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Verschwörungstheorien Bilderberger, New World Order, Schattenregierungen, Weltregierung oder gar Weltdiktatur?

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Alt 10.04.2018, 10:51   #1
perfidulo
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Standard Buch Butter: Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien

Neues Buch
Zitat:
Michael Butter, "Nichts ist, wie es scheint. Über Verschwörungstheorien". Suhrkamp, Berlin 2018, 240 Seiten; 18 €.
Mässige Besprechung in Zeit Online

Zitat:
Sie sind nicht alle verrückt

Verschwörungstheoretiker, erklärt uns Butter, seien nicht einfach verrückt. Die meisten von ihnen bauen ihre Weltwahrnehmung auf Prinzipien auf, die auch die sogenannten normalen Menschen teilen: menschliche Handlungsfähigkeit, Komplexität und Opazität. Der Lauf der Geschichte kann von Menschen beeinflusst werden, auch zwischen entfernten Ereignissen können komplexe Zusammenhänge bestehen und nicht alles ist so, wie es auf den ersten Blick erscheint. Das Offensichtliche anzweifeln, Theorien spinnen, kognitive Dissonanzen ausblenden, all das sind Kulturtechniken, die auch seriöse Wissenschaftler anwenden. Die Stärke von Butters Buch liegt darin, eine methodische Kontinuität zwischen dem kritischen und dem konspirationistischen Geist anzudeuten, zugleich aber deutlich zu machen, dass zwischen ihnen ein Unterschied ums Ganze besteht.
__________________
Vor jeder Antwort beachten: Ich bin kein Adept der Fantomzeit!
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Alt 10.04.2018, 17:01   #2
basti_79
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Standard

Warum denn bloß "mäßig"? Ich würde es "knallhart Neoliberal" und "von wenig Erkenntnis und Fantasie geprägt" nennen.

Zitat:
Geht die Zustimmung zu solchen Ideen verloren, kann ein freiheitliches System erstaunlich wenig dagegen tun. Es kann die Leute ja schlecht zwingen, an seine Prinzipien zu glauben. Sonst widerlegt es seinen freiheitlichen Charakter selbst.
Das ist z.B. Schwachsinn oberster Ordnung. Erstens hängt es nicht vom Willen oder gar nur der "Zustimmung" der (zuverlässig als solchen wahrgenommenen) Mehrheit ab, ob man Gesetze durchsetzt oder das bleiben lässt. De Facto hängt das derzeit davon ab, ob es sich beim Ziel um eine natürliche oder um eine juristische Person handelt, und wieviel das Opfer bereit ist, zu bezahlen. Und das hat auch nichts mit "freiheitlichem Charakter" zu tun, dass es Gesetze geben muss, und dass man die auch mit Gewalt durchsetzen können muss, gerade auch gegenüber Reichen und/oder Mächtigen, ist wenigstens seit der französischen Revolution geläufig.

Zitat:
Wenn eine Historikerin sich jahrelang durch Archive gewühlt und durch Fachtagungen geschlagen hat, dann fabriziert sie keine Ideologie, sondern historische Wahrheit.
Noch so ein Beleg für den Stumpfsinn der Geisterwissenschaften.
  1. Unabhängig vom Wahrheitsgehalt irgendeiner Aussage über historische Gegebenheiten würde man in einer zeitgemäßen Demokratie die Regierung dazu verpflichten, auf heutige Gegebenheiten zu reagieren.
  2. Eine Historikerin unterscheidet sich nur von einer Politikerin, einer Juristin oder einer Pädagogin, dass ihr Geschreibsel wahrscheinlich ignoriert wird, und dass sie auch in der Regel keinen normativen Anspruch produzieren wird. Wenn die Historikerin jedoch gleichzeitig Lehrerin ist, ist ihr Wort Gesetz, und was sie früher geschrieben haben mag, hätte überhaupt keine Bedeutung mehr.
  3. Selbstverständlich sind historische Ausführungen reine Ideologie, und mit Verlaub würde ich mir verbitten, dass Historiker etwas anderes tun als daherzusabbeln, was sich früher einmal ereignet haben mag, und möglicherweise, wie sehr man sich damit "auf Linie" wähnt.
  4. Was man (die Öffentlichkeit) dann deswegen unternimmt, ist eine politische Frage, die in einer zeitgemäßen Demokratie dem zuständigen Parlament zu entscheiden zusteht. Es handelt sich dabei dann nicht um eine historische Frage. Parlamente können auch keine "historische Wahrheit" produzieren, außer, man betrachtet ihre Beschlüsse als historisch. Was jetzt 70 Jahre niemanden weitergebracht hat.

Zitat:
Wissenschaftler, die sich mit diesem Thema auf eine Weise beschäftigen, die auch akademisch anerkannt wird, gibt es nur sehr wenige.
Selbstverständlich. Wer sich aufrichtig mit dem Thema beschäftigt, würde z.B. auch entdecken, wie und wo im heutigen politischen System die Verfassung missachtet wird und welche Folgen das mitunter hat. Wer das tut, kann nicht guten Gewissens Bestandteil einer Hochschule bleiben. Wer das versucht, muss sich anpassen, oder er wird vernichtet werden, womit dann die "akademische Anerkennung" dahin ist. Er müsste ja auch z.B. darüber nachdenken, wer ihn füttert und warum, und warum man ihn deswegen auch intellektuell eliminieren wird, wenn er noch mehr nachdenkt...

