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Alt 02.06.2014, 09:54   #1
gapping
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Standard 1. Weltkrieg!

In aller Munde auch, weil sich das Datum des Kriegsbeginns zum 100. Male jährt. Berufene Historiker wie Chistopher Clark und Herfried Münkler haben diesen Krieg zum Anlass genommen umfangreiche historische Recherchen zu unternehmen und der Geschichtsforschung neuen Auftrieb verliehen.
Beide Autoren von "Die Schlafwandler"(Clark) und "Der große Krieg 1914 - 1918 haben herausragende Aufklärung verfasst und in akribischer Weise aufgearbeitet, was längst hätte aufgearbeitet werden müssen. Dabei kommen beide Historiker zu ähnlichen Ergebnissen und lassen darüber hinaus Schlussfolgerungen zu, wie sie in der Schärfe, über alle Jahrzehnte hinweg, nicht vorgenommen werden sollte.
So ist dieser Krieg, initiiert von den Adelshäusern Europas, eindeutig ein Schlag gegen die Interessen der damals noch wachsenden Bevölkerung. Die miteinander verwandten Adelshäuser verabredeten sich zum Krieg, die Bevölkerungen zu dezimieren und deren Ansprüche klein zu halten. Die Staaten Europas waren noch Ständestaaten bezw. Klassengesellschaften, in denen der Pöbel(Nietzsche) als steuerbare Masse nur dazu dienen sollte, die Vermögen von Adel, Großbürger und Klerus zu mehren.
Überdies war schon im Vorfeld des 1. Weltkriegs, das "Jahrhundert der Uniform", das vielfach auch als"romantisches Jahrhundert" Jahrhundert verklärt wurde in vielen sozialen Bund sozialrevolutionären Bewegungen zersplittert worden, das Anpassung als Staatsräson ausgab und gefällige Überanpassung erheischte, ganz so, wie es der Autor Heinrich Mann in seinem Roman "Der Untertan" trefflich beschrieben hatte.
Clark greift weit vor die Zeit des 1. Weltkrieges zurück, während Münkler sich, ohne die Vorkriegszeit zu vernachlässigen um die Beschreibung des Kern der vier Kriegsjahre verdient gemacht hat.
In beiden Publikationen ist das Versagen des Adels greifbar und darin spielen der russische Zar und der deutsche Kaiser, ein arroganter, ja dümmlicher Charakter, eine besonders verhängnisvolle Rolle.
Einerseits weil Wilhelm II ausdrücklich als Erster ausdrücklich den Einsatz von modernen Massenvernichtungswaffen anordnete/befehligte und andererseits weil beide sich am wenigsten um die soziale Not der Vorkriegszeit und Kriegszeit scherten.
Die berechtigte Frage des Historikers Clark einen Hauptschuldigen für die Ursache des 1. Weltkrieges auszumachen ist gründlich aufgearbeitet. Deutschland hatte nie eine Hauptschuld. Schuld trug der Adel insgesamt, der nicht einmal mehr in der Lage war, die damaligen Legalitätsprinzipien einzuhalten.
Und wen sich die Adelsverwandtschaft spinnefeind war/wurde, so ist doch keiner von Ihnen durch unmittelbare Kriegshandlungen gefallen und hat sich aus den Schlachten gefälligst heraus gehalten.
Trickreich war der tumbe deutsche Kaiser, die Gallionsfigur der Hohenzollern in Versuchen, das Kriegsglück zu seinen Gunsten zu verwenden, dafür paktierte er sogar mit den damaligen Hauptgegnern des Adels, den sozialrevolutionären Kreisen, des ebenso tumben Uljanow, genannt Lenin, der sich als kaum einen Deut besser erwies, als das, was die kranke psychotische Adelsgesellschaft ausmachte.
Die Wucht mit der beide Autoren, detailverliebt, faktenversiert in klarer Sprache zulassen, die sozialen Fragen zu erkennen , könnte motivieren dem Attentäter gegen das k.u.k System ein Denkmal zu setzen. Die irredentistischen, separatistischen und sozialen Bewegungen, die sich in den Wirren auf dem Balkan mühten, das Joch einer "unfeinen Gesellschaft", wie die des damaligen Adels loszuwerden, hätten mehr Anerkennung verdient. Stattdessen aber, hat sich selbst in der heutigen Zeit, ein Huldigungszenario mit der "Yellow Press" etabliert, obwohl die letzte Hungersnot in Mitteleuropa, auf deutschem Boden, in Bayern stattfand, weil ein Adliger beanspruchte, die Werke von Versailles auf bayerischem Boden entstehen zu lassen und dafür die gesamte Produktivität der bayerischen Bevölkerung abschöpfte, die zu großen Teilen ihren "Kini" noch heute verehren, und dies obwohl Bayern klerikal geprägt war und der König nicht nur ein Sadist, homosexuell und letztlich zum Mörder und Selbstmörder wurde. Auf Devotionalien in vielfältiger Weise abgebildet, als schlanker, ranker "Kini" war dieser in Wahrheit ein hemmungsloser Cognak- und Champagnersäufer , dessen Körper vom vielen Alkohol schon in jungen Jahre so stark aufgedunsen war, dass man den Begriff Hässlichkeit bequem zuordnen konnte.
Gilt der "Kini" als Synonym für ein krankhaftes Verhalten innerhalb der Adelsgesellschaft, so ist und blieb seine Zielstellung neben dem Erhalt von Macht und Privilegien immer klar: Geld, Besitz; sozusagen als Vorläufer der heutigen "Heuschrecken" und immerhin, geht man weiter als bis zum 19. Jahrhundert zurück und macht sich in Sachen Heraldik kundig, dann tauchen viele der führenden Adelsgesellschaften aus der Zeit während und nach dem
11. Jahrhundert auf und sind herkunftsmäßig Raubritterständen zuzuordnen.

