:: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften ::

 

Zurück   :: forum.grenzwissen.de :: Das andere Forum für Grenzwissenschaften :: > Politik & Wirtschaft > Bildung und Schulen

Antwort
 
Themen-Optionen Ansicht
Alt 12.08.2018, 12:36   #11
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.385
Standard

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Ich kann mich nicht erinnern, das ich je von "sittlich-moralischer Verwahrlosung" gesprochen hätte.
Zitat:
Zitat von perfidulo
Ich hoffe, das ist nicht das Modell, das Basti vorschwebt.
Zitat:
Das ist AfD-Stil, aber das traut man mir offensichtlich inzwischen zu (Framing?)
Du framest ganz sicher, wie man hier nachlesen kann, genausoviel wie die AfD. Bei Dir sind "Schüler" erst einmal "Schüler", nicht "Menschen", die selbstverständlich auch einen Anspruch darauf haben, von Dir und Deinesgleichen menschenwürdig behandlt zu werden.

Vielleicht ist Dir aufgefallen, dass ich in meinen Beiträgen hier Fragen stelle. Es wäre mir ganz lieb, würdest Du versuchen, auf diese Antworten zu finden oder sie wenigstens zu kommentieren.

Jetzt kommt ein Abschnitt, bei dem ich nicht so Recht weiß, ob es sich um einen Versuch von Satire handelt, um einen Ausdruck von Selbstverachtung, oder um Naivität, die Dich solche Dinge schreiben lässt.

Zitat:
Zitat:
Zitat von basti_79
Ich würde mal sagen, der Staat ist schon aus ethischen Gründen dazu verpflichtet, Unterkünfte und Betreuung für junge Menschen anzubieten.
Ethische Gründe und Staat - Der Herr belieben zu scherzen!
Ich habe weder gesagt, dass der Staat die ihm zugeordneten Aufgaben erfüllen würde, noch, dass er sich an meinen Ansprüchen messen würde. Ich habe einzig gesagt, dass man von einem Staat erwarten kann, dass er Unterkünfte und auch "Betreuung" (d.h. Behütung vor Angriffen z.B. von Faschisten) für junge Menschen anbietet.

Dass der hiesige, heutige Staat natürlich genau das Gegenteil tut: Junge Menschen ohne Gnade in Horden wie Mastvieh in gefängnisartige Bauten sperren, liegt auf der Hand.

Jetzt gibt es da aber Unterschiede: während Du von diesen Missständen profitierst, kritisiere ich sie.

Zitat:
Der Staat ist dafür da, optimale Verwertungsbedingungen des Kapitals zu sichern.
Ah, da scheint der Erzlinke durch. Deswegen hast Du auch keine Schwierigkeiten damit, die Hand aufzuhalten, nicht wahr?

Zitat:
Da hat man schon im 18. Jahrhundert erkannt, dass eine zentrale Lösung bei der Kindererziehung objektiv Vorteile hat.
Was bedeutet für Dich das Wort "Objektiv", und wie weit darf "Erziehung" gehen?

Ist das etwas anderes als "Der Zweck heiligt die Mittel"?

Zitat:
Nur der Umkehrschluss, dass deswegen die Rückverlagerung auf die Familie wünschenswert sei, ist falsch.
Kannst Du diese Behauptung belegen? Und wer wünscht sich da was?

Ich nehme da seit etwa 10 Jahren die Position ein, dass junge Menschen auch Menschen wären, und deswegen des Menschenrechts würdig. Von Dir und Deinen Genossen kommt immer nur heiße Luft, und dass alles weitergehen müsse wie bisher.

