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Verschwörungstheorien Bilderberger, New World Order, Schattenregierungen, Weltregierung oder gar Weltdiktatur?

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Alt 07.01.2017, 16:38   #1
basti_79
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Standard Logik, Verschwörungstheorien, Postfaktizismus

Meiner Meinung nach mangelt es Verschwörungstheorien an Logik. Der Inhalt einer VT ist immer vorstellbar, je "ausgefeilter" eine VT allerdings wird, desto unlogischer werden ihre Inhalte. Ganz schlimm ist es bei den "großen" VT's, meinetwegen "no plane" zum 11.9.2001, oder bei der Mondlandungs-VT, oder die antisemitische Zentralsteuerungshypothese, die ein zentrales Element der Staatsideologie des dritten Reichs war.

Früher habe ich mich immer gefragt, wie die Fehlschlüsse, die dafür nötig sind, überhaupt zustande kommen können. Nachdem ich solche Schritte bei mehreren einzelnen Betroffenen gesehen hatte, war ich mir sicher: dahinter steht eine Entscheidung eines Individuums. Da entscheidet sich jemand dafür, an einer wesentlichen Stelle die Logik in den Wind zu schlagen, und etwas unlogisches zu glauben, also etwa in bezug auf den 11.9., dass Baustahl schmelzen müsste, um seine Stabilitiät zu verlieren - dieses "Argument" muss man akzeptieren, glauben zu können, dass der durch das Kerosin verursachte Brand nicht hätte ausreichen können, den Zusammenbruch der Gebäude auszulösen.

Relativ regelmäßig beobachtet man auch, dass da inkonsistent argumentiert wird. z.B. kann ein "no plane"-Gläubiger durchaus auch die Sache mit der Stabilität von Baustahl in Bränden anzweifeln - es würde seiner Sache ja nicht schaden. "Bullshit" verhält sich in dieser Beziehung logisch neutral, erfüllt aber die wichtige Funktion, z.B. Gish-Gallops zu unterstützen. Da man sich in beinahe allen Gesprächssituationen darauf einigen kann, Bullshit auszuschließen, führt das dann (einen hinreichend hartnäckigen Gesprächspartner vorausgesetzt) dazu, dass ein unlogisches Argument geführt wird, oder "bestenfalls", dass ein innerer Widerspruch offensichtlich wird, den man z.B. durch Verwendung der hier beschriebenen Technik arstellen kann.

Gewichtiger und Folgenschwerer sind solche Fehlschlüsse und inneren Widersprüche in der Politik. Deswegen neige ich dazu, z.B. Traditionsargumente und falsche Dilemmata da besonders deutlich zu kommentieren. Selbstverständlich ist jede Politik, die auf Fehlschlüsse gründet, zu allem fähig (vgl. 1933-1945), und selbst wenn sie nur auf Bullshit gründet, wie etwa im Postfaktizismus, sind die Ergebnisse noch quasi beliebig.

Unter Annahme eines vollkommenen politischen Postfaktizismus wird die Politik zu einer "Filterblase", in der zwar alles mögliche diskutiert werden kann, aber nichts mehr eine tatsächliche Bedeutung hat. Das wäre ein sehr trauriger Zustand. Deswegen ist es von Vorteil, dass die Mechanismen der öffentlichen Politik dem Postfaktizismus Riegel vorschieben, zum Beispiel kann man dort immer nur so lange Bullshit reden, bis jemand (meistens ist das dann ein Oppositioneller) "Bullshit" sagt. In der heutigen Politiksimulation darf man das eigentlich nicht mehr, sondern muss da etwas gewähltere Worte wählen. Sehr viel diplomatischer ist es natürlich, anzudeuten, dass die Regierung Bullshit redet, und die eigene Position gewissermaßen "unter der Hand zu verkaufen". Da muss man aber darauf bauen, dass jemand das noch versteht, was erfahrungsgemäß selten ist. Auswüchse dieser Prozesse sieht man z.B. sehr gut bei Tilo Jung. Der ja eine Art "APO" betreibt.

Viel schwerwiegender sind Bullshit und Lüge innerhalb der Gerichtsbarkeit. In der Gerichtsbarkeit sind ja gewisse Autoritätsargumente als gültig vorgeschrieben, und auch Traditionalismus und "ad Ignorantiam" haben eine lange Tradition. Das große Gewicht kommt dadurch zustande, dass ein Richter ja immer einer der Parteien in einer strittigen Frage Recht geben muss, und damit dann auch möglicherweise eine neue Tradition begründet. Ganz besonders prickelnd finde ich da die Auslegung der Grundrechte, insbesondere dasjenige der "unmittelbaren Gültigkeit". Genau genommen verpflichtet dieses ja Richter dazu, jedem, der sich auf ein Grundrecht beruft, dieses zuzsprechen. Wegen dem Übermaßverbot auch: so weit wie innerhalb der Dogmen (Wortlaut der Gesetze) denkbar.

Formallogisch betrachtet sind die Grundrechte, bzw. ist das gesamte GG als Axiome gesetzt. Implizit selbstverständlich auch, dass in der juristischen Hierarchie Autoritätsargumente gelten (höheres Gericht "sticht" gegenüber niedrigerem Gericht). Das erklärt z.B. warum Menschen, die denken, dass etwas "nicht sein darf, was nicht sein kann" gerne nach solchen suchen, oder eben nach Traditionen greifen für die Begründung unlogischer oder bullshittiger Positionen.

Wenn man das die ganze Zeit so macht, wird das dazu führen, dass einzelne "Filterblasen" eingerichtet werden, also einzelne Teile der Gesellschaft, in denen Fehlschlüsse oder bestimmte bullshittige Inhalte geradezu religiös verehrt werden. Der einzige Weg, diese zu erkennen, ist, diese Inhalte genau zu untersuchen und bei Fehlschlüssen eben Zeter und Mordio zu schreien, dass der Schluss ein falscher ist.

Und weil das auch alle implizit wissen, kann man sich damit auch mal schön die Finger verbrennen. Mir macht das allerdings wenig aus. Lieber einen Bullshitter gekränkt, lieber einen Lügner entlarvt, als weiter fern der Logik und fern von Verstand und Gewissen irgendwelchen Lichtgestalten hinterherzulaufen.

http://de.euronews.com/2017/01/06/in...aft-angekommen

http://www.zeit.de/2001/28/Die_Nestbeschmutzer

[Aufpassen!] https://forum.ars-regendi.com/postfa...t-30146-2.html
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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