Warum fließen diese Tatsachen nicht in den Geschichtsunterricht ein? Glaubt man die Schüler zu überfordern? Und ist es, bei genauerer Betrachtung nicht überall im Internet nachzulesen, was ja nicht heißt dass von dorther alles stimmig ist? Warum hat man diese Geschichte des Adels immer beschönigt oder huldigend vorgespielt, anstatt dessen massiven Gewaltexzessen, durchgeführt von Söldnern aus aller Herren Länder die gegen Bezahlung vor nichts zurück schreckten? Doch da war die Beichte, die erste Abhöranlage der Welt, über die selbst der verantwortungsloseste Mensch seine Absolution erteilt bekam.
Verantwortungslosigkeit, den Inhalt dieses Begriffs ist der, den man dem Adel 1914 und allzeit davor unterstellen darf.

Mit freundlichen Grüßen
gapping
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Alt 02.06.2014, 11:36   #2
perfidulo
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Zitat:
Zitat von gapping Beitrag anzeigen
Trickreich war der tumbe deutsche Kaiser, die Gallionsfigur der Hohenzollern in Versuchen, das Kriegsglück zu seinen Gunsten zu verwenden, dafür paktierte er sogar mit den damaligen Hauptgegnern des Adels, den sozialrevolutionären Kreisen, des ebenso tumben Uljanow, genannt Lenin, der sich als kaum einen Deut besser erwies, als das, was die kranke psychotische Adelsgesellschaft ausmachte.
So einen Unsinn habe ich selten gelesen. Aber ich fürchte, es wird noch mehr davon kommen.

Der "Deutsche Kaiser" war alles andere als tumb. Der Pakt mit der Sozialdemokratie (die er redlich verachtete) wurde ihm von Kanzler Bethmann-Hollweg untergeschoben ("Anders bekommen wir die Sozen nicht ins Boot!" begründete er die Konzessionen bei den Kriegskrediten, womit das verhängnisvolle Bündnis etabliert wurde. Auch 1917 waren es übrigens die Sozialdemokraten, die kein Interesse an der Zerstörung der Monarchie hatten und Noske sagte im Angesicht der revoltiernden Arbeiter und Soldaten: "Einer muß den Bluthund machen").

Kaiser Wilhelm hat, entgegen zu den späteren glorifizierenden Darstellungen über den großen Feldherr (nach der Abdankung), nie wirklich in das Kriegsgeschehen eingegriffen. Die Militärs ließen ihm sein Spielzeug (Yacht, Sonderzug mit Schlafwagen) und nutzten ihn als Gallionsfigur. Noch im Juli 1914 ordnete seelenruhig er die Ergebnisse seiner archäologischen Ausgrabunden in Griechenland.

Herr Uljanow (genannt Lenin) war ein kluger Kopf, der leider auf die falschen Freunde gesetzt hat (z.B. einen gewissen Trotzkij) und Rosa Luxemburg war ermordet worden, die noch mit klugen Rat hätte helfen können. Die deutsche Sozialdemokratie hat 1918 den revolutionären Impetus der deutschen Arbeiter abgewürgt, den Rußland gebraucht hätte.

Aber das ist eine andere Geschichte.
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Alt 02.06.2014, 13:11   #3
Lawrence P. W.
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Ups, ich dachte immer Trotzki war einer der "good Guys" jener Revolution?
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Letztendlich muss jeder Atheist dran glauben
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Nietzsche "Gott ist tot" ............................................ Gott "Nietzsche ist tot"
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Alt 02.06.2014, 13:38   #4
Nobby Nobbs
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Ähh...
Ich weiß jetzt nicht so genau, worauf du hinaus willst.
Geht es um die Aufarbeitung des ersten Weltkrieges oder die Geschichte des Adels in Duetschland. Oder das Eine unter Einbeziehung des Anderen? Also welches Ziel hat der Beitrag?
Was mich in zweierlei Hinsicht etwas nachdenklich stimmt sind zwei kleine (nicht im Zusammenhang zu sehende) Zitate:
Zitat:
Die miteinander verwandten Adelshäuser verabredeten sich zum Krieg, die Bevölkerungen zu dezimieren und deren Ansprüche klein zu halten.
Zitat:
ein Sadist, homosexuell und letztlich zum Mörder und Selbstmörder wurde
Da beschleichen mich so leise Ahnungen, die hoffentlich nicht wahr werden.

