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Psychologie & Parapsychologie Remote Viewing, Präkognition, aber auch Spuk und was es da noch so alles an den Grenzen der Psychologie gibt.

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Alt 04.01.2016, 18:22   #51
SusiNeunmalklug
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Zitat:
Zitat von Tarlanc Beitrag anzeigen
Das ist so nicht richtig. Es gibt zwar in der Soziologie und hin und wieder in der Politologie Studien, bei welchen Repräsentativität wichtig ist, ein Grossteil der quantitativen sozialwissenschaftlichen Forschung, gerade in der Psychologie, findet aber mit kleinen homogenen Stichproben statt und ist nicht im geringsten repräsentativ.

Da scheint dich die Erfahrung zu trügen. Wir haben regelmässig grosse Mühe, ausreichend Probanden für Studien zu finden.

Ich hätte da mal eine Zwischenfrage an Tarlanc:
Nenn mir bitte ein paar Quellen, in denen ich nachlesen kann, dass Repräsentativität bei quantitativen Studien nicht wichtig ist. Ich würde das gerne nachlesen (am liebsten online), habe bislang nur Quellen gefunden, die behaupten, dass Repräsentativität bei quantitativen Studien ein wichtiges Kriterium ist.

Was die Probanden-Suche betrifft, haben wir wohl unterschiedliche Erfahrungen gemacht.
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Alt 04.01.2016, 19:02   #52
Tarlanc
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Wenn das der Fall ist, will ich natürlich nichts gemeint haben. Da stellt sich aber dann die Frage: warum so kleine Fallzahlen?
Weil es nunmal nicht so viele Sprachen, vergleichbare historische Ereignisse, Musikstücke oder Bücher gibt.

Natürlich kann man Worte zählen und in der Computerlinguistik braucht man viel Statistik. Ebenso kann man historische Ereignisse kategorisieren und Rahmenbedingungen für erfolgreiche Feldzüge ermitteln. Aber dennoch gibt es eine grosse Mehrheit von Fragestellungen, die kleine Fallzahlen und komplexe Zusammenhänge betreffen. Und an die geht man nicht mit quantitativen Paradigmen heran, wenn man weiss, was man tut.

Ich sage ja nicht, dass man in den Geisteswissenschaften nie rechnen muss. Aber das vorherrschende Paradigma ist aus verständlichen Gründen qualitativ.

Zitat:
Fouriertransformation und "glatte" Brüche bringen einen schon ganz schön weit,
Nur, wenn man Fragestellungen betreffend harmonischen Frequenzen hat. Wenn man die Entwicklung von Jazz zu RnB in der amerikanischen Kultur im Kontext der Emanzipation schwarzer Bürger in den USA untersuchen möchte, dann nützt einem die Fouriertransformation herzlich wenig.

Zitat:
Das ist eine theoretisch äußerst brisante Frage. Wenn man nicht einheitliche ethische Standards zugrundelegt, braucht man im Grunde weder einen Staat noch irgendwelche Institutionen,
Doch, genau dann braucht man die. Denn die regeln auch ohne verbindliche grundlegende Ethik das Zusammenleben in fluiden Gesetzbüchern, Leitfäden und Verfassungen. Je nach Zeitgeist und aktuellen Bedürfnissen werden Gesetze angepasst, neu verhandelt, anders ausgelegt. Hätte man einen grundlegenden, in Stein gemeisselten Kodex bräuchte man keine Politik und keine Gesetzgebung. Dann wäre klar, was richtig ist und was falsch.

Zitat:
"Gesetzliche Vorgaben" sind also Deiner Meinung nach eben keine einheitlichen ethischen Standards?
Nein, es sind Gesetze. Die werden von unterschiedlichen Akteuren mit sehr unterschiedlichen ethischen Standards ausgehandelt und niedergeschrieben, um einen minimalen Kompromiss zu haben, mit dem man vorübergehend arbeiten kann. Und der wird regelmässig wieder neu verhandelt und neu niedergeschrieben. Und je nach dem aktuellen Verhältnis von Parteien und Weltbildern im Parlament gelten mal die einen ethischen Standards mehr oder weniger.
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Alt 04.01.2016, 19:41   #53
basti_79
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Zitat:
Zitat von Tarlanc Beitrag anzeigen
Weil es nunmal nicht so viele Sprachen, vergleichbare historische Ereignisse, Musikstücke oder Bücher gibt.
Manchmal verstehe ich dich nicht genau.

