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Alt 03.01.2017, 14:18   #1
basti_79
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Standard "Kinderrechte ins Grundgesetz"

Im Rahmen der (SPD-)Aktion "Kinderrechte ins Grundgesetz" veranstaltet das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf ihrer Website "das Kinderministerium" (!) eine Umfrage:

http://www.kinder-ministerium.de/kinderrechte/umfrage/

Zitat:
Die Schule ist nicht nur da um zu lernen, sondern dort erlebst du bestimmt auch andere ganz spannende Dinge. Wieso gehst du gern in die Schule?
mit folgenden Antwortmöglichkeiten:

Zitat:
  • In der Schule treffe ich immer meine ganzen Freunde mit denen ich in der Pause spielen kann.
  • In meiner Schule gibt es eine interessante AG, in der wir spannende Dinge lernen und ausprobieren, ohne darüber eine Klassearbeit zu schreiben
  • Ich lerne gern neue Sachen in der Schule, auch wenn wir eine Klassenarbeit darüber schreiben.
  • Im Schulsport probieren wir immer neue Sportarten aus. Das macht richtig Spaß und eine Sportart ist auch schon mein Lieblingshobby geworden.

Mir fehlen, ehrlichgesagt, ein wenig die Worte. Ich wäre froh wenn ein anderer Nutzer des Forums das Offensichtliche kommentieren würde.
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Alt 05.04.2017, 15:44   #2
basti_79
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Standard

Die Kunde von der Aktion ist jetzt scheinbar bei der "Welt" angekommen. Im Tonfall des hämischem Sarkasmus wird da erklärt, warum Kinderrechte völlig überflüssig wären:

Zitat:
Vor unserem geistigen Auge erscheinen bei den Worten „Kinder“ plus „Schutz“ sofort Kinder mit traurigen Kulleraugen, denen wir spontan einen Teddy in den Arm drücken wollen. Ein Gewinnerthema, weswegen sich auch Hannelore Kraft im NRW-Wahlkampf gleich mit angehängt hat.
Die passende Emotion wird auch gleich mitgeliefert:

Zitat:
Es schleicht sich sofort flau die Frage ein, gegen wen die Rechte der Kinder gestärkt werden sollen und vor wem sie zusätzlichen Schutz brauchen, wir leben im weltweiten Vergleich ja nun wahrlich nicht in einem Krisengebiet.
Warum "flau"? Warum "zusätzlicher" Schutz?

Meiner Meinung nach brauchen Kinder und Jugendliche überhaupt erst einmal Schutz vor Übergriffen der Erwachsenen. Und gerade im weltweiten Vergleich wird deutlich, wie wichtig dieser wäre. Deutschland ist z.B. immer noch der einzige westliche Industriestaat, in dem strukturelle Gewalt als unentbehrliches Instrument der Erziehung begriffen wird.

Da wird dann sogar das korrekte Argument geführt, dass es keine Altersgrenze für Grundrechte gibt. Zwar direkt neben dem Fehlgriff, dass die Würde von Toten gleichermaßen geschützt würde ("postmortales Persönlichkeitsrecht"), und ohne Reflexion des Inhalts der Grundrechte, aber immerhin wird noch darauf aufmerksam gemacht, dass Kinder ja ohnehin schon bevormundet würden, und auf die Befürchtung eines Machtvakuums:

Zitat:
Es geht also vielmehr um die Frage: Wer vertritt dann diese neu zu schaffenden Rechte der Kinder, und vor allem gegen wen? Nach aktueller Rechtslage haben laut Artikel 6 Grundgesetz die Eltern eine natürliche Vertretungsvollmacht für ihre Kinder, weil man ja nicht zu Unrecht annimmt, dass Eltern ein natürliches Interesse am Wohlergehen ihrer Kinder haben.
...das zwar in Deutschland nur entgegen der Gewinnerzielungs- und Zerstörungsabsichten von Pädagogen zu haben ist, aber...

Zitat:
Eltern haften deswegen übrigens auch für ihre Kinder, die Schilder an Bauzäunen kennen wir alle.
...immerhin versteht man auch anderswo etwas falsch.

Zitat:
Im Umkehrschluss heißt es aber auch: Wir Eltern bestimmen über unsere Kinder.
Nur, wenn man den Willen der Pädagogen und ihrer Unterstützungsbehörden als seinen eigenen akzeptiert...

Zitat:
Die Rechte unserer Kinder können wir übrigens auch gegen die Einmischung des Staates vertreten, wenn wir es für nötig halten.
Stimmt nicht. Jede Einmischung in staatliche "Erziehungs"-Versuche ist Ketzerei wider das System und wird immer wieder zum Anlaß für Morddrohungen genommen.

Zitat:
Kinderrechte in der Verfassung würden genau diese Selbstverständlichkeit brechen.
Das stimmt nicht. Es gäbe ja immer noch das Erziehungsrecht der Eltern.

Zitat:
Nicht mehr die Eltern allein, sondern der Staat selbst schwänge sich damit als Vertreter der Rechte unserer Kinder auf.
Das könnte im ungünstigen Fall (und es gibt keine Hinweise darauf, dass die Geisteskranken an der Spitze der Pädagogen- und Fremdbetreuungswirtschaft einen günstigen Fall planen) zutreffen. In Wirklichkeit ist der Anspruch des GG natürlich, dass Kinder und Jugendliche ohnehin Menschenrechte haben, die sie ggf. sogar gegen ihre Eltern durchsetzen können. Und dass der Staat sich von "Erziehung" überhaupt fernhält, erst recht zu weltanschaulichen Fragen. In der Praxis geschieht natürlich genau das Gegenteil.

Zitat:
Ob das Kindeswohl wirklich gefährdet ist, muss im konkreten Fall gar nicht erst bewiesen werden, ein Verdacht reicht aus. Den wenigsten Eltern ist wohl bekannt, dass seit 2008 für dies Verfahren die Beweislast umgedreht wurde.
Wie die Autorin wohl reagieren würde, würde man Ihr erklären, dass es Kinder und Jugendliche gibt, die den "Verrat am Selbst", der offenbar oberstes Lernziel aller "Erziehungsarbeit" ist, durchschauen, und die deswegen z.B. die hier übliche Zwangsbeschulung ihrer selbst ablehnen? Dass die Menschenrechte auch vor diesen Übergriffen schützen sollten?

https://www.welt.de/debatte/kommenta...en-Kragen.html
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