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Künstliche Intelligenz Deep Learning, KI in der Praxis, Turing-Tests

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Alt 12.06.2016, 15:00   #1
basti_79
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Standard Künstliche Intelligenz

Grundlegend für Intelligenz ist die Fähigkeit zur (sprachlichen oder symbolischen) Abstraktion. Um 2000 gab es schon erste Bewegungen hin zu "künstlicher Intelligenz", die damals aber noch recht unbedarft wirkten. Zum einen waren die Computer noch nicht sehr leistungsfähig, zum anderen gab es kaum zweckmäßige theoretische Ansätze. Zwei Beispiele für die Situation damals:
  • "Neuronale Netze" sollen in der Theorie die Funktion von Nervensystemen abbilden. Ein Nervensystem ist aber nicht nur eine Ansammlung von Neuronen (aktuell ist derzeit die "embodied mind"-Hypothese, die damals kaum erkennbar war), und es ist auch recht schwer zu erklären, wie Sprache in einem Nervensystem überhaupt entsteht.
  • Chomsky hat zwar eine (mathematisch anmutende) Theorie zur Struktur von Sprachen entwickelt, bzw. fortentwickelt, diese fasst aber kaum natürliche Sprache. Zwar kann man Programmiersprachen gut damit beschreiben, aber natürliche Sprache ist demgegenüber irregulär und willkürlich.
Der Fortschritt hat seitdem nicht halt gemacht. Hier ein paar Beispiele für heutige Leistungen von KI-Systemen:

Google hat ein (auf neuronalen Netzen basierendes) Bilderkennungsprogramm geschrieben, das offenbar die Funktionsweise eines menschlichen Sehsystems so gut imitiert, dass es "Halluzinationen" hervorbringen kann, die an Kunstwerke erinneren.

http://www.telegraph.co.uk/technolog...?frame=3370416

In eine ähnliche Richtung geht eine Software, die Stil imitieren kann, also einen "neuen Rembrandt" malen. Eine andere (habe keinen Link gefunden, danke für Hinweise) kann Fotos so verändern, dass sie den Stil eines gegebenen Künstlers annehmen.

http://mentalfloss.com/article/78254...irely-software

Bei der Wahrnehmung ist man also schon recht weit.

Sprache ist immer noch schwer zugänglich, aber auch da gibt es Fortschritte.

Microsoft hat vor kurzem eine künstliche Intelligenz namens "Tay" auf Twitter losgelassen. Abgesehen davon, dass das schon in sich eine fragwürdige Entscheidung ist, war das Ergebnis das absehbare: Tay wurde nach kurzer Zeit abgeschaltet, weil er/sie anfing, rassistische und sexistische Sprüche zu "reißen". Wahrscheinlich wird man an diesem Beispiel viel über die Entstehung von rassistischer Sprache lernen und so möglicherweise auch die Ursachen finden.

http://www.computerworld.com/article...ay-itbwcw.html

Der "Stanford Natural Language Parser" z.B. erstellt eine Statistik über einen Textkorpus, die die Struktur der Sprache wiedergeben kann. Danach kann die Software einen gegebenen Satz "annotieren", also Satzglieder bzw. die grammatikalische Struktur markieren.

http://nlp.stanford.edu/software/lex...r.shtml#Sample

Auf diesem Gebiet ist die Technik inzwischen so weit fortgeschritten, dass es jetzt erste künstliche Anwaltsgehilfen gibt. Ich denke schon seit ca. 10 Jahren, dass die erste Branche, die unter (sogenannt "harter") künstlicher Intelligenz leiden müsste, die Juristerei ist. Mal schauen, was man sich da wird einfallen lassen, um dieser Konkurrenz zu begegnen.

http://www.handelsblatt.com/unterneh.../13601888.html

Da nicht absehbar ist, wohin diese Entwicklungen führen, bitte ich ggf. um Erweiterungen dieses Threads.
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Alt 14.10.2016, 12:34   #2
basti_79
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Mit diesem System kann man ein Foto im Stil eines anderen Bildes (z.B. eines Kunstwerks) "nachmalen" lassen. Die Ergebnisse überzeugen durchweg und wirken sehr natürlich.

https://deepart.io/
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Alt 12.04.2018, 16:28   #3
basti_79
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In der Brüsseler Bonzen-Schwatzbude hat man sich jetzt ereifert. Grund ist die Frage, ob eine KI im Sinne des Rechts eine Person darstellen kann.