Zitat:
Das ist die plumpe Denke früher Ökos: Weil Machinen den Kapitalisten gehören, wollen wir sie nicht und werkeln von Hand.
  1. Hat die Freilernerbewegung nichts mit den von Dir so verhassten Grünen zu tun
  2. Hat Technophobie meiner Meinung nach in der heutigen Zeit nichts verloren - meiner Meinung nach kann man auch freilernen, wenn man ein Smartphone besitzt
  3. Habe ich nichts dergleichen geschrieben, das hast Du Dir nur ausgedacht

Bist Du bei den Grünen mit Deinem Gesabbel damals nicht angekommen, oder warum hetzt Du immer gegen die, als wären sie der Teufel in Person?
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2018, 12:55   #12
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.303
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Ich nehme da seit etwa 10 Jahren die Position ein, dass junge Menschen auch Menschen wären, und deswegen des Menschenrechts würdig.
Sie haben infolgedessen ein Menschenrecht auf eine Bildung, die ihre Fähigkeiten fördert. Das können nur Fachleute, nicht ihre Mamas und Papas.


Als Altlinker (nicht Grüner) sehe ich Erziehung als kollektive Aufgabe an.
Unser Schulsystem ist gewiss nicht optimal (zuviel Bürokratie), aber man bessert sich.
Zu meiner Schulzeit durfen Lehrer noch ungestraft prügeln. Es gab praktisch nur Frontalunterricht.
Natürlich würden wir uns auch Verhältnisse, wie in den nordischen Ländern wünschen.
Aber vergessen wird nicht die "Helikopter-Eltern", die nur das vermeintlich Beste für ihren Nachwuchs wollen und masslos nerven. Mach denen mal klar, dass ihr Sprösslich zum Chirurgen völlig untauglich ist, aber ein guter Fliesenleger wäre. Da hast Du schnell die Schulaufsicht an der Backe.
Aber in einer öffentlichen Schule hat er die Chance seine Fähigkeiten zu erkennen und mit Hilfe verständnisvoller Lehrer zu entwickeln. Daheim beschult wird er unter einen grenzenlosen Leistungsdruck gesetzt und es gibt kein Korrektiv.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!

Geändert von basti_79 (16.08.2018 um 16:59 Uhr). Grund: Kaputte Klammer korrigiert
perfidulo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2018, 13:29   #13
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.303
Standard

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Bist Du bei den Grünen mit Deinem Gesabbel damals nicht angekommen, oder warum hetzt Du immer gegen die, als wären sie der Teufel in Person?
Du beziehst Dich auf meine Aussage
Zitat:
Das ist die plumpe Denke früher Ökos: Weil Machinen den Kapitalisten gehören, wollen wir sie nicht und werkeln von Hand.
Wo Du da "Grüne" herauslesen willst, und eine "Hetze" will sich mir nicht erschliessen.
Es ist glaube ich unbestritten, dass es eine Neigung zur "Stadtflucht" gab, die bis in die Frühzeit der Industrialisierung zurückreicht. Da gab es noch keine "Grünen".

Es gab das zu Kaisers Zeiten (Wandervogel, Lebensreform) und danach.
Es trat wieder in den 1960er Jahren auf (Vogelsterben, vergiftete Flüsse) und dann im Kontekt mit der Anti-Atom-Bewegung und der Kritik an der Verkabelung.
Die scheinradikale Antwort war immer "Zurück aufs Land" und mit dem Pferd pfügen und ein "altes" Handwerk ausüben. Die zahlosen Akademikerinnen, die heute Töpfereien betreiben und neuerdings das Häkeln entdeckt haben, sind ein Zeichen dafür.
Ich nenne das "scheinradikal" weil immer nur die letzte Stufe in der technischen Entwicklung zurückgegangen wird.
Auf die heutige Zeit übertragen: Keinen Mobilfunk nutzen, sondern das "natürliche" analoge CB-Funkgerät. Kein iPad, sondern einen traditionelle Pentium-V-Mühle.
Die ersten organisierten Widerstandsbewegungen fanden statt, als die Handspinnerei durch wasserkraftbetriebene Spinnmaschinen ersetzt wurde. Also wurden die Maschinen kaputtgemacht, was kein Problem war, da sie aus Holz bestanden.
Bei Getreidemühlen hatten wird dieses Phänomen erstaunlicherweise nicht. Das mag daran liegen, dass die Mühlen (Wind und Wasser) ein herrschaftliches Regal waren und ordentlich Profit brachten. Da hat der Landesherr scharf durchgegriffen. Selbst alles rund um die Mühlkanäle war detailliert geregelt und mit Strafen belegt. Der Beginn der Industriealisierung war aber Privatsache. Die Wasserrechte mussten den Landesherren abgerungen werden die waren auch nicht immer von den Neuerungen begeistert.

