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Alt 29.06.2013, 22:17   #1
Durga
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Standard Neue Erkenntnisse über Ephesos

Interessante Funde von Ephesos aus der späten Blütezeit im frühen Mittelalter.
(Quelle: Archäologie online)

SPÄTANTIKE WOHNKULTUR IN EPHESOS
----------------------------------------------------------------------------
28.06.2013 21:16
Siemens Österreich / CS<>


Seit vielen Jahren unterstützt die Gesellschaft der Freunde von Ephesos
(GFE) wissenschaftliche Projekte der österreichischen Grabung in der
Türkei. Auch in diesem Jahr wird in Kooperation mit der Zentralanstalt
für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG) die geophysikalische Erforschung
von Ephesos fortgesetzt.

Besonders aussagekräftig sind Bodenradarmessungen, die in den letzten
Jahren in der Stadt und in der Nekropole verstärkt angewendet wurden.
Diese Prospektion war auch die Basis für Ausgrabungen einer spätantiken
Residenz im Stadtzentrum von Ephesos mit prächtig ausgestatteten
Repräsentationsräumen. Durch die abrupte Zerstörung des Gebäudes sind
viele Einrichtungsgegenstände erhalten geblieben und bieten neue
Einblicke die Lebenswelt des 7. Jahrhunderts, als Ephesos als christliche
Metropole blühte, aber auch bereits von Einfällen arabischer Stämme
bedroht war.
Der Name Ephesos wird von Vielen mit prominenten Bauwerken wie dem
Artemistempel, der Celsusbibliothek oder dem Theater verbunden. Ein
Großteil der heute sichtbaren Stadt stammt aus dem 1./2. Jahrhundert n.
Chr., der Blütezeit der Stadt in der römischen Kaiserzeit. Weniger
bekannt ist jedoch, dass die römische Metropole nach einer Zeit der
politischen und wirtschaftlichen Instabilität und einer Erdbebenserie im
3./4. Jahrhundert schließlich im frühen 5. Jahrhundert eine neuerliche
Blütezeit erlebte, nun als Sitz der Regionalverwaltung und als
christliches Pilgerzentrum. Inmitten des neu erbauten Stadtzentrums,
direkt anschließend an die Marienkirche, wurde im Verlauf des 5.
Jahrhunderts eine prächtig ausgestattete Residenz errichtet, die seit
2011 von Archäologen des Österreichischen Archäologischen Instituts
(ÖAI) ausgegraben wird. Entdeckt wurde sie im Rahmen von
geophysikalischen Messungen. Dabei kann insbesondere das Bodenradar
zerstörungsfrei ganz genau Aufschluss über die Raumfolgen geben und
stellt somit eine wichtige Hilfestellung für die Ausgrabung dar. Als das
Gebäude im späten 7. Jahrhundert verlassen wurde, hinterließen die
Bewohner zahlreiche Einrichtungsgegenstände sowie Alltagsgeräte, aber
auch ihren persönlichen Schmuck. Nicht zuletzt konnten im Grabungsareal
bereits über 800 Münzen geborgen werden.
Generaldirektor Wolfgang Hesoun, Präsident der Gesellschaft der Freunde
von Ephesos (GFE): "Die Gesellschaft hat einen strategischen Schwerpunkt
auf die Finanzierung geophysikalischer Prospektionen gesetzt, um die
weißen Flecken am Stadtplan der antiken Stadt Ephesos zu tilgen. Damit
bekommen wir ein umfassendes Bild, wie einst Stadtplanung und
-entwicklung durchgeführt wurden." Das ÖAI setzt dabei auf die
bewährte Zusammenarbeit mit den Experten der Österreichischen
Zentralanstalt für Meteorologie und Geodynamik (ZAMG). Seit dem Jahr
2000 wurden so bereits etwa 53 ha mit Geomagnetik und ca. 22 ha mit
Bodenradar untersucht und unter der Erde verborgene Mauerstrukturen
zerstörungsfrei sichtbar gemacht. An interessanten Stellen kann dann -
wie bei der spätantiken Residenz - punktgenau eine Grabung vorgenommen
werden. Durch eine neue Methode wird es möglich sein, auch in dicht
bewachsenen Plantagen und in landwirtschaftlich intensiv bewirtschafteten
Arealen Messungen durchzuführen. Dies betrifft insbesondere die
Nekropole am Hafen, aber auch Villen und Gehöfte im unmittelbaren
Hinterland von Ephesos. Die Archäologen erhoffen sich dadurch neue
Erkenntnisse über die Ausdehnung und Versorgung der Stadt.
Für die nächsten drei Jahre ist durch die Gesellschaft der Freunde von
Ephesos auch die weitere Erforschung der 1500m2 großen, spätantiken
Residenz gesichert, deren Bewohner mit Sicherheit der städtischen Elite
zuzuordnen sind. Große Repräsentationsräume mit farbenprächtigen
Mosaikböden oder bunten Marmorböden luden ein, hier Gastmähler und
Versammlungen zu veranstalten und - ganz in antiker Tradition -
gesellschaftlichen Verpflichtungen nachzukommen. Im Juni wird ein Team
von Archäologen unter der Leitung von Dr. Sabine Ladstätter, Direktorin
des Österreichischen Archäologischen Instituts und Grabungsleiterin von
Ephesos, mit der Arbeit beginnen. Zehn Wochen lang werden die
Archäologen weitere Teile im Osten und Norden des Gebäudes freilegen,
um einerseits den Anschluss an die Marienkirche zu erhalten und
andererseits die wirtschaftlich genutzten Bereiche des Hauses zu finden.
Dr. Sabine Ladstätter: "In diesem wird auch das bereits geborgene,
reichhaltige Fundmaterial analysiert. Die Zerstörung im
fortgeschrittenen 7. Jahrhundert scheint sehr rasch erfolgt zu sein. So
hatten die Bewohner offensichtlich kaum Zeit, das Haus zu verlassen und
waren gezwungen, große Teile des Inventars bis hin zu hölzernen
Möbelbestandteilen zurückzulassen. Im Zerstörungsschutt fanden sich an
einer Wand liegend mehrere Waffenteile - unter anderem ein Eisenschwert
mit bronzenem Ortband, in das ein Besitzermonogramm eingraviert war. Wir
vermuten, dass diese Waffen ursprünglich an der Wand angebracht und
Besuchern als Insignien zur Schau gestellt wurden. Alle diese Funde
erlauben einen Einblick und in einem weiteren Schritt auch die
Rekonstruktion der Lebenswelt in Ephesos während einer Zeit, die bislang
nur unzureichend erforscht ist. Denn nicht zufällig bezeichnen wir das
7. bis 9. Jahrhundert (die mittelbyzantinische Zeit) bislang als dark
ages".
*

IMAGES:
ephesos_2013_1.jpg
ephesos_2013_2.jpg

CAPTION:
Spätantike Residenz, südwestliches Viertel von Ephesos (Foto: ÖAI)
Geophysikalische Untersuchungen durch die ZAMG (Foto:ÖAI)
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