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Alt 20.08.2018, 22:09   #11
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Aber es ist schon ein Schritt in die richtige Richtung, wenn man nicht etwas frei erfinden darf, sondern eine "Quelle" angeben muss, was ja Geisteswissenschaftler exzessiv praktizieren. Dann kommt die Quellenkritik, womit man die Menge an Literatur weiter erhöhen kann.
So weit klar. Böse Zungen behaupten, innerhalb der Geisteswissenschaften ginge es nur darum, die Menge an Literatur zu erhöhen. Die Praxis spricht Bände.

Zitat:
Naturwissenschaftliche Methoden in der Archäologie, die noch als Geisteswissenschaft gilt (!) beruhen bislang im wesentlichen auf Sachzeugnissen.
Klar. Ein "Sachzeugnis" (Fund?) ist aber, da auf Tatsachen gegründet, mit einem Experiment wenigstens oberflächlich vergleichbar. Man könnte sich auch bei einer Ausgrabung vorstellen, dass die Ausgräber sich die Frage stellen "Werden wir Objekte der Kategorie X an dieser Fundstelle ausgraben?".

Meiner Meinung nach ist die Einordnung der Archäologie insofern fraglich, als dass über das Wissen, wie es früher war hinaus nichts erhoben wird. Man könnte sagen, dass das einzige wesentliche Ergebnis der Archäologie seit ihrer Begründung vor etwa 150 Jahren war, dass es mehr Archäologie (Archäologen, Institute, Sammlungen usw.) geben müsste.

Im Pergamon-Museum in Berlin findet man z.B. Schriftstücke (Tontafeln mit Keilschrift) aus dem alten Babylon, die darüber Aukunft geben, dass man damals nicht wirklich anders als heute gelebt hat. Auf dieser Ebene der Deskription bleibt man dann stehen und freut sich über die mühsam zusammengeklaubten "Kunstschätze". Anstatt dass man darüber nachdenkt, warum Babylon untergegangen war, oder was man damals hätte besser machen können. Das betrachtet man schlicht nicht als Auftrag.

Zitat:
Gebäude, Gräber, Müllgruben und was man dergleichen meist im Boden findet. Manchmal einen ganzen Dinosaurier.
Ja eben. Und, wenn alles so weitergeht wie bisher, gibt es in 2000 Jahren irgendeinen Archäologen, der unsere Gebeine ausbuddelt, und seine Funde in irgendeine Datenbank einträgt.

Zitat:
Experimentelle Methoden kommen erst in neuerer Zeit ins Spiel, wenn man versucht die Befunde nachzuahmen. Es wurden ja selten Einzelheiten zum Herstellungsprozess überliefert, so dass man eben versuchen muss das in der Praxis herauszufinden. Etwa der Transport der Monolithen in Stonehenge oder der Bau der Pyramiden.
Stimmt, das ist dann deutlich näher an einem Experiment im Sinne des Wortes. Nicht zu vergessen den (allerdings nicht von Archäologen konstruierten) Menschenversuch, der hier die ganze Zeit läuft.

Zitat:
Aber Esoteriker werden das nie als Beleg akzeptieren.
Was ist denn da bei denen schief gelaufen?
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
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basti_79 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 20.08.2018, 23:06   #12
perfidulo
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ein "Sachzeugnis" (Fund?) ist aber, da auf Tatsachen gegründet, mit einem Experiment wenigstens oberflächlich vergleichbar.
Aber wirklich nur oberflächlich.
Bei einem Experiment zählt die Wiederholbarkeit.
Ein Fund ist nicht vorhersehbar und fast immer einmalig.
Ein Experiment sollte immer das gleiche Ergebnis liefern.
Man kann durch vertiefstes Wissen die Wahrscheinlichkeit eines Fundes erhöhen. Da hilft die Auswertung von Quellen schon ein wenig.
Wenn ich aus einem alten Pergament einen Hinweis habe, dass da einst ein Dorf, eine Stadt oder eine Burg waren, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich etwas zu finden. Aber sicher ist man nie. Das macht es ja so spannend.
Umgekehrt sollte es Zweifel an den schriftlichen Quellen nähren (->Textkritik) wenn, wie in der Zeit von Karl dem Grossen, an den angegebenen Stellen oft absolut nichts gefunden wird. Da wird man leicht als Zeithopser abqualifiziert, weil Geisteswissenschaftler dem Primat der Quellen nachhängen. Da wird noch einige Zeit ins Land gehen......
__________________
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Alt 21.08.2018, 10:47   #13
ElLobo1
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen

Meiner Meinung nach ist die Einordnung der Archäologie insofern fraglich, als dass über das Wissen, wie es früher war hinaus nichts erhoben wird.