Die Geschwindigkeit der Industriealisierung hing mit den Rechtsverhältnissen zusammen. In England und den Niederlanden schneller als in Preussen.
Da kam die "Zivilisationskritik" erst so richtig Ende des 19. Jahrhunderts auf, als der Rauch der Fabrikschlote den Himmel verdunkelte und das Leben immer hektischer wurde.

So empfand es die Mittelschicht und fuhr in die Sommerfrische oder an die Ostsee, wo man frei von den Konventionen dem Zeitraster in den Stadt leben konnte. Weniger begüterte imitierten das Leben der Wanderburschen (eigentlich ein Auslaufmodell) und zogen zu Fuss in die unberührte Natur. Die ersten Kilometer natürlich mit der Eisenbahn (die ja ein Zeichen des unbeliebten Fortschritts war. Aber auch die Hippies liebten den VW-Bully zur Fahrt an den Strand oder in die Wüste).
Es stimmt schon, diese halbherzige Kritik war auch bei den "Grünen" als Partei vertreten. Etwa die Weigerung, das Computersystem des Deutschen Bundestages zu benutzen. Man sollte die Begründungen mal wieder veröffentlichen und nachsehen was die Wortführer heute machen (Wahrscheinlich Software-Firmen leiten).
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
perfidulo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 12.08.2018, 13:37   #14
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.303
Standard

„Die Studie“ – Der Chaos Computer Club und die Grünen 1986

Zur Fortbildung in Technologieverweigerung
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
perfidulo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2018, 17:45   #15
basti_79
Administrator
 
Benutzerbild von basti_79
 
Registriert seit: 18.11.2005
Beiträge: 10.385
Standard

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Sie haben infolgedessen ein Menschenrecht auf eine Bildung, die ihre Fähigkeiten fördert. Das können nur Fachleute, nicht ihre Mamas und Papas.
Du scheinst alle anderen Rechte diesem "Menschenrecht auf eine Bildung, die ihre Fähigkeiten fördert" allen anderen Menschenrechten unterordnen zu wollen, sehe ich das richtig?

Von wem kommt denn jetzt dieses Bildungsideal, das Du hier niedergeschrieben hast?

Belege bitte Deine beiden Aussagen,
  1. Dass "nur Fachleute" das von Dir (mit welcher Befugnis?) als allgemeingültig unterstellte "Menschenrecht auf Bildung" verwirklichen können
  2. Dass insbesondere die Eltern, die ja auch noch ein Menschenrecht haben, ihre Kinder gemäß ihrer Vorstellungen zu erziehen, dazu gar nicht in der Lage wären (De Facto sind sie es ja nicht, aber das wegen Eingriffen der Staatsgewalt - nicht etwa aufgrund von Unfähigkeit)

Zitat:
Als Altlinker (nicht Grüner) sehe ich Erziehung als kollektive Aufgabe an.
Wo siehst Du denn da jetzt den Bezug zu "links oder rechts"? Ich sehe da erst einmal einen Bezug zu "autoritär oder liberal". Liberal jetzt im weiteren Sinne, nicht im Sinne "FDP".

Habe ich mit einem Wort dagegen gesprochen, dass Erziehung als kollektive Aufgabe verstanden werden soll?

Zitat:
Unser Schulsystem ist gewiss nicht optimal (zuviel Bürokratie), aber man bessert sich.

