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Alt 05.01.2016, 10:30   #1
basti_79
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Standard BKA fälscht keine Zahlen zur Kriminalität

Die durch ein Buch und verschiedene populäre Auftritte bekanntgewordene Bochumer Polizistin Tania Kambouri musste kürzlich eine ihrer schrillsten alarmistischen Behauptungen zurücknehmen, wonach in jüngster Zeit eingetroffene Flüchtlinge für einen meßbaren Anstieg der Kriminalität verantwortlich seien.

Zitat:
Allerdings: Kambouri konnte bis heute keinerlei Beleg für ihre steile These vorlegen. Inzwischen ruderte die Polizistin zurück. [...] Die von der Behörde im November vorgelegten Zahlen seien richtig, wonach es keinen überproportionalen Anstieg der Kriminaität durch Asylsuchende und Flüchtlinge gibt.
Das ist vor allem vor dem Hintergrund interessant, dass viele Menschen den Hinweisen dieser Frau bereitwillig folgen wollten und sich auch häufig lautstark dazu bekannt haben, trotzdem solche naive "Law and Order"-Politik völlig ausser Mode ist. Das wäre wohl auch das erste Mal, dass man tatsächlich die Halbwertszeit einer derart blatant paranoiden rechtspopulistischen Unterstellung messen könnte.

Ich empfehle Johanniskraut und Baldriantee.

http://www.neues-deutschland.de/arti...inalitaet.html
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 05.01.2016, 19:24   #2
Acolina
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Ich finde interessant, dass sie selbst immer wieder auf ihre ausländischen Wurzeln verweist bzw. auch von den Medien immer wieder verwiesen wird, sozusagen als Persilschein, so jmd kann ja doch unmöglich rechtspopulistischen Quatsch verzapfen. Ja, geradezu als Beleg dafür, dass alles so ist wie von ihr gesagt. Macht man bei Pirinçci ja auch gerne mal, ebenso bei Jebsen und all den anderen...
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 05.01.2016, 20:49   #3
sunray
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@Basti

Ist "Ich könnte mir vorstellen, dass ......" eine Behauptung?
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Kann mich nicht so gut ausdrücken, habe dafür wenig Probleme mit Verständnis.
Die Energie ist tatsächlich der Stoff, aus dem alle Elementarteilchen, alle Atome und daher überhaupt alle Dinge gemacht sind, und gleichzeitig ist die Energie auch das Bewegende.
Werner Heisenberg, Physiker
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Alt 05.01.2016, 21:00   #4
Lupo
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Zitat:
Zitat von sunray Beitrag anzeigen
@Basti

Ist "Ich könnte mir vorstellen, dass ......" eine Behauptung?
Kuckst du hier und liest bis zum Ende.

Zitat:
»Ich könnte mir vorstellen, dass da etwas gefälscht oder beschönigt wurde, um keine Angst in der Bevölkerung zu schüren.« Die wahren Zahlen würden nicht veröffentlicht, da dies »politisch nicht gewollt« sei. Welchen Begeisterungen diese Behauptung in rechten Netzwerken auslöste, kann man sich denken.
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"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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Alt 05.01.2016, 21:45   #5
sunray
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Schauen wir uns es noch im original Interview an.
Ja man kann sagen sie behauptet in dem Sinn, dass es "politisch nicht gewollt sei".
Der Text ansich zeigt aber deutlich, dass sie ihre eigene Ansicht preisgibt welche sich halt irgendwie nicht mit dem Bericht deckt und sie sich dadurch "vorstellen kann, dass ....."


Zitat:
STZ:
Das Bundeskriminalamt hat kürzlich eine Lageübersicht veröffentlicht, wonach Flüchtlinge nicht mehr Straftaten begehen, als die deutsche Bevölkerung.

T.K:
Meine Diensterfahrung und auch die meiner Kollegen ist eine andere. Ich könnte mir vorstellen, dass da etwas gefälscht oder beschönigt wurde, um keine Angst in der Bevölkerung zu schüren. Ich habe ja Verständnis, dass die gedrängten Zustände in den teilweise trostlosen Unterkünften zu aggressivem und frustriertem Verhalten führen. Das ist zu einem gewissen Grad sogar nachvollziehbar. Aber wenn dieses Verhalten zu Gewalt und Kriminalität auf unseren Straßen führt, können wir das nicht akzeptieren. Solchen Leuten sollte das Bleiberecht entzogen werden.

