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Alt 11.08.2017, 19:01   #1
basti_79
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Standard Warum "ziehen" Diäten und Veganismus so sehr?

Ernährungsvorschriften begleiten die Menschheit seit dem Anbeginn der Zeiten. Wohl jeder kennt selber auch Essen, dass er ungern oder besonders gern isst. In jüngster Zeit scheint sich dieses Phänomen aber im Aufwind zu befinden, wie man am Beispiel Veganismus sieht, der teilweise skurrile Blüten treibt.

Mich interessieren jetzt nicht so die konkreten Ausformungen solcher Ernährungsvorschriften, oder die Frage, wo der Übergang zur Essstörung zu suchen ist, sondern die Ursachen für diese starke Ausprägung. Vorschlagen würde ich eine Mischung aus:
  • Evo-Devo: wer sich merken kann, was gut schmeckt und was schlecht, und was giftig ist, hat einen Überlebensvorteil. Guter Geschmack ist ja in der Regel ein Zeichen dafür, dass die Bedürfnisse unserer Körper erfüllt werden.
  • Religion/Zivilisation: man kann die Einhaltung von Gesetzen (vor allem von eigentlich überflüssigen) als Statussymbol innerhalb einer bestimmten Gesellschaft lesen. Das passt auch gut zum teils missionarischen Auftreten der Leute.
  • Neurose: Aus irgendwelchen Gründen wollen die Leute sich selber schaden, ähnlich wie das bei Suchtmitteln der Fall ist. Auch scheinen die Betroffenen bestimmte Vorstellungen über Nahrung vermeiden zu wollen (z.B. den Gedanken an Schlachtung), was symptomatisch für Neurotizismus wäre.
  • Die Tatsache, dass man auch in der repressivsten Gesellschaft noch das Essverhalten weitgehend steuern kann. Dadurch hat man dann wenigstens irgend etwas noch im Griff.
Was mir da auch immer auffällt, ist die Verschiebung des Fokus von "Essstörung" (Mitte 90'er) auf die heutige Ausdeutung abweichenden Essverhaltens als "freiwillig", als "Diät". Dafür habe ich die Hypothese, dass eine immer "enger" werdende Gesellschaft immer mehr Krankheit hervorbringen wird, und auch Rationalisierungen für solche Krankheit benötigen wird. In diesem Sinne wäre dann eine positive Darstellung solchen Verhaltens eine Bestätigung der entsprechenden Kultur.



Auffallend ist auch, dass die Ideen oft keine Grundlage in der Realität haben. Da fällt mir auch noch z.B. der Cholesterin-Hype ein oder die Sache mit dem Salz. Im Unterschied zu damals sind die neueren Bewegungen allerdings Laienbewegungen. Cholesterin und Salz wurden ja von Profis ausgerufen.
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Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
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Alt 14.08.2017, 03:03   #2
Acolina
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Zum einen ist es wohl, dass sich mit der Angst der Leute immer noch am besten Geld verdienen lässt, am besten natürlich, indem man erst Angst verbreitet und dann die passende Erlösung bietet (Es gibt da so eine Organisation, die dieses Geschäftsmodell schon seit rund 2000 Jahren recht erfolgreich betreibt )

Iss so und so und nimm am besten noch dieses tolle Wundermittel und du wirst nie krank, auf wundersame Art genesen (erlöst), (fast) ewig leben oder zumindest aber total gesund sterben

Zum anderen spielt da sicher auch der Wunsch nach Abgrenzung mit rein. Essen ist dafür schon seit Menschengedenken eine gute Möglichkeit gewesen, seine Besonderheit herauszustellen, sich von der "Masse" abzuheben. Beim König kam jeden Tag Fleisch auf den Tisch, beim gemeinen Volk, wenn es Glück hatte, Buchweizengrütze. Heute dann eben Chiasamen für die Schickeria und Hamburger für Otto Normalo

Gerade auch ein nicht geringer Teil der veganen Szene basiert ja auf einer Ideologie - mit teilweise quasireligiösen Zügen. Es geht dort um nicht weniger, als sich als Weltenretter zu fühlen, ethisch weiter und höher usw.

Hinzu kommt wohl auch noch, dass es Menschen eher schwer fällt, mit (vor allem dauernden) Überfluss umzugehen, die Dinge verlieren dadurch ihren Wert (wusste schon der kleine Prinz ). Ohne dass Dinge einen Wert haben, sie etwas Besonderes sind, will aber unser Belohnungszentrum nicht so recht in Fahrt kommen Da hilft dann halt künstliche Verknappung, etwas Selbstkasteiung...

Was du da zur Rationalisierung schreibst, halte ich auch für einen wichtigen Aspekt. Insbesondere auch in Zeiten, wo Selbstoptimierung zum guten Ton gehört. Die ehemals externen Sklaventreiber haben die meisten längst integriert, ja merken es meist gar nicht mehr.

Entfremdung ist auch so ein Aspekt. Entfremdung von der Natur geht auch immer mit Entfremdung von sich selbst als Teil dieser Natur einher. Natürliches (auch bei sich) wird als fremd empfunden, abgespalten, bekämpft, verdrängt, außer Sichtweite gebracht usw. usf. Die Tatsache, dass in uns ein Raubtier wohnt, kollidiert dann doch bei so manchem sehr z.B. mit seinem Bambisyndrom
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Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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Alt 14.08.2017, 15:59   #3
basti_79
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Zitat:
Zitat von Acolina Beitrag anzeigen
Die Tatsache, dass in uns ein Raubtier wohnt, kollidiert dann doch bei so manchem sehr z.B. mit seinem Bambisyndrom
"In uns wohnt"? Ich würde es eher so sagen: ich bin ein Raubtier, besser gesagt, ein omnivorer Primat mit ausgeprägtem Jagdinstinkt. Innerhalb unserer heutigen Lebenswirklichkeit kann ich aber keine Beute jagen (Ausnahmen ausgenommen). Deshalb muss ich diese Bestandteile meiner Selbst (hat hier jemand "Schatten" gesagt?) entweder irgendwie (in unserer Lebenswirklichkeit geht das fast nur metaphorisch/symbolisch) ausleben (z.B. Gedanken "jagen" und "fangen") oder aber irgendwie anders "loswerden", um mich nicht zu verletzen.
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Alt 14.08.2017, 16:29   #4
Acolina
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Das meinte ich doch Es ist ein Bestandteil von uns, wollte ich damit ausdrücken. Und "loswerden" geht nicht bzw. lässt "unheil" werden, also bleibt halt nur ausleben bzw. sublimieren usw.
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