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Ökonomie - BWL & VWL Disziplinen, die große Probleme mit der wissenschaftlichen Methode haben. Banken, Geldschöpfung, Inflation, Goldstandard, Banking-Theorie

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Alt 01.06.2017, 21:16   #1
basti_79
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Standard Susan Bonath: Fragen an BGE-Befürworter

Zitat:
Vorab:
Der Kapitalismus basiert auf Privateigentum an Produktionsmitteln und Finanzkapital. Die Kapitalbesitzer sind gezwungen, immer mehr Profit einzufahren, um "am Markt" zu bleiben. Sonst gehen sie pleite. Das ist Systemlogik. Auch ein BGE wäre dieser kapitalistischen Logik unterworfen.
Das ist oberflächlich richtig. Allerdings geht es bei der Diskussion nicht um den Profit der Kapitalisten (nach Marx ist das der Ausdruck für "Kapitalbesitzer"). Es geht erst einmal um das Elend und die prekäre (wörtlich: unsichere - man kann immer seinen Job verlieren) Situation der Arbeiter.

Zitat:
Herrschend im System sind die Kapitalbesitzer und ihr Propaganda-Apparat, auch genannt politisches Establishment. Ein BGE würde den Kapitalismus nicht beseitigen, da die Besitzverhältnisse beibehalten würden.
Die spannende Frage ist für mich nicht, ob Geld verwendet wird, oder wer die Produktionsmittel besitzt, sondern unter welchen Bedingungen gearbeitet wird. Und da würde ein BGE tatsächlich vieles ändern.

Zitat:
Produktion und Finanzmarkt blieben also weiterhin in Privathand.
Ein BGE würde, wie der Name schon sagt, an ALLE, also Kapitalbesitzer und Lohnabhängige, an Gutverdiener wie Erwerbslose, gezahlt werden.
Ja, aber bei einem Bestverdiener würde es kaum etwas ausmachen.

Zitat:
Nehmen wir an, es wären 1.000 Euro unter jetzigen Verhältnissen für jeden. Deutschland verfügt (noch) über eine recht breite Mittelschicht. Der Teil, der ärmer wird, wird, denke ich, weit überschätzt. Es ist mehr die Angst, abzustürzen, als ein tatsächlicher Absturz (noch).
Und da sind wir ja schon bei Pudels Kern: es geht nicht um die Realität (Stichwort Leiharbeit, Stichwort Sanktionen, Stichwort Pflege, Stichwort Bildung), sondern um Deinen Eindruck davon, und um kaum definierbare Begriffe ("breite Mittelschicht"). Das ist doch Verdrängung pur.

Zitat:
Ein BGE, so denken die Fans, würde also erst mal alle in die Lage versetzen, von einem Grundeinkommen die Grundbedürfnisse zu decken. Das ist ohne Frage erstrebenswert. Gleichzeitig verhilft es Gutverdienern zu 1.000 Euro mehr pro Haushaltsmitglied.
Stimmt. Aber warum schreibst Du das hier?

Zitat:
Fragen:

1. Wie wollt ihr vermeiden, dass Kapitalbesitzer und Politik nun wie immer die größte Schicht, also die Mittelschicht ins Auge fassen und Mieten, Fahrpreise, Gebühren, Telefonkosten, Nahrungsmittel etc. verdoppeln oder verdreifachen?
Ich denke nicht, dass man das vermeiden müsste. Die genannten Preise sind ja unter den jetzigen Bedingungen Optimal, d.h., würde man sie erhöhen, würde man weniger Umsatz machen - ansonsten würde man sie ja erhöhen.

Preise werden (ausser bei Luxusgütern) nicht durch das verfügbare Geld gedeckelt, sondern durch Konkurrenz (vgl. Wagenknecht) und durch Nachfrage und Angebot... Es gibt halt nur einen gewissen Bedarf an meinetwegen Milch. Wenn jetzt ein Milchhersteller die Milch teurer macht, kaufen die Leute eben bei einem anderen Hersteller... Monopole sind ziemlich selten, und vor allem bei Gütern des täglichen Bedarfs natürlich ausgeschlossen.

Zitat:
Schließlich hat die Mittelschicht mehr zur Verfügung und genau dies wäre kapitalistisches Prinzip. Wenn einer 1.000 Euro kriegt, die Miete für das letzte Loch aber schon 900 Euro kostet, kann keiner mehr vom BGE menschenwürdig leben. Also wie wollt ihr das vermeiden?
Bei Mieten würde ich mir schon mehr Sorgen machen, da wird ja heute schon gewuchert und getrickst, wie es kaum noch krasser geht.

Das heißt, das muss man eigentlich jetzt schon vermeiden. Tut auch keiner. Wo ist also das BGE-spezifische Problem?

