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Fakes & Hoaxes Gerade auch im Bereich der Grenzwissenschaften tummelt sich so manche Fälschung, Ente etc. Hier ist der rechte Ort entlarvte zu präsentieren oder auch vermutete zu diskutieren.

 
 
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Alt 18.11.2010, 14:48   #1
Der Phoenizier
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Standard War Atlantis ein Hoax?

Soviel ist historisch nachweisbar: die Phönizier hatten einmal ein Monopol auf Metalle. Natürlich nicht alle von ihnen, sondern vor allem die großen Geschäftsleute und Oligarchen, welche daran kräftig verdienten. Sie verkauften teils Gegenstände aus Metall und teils Bronzebarren, welche in der Bronzezeit sehr wichtig waren. Vor allem ging es ihnen darum, die Silberminen in Andalusien geheim zu halten, denn mit Silber verdienten sie viel Geld, das sie gleichzeitig in Münzen umsetzten. Silber war die wichtigste Währung ihrer Zeit.

Nun stelle ich mir folgendes Szenario vor: Eine Gruppe von Oligarchen sitzt am runden Tisch und beauftragt einen klugen Kopf damit, eine Legende zu erfinden, um damit die Konkurrenz an der Nase herumzuführen. Der Autor, der das schaffte, hat sicherlich einen schönen Batzen Geld verdient. Deshalb bezeichne ich mich als “Phönizier”. Hätte ich zu der Zeit gelebt, dann wäre ich gerne dieser Autor gewesen.

Bevor ich zu meiner Legende komme, muss ich mir meine Gedanken machen. Also: Atlantis soll eine Insel sein. Da folgt das schlagende Argument: Andalusien ist keine Insel und kann es nicht sein. Na eben! Die böse Konkurrenz soll überhaupt nicht auf den Gedanken kommen, in Andalusien zu forschen. Dann stelle ich mir vor, wie es wohl wäre, wenn sich ein fremdes Schiff der spanischen Küste nähern würde. Am liebsten würde ich dieses Schiff durch die Straße von Gibraltar hinaus auf den offenen Ozean lotsen. Hauptsache, das Schiff landet nicht an der iberischen Küste. Draußen auf dem Atlantik dürfen neugierige Konkurrenten so viel forschen wie sie wollen. Das wäre mir egal.

Der Konkurrenz möchte ich einen dicken fetten Köder vor die Nase halten. Mein Atlantis muss groß, schön und reich sein. Im Mittelpunkt stehen die Erze, denn darum geht es ja in unseren Geschäften, an denen ich mitverdiene. Gold und Silber kommen hinzu, um Menschen begehrlich zu machen. Zur Abrundung dachte ich mir auch noch die Elefanten, die ringförmigen Kanäle, die Häuser, die Straßen, die Paläste aus. Ich versetzte mich in die Lage meiner Mitbewerber und stellte mir vor, was denen so alles gefallen würde. Auf mein Atlantis sollten sie so richtig abfahren! Dann würden sie an Andalusien vorbeisegeln und meine Geschäftspartner hätten ihre Ruhe. So hatte ich mir das gedacht: das ganze Spiel sollte ein Ablenkungsmanöver sein.

Von Andalusien aus gesehen, befanden sich alle wichtigen Hochkulturen weiter im Osten. Dort saßen mögliche Kunden und auch mögliche Konkurrenten. Folglich hatte ich ein Interesse daran, meine Legende nach Osten hin zu verbreiten. Somit erlangte ein Ägypter Kenntnis von meiner Legende und schrieb sie dann auf. Da haben wir die ägyptische Quelle!

Zu meinen Lebzeiten konnte ich noch nicht wissen, dass später ein griechischer Philosoph namens Platon kommen würde, der aus meiner Legende ganz etwas anderes machte. Dazu musste ich schon im Himmel sein, um von oben herab sehen zu können, was Platon dann tat. Der erst bezog sich auf ein Ur-Athen, von dem ich nie etwas gehört hatte. Für ihn war es einleuchtend, einen Krieg weit in die Vergangenheit zu legen, denn er meinte den Krieg nur symbolisch. Solche Gedanken wären mir nie in den Sinn gekommen. Nach meinem Verständnis wollte er eine politische Parabel schreiben. Das war seine Politik und nicht unsere. Erst Platon ließ mein Atlantis untergehen. Wäre ich zu der Zeit noch am Leben gewesen, dann hätte ich mich entscheiden dagegen gewehrt. Damals versetzte ich mich in die Lage unserer Konkurrenten und vermochte mir kaum vorzustellen, dass diese auf dem Meeresgrund nach Schätzen suchen würden. Das erschien mir ziemlich an den Haaren herbeigezogen. Jetzt war ich bereits tot und verdiente nichts mehr an den Geschäften. Später wurde Andalusien von Römern besetzt, die ohnehin nichts mehr von Atlantis wussten. Dann war mir alles egal. Ich wusste ja von vornherein, dass Atlantis eine Fiktion ist. Und wenn eine Fiktion untergeht? Eine Fiktion geht normalerweise dann unter, wenn sie nicht mehr gebraucht wird. Die Bronzezeit ist längst vorüber und das Geschäft mit Bronze lohnt sich nicht mehr. Auch Silber beziehen wir heute aus anderen Quellen.

Dies ist ein Geständnis und zu meinen Lebzeiten wäre das Hochverrat gewesen. Meine Landsleute hätten mich dafür gesteinigt, gekreuzigt oder gevierteilt. So genau möchte ich mir das nicht mehr vorstellen. Zu Lebzeiten hatte ich mit Sicherheit nichts verraten. Jetzt im Himmel ist eh alles anders.

Warum ich mich jetzt wieder zu Wort melde? Ich habe Atlantis erfunden und das will ich damit sagen. Zumindest den wichtigsten Teil davon.

Einige von Euch kennen doch die Stadtansicht von Atlantis. Dieses Werk habe ich eigenhändig gemalt und das betrachte ich als meine künstlerische Leistung. Ihr sagt so schön: “das geht auf keine Kuhhaut”. In der Tat hatte ich nur eine Kuhhaut zum Malen und ganz Atlantis passt nicht auf diese Kuhhaut. Also beschränkte ich mich auf eine Stadtansicht. Als Stifte hatte ich nur Kreide, Holzkohle und Ocker. Deshalb die Behauptung, die Steine seien weiß, schwarz und rot gewesen. Na ja, ich vermischte Ocker mit Tierblut und daraus wurde fast ein Rot. Ihr wundert Euch über das komische Oreichalkos. Das kam so. Eigentlich wollte ich die Dächer silbern und golden gestalten. Das funktionierte aber nicht. Stattdessen gelang es mir, Bernstein zu pulverisieren und in Wasser aufzulösen. Die Mischung trug ich dann mit dem Pinsel auf.

Kenntnisse des Alphabets waren mir leider nicht vergönnt. Lieber konzentrierte ich mich auf das Malen und malte Atlantis so gut wie ich das vermochte. Meine Zeichnung habe ich in der Legende von Platon wieder erkannt. Deshalb weiß ich, dass der Grieche von mir abgekupfert hat.

So spricht der Phönizier.
__________________
Cuiusvis hominis est errare, nullius nisi insipientis in errore perseverare. (Cicero)
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atlantis, phönizier

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