STZ:
Sie sind der Ansicht, das BKA fälscht die Zahlen zur Gewalt von Flüchtlingen? Haben Sie konkrete Hinweise dafür?

T.K.:
Nun ja, solche Zahlen über kriminelle Handlungen von Flüchtlingen sind politisch nicht gewollt. Ich denke auch, dass viele Beamte in führenden Positionen von der Politik gesteuert oder wenigstens beeinflusst werden. Denn wer die Wahrheit bei diesem Thema sagt, wird schnell in die Nazi-Ecke gestellt. Dazu kommt, dass in Nordrhein-Westfalen erst seit Kurzem erfasst wird, ob ein Täter Flüchtling ist. Ich kann nur sagen: Meine Kollegen und ich, wir gehen täglich auf die Straße. Wir wissen, was dort passiert.
Quelle: http://www.stuttgarter-zeitung.de/in...b4fcce49c.html
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Kann mich nicht so gut ausdrücken, habe dafür wenig Probleme mit Verständnis.
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Alt 05.01.2016, 21:52   #6
basti_79
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Zitat:
Zitat von sunray Beitrag anzeigen
Ist "Ich könnte mir vorstellen, dass ......" eine Behauptung?
Ja, zumindest in diesem Kontext breiter Öffentlichkeit muss man so eine Wendung als Einleitung einer Behauptung verstehen. Worum könnte es sich denn sonst handeln?
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 08.01.2016, 05:07   #7
Torsten Migge
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Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
BKA fälscht keine Zahlen zur Kriminalität
ist das jetzt Deine persönliche Meinung? Wenn ja, wider besseren Wissens? Auf Facebook hatte ich Dir mal einen Link unterbreitet, der aufzeigt, dass Zahlen zur Kriminalität geschönt werden.
Siehe bspw. hier:
http://www.haz.de/Nachrichten/Politi...stik-geschoent
http://www.democraticpost.de/krimina...aelscht-33784/
http://www.welt.de/politik/deutschla...traftaten.html

Und ob die Kriminalität explizit durch Flüchtlinge/Asylsuchende steigt oder nicht, sehen wir an den jüngsten Ereignissen in Köln, Hamburg und anderen Orten. Auch das sollte möglicher Weise totgeschwiegen, oder unter den Teppich gekehrt werden, denn es dauerte 5 Tage bis - nach dem die sozialen Netzwerke darüber, sozusagen, heiss gelaufen waren - die Leitmedien und die Polkitik reagierten.
Hervorragend analysiert in diesem Artikel: "Nach sexuellen Übergriffen in Köln: Medienversagen gefährdet den sozialen Frieden" von Anabel Schunke

In gewisser Weise wollte man das auch beschönigen, in dem zunächst von nordafrikanischen Migranten, nicht von aktuell Asylsuchenden, die Rede war. Scheibchenweise kommen aber die Tatsachen ans Licht, denn die Polizisten, die vor Ort waren, sagen anderes, als ihre Chefs (bis hin zum Innenminister): "Die meisten waren frisch eingereiste Asylbewerber"

Hier noch ein Artikel über den schockierenden Einsatzbericht der Kölner Polizei: http://www.welt.de/politik/deutschla...r-Polizei.html

Zu guter letzt: "Wie der Fall Köln dramatisch die Ohnmacht des Staates zeigt" von Anabel Schunke

Neues Deutschland? Sorry, ein linkstendenziöses & SED-versifftes Propagandablatt der DDR! Bezeichnend, dass sich hier scheinbar niemand daran stört (?). Das sagt eigentlich alles


Saludos!
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"Politik ist die Unterhaltungsabteilung der Rüstungsindustrie"
Frank Zappa

Geändert von Torsten Migge (08.01.2016 um 05:13 Uhr).
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Alt 08.01.2016, 11:46   #8
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Torsten Migge Beitrag anzeigen
i
Neues Deutschland? Sorry, ein linkstendenziöses & SED-versifftes Propagandablatt der DDR! Bezeichnend, dass sich hier scheinbar niemand daran stört (?). Das sagt eigentlich alles
Wann hast Du zum letzten mal des ND in der Hand gehabt?