  1. Ist die Zahl der Gewalttaten in den Schulen in den letzten 20 Jahren zurückgegangen, gestiegen oder stagniert?
  2. Welche Messgrößen bietest Du an, um über die Qualität eines Schulsystems Erkenntnisse zu erhalten?
  3. Könnte es sein, dass das Schulsystem in einem "lokalen Optimum" stagniert? Falls ja, welche Größe wurde da wohl optimiert?
  4. Könnte es sich um einen Mythos handeln, oder um einen Versuch, die Missstände gesundzubeten. Bekanntlich werden solche Sätze seit etwa 70 Jahren geäußert
  5. Nimmst Du noch andere Probleme als "zuviel Bürokratie" wahr, vor allem bei der Frage nach dem Bestand der Menschenrechte der Schüler?

Zitat:
Zu meiner Schulzeit durfen Lehrer noch ungestraft prügeln. Es gab praktisch nur Frontalunterricht.
Und heute überlassen die Lehrer die Drecksarbeit den Narzissten und Psychopathen, die sie "bilden". Und sie bezeichnen ihren Unterricht, unabhängig von der verwendeten didaktischen Technik, irgendwie anders als "Frontalunterricht".

Zitat:
Natürlich würden wir uns auch Verhältnisse, wie in den nordischen Ländern wünschen.
Wer sind denn jetzt "wir"?

Ich würde mir vor allem erst einmal Menschenrechte für die 11 Millionen Zwangsschüler der BRD wünschen. Was ist daran so schwer zu verstehen, dass man diesem Thema offensichtlich konsequent ausweichen muss?

Zitat:
Aber vergessen wird nicht die "Helikopter-Eltern", die nur das vermeintlich Beste für ihren Nachwuchs wollen und masslos nerven. Mach denen mal klar, dass ihr Sprösslich zum Chirurgen völlig untauglich ist, aber ein guter Fliesenleger wäre. Da hast Du schnell die Schulaufsicht an der Backe.
  1. Ganz klar: Täter-Opfer-Umkehr inklusive Befehlsnotstand
  2. Warum können denn gerade Lehrer solche simplen Gedanken nicht verständlich an irgendwelche Eltern vermitteln?
  3. Was wäre so schlimm daran, die Schulaufsicht an der Backe zu haben? Wenn Du gute Argumente hast, sollte es doch keine Probleme geben?

Zitat:
Aber in einer öffentlichen Schule hat er die Chance seine Fähigkeiten zu erkennen und mit Hilfe verständnisvoller Lehrer zu entwickeln.
Warum denn jetzt all diese Einschränkungen?

Zitat:
Daheim beschult wird er unter einen grenzenlosen Leistungsdruck gesetzt und es gibt kein Korrektiv.
Bitte belege diese Behauptung.

Zitat:
Zitat von perfidulo Beitrag anzeigen
Wo Du da "Grüne" herauslesen willst, und eine "Hetze" will sich mir nicht erschliessen.
Die Grünen sind - wie allgemein bekannt - aus der ökologischen Bewegung (Stichworte z.B. "Anti-Atom", "Saurer Regen", "Abholzung" usw) entstanden. "Hetze" bezieht sich darauf, da "plumpe Denke" vorzuwerfen, bzw. ein Vorurteil zu verbreiten (wer ökologisch denkt, lehnt Maschinen ab). Einig sind wir uns dabei, dass in der ökologischen Bewegung (Grüne eingeschlossen) eine gewisse Technophobie vorliegt, und dass die manchmal sogar (pseudo)ökonomisch begründet wird.

Zitat:
Es ist glaube ich unbestritten, dass es eine Neigung zur "Stadtflucht" gab, die bis in die Frühzeit der Industrialisierung zurückreicht. Da gab es noch keine "Grünen".
Was waren denn die Ursachen für diese Stadtflucht? Und was haben Maschinen mit Städten zu tun? Meines Wissens hat gerade "der Primärsektor" unglaublich von der Existenz von Maschinen profitiert - mit dem Ergebnis, dass die Zahl der "Arbeitsplätze" dort ins Bodenlose gesunken ist. Und mit dem Ergebnis, dass die profite Privatisiert wurden. Derselbe Vorgang hat sich dann im zweiten (60er, 70er) und dritten Sektor wiederholt, und inzwischen spielt er sich im Dienstleistungssektor ab (Datenverarbeitung, künstliche Intelligenz, Management)

Und seltsamerweise blockieren gerade die "sektorlosen Sektoren" Banking, Politik, niedere Verwaltung, Justizwesen jeden Ausweg aus der Sackgasse der "Dienstleistungsgesellschaft", die ja in Wirklichkeit eine Sklavengesellschaft ist.