Zitat:
2. Nehmen wir an, die Politik würde mit Erhöhung der Preise aus Angst vor Unruhen tatsächlich das BGE anpassen (unter großem Gezeter und Geschrei der Wirtschaft, versteht sich).
  1. Die Preise werden sich (ausser diejenigen der Luxusgüter) nicht erhöhen
  2. Die Alternative zum BGE ist irgendwann Aufstand
Zitat:
Wisst ihr, worauf eine solche Spirale nach kapitalistischem Prinzip hinausläuft? Auf eine Hyperinflation. Wie also wollt ihr die drohende Hyperinflation vermeiden?
Inflation entsteht (logischerweise), wenn die Geldmenge wächst, ohne, dass die Gütermenge wächst.

Warum sollte eines von beiden passieren? Die Geldmenge ist unter Kontrolle der Zentralbank, nicht der Regierung. Da kann man zwar aus ganz eigenen Gründen dagegen sein, aber niemand sagt, dass sich das unter einem BGE zwangsläufig ändern müsste.

Zitat:
3. Im Kapitailsmus kostet Krankenversorgung viel Geld. Private Ärzte und private Kliniken durchziehen das Land. Um des sozialen Friedens willen hat der Staat Krankenversicherungen eingeführt, die aber flächendeckend auch von privaten Unternehmen angeboten werden. Müssen also jene, die nur vom BGE leben müssen, noch extra in die KV davon einzahlen? Oder kommt dies dazu? Würden sie selbst einzahlen müssen, bliebe wohl kaum noch genug zum Leben (unter jetzigen Bedingungen).
Keine Ahnung, wie Du darauf kommst. Das müsstest Du weiter ausführen.

Zitat:
4. Viele BGE-Fans begründen die Finanzierbarkeit u.a. damit, dass andere Sozialleistungen komplett wegfallen könnten. Wie sollen dann Menschen mit besonderen kostenintensiven Bedürfnissen, also etwa Behinderte, die einen Rollstuhl, teure Medikamente oder ganztägige Assistenz benötigen, und dabei nicht zusätzlich arbeiten können, ihre notwendigen Ausgaben bestreiten können?
Das Argument ist nicht, dass z.B. alle SGB-IX-Leistungen (Behinderungen) wegfallen sollen, sondern, dass man sich die Wasserkopf-Bürokratie des SGB II (meines Wissens ungefähr 99% aller Verwaltungskosten entfallen darauf!) ersparen würde.

Es ist eine Unterstellung, zu behaupten, man wolle so das Blindengeld angreifen oder ähnliche Leistungen.

Zitat:
5. Wer trägt die Kosten für unbezahlbare Pflegeheimplätze für Alte und Kranke?


Zitat:
6. Manche Konzepte merken zumindest richtigerweise an, das BGE müsse durch Erhöhung der Spitzensteuersätze bzw. Millionärs-/Vermögenssteuern finanziert werden. Das werden sich die Reichen aber nicht gefallen lassen.
Das ist korrekt. Da es sich um eine Minderheit handelt und in einer Demokratie die Mehrheit das Sagen hat: pech gehabt.

Zitat:
Der Staat wird sich seine liebste Lobbygruppe ganz nach kapitalistischem Prinzip ebenfalls nicht zum Feind machen. Wie wollt ihr also den Staat dazu bringen, das Geld für ein BGE von den Wohlhabenden einzutreiben?
Wie kann man den Staat überhaupt zu irgend etwas bringen? Und warum sollte man das tun?

Wenn Du nicht glaubst, dass das möglich wäre, bist Du keine Demokratin.

Zitat:
7. An wen soll das BGE ausgezahlt werden? Nur an Deutsche, an Deutsche und eingebürgerte Migranten, auch an Flüchtlinge bzw. an alle die hier leben? Wen wollt ihr davon ausgrenzen?
Ich persönlich setze gerne Freiwilligkeit des Empfängers voraus. Aber ansonsten würde ich keine Einschränkungen machen. Deswegen "Bedingungslos".

Ist das verkappte Xenophobie?

Zitat:
8. Wenn also ein BGE jeder, der sich auf deutschem Boden befindet, bekäme, würden folglich und logisch weit mehr Menschen versuchen, auf diese Weise endlich in den Genuss eines menschenwürdigen Daseins zu kommen. Wollt ihr das dann verhindern und wie wollt ihr das verhindern?
Nein, ich würde das nicht verhindern wollen. Würdest Du es verhindern wollen? Warum? Und wie?