Zitat:
Aber dennoch gibt es eine grosse Mehrheit von Fragestellungen, die kleine Fallzahlen und komplexe Zusammenhänge betreffen. Und an die geht man nicht mit quantitativen Paradigmen heran, wenn man weiss, was man tut.
Kann man nicht sozusagen beides gleichzeitig machen? Also z.B. in Bezug auf die Schule Fallzahlen von Mobbingopfern ermitteln, während man sich wie eh und je bei der Darstellung von Ursachen und Hergängen als Geisterwissenschaftler immerhin in höchster Form einen abzubrechen versucht?

Zitat:
Ich sage ja nicht, dass man in den Geisteswissenschaften nie rechnen muss.
Wäre auch nicht so gut für jenen Zweig der Wissenschaft. Übrigens ist das eine Wahrnehmung, die nicht viele Leute teilen.

Zitat:
Nur, wenn man Fragestellungen betreffend harmonischen Frequenzen hat.
Ah, so meinst Du das.

Zitat:
Wenn man die Entwicklung von Jazz zu RnB in der amerikanischen Kultur im Kontext der Emanzipation schwarzer Bürger in den USA untersuchen möchte, dann nützt einem die Fouriertransformation herzlich wenig.
Stimmt. Ist dabei denn mittlerweile herausgekommen, wie man irgendwelchen Bürger bei ihrer Emanzipation helfen kann, oder bleibt es da bei einer Phänomenologie der wissenschaftlichen Community?

Mittlerweile sollten sich ja weitere Emanzipationen ergeben haben, wenn man da notwendige und hinreichende Bedingungen klären konnte, also das gemeinte Forschungsobjekt charakterisieren konnte. Und selbstverständlich unter der Annahme, dass irgendwer sich für seine Emanzipation interessiert.

Zitat:
Doch, genau dann braucht man die. Denn die regeln auch ohne verbindliche grundlegende Ethik das Zusammenleben in fluiden Gesetzbüchern, Leitfäden und Verfassungen.
Zitat:
Zitat:
Das ist eine theoretisch äußerst brisante Frage. Wenn man nicht einheitliche ethische Standards zugrundelegt, braucht man im Grunde weder einen Staat noch irgendwelche Institutionen,
Je nach Zeitgeist und aktuellen Bedürfnissen werden Gesetze angepasst, neu verhandelt, anders ausgelegt.
Das ist vielleicht in der Schweiz so. Hier in Deutschland gibt es das per Konstruktion ewige Grundgesetz, das aber ("Verfassungswirklichkeit") nicht beachtet wird, und das aber auch gerade als Abwehrrecht gegenüber übermächtigen Staaten oder Behörden konstruiert ist.

Wir würden davon ausgehen, dass etliches schiefginge ("Grundlage des Friedens und der Gerechtigkeit"), wenn man diese ethischen Grundlagen, die man sich hier gegeben hat, aufgelöst oder durch andere ersetzt werden würden. Das ist auch von daherein nicht schlimm, da bislang kaum irgendwelche Forschung oder Medizintechnik auf dieser Grundlage hinterfragt wurde. Randfälle (Gentechnik, Wachkoma und Sterbehilfe, Geschlechtsänderungen, manipulative oder unaufrichtige Psychoversuche) fallen gerade vor dem Hintergrund dieser Standards eben als Extremfälle auf, die eine eigene Diskussion verdienen.

Ganz besonders hakelig wird es in meinen Augen, wenn eine Institution tatsächlich im engeren Sinne ihre eigenen Gesetze schreibt. Abseits der Frage, dass diese Gesetze dann nicht das Grundgesetz überwiegen dürfen ("Normenhierarchie"), wird so ja das Prinzip "demokratischer Rechtsstaat" ausgehebelt bzw. relativiert. Das kann es in einem solchen gar nicht geben. Es wäre ein Bruch eines der grundlegendsten Prinzipien. Gesetze werden von den Parlamenten geschrieben, und selbst diese müssen sich an die Verfassung halten und sich notfalls vom BVerfG korrigieren lassen. So herum ergibt es auch tatsächlich Sinn.