Zitat:
Es gab das zu Kaisers Zeiten (Wandervogel, Lebensreform) und danach.
Es gibt auch heute noch "Aussteiger" und Grenz- bzw. Grauzonen, Du erkennst nur anscheinend die Zusammenhänge nicht, z.B.:
  • Goa aus einer bestimmten Untergruppe der Hippies
  • Fair Trade, Weltläden, Waldorf-Firmen [z.B. tegut, dm] aus Lebensreformern
  • "Selbermachwerkstätten" wie sie hier in Hessen Gang und Gäbe sind, aus Skatern und anderen "Stadtindianern"
  • "neue Kommunen", tw. mit Überschneidung zu Welt- und Lebensanschaungsgemeinschaften, tw. wie "Hof Fleckenbühl" auf extrem verschlungenen Wegen z.B. über Sekten oder Selbsthilfekreise

Zitat:
Es trat wieder in den 1960er Jahren auf (Vogelsterben, vergiftete Flüsse) und dann im Kontekt mit der Anti-Atom-Bewegung und der Kritik an der Verkabelung.
Was trat da auf?

Zitat:
Die scheinradikale Antwort war immer "Zurück aufs Land" und mit dem Pferd pfügen und ein "altes" Handwerk ausüben.
Wie bereits geschrieben: korrekt, es gibt da so ein paar Leute. Was bedeutet das aber im Alltag und politisch?

Zitat:
Die zahlosen Akademikerinnen, die heute Töpfereien betreiben und neuerdings das Häkeln entdeckt haben, sind ein Zeichen dafür.
Das nehme ich eher als Hobby war. Oft auch im Verbund mit Kunsthandwerk. Was Du da für Schwierigkeiten ausmachst, erschließt sich mir nicht.

Zitat:
Ich nenne das "scheinradikal" weil immer nur die letzte Stufe in der technischen Entwicklung zurückgegangen wird.
Klar, das ist seit den Ludditen (Anfang 19. Jhd) geläufig.

Zitat:
Auf die heutige Zeit übertragen: Keinen Mobilfunk nutzen, sondern das "natürliche" analoge CB-Funkgerät. Kein iPad, sondern einen traditionelle Pentium-V-Mühle.
Wieder die Frage: was ist die Schwierigkeit damit? Dass Samsung und Apple nicht genug Umsatz machen? Für wen argumentierst Du da?

Gerade unter Hackern ist ja z.B. Auseinandersetzung mit CB- oder überhaupt Kurzwellenfunk "gang und gäbe". Einerseits, weil man so viel über die jeweilige Technik lernt, andererseits, weil es da so ein Argument der Bescheidenheit gibt. Wir verwenden hier ja auch geschriebenen Text, anstelle z.B. eines Podcasts mit Diskussionen. Obwohl...

Zitat:
Die ersten organisierten Widerstandsbewegungen fanden statt, als die Handspinnerei durch wasserkraftbetriebene Spinnmaschinen ersetzt wurde.
Wie so oft ist hier die Frage: Hatten beide Ereignisse/Prozesse vielleicht nur die gemeinsame Ursache?

Meiner Meinung nach ja: die Ursache war eine Entwicklung dessen, was Marx "Klassenbewusstsein" nannte. Die damaligen Spinner [!] waren sich der Folgen dieser Entwicklung im Klaren. Und das haben sie nur sein können, weil sie eben weder der Arbeit noch ihrer politischen Situation entfremdet waren.

Warum es bei derlei historischen Ausnahmen blieb, harrt meiner Meinung nach übrigens einer Erklärung.

Zitat:
Also wurden die Maschinen kaputtgemacht, was kein Problem war, da sie aus Holz bestanden.
Ja, ohne Erfolg. Wie wir mittlerweile wissen, hat das nichts am Konzept oder an der Wirkungsmacht des Kapitalismus ändern können.