Es ist merkwürdig, daß einem seine Geschichte (die nicht verschwiegen wird) auch nach einem Vierteljahrhundert noch unter die Nase gerieben wird. In der Redaktion ist neues, junges Personal, das nicht aus der DDR stammt.

Das ND ist eine der letzten Bastionen des linken Journalismus, nachdem ein Flaggschiff, wie die Frankfurter Rundschau von der SPD versenkt wurde und der Rechtspopulismus um sich greift.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
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Alt 08.01.2016, 14:00   #9
basti_79
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Zitat:
Zitat von Torsten Migge Beitrag anzeigen
ist das jetzt Deine persönliche Meinung?
Auch das. Du hast eine andere, das weiß ich. Aber noch viel wichtiger: die Realität ist von unserer Wahrnehmung unabhängig. Vielleicht lügt das BKA ja. Selbst dann sollen in der letzten Zeit einige Ideen "salonfähig" gemacht werden, die ich weder aus der Wendezeit noch aus den Kriegen kenne.

Zitat:
Wenn ja, wider besseren Wissens?
Die Wahrheit weiß ich nicht. Ich suche sie aber. Bei einem bin ich mir sicher: sollte sich herausstellen, dass das BKA vor dem jetzt sich zeigenden Hintergrund gelogen hätte, würde ich das nicht als skandalös empfinden. Es würde sich mir so darstellen, dass das BKA gerade versucht, einen letzten Rest von Anstand zu bewahren. Dass das nach hinten losgehen könnte, haben die wahrscheinlich nicht verstanden. Das würde ich dann aber auch nur denken, weil man, vor die Wahl zwischen Dummheit und Bösartigkeit gestellt, immer Dummheit wählen sollte.

Zitat:
Auf Facebook hatte ich Dir mal einen Link unterbreitet, der aufzeigt, dass Zahlen zur Kriminalität geschönt werden.
Ich kommentiere die Links so, dass sich zeigt, warum ich diese zwar als gegenteilige Behauptung wahrnehme, nicht aber denke, dass die Behauptung stimmt.

http://www.haz.de/Nachrichten/Politi...stik-geschoent
Zitat:
Dann würden Statistikfilter ein wenig anders gesetzt, manche Zahlen würden verspätet geliefert, es würde kaschiert, weggedrückt und umbenannt.
Das, was da passiert, ist dann keine Statistik. Da geht derzeit ein Satz um, den man in diesem Zusammenhang häufig hört, den ich gerne etwas untersuchen würde:

Zitat:
Traue keiner Statistik, die Du nicht selber gefälscht hast.
Angeblich sei dieser Satz von Winston Churchill gesagt worden. Tatsächlich kann diese Behauptung weder belegt werden, noch ist sie vor 1981 nachzuweisen. Churchill hat selbstverständlich Statistiken verwendet, als Werkzeug der Aufbereitung und Darstellung von Informationen.

https://de.wikipedia.org/wiki/Liste_...3.A4lscht_hast.

Wenn man eine Statistik macht über Gewalttaten in zwei Gruppen X und Y, muss man zuerst dieselben Definitionen verwenden, und dann auch dieselben Methoden zur Aufklärung. Es ist z.B. ziemlich sinnlos, die Zahlen von Beleidigungen in den Gruppen "Stammtisch des Karnickelzüchtervereins Olpe" und "Lehrpersonal der Universität Marburg" zu vergleichen, ohne sicherzustellen, dass dieselben Kriterien angelegt werden.