Geändert von Nobby Nobbs (02.06.2014 um 13:38 Uhr). Grund: überflüssige Buchstaben entfernt
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Alt 02.06.2014, 18:24   #5
perfidulo
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Zitat:
Zitat von Lawrence P. W. Beitrag anzeigen
Ups, ich dachte immer Trotzki war einer der "good Guys" jener Revolution?
Dazu wurde er erst hochstilisiert, nachdem er Opfer von Stalin wurde.
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Alt 02.06.2014, 21:27   #6
Buenaventura
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clark und münkler werden in der bürgerlichen presse gefeiert, weil sie die spätestens seit den 70 jahren eindeutig belegte deutsche kriegsschuld relativieren. sie beschreiben wie die verschiedenen regierungen durch individuelle fehlentscheidungen bzw. -interpretationen der handelden personen, jeweils mehr oder weniger versehentlich, in den krieg hinein geschlittert sind. kein wort über die genau dokumentierten imperialen kriegsziele des kaisers und seiner stolzen wehrmacht (wie deutschnationale später auch: lebensraum in ost und west, sowie einige reiche kolonien zum standesgemäßen plündern)...
in der wissenschaft ernten sie mit ihren personalisierten und emorionsgeladenen interpretarionen nur gähnen.
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Ich glaube nicht.
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Alt 02.06.2014, 21:41   #7
Buenaventura
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und perfidulo, glorifiziere den lieben herrn lenin nicht zu sehr (auch wenn du im bezug auf trotzki sicher recht hast, der hat schließlich die ersten säuberungen organisiert), der dussel wollte doch tatsächlich mit einem entwicklungsland den kapitalismus überwinden ...“die schwächsten glieder in der kette imperialistischer staaten“ ... ein gewisser karl m. aus t. an der m. hätte sich über soviel unverständniss seiner schriften gekringelt vor lachen.
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Ich glaube nicht.
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Alt 02.06.2014, 23:27   #8
gapping
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von Bethmann Hollweg war preußischer Beamter und wurde von Hohenlohe Schillingfürst gefördert, hatte aber keinen Stand dem tumben Kaiser zu widersprechen.
Über den Opportunismus der Sozialdemokratie kann man auch Bände schreiben perfide, gerade in der jüngsten Geschichte.
Was ihre sonstigen Einlassungen angeht war Lenin kein kluger Kopf, denn er konnte Marx nur schlecht lesen und musste sich aus zweiter Hand(Vera Ssasulitsch) informieren lassen. Auch dass er sich mit finanzieller Hilfe des deutschen Kaisers zum Abenteuer der Revolution in Russland verleiten ließ widersprach ja der These von Marx, dass eine Revolution nur in einem industrialisierten Staat Chancen auf Erfolg haben kann. Russland war 1917 weitgehend Agrarstaat.perfidulo
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Alt 02.06.2014, 23:30   #9
gapping
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Nun können Sie ja Nobby Nobbs, kraft Ihrer Kenntnisse versuchen den 1. Weltkrieg vom Zusatnd des Adels in Europ zu trennen, der in jener Zeit über nahezu uneingeschränkte Macht verfügen. Mal sehen wie weit sie damit kommen, würde mich interessieren.
Alle handelnden Personen waren Adlige. Selbst die höchsten Ränge der Militärs waren überwiegend von Adligen besetzt.
Was wollen Sie da meinen?Sind Sie so eine Art Mini-Altfried II?
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Alt 02.06.2014, 23:37   #10
gapping
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Ja , und sicherlich gibt es keine Alleinschuld und Kollektivschuld. Da liegen diese bürgerlichen Autoren schon richtig. Mir ist ein ehrlicher Konservativer genehmer als ein verlogener Linker!
Ja besonders die Versuche Deutschland zu belasten, um seinen Aufstieg zu erschweren mündet ja direkt in den II. Weltkrieg. Buenaventura.
Was nun Trotzki angeht gibt es genügend verifizierbare Aussagen aus seiner Umgebung.
Dass Trotzki der Intellektuelle bei den Revolutionsführern in Russland war ist allgemein bekannt. Lenin konnte dieses Niveau(man vergleiche die Reden und Schriften beider) nie erreichen. Dennoch war auch Trotzki bereit die Revolution mit anzuführen, mit und ohne dem Geld des deutschen Kaisers, der allerdings intellektuell auf allerniedrigstem Stande war.
Was den von Bethmann Hollweg betrifft: Er wurde von einem gewissen Hindenburg denunziert, was den in seinen Besprechungen mit Willem II desavouierte. Mit freundlichen Grüßen gapping
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