Zitat:
9. In BGE-Konzepten habe ich auch gelesen, dass jeder dann in den Genuss einer freieren Wahl des Jobs kommen könnte. Manche philopophieren sogar, dass dann endlich die Arbeit gerechter aufgeteilt würde. Da das kapitalistische Prinzip aber nicht beseitigt ist, werden die Unternehmer einen Teufel tun, jetzt mehr Leute für weniger Stunden zu beschäftigen, weil ihnen das höhere Ausgaben und niedrigere Gewinne bescheren würde. Da aber Profit alles ist im Kapitalismus, wird niemand darauf verzichten, denn sie wollen ja reich und oben an der Macht bleiben und auf dem Markt mithalten. Wie wollt ihr also mit BGE für tatsächlich gerechtere Aufteilung der Arbeit sorgen?
Äh, das würde sich ja daraus ergeben, dass niemand mehr einen Job annehmen würde, der ihm zuwieder ist, und z.B. jemand mal probieren könnte, Schreiner zu werden, wenn er den Job mag, aber keine Ausbildung dafür hat.

Das ist gemeint.

Zitat:
10. Was passiert mit den Rentnern, die ihr Leben lang schwer gerackert haben? Müssen die dann alleine vom BGE leben, wenn sie zu alt zum Arbeiten sind und ggf. ihr hart erarbeitetes Haus verscherbeln, weil sie davon die Hypothekenraten nicht mehr zahlen können?
Man müsste tatsächlich geeignete Übergangsreglungen für Rente etc. treffen. Du vergisst aber auch, dass jemand, der eine Hypothek auf sein Haus abbezahlen muss, dieses eben nicht "hart erarbeitet" hat, sondern auf Pump gekauft und jetzt ggf. rumnölt, dass die Gesellschaft sich verändert.

Zitat:
11. Die heutigen Probleme entstehen vor allem dadurch, dass sich das Kapital in den Händen der Kapitalbesitzer durch ihr Einheimsen von Profiten stetig mehrt. Das heißt: Diese Mittel werden dem Rest der Bevölkerung entzogen. Das Prinzip wird durch ein BGE so wenig außer Kraft gesetzt, wie der Kapitalismus selbst.
Doch, das BGE müsste ja von Steuern bezahlt werden. Die muss irgendjemand zahlen. Und das sind genau die Kapitalisten.

Zitat:
Das Privateigentum, also auch Kapitalbesitz (es geht um Produktionsmittel und Finanzkapital, nicht um die Zahnbürste!) ist allerdings im System geschützt. Das heißt: Da es geschützt ist, werden die Besitzlosen immer mehr und immer ärmer. Wie wollt ihr das sowie die materielle Ungleichheit mit einem BGE verhindern bzw. eindämmen?
Analyse korrekt. Man könnte von einer Verelendungstheorie sprechen. Die Aufgabe des BGE ist es, die Ursachen für diese Verelendung zu beseitigen. Auf lange Frist kann es sogar dazu führen, dass die krassen Ungleichheiten aufgehoben werden, weil ja die Reichen zur Kasse gebeten werden und die Armen Geld bekommen.

Zitat:
12. Da es weiter um Profite geht, werden auch die Rüstungskonzerne weiter produzieren und Waffen verscherbeln. Da auch der Arbeiter gerne seine Privilegien gegenüber dem Nur-BGE-Bezieher sichern will, wird er weiter dort arbeiten. Wie wollt ihr also Rüstungsexporte und Kriege mit einem BGE verhindern?
Da verstehe ich die Frage nicht einmal.

Zitat:
Mein Fazit: Solange der Kapitalismus für die Besitzenden so weiter floriert und nicht genug Leute aufzutreiben sind, die ihn abschaffen wollen, sollte man vielleicht erst mal daran arbeiten, dass jeder, der sein Leben nicht aus Erwerbsarbeit bestreiten kann, aus welchen Gründen auch immer, ein Grundrecht auf ausreichende Sicherung seiner Existenz (auf Nahrung, Wohnen, Mobilität, Kleidung und Teilhabe) erhält. Selbst für diesen Kampf reicht die Kraft derzeit ja nicht mal aus. Ein Projekt zu beschwören, dass innerhalb der heutigen Bedingungen gar nicht funktionieren kann, halte angesichts dessen für utopistische Träumerei und verschwendete Energie.
Also: alles weiter wie bisher?

Zitat:
Dann lieber eine Partei zum "Bonzen enteignen" aufbauen.
Naja, das BGE wird ja dazu führen. Da stellst Du Dich dumm.
__________________
Perfidulo: Ich hatte erst vor, einen Roman darüber [über das verschwundene Mittelalter] zu schreiben.
Groschenjunge: Was ist der Unterschied zum Jetzt?
Perfidulo: Es quasseln nicht dauernd Leute dazwischen.
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