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Alt 02.02.2008, 19:10   #1
Acolina
Hausdrachen
 
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Registriert seit: 15.01.2002
Ort: just the other side of nowhere
Beiträge: 10.875
Standard Die Menschheit wird friedlicher

Angesichts der täglichen Nachrichten klingt es verrückt, aber der Kriminologe Manuel Eisner sagt, dass die Gewalt auf dem Rückzug ist:
Zitat:
[...] Der Kriminologe Manuel Eisner (Cambridge) hat es erhoben: In Europa fanden im 15.Jahrhundert 41 von 100.000Menschen im Jahr einen Tod durch Menschenhand, dann sank die Rate von Jahrhundert zu Jahrhundert (19, 11, 3,2, 2,6), im 20. Jahrhundert lag sie bei 1,4 (Br. J. Criminol., 41, S.618 ). [...]

So sind wir doch zivilisiert geworden, im Sinne des Soziologen Norbert Elias – er sah Zivilisation der Verfeinerung der Einfühlung in andere unter gleichzeitiger Verstärkung der eigenen Triebkontrolle –, Pinker verweist auf ihn. Aber warum sind wir es geworden? Die Evolutionstheorie hilft hier nicht weiter, die Veränderung kam viel zu rasch, als dass „Friedensgene“ sich hätten durchsetzen können. Also warum? „Irgendetwas müssen wir richtig gemacht haben. Es wäre fein, genau zu wissen, was.
(Quelle: Das Verschwinden der Gewalt)

Der Religionswissenschaftler Dr. Blume hält die Demografie für eine Ursache dieser Entwicklung.
Zitat:
Wo Populationen wachsen, ohne dass die Ressourcen den "überzähligen Söhnen" Aufstieg und Ehe ermöglichen, werden kriegerische Konflikte fast unausweichlich. Auch die Frequenz und Orte heutiger Gewaltkonflikte lassen sich durch die Einbeziehung demografischer Faktoren erstaunlich gut erklären - und sogar prognostizieren.

Absolut lesenswert dazu: "Warum Kriege entstehen", von Steffen Kröhnert vom Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung
Die Auswirkungen von Religionen hält er diesbezüglich für ein zweischneidiges Schwert:
Zitat:
Einerseits sind gewachsene Religionen an Fortbestand und Entwicklung ihrer Anhängerschaft interessiert und tendieren also zu Lehren der Friedfertigkeit nach innen und zunehmend auch außen. Andererseits aber fördern gewachsene Religionen auch den Kinderreichtum ihrer Anhänger - und verschärfen damit vor allem in Agrargesellschaften die Bevölkerungsexplosion und dienen dann auch noch zur Rechtfertigung von Kriegszügen gegen Andersglaubende.
Er kommt zu dem Schluss, dass Bildung, Dialog, fairer Welthandel, Freiheitsrechte sowie eine erfolgreiche Migrations- und Integrationspolitik tragende Pfeiler nachhaltigen Friedens sind. (Altbekannte Weisheit, denke ich, bloß sehe ich wenig Bereitschaft bei uns, dies umzusetzen. Der Haken ist einfach, dass Krieg ein verdammt gutes Geschäft ist. Das müsste sich wohl als erstes ändern... ist aber nicht mal rudimentär in Aussicht.)
Zitat:
Religionen können wertvolle Beiträge dazu leisten; soweit sie auch den Mut finden, eigene Fehler und Verstrickungen in Vergangenheit und Gegenwart zu erkennen und aufzuarbeiten.
(Quelle)
__________________
Die freiheitlich-demokratischen Ideale und Werte, die sich jetzt auch im Grundgesetz finden, wurden während der Aufklärung gegen die sich auf Gott und Bibel berufenden Kirchen durchgesetzt. Und weder der Gott Jahwe des Alten Testaments noch der Vater Jesus Christi, noch beide in einer Person, noch Allah vertreten die Werte unseres freiheitlich-demokratischen Staates. Sie müssen sie erst noch erlernen. (Gerd Lüdemann, Theologieprofessor)
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