es keine Kriege mehr gibt ?
Dieser Wunsch hat die Menschen seit jeher begleitet. Es sind sogar Kriege geführt worden mit der Motivation, durch sie Frieden bringen und eine bessere Welt gestalten zu können. Glaubt ihr denn wirklich, durch Kriege Frieden erzwingen zu können ? In dem Moment, in dem du in Krieg und Kampf bist, ist Kampf und Krieg, aus welchem Grund auch immer dies geschieht. Menschen sterben, auch wenn die Fahne des Friedens vorangetragen wird. Das ist den meisten von euch sicher bewusst. Ihr könnt Frieden in der Welt nicht mit Gewalt erreichen. Wenn du Frieden willst, dann sei in Frieden. Genau in dem Moment, wo du Frieden willst, ist er. Es ist immer deine Essenz. Es ist nur eine Frage deines Fokus und deiner Bewusstheit. Ob sich dein Wunsch nach Frieden auf ganze Länder, auf andere Menschen, oder auf dich und deine Beziehungen bezieht, ganz egal. Du kannst nicht durch Kampf Frieden bringen. Das ist nicht möglich.
Viele Führer ziehen aus scheinbar „höheren Motiven“ religiöser oder politischer Art in den Krieg. Das ist aber nur die äussere Verpackung. Es bleibt aber, dass selbst wenn sie Frieden wollen, Kampf und Krieg säen.
Dasselbe ist auch in euren Beziehungen zu beobachten. Wenn Du Frieden willst, dann sei auch jetzt in Frieden. Auf den Frieden in der Zukunft zu warten, macht keinen Sinn. Wenn du dich danach sehnst, in tiefem Frieden in dir zu ruhen, dann sei in Frieden, jetzt ! Warte nicht.
Du kannst nicht in der Zukunft wahren Frieden finden. So jagst du ihm immer nur hinterher. Du gehst davon aus, dass er jetzt noch nicht ist, sondern erst irgendwann kommen wird, vielleicht erst dann, wenn du dich dafür genug angestrengt hast . Du kannst in jedem Moment in Frieden sein. Frieden nur in der Zukunft zu suchen, bedeutet, dass dein BewusstSein darauf ausgerichtet ist, dass Frieden erst erreicht und hergestellt werden muss. Frieden kann aber nicht hergestellt werden. Frieden ist eine innere Haltung, bewusstes Sein.
Ihr könnt euch natürlich auch aktiv für den Frieden einsetzen, doch wirklich wichtig ist, dass ihr in Frieden seid. Es braucht Menschen, die den Frieden LEBEN, anstatt für ihn zu kämpfen. Kennst du die innere Gelassenheit in dir , einfach in Frieden zu sein, nicht darüber zu reden und nicht dafür zu kämpfen zu müssen, weil er einfach da ist ? (...)

Es gibt einen grossen Unterschied zwischen seinund werden. Es ist auch ein grosser Unterschied, in Frieden zu sein oder das Ziel des Friedens anzustreben. Sein ist die Kraft der Gegenwart und bedeutet, dass du dir bewusst bist, dass es bereits IST. Etwas zu suchen und danach zu streben, setzt voraus, dass es jetzt nicht ist, aber in der Zukunft sein sollte. Die Kraft des Friedens ist aber bereits JETZT in dir zugegen, ob dir das bewusst ist oder nicht. Sie ist und bleibt gegenwärtig. Wenn du Frieden in die Welt bringen willst, dann sei in Frieden mit dir und der Welt. Also, wenn du dir Frieden wünschst, worauf noch warten, wonach noch suchen ? Er ist jetzt gegenwärtig.
Tritt ein in die Energiepräsenz von Frieden, in tiefe Gelassenheit. Sei JETZT in FRIEDEN. Dann IST Frieden. Sonst bleiben es nur Erwartungen und Vorstellungen. Ihr seht dann den Mangel, seht alles, was aussen nicht in Frieden ist, und überseht dabei die Essenz des Friedens, die ihr seid und die allgegenwärtig ist.



Licht, Liebe & verEINte Grüsse
sendet Dir

*peace*

SIAM
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