Was ist denn da bei denen schief gelaufen?
Das ist es, was ich immer sage.
Einzelne Funde werden zu wichtig genommen, und nur als Rarität betrachtet, anstatt sie als letzten Rest weitverbreiteter einstiger Realität zu betrachten.
Doch es scheint irgendwie ein akzeptiertes Gesetz geworden zu sein, dass alte Völker immer als primitiver angesehen werden sollen, als bespielsweise wir heute.
"Es müsse doch schließlich eine stete progressive Evolution geben, vom primitiven hin zur moderne." An diesem Schwachsinn hängen wirklich viele Leute. Und natürlich behaupten sie auch, nicht über mangelnde Vorstellungskraft zu verfügen .... Na ja.
An dieser veralterten Einstellung hängen tatsächlich immer noch zahlreiche Wissenschaftler und Laien fest. Wer weiter denkt, wird sofort in die Esotherik- und Schwurblerlade reingesteckt, dabei würden dort eher so manche "Wissenschaftler" reinpassen...
ElLobo1 ist offline   Mit Zitat antworten
Alt 21.08.2018, 11:58   #14
basti_79
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Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Ein Experiment sollte immer das gleiche Ergebnis liefern.
So gesehen, wie ich vorgeschlagen hatte, liefern z.B. neue altrömische Funde das nicht-Ergebnis, dass im alten Rom alles so war, wie man es sich gedacht hatte.

Der Schlüssel liegt in der formelhaften Beziehung zwischen Theorie (Idee) und Wirklichkeit. Genau, wie man "dem Elektron" (d.h.: allen Elektronen) eine bestimmte "Masse" zuweisen kann, die sich im Experiment immer wieder zeigt, weiß man auch, wie das Geld aussieht, das damals im alten Rom im Umlauf war.

Zitat:
Wenn ich aus einem alten Pergament einen Hinweis habe, dass da einst ein Dorf, eine Stadt oder eine Burg waren, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, tatsächlich etwas zu finden. Aber sicher ist man nie. Das macht es ja so spannend.
Meiner Meinung nach stieren Archäologen mit glasigen Augen auf eine vergangene Zeit, weil sie mit der Komplexität der Realität nicht zurecht kommen. Im Wesentlichen verarbeiten sie ja ihre Theorien über die Vergangenheit, und da kann ja nichts passieren.

Außer, dass halt der Staat um einen herum degeneriert und nach und nach durch einen Faschistischen ersetzt wird. Und selbst das kann Archäologen, wie man im Menschenversuch ca. 1900-1949 erkannt hatte, nicht aufhalten.

Zitat:
Umgekehrt sollte es Zweifel an den schriftlichen Quellen nähren (->Textkritik) wenn, wie in der Zeit von Karl dem Grossen, an den angegebenen Stellen oft absolut nichts gefunden wird.
Ja, klar. Wenn man sich dafür interessiert, was im Mittelalter abging, ist das absolut legitim. Das interessiert aber bald niemanden mehr.

Zitat:
Zitat von ElLobo1 Beitrag anzeigen
Einzelne Funde werden zu wichtig genommen, und nur als Rarität betrachtet, anstatt sie als letzten Rest weitverbreiteter einstiger Realität zu betrachten.
Es wäre schön, wenn Du das konkret (und in einem neuen Thread) ausformulieren würdest.

Zitat:
Doch es scheint irgendwie ein akzeptiertes Gesetz geworden zu sein, dass alte Völker immer als primitiver angesehen werden sollen, als bespielsweise wir heute.
Auf kognitiver Ebene haben "wir" meiner Meinung nach den "alten Völkern" z.B. Babylons, Griechenlands oder des deutschen Reichs offensichtlich nichts voraus. Umgekehrt gilt das aber genauso.

Zitat:
"Es müsse doch schließlich eine stete progressive Evolution geben, vom primitiven hin zur moderne."
Ja, das ist ein Irrglaube, den die Nazis in angemaßter Fortsetzung der Renaissance in die Köpfe der Leute geprügelt haben.
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