Zitat:
Hätte man einen grundlegenden, in Stein gemeisselten Kodex bräuchte man keine Politik und keine Gesetzgebung. Dann wäre klar, was richtig ist und was falsch.
Man hat in Deutschland einen grundlegenden, sozusagen "in Stein gemeisselten" Kodex. Deswegen ist das Grundgesetz auch so schwach und klein. Es stellt einfach nur das absolute Minimum dar. Die Bedingungen, unter denen Menschen überleben können und eine Zivilisation errichten oder beibehalten. Und deswegen darf man es auch nicht einfach ausser Kraft setzen. Nicht durch Anweisung, nicht durch eine Institution mit innerer, eigener Gesetzgebung, nicht durch vorgabe von Rahmenbedingungen und auch nicht anders.

Wie geht ihr in der Schweiz eigentlich mit Eurer Verfassung um?

Zitat:
Nein, es sind Gesetze. Die werden von unterschiedlichen Akteuren mit sehr unterschiedlichen ethischen Standards ausgehandelt und niedergeschrieben, um einen minimalen Kompromiss zu haben, mit dem man vorübergehend arbeiten kann.
Die "ethischen Standards" sollten meiner Meinung nach nicht unterschiedlich sein. Und wenn sie es sind, dann gibt das Gesetz darüber Auskunft, was als Ideal gedacht ist. Es gilt eben kein Relativismus in der Hinsicht, dass alles, worauf sich zwei mal geeinigt haben, ewiges Gesetz ist, das ggf. alle Grundrechte überwiegen könnte.

Wenn Du mal nachliest: das steht alles so in besagtem Grundgesetz.

Zitat:
Und der wird regelmässig wieder neu verhandelt und neu niedergeschrieben. Und je nach dem aktuellen Verhältnis von Parteien und Weltbildern im Parlament gelten mal die einen ethischen Standards mehr oder weniger.
Das dürfte dann wohl auch erklären, wie das erschreckende Elend zustande kommt. Den Leuten wird irgendwelcher Scheiß als das Gesetz aufgeschwatzt, unter dem sie leben müssten. Und das wird dann jahrelang nicht hinterfragt, und wenn's zu spät ist, ist das gejammer groß. In meinen Augen erklärt das zum Beispiel ganz gut, wie Du diese Schulen überhaupt noch befürworten kannst.

Ich freue mich ja, dass Du sozusagen als Mitglied einer fremden Kultur mir in der gemeinsamen Sprache Deine sicherlich kulturell relative Auffassung mitteilen möchtest, aber ich sehe hier doch schon eine recht deutliche Grenze. In Deutschland ist es unter anderem Gesetz, dass ein bestimmter Satz solcher Standards (die "Grundrechte") nicht nur unveränderbar und unverhandelbar ist, sondern dass keine Behörde die Macht hat, dieses Prinzip über die Zeit ("Ewigkeit"), für bestimmte Gruppen ("Gleichheit vor dem Gesetz") oder vom Sinngehalt her ("Menschenwürde") zu verändern. Das ist hier schlicht verboten. Ebenso wie z.B. einen Krieg anzufangen. Das wäre ja noch schöner, wenn wir der Bundesregierung überlassen würden, die ethischen Maßstäbe für ihr eigenes Handeln per dekret festlegen zu dürfen. Was würde so einen Staat noch von einer Diktatur unterscheiden?
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Alt 04.01.2016, 22:31   #54
Tarlanc
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Kann man nicht sozusagen beides gleichzeitig machen? Also z.B. in Bezug auf die Schule Fallzahlen von Mobbingopfern ermitteln, während man sich wie eh und je bei der Darstellung von Ursachen und Hergängen als Geisterwissenschaftler immerhin in höchster Form einen abzubrechen versucht?
Natürlich kann man. Ich habe die Realität beschreiben wollen, nicht den Phasenraum

Zitat:
Das ist vielleicht in der Schweiz so. Hier in Deutschland gibt es das per Konstruktion ewige Grundgesetz,
Das ist so nicht ganz richtig. Zwar gibt es das Grundgesetz, seine Interpretation ist aber alles andere als ewig. Sonst bräuchte man die Karlruher Robenträger nicht. Das Grundgesetzt muss ständig neu interpretiert und mit den geltenden Gesetzen abgeglichen werden. Die Urteile des Verfassungsgerichtshof relativieren und wenden es an. Und ausserhalb des Grundgesetzes gibt es Gesetzbücher, die ständigem Wandel unterworfen sind.
Da ist Deurschland keine Ausnahme.