Zitat:
Mit dieser Zurückweisung hat man aber noch nichts über die psychologische Funktion für ihre Anhänger, über ihre kulturelle Bedeutung und ihre Geschichte erfahren.
Meiner Meinung nach ist offensichtlich, dass die Verschwörungstheoretiker im engeren Sinne verhindern, dass jemand z.B. über die oben genannten Fragen nachdenkt, oder über noch drastischere.

Zitat:
Die Rede davon, dass "alles mit allem zusammenhängt", verstehen sie nicht im Sinn von komplexen dynamischen Systemen, in denen der Zufall eine immense Rolle spielt, sondern im Sinn einer totalen kausalen Determination.
Die genannte "totale kasuale Determination" ist in den Behörden offenbar Gang und Gäbe. So weit scheinen weder der Autor des Buchs noch der des Artikels denken zu wollen.

Zitat:
Bis 1945 war nicht nur die große Bevölkerungsmehrheit der meisten westlichen Länder, es waren auch deren Regierungen davon überzeugt, dass sie von verborgenen Mächten bedroht werden.
An der Stelle taucht die Frage auf, welche "verborgenen Mächte" das im Fall der Regierungen bis 1945 gewesen wären (manchmal ist die Antwort offensichtlich). Und bei mir die Erkenntnis, dass es doch für Regierungen ganz gut ist, wenn die Leute denken, sie würden (meinetwegen) von Reptiloiden kontrolliert, anstatt von Beamten, die Verstand und Gewissen vermissen lassen. So kann die Beamtenkaste fröhlich vor sich hin massakrieren, und alles kann weitergehen wie bisher...

Zitat:
In der heutigen Situation neigt der größte Teil der Öffentlichkeit eher zu Verschwörungstheoriepanik: dass verrückte Menschen in ihren Echokammern mit ihrem irrationalen Quatsch die Demokratie zerstören werden.
An der Stelle muss ich den Einwand bringen, dass es kein Grund zur Panik ist, dass Beamte irrational denken und handeln: das ist schlicht und einfach seit 70 Jahren der Normalzustand. Und ja, sie zerstören damit offensichtlich jede Form von Demokratie und auch den Glauben der Menschen daran und an den Bestand des Rechts. Meiner Meinung nach kann man das nicht einmal aus Versehen machen. Verstand und Gewissen vorausgesetzt müssten wir davon ausgehen, dass auch Beamte wenigstens häufig wenigstens eines von beiden besitzen. Das ist aber so gut wie nie der Fall.

Zitat:
Problematisch ist eher, dass die Öffentlichkeit in immer mehr solcher kognitiven Blasen zerfällt, in denen Gleichgesinnte mit ihrem mehr oder weniger rationalen Weltbild, mit ihren Werthaltungen, Gerüchten und starken politischen Meinungen unter sich bleiben.
Also wie Üblich seit 70 Jahren, bloss dass vor der Erfindung des Internet niemand das hätte merken können...

Zitat:
Die Uneinigkeit darüber, wie die Welt und die Gesellschaft ganz grundsätzlich funktionieren, herrscht nicht nur zwischen Verschwörungstheoretikern und den Menschen, die der runden Tatsachenerde verbunden bleiben. Er besteht auch zwischen Letzteren.
Noch ein Schwachsinn. Wie "die Welt" (die einzelne, äußere Realität, die unsere Wahrnehmungen verursacht) funktioniert, weiß man bis ins letzte Detail. Zumindest unter Naturwissenschaftlern. Wie "die Gesellschaft ganz grundsätzlich funktioniert", ist erst einmal eine politische Frage, und damit eine für die Parlamente. Und dazu war da die letzten 70 Jahre die einzige erhältliche Antwort: "Ihr habt Euch das alle so ausgesucht, es muss auch alles weitergehen wie bisher, wir bekommen Geld dafür, jetzt Fresse halten und arbeiten, sonst setzt es was".

Zitat:
Und das ist für die Demokratie am Ende bedrohlicher.
Wieder Blödsinn. Wie die politische Frage beantwortet wird, da würde ich letztlich gewisse "Binnendifferenzierung" zulassen. Mir steht es (da ich dort nicht wohne) nicht zu, über die Einführung einer "Tempo-30-Zone" in Augsburg zu entscheiden. Mir steht es aber sehr wohl zu, Kindesraub und Zwangsarbeit zu verdammen. Beides ist demokratisch. Es wäre immer noch demokratisch, auf der Grundlage einer abstrusen VT die AfD zu wählen. Dass es sich dabei um eine Partei handelt, die sowohl Demokratie als auch Recht abschaffen will, spielt da keine Rolle. Ebensowenig, dass die AfD konsistent Unrecht fordert.

Der Unterschied fällt einfach nicht auf, weil die Regierungen seit 70 Jahren nichts anderes machen als Unrecht für Recht zu verkaufen (tw. im wörtlichen Sinne), und jeden zu eliminieren versuchen, der sich auch nur an der Tatsache stört.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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