Ähnliche Probleme treten bei Flüchtlingsunterkünften auf.
  1. Muss man eine passende Vergleichsgruppe wählen. Angeblich gäbe es unter den Flüchtlingen viele junge Männer. Diese sind aber, unabhängig von Nationalität, etwas Krimineller als andere. Eine Gruppe, die verhältnismäßig viele junge Männer umfasst, ist sicher Krimineller als die durchschnittliche Bevölkerung.
  2. Sind die Lebensumstände der Flüchtlinge nicht gerade beruhigend. Wahrscheinlich werden alle Menschen, die man so behandelt, aggressiv werden. Daraus folgen Schlägereien und willkürliche Gewalt. Eine Vergleichsgruppe ist da in der Bevölkerung schwer zu finden, denn die Autochtonen bringt man nicht Winters zu 30 Mann hoch in ein kaum beheiztes Zelt auf einer Wiese und gibt ihnen jeden Tag Essen aus einer Gulaschkanone. Mit Hygienehandschuhen.
Abseits der Frage, wie man die Frage, ob Flüchtlinge nun (in den Heimen oder außerhalb) krimineller sind als eine vergleichbare Gruppe anderer Leute, korrekt beantwortet, kommt jetzt noch dazu, dass "Flüchtling" eine äußere Eigenschaft ist. Selbst wenn Flüchtlinge jetzt deutlich krimineller wären als die autochtone Bevölkerung, könnte man auf dieser Grundlage nicht das Recht auf Asyl einschränken. Die Frage, ob jemand Eremit ist oder Mafiosi, darf keine Rolle spielen bei der Frage, ob man ihm die Möglichkeit gibt, in Frieden weiterzuleben.

Dazu kommt noch, dass auch dann noch weiterhin die Unschuldsvermutung gelten muss. Was würdest Du anders machen als bisher, würde sich herausstellen, dass man da tatsächlich die syrische Sektion der "Hells Angels" 500 m vom Ortsrand Olpe einquartiert hat? Mal wieder ein Generalverdacht?

Diesen öffentlich zu verbreiten, ist dann übrigens Rassismus, bzw. allgemeiner: gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit.

Zitat:
Das Wort „Ehrenmord“ kommt in den Protokollen nicht vor.
Warum auch? "Ehrenmord" ist kein Rechtsbegriff. Das Wort transportiert die Vorstellung, dass unter Flüchtlingen aus dem nahen Osten die Ermordung von Familienmitgliedern aus "Ehrgefühl" heraus als gängiges Mittel der Kommunikation gilt. Oder so etwas. Das ist erst einmal absurd, zweitens ist geläufig, dass "Ehrenmord" in Deutschland mitunter "Familiendrama" heißt, drittens halte ich es für eine Frechheit, jemandem auf diese Art und Weise Barbarei zu unterstellen. Mord gilt diesen Menschen nicht als legitimes oder legales Mittel, Vorstellungen dieser Art durchzusetzen.

Witzigerweise ist die Vorstellung von einer "Ehre", von einem persönlichen Wertgefühl, das jeder einzelne tragen könnte, und dass diese Ehre sehr schnell in Frage steht, anscheinend gerade unter Rechten verbreitet. z.B. wird die eigene Nationalität mit diesem Ehrgefühl verknüpft.

Das ist eine Vorstellung, die mir in dieser Form fremd ist. Meine Wertschätzung meiner selbst, oder meine Wertschätzung des Staates scheint nicht verbunden zu sein mit der Frage, ob jemand anderes diese bereit ist, zu bestätigen. Ich habe einen Wert, der unabhängig davon ist, ob Leute mich z.B. beschimpfen. Dasselbe gilt für den Staat und seine Beamten.

Einem Flüchtling oder Ausländer zu unterstellen, er habe ein Gefühl von "Ehre", deren Verletzung sich mitunter in Mord äußere, weckt bei mir Anklänge an einen Vorfall hier in Marburg vor gut einem Jahr, bei dem ein Streit über solche "Werte" ein Todesopfer gefordert hat. Der Streit ging von der Frage aus, ob man sich im Habitus des jeweils anderen öffentlich zeigen dürfe. Da muss man auch "gleiches Recht für alle" ansetzen. Wenn sich ein Burschi im wahrsten Sinne des Wortes tödlich beleidigt fühlen darf, weil man seine Kleiderauswahl in Frage gestellt hatte, müsste doch beispielswiese die Frage, ob meinetwegen die eigene Tochter ohne Genehmigung Sex hatte, noch deutlicher dieses Ehrgefühl in Frage stellen und mithin zu ebenso deutlichen Reaktionen verleiten dürfen.