Zitat:
Ganz besonders hakelig wird es in meinen Augen, wenn eine Institution tatsächlich im engeren Sinne ihre eigenen Gesetze schreibt.
Das ist aber nötig und wichtig, wo das geltende nationale Gesetz zu viel Interpretationsspielraum lässt, um eine Instutition handlungsfähig zu halten. Jede Institution muss sich eigene Regeln geben, der Staat kann (und sollte) nicht alles definieren.
Zitat:
Wie geht ihr in der Schweiz eigentlich mit Eurer Verfassung um?
Respektvoll und flexibel. Sie kann geändert werden, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung und eine Mehrheit der Stände der Änderung zustimmt.

Zitat:
In Deutschland ist es unter anderem Gesetz, dass ein bestimmter Satz solcher Standards (die "Grundrechte") nicht nur unveränderbar und unverhandelbar ist, sondern dass keine Behörde die Macht hat, dieses Prinzip über die Zeit ("Ewigkeit"), für bestimmte Gruppen ("Gleichheit vor dem Gesetz") oder vom Sinngehalt her ("Menschenwürde") zu verändern.
Nein, Deutschland ist da kein Sonderfall. Die Institutionen arbeiten nur etwas anders zusammen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen wie jedes andere Land auch: Gesetze, die durch Verhandlungen zwischen Parteien und Personen zustandekommen und sich zum Glück verändern können, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern.
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Alt 04.01.2016, 23:14   #55
basti_79
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Zitat:
Zitat von Tarlanc Beitrag anzeigen
Natürlich kann man. Ich habe die Realität beschreiben wollen, nicht den Phasenraum
Wären die Ergebnisse nicht sogar Aufschlussreicher, wenn man an eine 9-bändige Monographie zum Thema Mobbing noch die Zahl der Opfer anklemmen würde, die dadurch verursacht wurden, dass irgendwelche Geisterwissenschaftler Bücher vollgeschrieben haben, statt irgendetwas vernünftiges zu machen?

Zitat:
Das ist so nicht ganz richtig. Zwar gibt es das Grundgesetz, seine Interpretation ist aber alles andere als ewig.
Die Grundrechte sind als unmittelbar geltendes Recht gesetzt und als ewig. Da brauchen wir nicht darüber diskutieren. Das BVerfG hat ausdrücklich nicht die Aufgabe, den Wesensgehalt der Grundrechte nach Bedarf umzudeuten.

Zitat:
Sonst bräuchte man die Karlruher Robenträger nicht. Das Grundgesetzt muss ständig neu interpretiert und mit den geltenden Gesetzen abgeglichen werden.
Die geltenden Gesetze werden bei Bedarf vom BVerfG so geändert, dass sie dem Grundgesetz entsprechen. Das ist die umgekehrte Kausalität. Das BVerfG verfügt nicht über diese Möglichkeit, das Grundgesetz in seiner Wirkung dem Tagesbedarf an Gerechtigkeit anzupassen. Im Grundgesetz steht das so niedergeschrieben.

Deine Ausführungen zeigen aber deutlich, wie Du über solche Ideen denkst.

Zitat:
Die Urteile des Verfassungsgerichtshof relativieren und wenden es an.
Es gibt zwei Wege, Grundrechte zu beschränken:
  • Das Grundgesetz ist als beschränkt formuliert
  • Es gibt einen Konflikt zwischen zwei Grundrechtsträgern, der durch eine Güterabwägung aufgelöst werden muss
Es gibt ausdrücklich nicht die Möglichkeiten
  • ein einfaches Gesetz zu erlassen, das den Sinngehalt der Verfassung in sein Gegenteil verkehrt oder wesentlich verändert (wenn das dennoch geschieht, ist dieses Gesetz im übrigen "von Anfang an nichtig" - großes Kaliber)
  • so eine weite Auslegung vorzunehmen, dass das geschieht
  • einen geheimen Nebensinn der Verfassung zu vermuten, der so weit geht, den eigentlichen Sinn der Worte in Frage zu stellen
Denn wenn es diese gäbe, wäre die Verfassung selber sinnlos, was kaum der Plan der Gesetzgeber gewesen sein kann.