Zitat:
Bei Getreidemühlen hatten wird dieses Phänomen erstaunlicherweise nicht. Das mag daran liegen, dass die Mühlen (Wind und Wasser) ein herrschaftliches Regal waren und ordentlich Profit brachten.
Ich würde sagen, es liegt auch daran, dass:
  • für das Müllerhandwerk das nötig ist, was man heute "Connections" nennt, die bei den "faserverarbeitenden Zünften" Gegenstand gewissermaßen täglicher Verhandlungen waren
  • Getreide bzw. Mehl - im Gegensatz zu Fasern - nicht leicht transportiert werden kann

Welches Phänomen beobachten wir übrigens nicht, und über welche Zeiträume betrachtet? Kapitalakkumulation und "Arbeitsplatzabbau" hat es dort ja "dann doch" gegeben, im Laufe der Jahrzehnte.

Zitat:
Da hat der Landesherr scharf durchgegriffen. Selbst alles rund um die Mühlkanäle war detailliert geregelt und mit Strafen belegt. Der Beginn der Industriealisierung war aber Privatsache. Die Wasserrechte mussten den Landesherren abgerungen werden die waren auch nicht immer von den Neuerungen begeistert.
Und, welche Entwicklung hatte da welche Folgen?

Und welche Ursachen gab es da? Das verschwimmt bei Dir alles in der Schilderung irgendwelcher Machtverhältnisse und -übergänge.

Zitat:
Die Geschwindigkeit der Industriealisierung hing mit den Rechtsverhältnissen zusammen. In England und den Niederlanden [ging das] schneller als in Preussen.
Kannst Du da genauer ausmachen, welche "Rechtsverhältnisse" (was ist das überhaupt? Also dieser Überbegriff) da für welche Entwicklungen ursächlich waren?

Witzigerweise hatten ja die Niederlande zuvor ein "goldenes Zeitalter" und auch eine "Tulpenmanie"...

Wie misst man, tut mir leid, ich muss mich da wiederholen, die Geschwindigkeit einer Industrialisierung? Und wie kommt es, dass in dieser Zeit nicht etwa Bürgerrechte gestärkt wurden, Aggressionspotential abgebaut und funktionierende politische Strategien entwickelt wurden?

Und wie kommt es, dass der Kolonialismus bei solchen Betrachtungen üblicherweise ausgeblendet wird?

Zitat:
Es stimmt schon, diese halbherzige Kritik war auch bei den "Grünen" als Partei vertreten.
Welche halbherzige Kritik denn? Die Du hier, mit historischen Einsprengseln verbunden, wiedergegeben hast? So denkt doch kein Mensch, der bei Verstand ist...

Was wäre denn, Deiner Meinung nach, "volle Kritik", welche Auswirkungen hätte die gehabt, und warum hätte man sie leisten sollen oder können?
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
basti_79 ist gerade online   Mit Zitat antworten
Alt 16.08.2018, 18:58   #16
perfidulo
Lebendes Foren-Inventar
 
Benutzerbild von perfidulo
 
Registriert seit: 10.12.2005
Ort: Hauptstadt des Grauens
Beiträge: 9.303
Standard