Eine Vorstellung zu entwickeln davon, dass irgendein Mensch so eine "Ehre" hätte, die beim geringsten Anlaß als Vorwand oder Ausrede verwendet werden kann, Gewalttaten zu rechtfertigen, scheint mir selber schon anstößig. Zuerst einmal scheint diese Vorstellung im Zentrum von Szenarien von Kontrollverlust zu stehen. Und dann handelt es sich ja deutlich um eine Ideologie. Was wäre meine "Ehre" ausser ein Konstrukt meiner Umgebung?

http://www.zeit.de/campus/2015/01/ge...-kriminalitaet

http://www.democraticpost.de/krimina...aelscht-33784/

Zitat:
Daher setzt man nun die Filter der Statistik »etwas anders«, liefert einige Zahlen wesentlich später und „kaschiert, drückt weg und benennt um“.
Haben sich da zwei Medien auf dieselbe Quelle bezogen?

Zitat:
Mehr als 10.000 Menschen sind in den vergangenen Monaten nach Mecklenburg-Vorpommern migriert. Daher sei es wirklichkeitsfremd, dass gerade diese Menschen keine Straftaten begehen werden.
Äh, selbstverständlich? Das ist aber ein Strohmann. Niemand hat behauptet, dass Flüchtlinge keine Straftaten begehen würden.

http://www.welt.de/politik/deutschla...traftaten.html

Zitat:
In Norddeutschland werden jetzt Vorwürfe laut, dass der Informationsfluss beim Thema Migrantenkriminalität manipuliert wird.
Geht es nun um die Frage, ob Flüchtlinge oder Migranten krimineller sind als die autochtone Bevölkerung, oder um die, ob die Polizei "Informationsströme manipuliert"?

Zum Glück kann man über die zweite Frage recht einfach Auskunft erhalten. Welche Berichte werden denn von der Polizei in diesem Zusammenhang erwartet, und hat sie diese Erwartungen erfüllt oder nicht?

Zitat:
Und ob die Kriminalität explizit durch Flüchtlinge/Asylsuchende steigt oder nicht, sehen wir an den jüngsten Ereignissen in Köln, Hamburg und anderen Orten.
Nein, gerade das sehen wir da nicht. Vom Ausmaß her ist das - Achtung! - ein schlechter Witz. In Deutschland fliehen jedes Jahr 40.000 Frauen in "Frauenhäuser". Knapp jede zweite Frau gibt an, sie sei schon einmal "sexuell belästigt" worden. In meinem Bekanntenkreis kann ich mich an wenigstens eine Hand voll Schilderungen solcher Vorfälle erinnern.

Die "ganz normale" sexualisierte Gewalt gegen Frauen auszublenden, um darzustellen, dass Flüchtlinge da erstens anders seien als Autochtone und dass das zweitens ein unerwartetes Problem ganz besonderer Priorität darstellt, ist nicht besonders aufrichtig.

Zitat:
Auch das sollte möglicher Weise totgeschwiegen, oder unter den Teppich gekehrt werden, denn es dauerte 5 Tage bis - nach dem die sozialen Netzwerke darüber, sozusagen, heiss gelaufen waren - die Leitmedien und die Polkitik reagierten.
Wann wird denn etwas "totgeschwiegen"? Nach welcher Zeit müssen Journalisten über einen Vorfall berichten? Und was soll uns das sagen?

Kennst Du übrigens Richtlinie 12.1 des Pressekodex?

Zitat:

Richtlinie 12.1 – Berichterstattung über Straftaten

In der Berichterstattung über Straftaten wird die Zugehörigkeit der Verdächtigen oder Täter zu religiösen, ethnischen oder anderen Minderheiten nur dann erwähnt, wenn für das Verständnis des berichteten Vorgangs ein begründbarer Sachbezug besteht.
Den begründbaren Sachbezug suche ich derzeit meistens vergebens.

Genaugenommen wird ja hier gar nichts "totgeschwiegen", und dieser Artikel stellt auch davon keine Analyse dar, sondern eher etwas wie eine Prognose, dass das, was da unterstellt wird, "den sozialen Frieden" gefährde. Abseits der Frage, was denn nun der "soziale Friede" sei - ich vermute, gemeint ist etwas wie "der öffentliche Friede" oder der "Landfrieden" - finde ich es etwas skurril, diesen Schluß zu ziehen.