Wir stimmen darin überein, dass es eine große Diskrepanz gibt zwischen dem Sinngehalt der Verfassung und der sogenannten Verfassungswirklichkeit. Über eben jenen reden wir. Wenn man die Auslegung der Verfassung ähnlich betrachtet wie die traditionelle "Exegese" der Bibel, wird man erstens die gesetzten absoluten ethischen Maßstäbe ("objektive Werteordnung") relativieren und zweitens zuverlässig in irgendsoeiner Misere landen, wie da oben geschildert. Und dann ist der Schluß nicht mehr fern, dass doch alles Leid der Welt auf Wertung zurückzuführen sei und man also bitteschön nur noch ohne Wertung voneinander reden solle. Schöne neue Welt wäre das.

Zitat:
Und ausserhalb des Grundgesetzes gibt es Gesetzbücher, die ständigem Wandel unterworfen sind.
Selbstverständlich. Das Grundgesetz ist aber als unveränderlich und über allen anderen Gesetze gesetzt.

Zitat:
Zitat:
Ganz besonders hakelig wird es in meinen Augen, wenn eine Institution tatsächlich im engeren Sinne ihre eigenen Gesetze schreibt-
Das ist aber nötig und wichtig, wo das geltende nationale Gesetz zu viel Interpretationsspielraum lässt, um eine Instutition handlungsfähig zu halten.
Das habe ich nicht genau genug formuliert. Wenn absolute ethische Maßstäbe wie das Grundgesetz von einer Institution deformiert oder in Frage gestellt werden können, was sollte dann die Bundesregierung daran hindern, ein neues KZ-Gesetz zu erlassen?

Immerhin wüsste man dann, wohin mit den ganzen Arbeitslosen... oder so... Die Frage ist ernst gemeint, trotz des grotesken Klangs. Das Grundgesetz ist unter dem Eindruck der NS-Herrschaft geschrieben worden, gerade auch, um ihre Wiederkunft zu verhindern.

Zitat:
Jede Institution muss sich eigene Regeln geben, der Staat kann (und sollte) nicht alles definieren.
Selbstverständlich nicht. Aber er sollte Grund- bzw. Menschenrechte definieren, und auch ihre Einhaltung sicherstellen. Auch und gerade innerhalb von Institutionen, auch wenn Du besonders hämisch zur Kenntnis zu nehmen scheinst, dass es in Deutschland Institutionen gibt, in denen das schlicht nicht der Fall ist.

(Wie die Schweiz mit der Verfassung umgeht)
Zitat:
Respektvoll und flexibel. Sie kann geändert werden, wenn eine Mehrheit der Bevölkerung und eine Mehrheit der Stände der Änderung zustimmt.
Naja, in dem Sinne ist das Grundgesetz ja auch flexibel - mit 2/3 des Bundestages. Ausser, dass man nicht "den Wesensgehalt der Grundrechte" ändern darf. Dazu gibt es noch die Regel, dass die Grundrechte "unmittelbar geltendes Recht" sind. Das heißt, nicht einmal ein Richter darf sie verändern. Das wäre auch der Sinn dieser Formulierung. Objektive Werteordnung. Absoluter, als Gesetz gegebener, ethischer Maßstab.

Zitat:
Die Institutionen arbeiten nur etwas anders zusammen, um das gleiche Ergebnis zu erzielen wie jedes andere Land auch: Gesetze, die durch Verhandlungen zwischen Parteien und Personen zustandekommen und sich zum Glück verändern können, wenn die Rahmenbedingungen sich ändern.
Ja, das ist ja auch alles gar kein Problem, solange nicht die Grundrechte von den Betroffenen oder gar von Dritten auf dem Spiel stehen oder schlicht und einfach als Ergebnis einer solchen Verhandlung negiert werden oder so verzerrt ausgelegt, dass nicht einmal der Wortsinn in der Umsetzung erkennbar bleibt.

Das ist wieder so ein Fall von "damit kann man alles begründen". Sinn und Zweck eines Staats kann es nicht sein, für jedes Verhalten eine Ausrede zu finden. Im Gegenteil.
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