Wieder so eine endlose Reihe von rhetorischen Fragen

Zitat:
Zitat von basti_79 Beitrag anzeigen
Meiner Meinung nach ja: die Ursache war eine Entwicklung dessen, was Marx "Klassenbewusstsein" nannte. Die damaligen Spinner [!] waren sich der Folgen dieser Entwicklung im Klaren.
Beim Aufstand gegen die Maschinen ging es um Wahrung des eigenen Lebensunterhalts. Nichts weiter.
Eine hölzerne Spinnmaschine ersetzte eben 10 oder 20 Handspinner und machte sie brotlos.
So haben Landarbeiter gegen Dampf-Lokomobile zum Pfügen protestiert und die eisernen Pferde gelegentlich zerstört oder unbrauchbar gemacht.
Da war keine weltgeschichtliche Sinnstiftung dahinter.
Anders mit Angst vor dem "um sich greifenden Maschinenwesen" der Städter. Das war eine zutiefst konservative Haltung, dass eben die bekannte Umwelt nicht verändert werden sollte, wobei die Veränderung immer als zum Nachteil dargestellt wurde. So wie die Grünen gegen die Chemieindustrie vom Leder zogen, aber die Kopfschmerztablette gegen den Fusel vom Ökowinzer zu schätzen wussten. Lange fuhr man mit dem russenden Benz zur Demo oder mit dem Bully in die Provence.
Diese Widersprüchlichkeiten gibt es in jeder Bewegung. Wenn alles rundum perfekt ist, muss etwas faul sein.
Aber das Problem dabei ist immer, dass nur die jeweils letzte technologische Stufe in Frage gestellt und als schädlich betrachtet wird.
Man wird bei den Protesten der Spinner vergeblich nach einer Kritik an der verwendeten Baumwolle (von Sklaven in Übersee produziert) suchen oder an der Verschwendung von fruchtbarem Boden für Leinen, wo doch Weizen wachsen könnte.

Das Dampfross auf glatten Schienen ist zu verdammen. Dabei war die Reise in der Postkutsche auf unbefestigten Wegen alles andere als ein Vergnügen. Die zeitgenössischen Reiseberichte sprechen Bände. Von den wochenlangen Strapazen mit Übernachtung bei geldgierigen Wirten mal ganz abgesehen.
Kein Wunder, dass sich die Eisenbahn rasch durchgesetzt hat und man in Preussen vom Interesse des Militärs profitieren konnte, das erkannt hatte, dass man Truppen im Flächenstaat (vom Rhein bis nach Königsberg) bequem und kräftesparend verschieben konnte. Napoleons Leute mussten noch tippeln. Von Paris bis Moskau.
Manche glauben nun im Militär den Motor des Fortschritts gefunden zu haben. Das ist aber falsch, da das Militär selten etwas von Null erfunden hat, sonder meist nur Geistesblitze genutzt hat. Siemens wurde durch Telegrafen gross, die die optische Kommunikation ablösten, aber nicht dafür erfunden wurden.
Beim Telegraf gab es einen netten Nebeneffekt. Das preussische Militär hatte sich geweigert Börsenkurse mit den optischen Telegrafen zu übertragen. Elektrisch ging das dann prächtig und hob den Kapitalismus auf eine ganz neue Stufe. Man wusse sofort in Berlin, was in Frankfurt an der Börse los war.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
perfidulo ist gerade online   Mit Zitat antworten
Antwort

Lesezeichen

Themen-Optionen
Ansicht

Forumregeln
Es ist Ihnen nicht erlaubt, neue Themen zu verfassen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, auf Beiträge zu antworten.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Anhänge hochzuladen.
Es ist Ihnen nicht erlaubt, Ihre Beiträge zu bearbeiten.

BB-Code ist an.
Smileys sind an.
[IMG] Code ist an.
HTML-Code ist aus.
Gehe zu

Ähnliche Themen
Thema Autor Forum Antworten Letzter Beitrag
Das dritte Reich und ihre (UFO's) Dareios1337 Verschwörungstheorien 20 11.01.2011 17:39
ESA: Dritte Amtszeit für ESA-Generaldirektor Zeitungsjunge astronews.com 0 24.06.2010 17:50
Der dritte Weltkrieg RedneX Politik & Zeitgeschehen 8 13.01.2006 20:26
Aufbruch ins dritte Jahrtausend Orakel Buchtipps von unseren Usern 0 02.08.2004 01:23


Alle Zeitangaben in WEZ +2. Es ist jetzt 11:51 Uhr.


Powered by vBulletin® ~ Copyright ©2000 - 2018 ~ Jelsoft Enterprises Ltd.


Das forum.grenzwissen.de unterliegt der Creative Common Lizenz, die Sie hier nachlesen können.
Wir bitten um Benachrichtigung, falls Sie Inhalte von uns verwenden.