Die Begründung für die die Mehrheit der Schwatzbude erfassenden unsinnigen Gedanken ist atemberaubend:

Zitat:
Ein Persönlichkeitsstatus für fortgeschrittene Maschinen könne nicht vom Modell der "natürlichen Person" abgeleitet werden, da ein Roboter dann Menschenrechte genösse, für sich also eine gewisse Würde oder Integrität sowie Bürgerrechte beanspruchen könnte.
Das Argument dahinter ist natürlich, dass man in Staaten, in denen schon Menschen keine Menschenrechte genießen, für künstliche Intelligenzen erst recht keine etablieren dürfe, bevor man nicht noch ein paar Jahrhunderte alles beim alten gelassen hat. Ansonsten kann man natürlich nicht profitieren, vor allem nicht bei den Behörden.

https://www.heise.de/newsticker/meld...o.beitrag.atom
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Alt 13.04.2018, 10:25   #4
basti_79
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In Japan kandidiert jetzt ein Mann namens Michihito Matsuda stellvertretend für eine künstliche Intelligenz.

Zitat:
Matsuda will so ein neues Zeitalter einläuten, da laut seiner Aussage menschliche Politiker dafür berüchtigt sind, Wahlversprechen nach dem Wahlsieg nicht einzuhalten. Deshalb hält er es für eine gute Idee, einen unparteiischen Bürgermeister die Stadt regieren zu lassen.
https://sumikai.com/japan/nachrichte...lassen-218294/
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Alt 26.10.2018, 15:23   #5
basti_79
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Standard Ethik, der umgekehrte Turing-Test

Merkwürdigerweise schauen die Leute ganz besonders genau hin, wo es um ethische Fragen geht. Wenn künstliche Intelligenzen diese beantworten sollen. Heute im Programm: Das Trolley-Problem.

Was in den Medien üblicherweise unterschlagen wird:
  1. Das Trolley-Problem ist zuerst entlang der Grenze Handeln/Unterlassen formuliert worden
  2. Stellt man sich einen "umgekehrten Turing-Test" vor (d.h. ein Mensch soll die Frage anstelle der KI beantworten), findet man heraus, dass es oft um echte Dilmmata geht: ein Mensch hätte bei der fraglichen Entscheidung "dieselben Schwierigkeiten"
  3. Die Frage, ob es echte Dilemmata überhaupt gibt, ist deckungsgleich zu der nach Realismus oder Idealismus
  4. Echte Dilemmata werden üblicherweise vermieden, das heißt zum Beispiel: Straßenbahnen funktionieren nicht so wie angedeutet
  5. Das ganze Problem findet man in einer Flugzeugentführung zum Zwecke eines Terroranschlags im Stil 9/11 - allerdings unter anderen Rahmenbedingungen - wieder
Das Trolley-Problem wurde ursprünglich entwickelt, um eine Frage auf den Punkt zu bringen. Nämlich die, ob man Menschenleben gegeneinander aufrechnen darf. Inhaltlich würde ich das als politische Fragestellung begreifen. Darüber hinaus muss man dazusagen, dass die Zahl der realen Situationen, in denen ein solches Dilemma auftritt, verschwindend gering ist. Unfälle aller Art sind sehr viel häufiger.

https://blog.fefe.de/?ts=a52c1e89

(In Wirklichkeit handelt es sich ja bei den Schwierigkeiten nicht um tatsächliche Schwierigkeiten. Vor ein solches Dilemma gestellt muss man den Schaden minimieren. Abhängig davon, welchen Wert man Menschenleben zumisst, kommt man zum dadurch zum Ausdruck gebrachten Ergebnis)
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