Wenn jemand die hiesige Presselandschaft beobachtet und dann zu dem Schluß kommt: "Da wird so viel totgeschwiegen, da muss ich jetzt gewalttätig werden", hat der wohl ein Problem.

Es hilft übrigens auch, den Inhalt des Artikels an §130 StGB zu messen. Sollten sich solche Vorfälle weiter helfen, müsste man letztendlich befürchten, dass die Polizei bzw. die Staatsanwaltschaft eingreift, und ganz laut "Nazikeule" geschrien wird. Die schlafen noch, wie es aussieht, aber über den Daumen gepeilt habe ich in den letzten paar Wochen 500 Jahre Knast zu Gesicht bekommen. Über die Frage der Eignung sind wir längst hinaus. Das geht schon Richtung §26...

Zitat:
In gewisser Weise wollte man das auch beschönigen, in dem zunächst von nordafrikanischen Migranten, nicht von aktuell Asylsuchenden, die Rede war.
Dass es ohnehin äußerst unappetitlich ist, über solche Fragen zu spekulieren, kannst Du vielleicht erkennen. Der Aufenthaltsstatus und die Nationalität spielen im übrigen keine Rolle bei der Bewertung vorgeworfener Untaten. Dürfen gar nicht. Die Rechtsfolgen sind je nach Aufenthaltsstatus möglicherweise unterschiedlich, aber das macht es nicht besser, über diesen zu spekulieren.

Zitat:
Hier noch ein Artikel über den schockierenden Einsatzbericht der Kölner Polizei: http://www.welt.de/politik/deutschla...r-Polizei.html
Was die Art und Weise der Darstellung (Ein Polizeibericht sei "schockierend") mit der Sache selber zu tun hat, erschließt sich mir nicht. Inhaltlich halte ich den Artikel allerdings für wertvoll, die Vorgänge zu verstehen.

Mir stellt sich das so dar: Der Staat geriert sich als chronisch ohnmächtig, handelt aber letztendlich willkürlich und unverhältnismäßig.

Beispiel 1: Die Stuttgart-21-Demo. Da wurden auf einen ziemlich harmlosen Haufen von Demonstranten eingedroschen und irgendein Amokläufer hat mit einem Wasserwerfer gewütet und Leute schwer verletzt. Nicht gerade "Ohnmacht".

Beispiel 2: Die oben bereits erwähnten ("völlig normalen") sexuellen Übergriffe. Wenn so ein Vorfall mal ans Tageslicht kommt (gerade Vergewaltigungen von Kindern), wird mitunter nach der Todesstrafe krakeelt, werden flächig Vorurteile gepflegt (Stichwort z.B. "Odenwaldschule"). Auf der anderen Seite gibt es die Variante "Herrenwitz" (Brüderle!) oder "Tradition" (Oktoberfest überhaupt). Die Behörden halten sich zurück. Solange man da nicht eine einheitliche Ethik entwickelt, wird man da niemals Frieden finden. Und dass das nicht klappt, daran sind keinesfalls die Flüchtlinge schuld. Das ist schlicht und einfach kulturell bedingte Verklemmtheit. Die aufzugeben, stellt einen Gewinn dar.

Beispiel 3: Organisiertes Verbrechen. Stellt nach meiner Einschätzung einen bedeutsamen Zweig der Wirtschaft dar. Aufarbeitung oder Beseitigung? Fehlanzeige. Die Behörden scheinen da noch geistig im tiefsten Mittelalter zu stecken. Etwas geholfen hat es da, dass Prostitution seit irgendwann nicht mehr als "sittenwidrig" gilt, was dort vorher für unhaltbare Zustände gesorgt hatte. Bei Drogenhandel läuft es ähnlich. Letztendlich sehe ich da einen ganz großen Zusammenhang: Der Staat ist eine legale Mafia. Stichwort "Gewaltmonopol". Der Staat ist ein Haufen autoritärer Behörden, die sich auf einen "Burgfrieden" geeinigt haben. Nichts anderes. Man kann da letztendlich nur den Bock zum Gärtner machen. Das ist auch ein Grund, warum ich in letzter Zeit hier vermehrt und deutlicher darauf hinweise, dass man das Handeln der Behörden nur mit einer großen Portion Zynismus und einem sehr stabilen Magen überhaupt ertragen kann.

"Beamte" sind nicht Staatsbürger in Uniform oder in Zivil. Beamte sind eine bewußt als solche deklarierte Kaste von Gewalttätern, und genau dadurch von Zivilisten abzugrenzen. Zu erwarten, dass die hehren Gedanken an "Rechtsstaat" oder an "Demokratie" nicht autoritär unterwandert werden könnten, war wohl zuviel. Das wirklich schockierende daran ist meines Erachtens, dass dieser Zustand flächendeckenden Unrechts seit Gründung der Bundesrepublik besteht, und im großen und ganzen nicht einmal in Frage gestellt wird. Man könnte sich vorstellen, dass diese Gesetze gelten, oder durchgesetzt werden. Die Realität sieht leider allzuoft so aus, dass man schlicht irgend etwas macht, dabei eine bestimmte Form wahrt und dann öffentlich verkündet, dass sei gut so gewesen. Auf der Ebene des einzelnen Menschen würde ich das Problem "Gewissenlosigkeit" nennen oder vielleicht auch "Verblendung" oder "Unkenntnis". Aus meiner Perspektive ist einzig noch sicher, dass die Mütter und Väter des Grundgesetzes erkannt hatten, dass es solche Probleme geben kann, und deutlich und durchaus eindringlich davor gewarnt haben, den Staat Überhand nehmen zu lassen. Dass das geschehen ist, dass viele Leute auch nicht einmal bemerken, was da mit ihnen passiert, steht für mich ausser Frage. Und da wundere ich mich schon etwas.

Zitat:
Neues Deutschland? Sorry, ein linkstendenziöses & SED-versifftes Propagandablatt der DDR! Bezeichnend, dass sich hier scheinbar niemand daran stört (?). Das sagt eigentlich alles
Ja. Vor allem bringt es gut zum Ausdruck, dass Du gerne "den Boten köpfst", wie man das nennt.
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Alt 08.01.2016, 14:19   #10
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Erstmal danke, basti, dassdu dir Zeit dafür genommen hast.
Ich hatte da keine Lust mehr zu, nachdem Torsten in dem anderen Thread nicht mehr mitdiskutiert.........

Zwei Anmerkungen von mir noch dazu.

aus dem von Torsten verlinkten Artikel der haz

Zitat:
Die einzig beruhigende Nachricht: Vermutungen, dass sich in Erstaufnahmelagern auch Terrorkriminelle befänden, hätten sich als Fehlinformationen erwiesen.
Und hierzu gab es einen guten Beitrag in der taz

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Nein, gerade das sehen wir da nicht. Vom Ausmaß her ist das - Achtung! - ein schlechter Witz. In Deutschland fliehen jedes Jahr 40.000 Frauen in "Frauenhäuser". Knapp jede zweite Frau gibt an, sie sei schon einmal "sexuell belästigt" worden. In meinem Bekanntenkreis kann ich mich an wenigstens eine Hand voll Schilderungen solcher Vorfälle erinnern.

Die "ganz normale" sexualisierte Gewalt gegen Frauen auszublenden, um darzustellen, dass Flüchtlinge da erstens anders seien als Autochtone und dass das zweitens ein unerwartetes Problem ganz besonderer Priorität darstellt, ist nicht besonders aufrichtig.
http://www.taz.de/Gewalt-gegen-Frauen/!5263311/

Zitat:
Knapp drei Jahre ist es her, als eine Gruppe von Feministinnen auf Twitter den Hashtag #aufschrei ins Leben rief. Sie wollten das Tabu brechen, das Betroffene von einem offenen Umgang mit Sexismuserfahrungen und sexualisierter Gewalt auch heute noch hindert. Das Medienecho spiegelte damals zweierlei Dinge: Das kollektive Gesprächsbedürfnis auf einer Seite und die plättende Ignoranz gegenüber Vergewaltigungskultur auf der anderen.
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"Die Psychiater hatten einige Spezialausdrücke für meinen Fall. Naja, ich hatte auch einige Spezialausdrücke für die Psychiater." (Charles Bukowski)
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